Avila – spanisches Zentrum des Katholizismus

31.03.2015 |  Von  |  Europa, Spanien
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Avila – spanisches Zentrum des Katholizismus
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Spanien gilt seit jeher als eine Festung des Katholizismus. Kaum ein anderes Land auf dem Globus hat so viele bedeutende Geistliche, Heilige und Orden hervorgebracht, die bis heute die Katholische Kirche prägen. Und wenn auch hier wie vielerorts in Europa die Kraft des Glaubens nachgelassen hat, gibt es nach wie vor Orte, die für diese katholische Tradition stehen. Dazu gehört ohne Zweifel Avila.

Avila befindet sich etwa 100 Kilometer nordwestlich von Madrid mitten in Kastilien, dem historischen Kernland Spaniens. Die Stadt hat mit knapp 60.000 Einwohnern eine eher bescheidene Grösse und liegt auf mehr als tausend Meter Höhe in einer trockenen, dünn besiedelten Hochebene. Avila wurde dabei einst strategisch günstig auf einem felsigen Hügel oberhalb des Flüsschens Adaja errichtet.



Die Stadtmauer von Avila (Bild: Son of Groucho, Wikimedia, CC)

Die Stadtmauer von Avila (Bild: Son of Groucho, Wikimedia, CC)

Aus Dornröschenschlaf erwacht

Besiedelt war der Ort bereits in vorrömischer Zeit. Unter römischer Herrschaft wurde sie zu einer typischen Provinzstadt in Hispania ausgebaut. Schon damals trug sie den Namen „Abila“, der sich über die Zeitläufte nur geringfügig verändert hat. Später wurde sie zu einem Zentrum der Westgoten im heutigen Spanien, dann kamen die Araber. 1088 erfolgte die christliche Eroberung von den bis dahin herrschenden Mauren. Ihre grösste Blütezeit erlebte die Stadt aber im 16. Jahrhundert unter den ersten spanischen Königen. Der erfolgreiche Abschluss der Reconquista begünstigte die Stadt sehr und führte zu grossem wirtschaftlichem Wohlstand. Später sorgten Pestepidemien, die Vertreibung der Morisken – getaufter Araber – und der Juden sowie der Aufstieg von Madrid als Hauptstadt für einen langen Niedergang, von dem sich die Stadt erst in der Neuzeit wieder erholt hat.



Es mag dieser jahrhundertelange „Dornröschenschlaf“ gewesen sein, der das mittelalterliche Bild bis heute nahezu unversehrt bewahrt hat – ein Grund, warum Avila 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Beim Blick auf die Stadt drängt sich das Bild einer Festung unmittelbar auf, denn ihr Wahrzeichen ist die gewaltige wehrhafte Stadtmauer, die die ältesten Teile des historischen Zentrums immer noch vollständig umschliesst. Bis zu drei Meter dicke und zwölf Meter hohe Mauern mit 88 zinnenbewehrten halbrunden Türmen umgeben die Altstadt in einem unregelmässigen Rechteck. Durch neun Tore hat man Zugang zu den Strassen und Plätzen, die im Schutz dahinter liegen. Die Stadtmauer ist ein Werk der Romanik und im 11. bis 14. Jahrhundert entstanden. Sie stammt damit aus einer Zeit, als Avila im Grenzland zum maurischen Spanien lag und nach der Eroberung befestigt werden musste. Bereits im Mittelalter wuchs die Stadt allerdings über diese Mauern hinaus. So kommt es, dass etliche der historischen Sehenswürdigkeiten nicht nur innerhalb des Mauerbereichs zu finden sind.

