An der Strasse von Malakka – holländische und andere Erinnerungen

06.07.2015 |  Von  |  Asien
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An der Strasse von Malakka – holländische und andere Erinnerungen
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Die Strasse von Malakka ist ein Hotspot der internationalen Seeschifffahrt. Dies gilt nicht nur für unsere heutige Zeit – bereits seit Jahrhunderten bildet sie eine entscheidende Verbindung zwischen dem pazifischen und dem indischen Raum.

Aufgrund der strategischen Bedeutung zog die Region seit jeher das Interesse fremder Mächte auf sich. In Malakka und George Town – zwei Küstenstädten im heutigen Malaysia an der Strasse von Malakka – ist dies immer noch deutlich zu spüren.

Handelsroute von überragender Bedeutung

Die Meerenge zwischen der malaiischen Halbinsel und dem indonesischen Sumatra ist ein Nadelöhr. Rund 800 Kilometer beträgt die Entfernung zwischen Banda Aceh an der Nordspitze von Sumatra und dem Stadtstaat Singapur, die die Nord-Süd-Länge der Strasse von Malakka kennzeichnet. Die Breite schwankt zwischen 300 und 50 Kilometern. In ihrem südlichen Teil ist die Strasse von Malakka besonders schmal. Hier drängen sich die Tanker und Frachtschiffe aus aller Herren Länder geradezu, und man befürchtet fast einen Schiffsstau. Täglich sollen rund 2000 Schiffe die Meerenge passieren, rund ein Viertel der auf See transportierten Güter weltweit wird hier durchgeschleust.

Die ersten Europäer, die in der Region Fuss fassten, waren die Portugiesen. Anfang des 16. Jahrhunderts gewannen sie die Kontrolle über die Strasse von Malakka und kontrollierten damit den Gewürzmarkt und den indisch-chinesischen Handel. Später sollten Holländer und Engländer folgen. Sie bestimmten die Geschicke der Region bis nach dem Zweiten Weltkrieg.

Malakka – Portugiesen, Holländer und Engländer

Eine zentrale Rolle spielte dabei lange die Stadt Malakka, nach der die Meerenge benannt ist. Sie liegt auf halbem Wege zwischen Singapur und Kuala Lumpur und barg über viele Jahrhunderte den wichtigsten Hafen an der Strasse von Malakka. Heute hat sie für die Schifffahrt nur noch eine untergeordnete Bedeutung. Der Hafen der Stadt hat für die Übersee-Giganten einfach nicht genügend Tiefgang. Dafür besitzt Malakka eine Reihe touristischer Attraktionen und eine Vielzahl historischer Sehenswürdigkeiten.

Ursprünglich wurde die Stadt wohl von Chinesen als Stützpunkt für den Handel mit Pfeffer von den Gewürzinseln und mit Sandelholz von Timor gegründet. Später mischten auch Araber und Inder bei den Geschäften mit, während die Chinesen sich mit der zunehmenden Abschottung ihres Reiches zurückzogen. Eine Glanzzeit erlebte die Stadt im 16. Jahrhundert als Mittelpunkt des Sultanats Malakka, das über Territorien auf beiden Seiten der Meerenge verfügte.



Die Portugiesen setzten dem Sultanat 1511 mit der Eroberung der Stadt ein Ende. Es war Afonso de Albuquerque, der Gouverneur von Portugiesisch-Indien, der dank überlegener Waffen- und Schiffstechnik den Sultan bezwang. Die Portugiesen sollten bis 1641 die Geschicke der Stadt lenken. Malakka entwickelte sich unter ihrer Herrschaft zu einem wichtigen Stützpunkt des portugiesischen Seefahrts- und Handelsnetzes in Ostasien, dessen Hauptzentrum im indischen Goa lag. Malakka war Zwischenstation für von dort aus angesteuerte Handelsziele im heutigen Indonesien und in Timor. Die Schiffe waren dabei immer auf günstige Monsunwinde angewiesen und nutzten Malakka als zeitweiligen Ankerplatz und für Warenumladungen.

1641 konnten die Holländer die Stadt den Portugiesen entreissen. Fortan bestimmten sie den Handel in der Region, der wesentlich von der niederländischen Ostindien-Kompanie geprägt wurde. Mit Niederländisch-Indien – dem späteren Indonesien – besassen sie ausserdem ein ausgedehntes Kolonialreich in Südostasien. In der holländischen Zeit entstanden viele Bauten im historischen Stadtzentrum von Malakka, die heute noch zu bewundern sind. 1826 mussten die Holländer allerdings die Herrschaft über die Stadt an die Briten abtreten, die von Indien her allmählich die Kontrolle über die malaiische Halbinsel gewonnen hatten. Die britische Regierung sollte bis zur Unabhängigkeit Malaysias im Jahr 1957 dauern. 

Holländisches am Roten Platz von Malakka

Das holländische Herz von Malakka schlägt immer noch am zentralen Roten Platz in der Altstadt, der wegen der roten Fassaden seiner Gebäude so genannt wird. Die Hauptattraktionen sind hier das ehemalige holländische Stadthuys und die Christuskirche, beide ebenfalls in Rottönen gehalten. Das Stadthuys ist heute Sitz des Historischen Museums, das sich mit der Kolonialgeschichte befasst. An die Kolonialzeit verschiedener europäischer Nationen erinnern auch mehrere Kirchen in der Stadt.


