Auf der Route der Industriekultur quer durchs Ruhrgebiet

05.06.2015 |  Von  |  Europa
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Auf der Route der Industriekultur quer durchs Ruhrgebiet
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Das Ruhrgebiet ist mit 5,1 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 4‘435 Quadratkilometern die am dichtesten besiedelte Region in Deutschland. Mehr als 150 Jahre war der „Pott“, wie das Ruhrgebiet von seinen Bewohnern auch liebevoll genannt wird, eines der wichtigsten europäischen Zentren der Kohle- und Stahlindustrie.

Heute ist die Region hingegen geprägt vom Strukturwandel und wird zunehmend auch touristisch erschlossen. Und die Reise in den tiefen Westen von Deutschland lohnt sich, besonders für Besucher mit Interesse an der mehr als 150jährigen Geschichte der Industrialisierung.

Die Route der Industriekultur

Die Route der Industriekultur ist eine Ferienstrasse, die von Duisburg nach Hamm und von Marl nach Hagen führt und den Besucher auf rund 400 Kilometern Streckenlänge 25 so genannte Ankerpunkte mit wichtigen und touristisch besonders attraktiven Industriedenkmälern bietet. Diese können auch auf einer der 26 unterschiedlichen Themenrouten erkundet werden, auf denen teilweise weitere Stationen eingebunden sind. Und wer lieber von Oben einen Blick über die dicht besiedelte Region werfen möchte, nutzt eines der 17 Panoramen der Industrielandschaft, die sich ebenfalls auf dieser Strecke finden.


Die Route der Industriekultur führt von Duisburg nach Hamm und von Marl nach Hagen. (Bild: NatiSythen, Wikimedia, CC)

Die Route der Industriekultur führt von Duisburg nach Hamm und von Marl nach Hagen. (Bild: NatiSythen, Wikimedia, CC)


Gute Vorbereitung ist notwendig

Die schiere Länge der Strecke und die vielen touristisch interessanten Hotspots erfordern eine gute Planung und Vorbereitung der Reise, denn die einzelnen Ziele sind quer über das gesamte Revier verteilt. Noch wichtiger ist die Vorbereitung, wenn die Ferienstrasse nicht per Auto, Bahn oder Bus erkundet werden soll, sondern die Route der Industriekultur per Rad abgefahren wird, denn diese ist immerhin rund 300 Kilometer länger, bietet dafür jedoch auch besonders schöne Radwege, die zudem meist ebenerdig verlaufen und damit auch für die ganze Familie geeignet sind.

Wer plant, die Route der Industriekultur zu erfahren, sollte sich vorab Gedanken dazu machen, welche Regionen besucht werden sollen. Wer die gesamte Route abfahren will, sollte ausreichend Zeit einplanen, da neben der reinen Wegstrecken (die oftmals durch für Besucher erstaunlich grüne und lebendige Natur führen, denn über 60 Prozent der flächenmässigen Ausdehnung des Ruhrgebiets sind als besonders schützenswerte und überörtlich bedeutsame Freiräume klassifiziert) auch Zeit für die Besichtigung der Industriedenkmäler eingeplant werden muss.

Die Ankerpunkte sind unverwechselbar mit einem gelben Kreis mit braunem Rand gekennzeichnet, die eigentliche Route ist mit Streckenschildern ausgeschildert, dennoch empfiehlt es sich, die geplante Route im Navigationsgerät einzuspeichern oder sich mit einer aktuellen Karte zu orientieren.


Elefantenformiges Gebäude im Maximilianpark, Hamm (Bild: Picture8, Wikimedia, public domain)

Elefantenformiges Gebäude im Maximilianpark, Hamm (Bild: Picture8, Wikimedia, public domain)


Streckenführung

Wer die gesamte Route der Industriekultur ab- und erfahren will, kann den Rundkurs natürlich an jedem Ort beginnen. Etwa in Hagen, wo etwa das Westfälische Freilichtmuseum vermittelt, wie in der Region vor Beginn der Industrialisierung gelebt und gewohnt wurde. Richtung Westen geht es dann weiter über Witten und Hattingen nach Essen, wo das Weltkulturerbe Zeche Zollverein und die zugehörige Kokerei den Besucher empfangen. Über Mülheim geht es zum Innenhafen von Duisburg, dem grössten Binnenhafen Europas und zum Landschaftspark Nord, der auf einem ehemaligen Hüttengelände errichtet wurde und zahlreiche Attraktionen bietet, etwa ein Tauchrevier im örtlichen Gasometer.


Hagen: Westfälisches Landesmuseum für Handwerk und Technik. (Bild: Marc Ryckaert, Wikimedia, CC)

Hagen: Westfälisches Landesmuseum für Handwerk und Technik. (Bild: Marc Ryckaert, Wikimedia, CC)


Von Duisburg führt die Strecke weiter in das benachbarte Oberhausen, wo mit dem dortigen Gasometer die höchste Ausstellungshalle Europas (117,5 m) den Besucher erwartet. Dieser bietet nicht nur Raum für interessante Ausstellungen und Installationen (unter anderem war der Verpackungskünstler Christo bereits zweimal, 1999 und 2013, hier mit einer Installation vertreten), sondern auch einen exzellenten Fernblick über die Umgebung. Dicht daneben befindet sich das CentrO, das mit 119‘000 m² Verkaufsfläche das grösste Einkaufs- und Freizeitzentrum in Europa darstellt und daher von Touristen aus aller Welt frequentiert wird.