Die Kathedrale von Avila (Bild: PMRMaeyaert, Wikimedia, CC)

Die Kathedrale von Avila (Bild: PMRMaeyaert, Wikimedia, CC)




Eine Festung des Glaubens

Auch im übertragenen Sinne ist Avila eine Festung – eine Festung des Glaubens und Bewahrens. Eine Vielzahl an bedeutenden Kirchen und Klöstern sind hier entstanden. Einige davon wirken in ihrer wuchtigen gedrungenen Bauweise selbst fast ein wenig wie Burgen. Das gilt zum Beispiel für die Hauptkirche der Stadt, die Kathedrale. Die Catedral del Salvador wurde ab dem 12. Jahrhundert am Übergang von der Romanik zur Gotik errichtet. Im Inneren zeigt sie sich in typisch gotischem Erscheinungsbild mit hohen Kreuzgewölben, nach aussen präsentiert sie sich wehrhaft, das Halbrund ihres Chores bildet dabei selbst einen Teil der Stadtbefestigung und ist entsprechend massiv gestaltet.

Auch die Basilika San Vicente ist ein vergleichbar wuchtiger Bau. Er ist etwa zur selben Zeit erbaut worden wie die Kathedrale und zeigt daher ebenfalls frühe Stilelemente der Gotik. Sie lockern die ansonsten streng wirkende Fassade auf, dennoch fehlt dem Bau der sonst bei gotischen Kirchen anzutreffende Eindruck filigraner Leichtigkeit. Romanische Kirchen hat Avila einige zu bieten. Die bedeutendsten Beispiele sind San Pedro, Santo Tomás und San Andrés. Letztere Kirche gilt als ältester romanischer Bau, der zeitgleich mit der Stadtmauer errichtet wurde.

Die Basilika San Vicente in Avila (Bild: Zarateman, Wikimedia, CC)

Die Basilika San Vicente in Avila (Bild: Zarateman, Wikimedia, CC)




Die Heilige Teresa von Avila

In einer späteren Epoche ist das Convento de San José entstanden. Das Konventsgebäude mit Kirche stammt aus der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock. Es handelt sich um die erste Klostergründung von Teresa von Avila, der berühmtesten Tochter der Stadt, und bildet heute ein nationales spanisches Monument. Die Heilige, Kirchenlehrerin und Mystikerin wurde 1515 in Avila geboren und trat später dem Karmelitinnen-Orden bei. Ihre mystischen Erfahrungen und Visionen geniessen bis heute hohe Anerkennung. 1970 wurde sie als erste Frau in der katholischen Kirche überhaupt zur Kirchenlehrerin erhoben. Noch zwei weitere Klöster der Stadt sind mit ihrem Namen und Wirken verbunden, das Convento de Santa Teresa an der Stelle ihres Geburtshauses und das Convento de la Encarnación, wo sie Priorin war.

Plaza de Santa Teresa in Avila (Xavier Béjar, Wikimedia, CC)

Plaza de Santa Teresa in Avila (Xavier Béjar, Wikimedia, CC)

Renaissance-Paläste

Aber Avila hat noch mehr Baudenkmäler zu bieten als nur Kirchen und Klöster. Das Haus der Dekane ist zum Beispiel ein palastartiges Renaissance-Anwesen im Umfeld der Kathedrale, in dem einst hohe Geistliche wohnten, die dort ihren Dienst versahen. Ebenfalls schöne Renaissancebauten stellen die Palacios de los Superunda und de los Verdugo dar, ehemalige Adelssitze. Aus der gleichen Zeit stammt der Torreón de los Guzmanes, ein adliger Wohnturm. Adelspaläste gibt es noch zahlreiche im historischen Zentrum. Dass sie überwiegend in der Renaissance entstanden sind, ist kein Zufall. In dieser Epoche erlebte Avila seine Hochzeit, später zog der Adel lieber ins aufstrebende Madrid.

So scheint in den Bauten Avilas die Zeit in gewisser Weise stehen geblieben zu sein. Die Stadt hat sich nicht zuletzt deshalb ihr geschlossenes Erscheinungsbild über die Jahrhunderte bewahrt. In ihren Kirchen und Klöstern kommt die traditionell enge Verbindung der spanischen Nation zum Katholizismus in besonderer Intensität zum Ausdruck – ein Band, das lockerer geworden ist, aber immer noch hält. Kaum sonstwo ist Spanien so authentisch spanisch wie hier.



 

Oberstes Bild: Auch heute noch zeigt Avila sein mittelalterliches Stadtbild. (© Marques / Shutterstock.com)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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