Danzig und die Marienburg

26.06.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Danzig und die Marienburg
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Nur wenige Städte sind so mit historischen Ereignissen und Umbrüchen verknüpft wie die alte Hanse- und Hafenstadt Danzig, das heutige polnische Gdansk, das an der Weichselmündung zur Ostsee liegt. Hier begann mit dem Beschuss der Westerplatte der Zweite Weltkrieg; die Streiks in der Danziger Lenin-Werft 1980 markierten den Anfang vom Ende des Kommunismus in Polen und dem gesamten ehemaligen Ostblock.

Deutsche und polnische Geschichte haben sich hier vielfach gekreuzt, überschnitten und in unheilvoller Weise miteinander verbunden. Der Zweite Weltkrieg führte zur fast völligen Zerstörung der Stadt und zur Flucht oder Vertreibung der deutschen Bevölkerung. Den nachfolgenden polnischen Bewohnern ist der originalgetreue Wiederaufbau der Altstadt zu verdanken, die Danzig auch heute zu einem besonders sehenswerten Ziel macht. Die dunklen Schatten der Vergangenheit scheinen verflogen. Danzig hat im zusammenwachsenden Europa seinen Platz gefunden.



Wechselhafte Vergangenheit

Eine der ersten Erwähnungen Danzigs stammt aus dem 10. Jahrhundert. Unter slawischen Herrschern siedelten sich hier im Mittelalter deutsche Kaufleute an. Später übernahm der Deutsche Orden die Kontrolle über die Stadt. Mit dessen Niedergang kam Danzig unter polnische Oberhoheit, erlangte aber als Freie Stadtrepublik über Jahrhunderte eine weitgehend unabhängige Stellung. Dies war die Glanzzeit der Stadt, in der die schönsten Sehenswürdigkeiten entstanden.

Mit der Teilung Polens wurde Danzig 1793 preussisch und später deutsch. Der Erste Weltkrieg bescherte der Stadt 1919 den Status als Freie Stadt unter polnischem Einfluss. 1939 folgte die erneute Eingliederung ins Deutsche Reich und 1945 die Zuordnung zum neu entstandenen Polen.

Blick vom Langen Markt auf das Grüne Tor (Bild: DerHexer, Wikimedia, CC)

Blick vom Langen Markt auf das Grüne Tor (Bild: DerHexer, Wikimedia, CC)




Marienkirche – eindrucksvolle Backsteingotik

Zwei Bauten bilden die bekannten Wahrzeichen der Stadt: die Marienkirche und das Krantor. Die im 14./15. Jahrhundert entstandene Marienkirche ist eines der eindrucksvollsten Beispiele norddeutscher Backsteingotik. Sie verfügt mit über 100 Metern Länge und mehr als 60 Metern Breite über beachtliche Ausmasse und ist damit eine der grössten gotischen Kirchen überhaupt. Ein wertvolles Ausstattungsstück, das Triptychon des Brügger Malers Hans Memling, ist heute im Nationalmuseum Danzig zu sehen.



Zum Komplex der Marienkirche gehört auch die barocke königliche Kapelle, die dem katholischen polnischen König vorbehalten war. Von der Kirche aus führt die Frauengasse zum Frauentor, einem mittelalterlichen Stadttor am Flusshafen. Die Frauengasse ist mit ihren schmalen Bürgerhäusern ein typisches Beispiel früherer Danziger Architektur.

Marienkirche in Danzig im Profil (Bild: Brunswyk, Wikimedia, CC)

Marienkirche in Danzig im Profil (Bild: Brunswyk, Wikimedia, CC)

Krantor und Altstadt

Auch das Krantor ist ein Werk der Backsteingotik. Es hatte ausschliesslich wirtschaftliche Funktion und diente als Stadttor und als Hebewerk für Be- und Entladungen der am Flusshafen ankernden Schiffe. Das Herz der Altstadt bilden der Lange Markt und in der Verlängerung die Langgasse. Hier wurden viele prächtige Bürger- und Kaufmannshäuser aus Danzigs grosser Zeit rekonstruiert und erscheinen heute in ihrem alten Glanz.

Renaissance und Barock prägen viele Fassaden. Zu den grossartigen Bauten am Langen Markt gehören das Rechtsstädtische Rathaus mit seinem hohen schlanken Turm, der Artushof mit Neptunbrunnen und das Grüne Tor. Noch viele sehenswerte historische Baudenkmäler sind im Bereich der Danziger Innenstadt zu entdecken.





Krantor und Altstadt (Bild: Aussteiger21, Wikimedia, CC)

Krantor und Altstadt (Bild: Aussteiger21, Wikimedia, CC)

Der Deutsche Orden

Die Geschichte Danzigs und der ganzen Region ist eng mit dem Deutschen Orden verknüpft. Ursprünglich im Heiligen Land entstanden, verlagerte der Orden seinen Schwerpunkt nach der muslimischen Eroberung Jerusalems und der anderen Kreuzrittergebiete ins frühere Ostpreussen und das Baltikum. Hier ging es um die Unterwerfung und Christianisierung der heidnischen Ureinwohner, insbesondere der Pruzzen.

Deutsche Siedler folgten. Zur Sicherung des Ordenslandes wurden mächtige Burgen errichtet. Viele sind heute zumindest als Ruinen noch erhalten. Das eindrucksvollste Bollwerk dieser Art ist sicher die Marienburg.

Marienburg – Herz des Ordensstaats

Sie liegt etwa 60 Kilometer südöstlich von Danzig an der Nogat, einem Seitenarm der Weichsel. Hier residierte einst der Hochmeister des Deutschen Ordens, der den Ordensstaat regierte. Die Marienburg gilt als der grösste europäische Backsteinbau. Ihre Anlage ist ein Zeugnis der Wehrhaftigkeit und der Macht des Deutschen Ordens. Auch sie wurde im Zweiten Weltkrieg zu grossen Teil zerstört und danach wiederaufgebaut.

Panorama der Marienburg (Bild: DerHexer, Wikimedia, CC)

Panorama der Marienburg (Bild: DerHexer, Wikimedia, CC)

Weltliche und geistliche Bauten

Der Burgkomplex ist in mehreren Phasen vor allem im 13. bis 15. Jahrhundert entstanden. Den ältesten Teil stellt das sogenannte Hochschloss dar, es diente als Konventshaus des Ordens und umfasst u. a. den Schlafsaal, die Kapelle und den Kapitelsaal. Das Mittelschloss war vor allem für weltliche Zwecke gedacht. Hier befanden sich Verwaltungseinrichtungen und der Hochmeister-Palast.

Höhepunkte der Palasträumlichkeiten sind der Sommer- und der Winterremter, zwei jeweils von einer Säule getragene Säle, die Repräsentationszwecken dienten. Zu dem gesamten Baukomplex gehören auch noch das Vorschloss mit dem Komturhaus, die gotische Marienkirche sowie die umgebenden Mauern.

Literarisches Denkmal – die Blechtrommel

Wer den deutschen und polnischen Wurzeln der Region um Danzig nachspüren möchte, sollte den berühmten Roman „Die Blechtrommel“ des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass lesen. Der selbst aus Danzig stammende Schriftsteller lässt in seinem Buch die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse und Wechselfälle der Geschichte, die für Danzig so typisch sind, wieder lebendig werden.



 

Oberstes Bild: (© www.gdansk.pl, Gdansk City Hall, Wikimedia)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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