Die Hauptattraktionen sind hier das ehemalige holländische Stadthuys und die Christuskirche, beide ebenfalls in Rottönen gehalten. (Bild: © rehoboth foto - shutterstock.com)

Die Hauptattraktionen sind hier das ehemalige holländische Stadthuys und die Christuskirche, beide ebenfalls in Rottönen gehalten. (Bild: © rehoboth foto – shutterstock.com)


Relativ wenig ist dabei aus der portugiesischen Ära erhalten. Die Porta de Santiago ist ein Tor der ehemaligen portugiesischen Festung A’Famosa, die später geschleift wurde. Auf einem nahen Hügel befindet sich noch die Ruine der St.-Pauls-Kirche, ursprünglich von einem portugiesischen Kapitän erbaut, später Begräbnis-Kapelle vornehmer Holländer. Im alten Hafen erinnert die Flor de Mar, der Nachbau einer Karavelle aus dem 16. Jahrhundert, an den Seehandel der Portugiesen.

Ansonsten kommt in den Sehenswürdigkeiten die Vielfalt der unterschiedlichen Kulturen zum Ausdruck, die die Stadtgeschichte geprägt haben. Die chinesische Präsenz ist im Viertel Chinatown gegenwärtig. Der Cheng-Hoon-Teng-Tempel in diesem Stadtbezirk soll der älteste chinesische Tempel in Malaysia überhaupt sein. An die traditionelle chinesische Lebensweise erinnert das Baba Nyonya Heritage Museum, das sich in einem noch komplett erhaltenen Wohnhaus in Chinatown befindet. Der hinduistische Sri-Poyatha-Moorthi-Tempel aus dem 18. Jahrhundert, der ebenfalls einer der ältesten dieser Art in der Region ist, weist dagegen auf die indischen Einflüsse hin. Ein Wahrzeichen der Neuzeit bildet die 2006 eröffnete Strasse-von-Malakka-Moschee, die spektakulär auf einer künstlichen Insel in der Meerenge errichtet wurde. Ein Nachbau des Sultanspalastes stellt eine Reminiszenz an die vorkoloniale Ära und die Zeit der Sultane dar.


Im alten Hafen erinnert die Flor de Mar, der Nachbau einer Karavelle aus dem 16. Jahrhundert, an den Seehandel der Portugiesen. (Bild: © GUANLIN LI - shutterstock.com)

Im alten Hafen erinnert die Flor de Mar, der Nachbau einer Karavelle aus dem 16. Jahrhundert, an den Seehandel der Portugiesen. (Bild: © GUANLIN LI – shutterstock.com)


George Town – britische Konkurrenz zu Malakka

In vielem hat sich Malakka noch den Charme einer Kleinstadt bewahrt. Moderne Hochhausbauten sind hier eher eine Ausnahmeerscheinung. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass die Briten Malakka nach der Erlangung der Herrschaft nicht besonders wichtig fanden. Sie verfügten mit George Town bereits über einen eigenen bedeutenden Hafen, der Malakka dann immer mehr den Rang ablaufen sollte. George Town ist auch heute noch eine der wichtigsten Hafenstädte Malaysias. Die Briten gründeten die Stadt 1786 als Stützpunkt ihrer Ostindien-Kompanie auf der Insel Penang. Dieser Name wird in Malaysia heute oft auch synonym für die Insel und die Stadt verwandt. Penang befindet sich rund 500 Kilometer nördlich von Malakka und liegt dort, wo die Meerenge sich allmählich in die Andamanensee hin ausweitet.


George Town ist auch heute noch eine der wichtigsten Hafenstädte Malaysias. (Bild: © Chris Jenner - shutterstock.com)

George Town ist auch heute noch eine der wichtigsten Hafenstädte Malaysias. (Bild: © Chris Jenner – shutterstock.com)


George Town, das seinen Namen nach dem britischen König Georg III. erhielt, bietet Besuchern ein ebenso buntes Kulturgemisch wie Malakka. Bei dem europäischen Element ist der britische Einfluss prägend. Das Empire zeigt sich zum Beispiel noch in der Festung Cornwallis, deren Kanonen nach wie vor warnend von den Mauern ragen, oder dem Uhrturm nahe der Landspitze der Insel. Er wurde einst zum 60-jährigen Thronjubiläum von Queen Victoria errichtet.

Ähnlich wie Malakka präsentiert George Town ein buntes Gemisch an Kirchen, Moscheen und Hindu-Tempeln. Eindrucksvoll sind zum Beispiel die Kapitän-Kling-Moschee, der hinduistische Sri-Mahamariamman-Tempel oder der reich verzierte chinesische Khoo-Kongsi-Tempel. In manchen historischen Bauten haben sich die Stile unterschiedlicher Kulturen in einzigartiger Weise verbunden. Die Symbiose aus britischem Kolonialstil und chinesischer Bauweise zum Beispiel führte zu ganz eigenen architektonischen Ergebnissen. Daneben ist George Town aber auch eine moderne Stadt. Hochhäuser und traditionelle Bauten bilden oft überraschende Kontraste.


Ähnlich wie Malakka präsentiert George Town ein buntes Gemisch an Kirchen, Moscheen und Hindu-Tempeln. (Bild: © Pe3k - shutterstock.com)

Ähnlich wie Malakka präsentiert George Town ein buntes Gemisch an Kirchen, Moscheen und Hindu-Tempeln. (Bild: © Pe3k – shutterstock.com)


Zwei einzigartige Kolonialstädte in Malaysia

Es waren die besondere koloniale Vergangenheit der beiden Städte und die Mischung der Kulturen aus Europa, Indien und China, die Experten im Jahr 2008 dazu veranlassten, George Town und Malakka zum UNESCO-Welterbe zu erklären. Beide Städte zusammen spiegeln gut 500 Jahre europäischer Kolonialgeschichte in der Region wider. Kein anderer Ort im heutigen Malaysia kann dies bieten.

 

Oberstes Bild: © fiz_zero – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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