Luftaufnahme vom Landschaftspark Duisburg Nord (Bild: Air-Quad UG, Wikimedia, CC)

Luftaufnahme vom Landschaftspark Duisburg Nord (Bild: Air-Quad UG, Wikimedia, CC)


Weiter in Richtung Osten warten der Nordsternpark in Gelsenkirchen und wenig entfernt die Jahrhunderthalle in Bochum auf Besucher. Wer mag, kann hier nach Norden abzweigen und in Recklinghausen das Umspannwerk besichtigen, das heute ein Museum beherbergt. Und weiter nach Marl reisen, um den dortigen Chemiepark im Rahmen der etwa 90 minütigen Werksrundfahrt zu besichtigen. Oder man bleibt auf der Hauptroute und erreicht das Schiffshebewerk Henrichenburg und den Schleusenpart in Waltrop. Auch das Dattelner Meer (das in der Tat nur ein Kanalkreuz ist, wenngleich auch das grösste seiner Art in Europa, auch wenn es im Vergleich etwa zum Panama-Kanal deutlich übersichtlicher dimensioniert ist) ist nicht weit entfernt und einen Abstecher wert.


Tranformerstation in Recklinghausen (Bild: Arnold Paul, Wikimedia, CC)

Tranformerstation in Recklinghausen (Bild: Arnold Paul, Wikimedia, CC)


Weiter im Osten liegt Dortmund, das mit der Zeche Zollern, der DASA Arbeitswelt-Ausstellung und der Kokerei Hansa gleich drei Ankerpunkte auf der Strecke bietet. Von hier aus geht es noch weiter an den östlichen Rand des Ruhrgebietes nach Hamm, wo auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Maximilian der Maximilianpark entstanden ist. Anschliessend geht die Route weiter nach Unna und über die Emscher wieder zurück nach Hagen.


Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund (Bild: Raimond Spekking, Wikimedia, CC)

Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund (Bild: Raimond Spekking, Wikimedia, CC)


Panoramen der Industrielandschaft

Das Ruhrgebiet ist in seiner Ausdehnung oft nur wenige Meter über Meer und sehr eben, allerdings wurden im Zuge des Kohleabbaus und der Kokereien zahlreiche Halden aufgeschüttet, die heute als Aussichtsportale dienen. Besonders gute Sicht haben Besucher vom Tetraeder in Bottrop-Batenbrock, hier wurde auf eine 65 m hohe Halde ein 60 m hoher Stahl-Tetraeder errichtet, der in der Nacht beleuchtet wird und als Landmarke dient. Der Aufstieg ist durchaus mühselig, lohnt sich jedoch, da sich ein unvergleichlicher Rund- und Weitblick über die umliegenden Regionen bietet.



Eine Besonderheit ist auch der Tiger & Turtle Magic Mountain in Duisburg-Angerhausen, die von Weiten wie eine Achterbahn wirkt, jedoch nur zu Fuss begangen werden kann. Das Kunstwerk wurde erst 2011 eröffnet und ist seitdem ein Touristenmagnet, auch wenn der Weitblick aufgrund der geringen Höhe begrenzt ist.

Besonders weit lässt sich dafür von Dortmunder Fernsehturm Florian blicken, der mit einer Höhe von mehr als 200 m deutlich aus der Landschaft hervorsticht. Besucher dürfen zwar nur bis in etwa 140 m Höhe aufsteigen (hier befinden sich Aussichtsplattform und Restaurant), doch auch aus dieser Höhe wirkt die Welt unten wie aus Spielzeug.

Fazit: Das Ruhrgebiet bietet mit der Route der Industriekultur einen Rundweg durch alte und neue Ansichten des Reviers und zugleich eine moderne Touristenattraktion, die die Region deutlich aufwertet und den Strukturwandel unterstützt. Interessenten können sich auf den Seiten des Trägers Regionalverbandes Ruhr über Sehenswürdigkeiten, Öffnungszeiten und besondere Ausflugtipps informieren.

 

Oberstes Bild: Panoramabild vom Landschaftspark Duisburg-Nord (© kaʁstn, Wikimedia, CC)

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Über Christian Praetorius

Christian Praetorius, Jahrgang 1969, gelernter Controller und Logistiker mit jahrelanger Berufserfahrung. Seit 2012 gemeinsam mit seiner Frau Christine als freier Texter und Autor selbständig, erfolgreich und glücklich. Seine Kunden schätzen ihn für klare Worte, originelle Slogans und kreative Wortspiele ebenso wie für seine absolute Zuverlässigkeit und Kundenorientierung. Schreibt aus Berufung und mit Leidenschaft für die Sprache, die Botschaft und den Leser.


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