Der unbekannte Norden Neuseelands

29.07.2015 |  Von  |  Australien
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Der unbekannte Norden Neuseelands
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Neuseeland, das „Land der langen weissen Wolke“: „Das ist doch das Paradies für Bungee-Springer, Skydiver und andere Extremsportler?“ Dabei hat der Inselstaat um einiges mehr zu bieten.

Vor einiger Zeit war ich wie so viele junge Leute in meinem Alter unterwegs, um die Welt zu entdecken. Da blieb ein Jahr „Work & Travel“ in Neuseeland natürlich nicht aus.

Ich plante, direkt das ganze Land in mich aufzusaugen und alle Winkel zu erkunden. Doch es kam anders. Ich bekam einen guten Job in Auckland und hing dort für ganze neun Monate fest. Eine Zeit ohne zu reisen? Falsch! Denn wofür gibt es Wochenenden? Und die wurden genutzt.

An einem langen Wochenende im neuseeländischen Herbst machten wir – drei weitere Backpacker und ich – uns auf den Weg zum nördlichsten Punkt Neuseelands.

Nur zwei Stunden reine Fahrtzeit planten wir für den ersten Tag von Auckland nach Whangarei ein. Was sich kurz anhört, war für uns eine lange Reise, denn immer wieder gab es schöne Aussichten und Fotostopps für uns.

Whangarei selber hat nicht viel zu bieten. Wenn auch offiziell keine Stadt, wird sie gerne als „nördlichste Stadt Neuseelands“ bezeichnet. Ab hier sollten wir am nächsten Tag nur noch durch kleine Ortschaften und wunderbare Natur fahren.


Die Whangarei Falls

Die Whangarei Falls


Schon am nächsten Tag zeigte uns Neuseeland, was es zu bieten hat. Wasserfälle haben mich schon immer begeistert. Tosende Wassermassen, die einen Hang oder Berg hinunterstürzen. Somit durften die Whangarei Falls natürlich nicht fehlen. Diese sind natürlich nicht einfach am Wegesrand zu finden. Kompliziert wird es deswegen dennoch nicht, denn ein kleiner, ca. 30 Minuten langer Rundweg führt an den 26 m hohen Wasserfällen vorbei.

Friedensreich Hundertwasser – wer kennt ihn und seine Kunstwerke nicht? Aber die wenigsten wissen, dass er bis zu seinem Tode in Neuseeland lebte. Um genau zu sein, in einem kleinen Ort namens Kawakawa. Natürlich überliess er der Nachwelt auch hier eins seiner Kunstwerke: die meist fotografierte Toilette Neuseelands – die Hundertwasser-Toilette. Typisch bunt, mit vielen Kacheln und Mustern versehen, dient sie nur einem Zweck: den menschlichen Bedürfnissen.


Die meist fotografierte Toilette Neuseelands – die Hundertwasser-Toilette

Die meist fotografierte Toilette Neuseelands – die Hundertwasser-Toilette


Durch atemberaubende Natur ging es weiter nach Russell. Leider wird der Ort leicht übersehen. Dabei steht hier die älteste Kirche Neuseelands. Wenn wir an „alte Kirchen“ denken, dann denken wir an Bauten aus dem Mittelalter. Bei der noch recht jungen Geschichte Neuseelands darf so etwas jedoch nicht erwartet werden. Die Kirche stammt aus dem Jahre 1836, und noch heute können Einschusslöcher von vergangenen Gefechten begutachtet werden. Diese wurden nie gestopft, um an die Geschichte des Ortes zu erinnern.

Einen letzten Fotostopp mussten wir in Matauri Bay einlegen. Genauer gesagt, am „Rainbow Warrior“-Denkmal. Das versunkene Schiff können wir von hier nicht erspähen, jedoch bietet der Blick entlang der Küste einen guten Grund, dort zu verweilen und die Aussicht zu geniessen.


In Matauri Bay am "Rainbow Warrior"-Denkmal.

In Matauri Bay am „Rainbow Warrior“-Denkmal.


Der Norden ruft – und wir antworten. Der Samstag stand ganz im Zeichen von Cape Reinga. Hier treffen der Pazifische Ozean und die Tasmanische See aufeinander. Vom Leuchtturm gibt es einen Blick entlang der Küste, und zu meinem Erstaunen konnte ich sogar genau sehen, wo sich die beiden Meere die Hand geben.

Über eine Schotterstrasse fuhren wir zu dem Parkplatz, von welchem es nur ein kurzer Fussmarsch zu den Klippen ist, und als wir zurückkamen, stellten wir fest: Der Weg war dem Auto nicht gut bekommen, und wir hatten mit einem platten Reifen zu kämpfen. Aber wofür gibt es andere Backpacker die aushelfen können? Hier heisst es also: Vorsichtig fahren und am besten nur mit geeigneten Autos!


Vom Leuchtturm am Cape Reinga gibt es einen Blick entlang der Küste.

Vom Leuchtturm am Cape Reinga gibt es einen Blick entlang der Küste.


Unser Ziel für den Abend war ein kleines, gemütliches Hostel in Pukenui, doch zuvor wartete ein weiteres Highlight auf uns: der 90-mile-Beach. An der Westküste gelegen, ist der Strand eigentlich nur 55 Meilen lang. Woher der Name stammt, ist unbekannt, doch dafür gibt es mehrere Theorien. Vielleicht hat sich damals auch nur jemand vermessen.

Mit dem richtigen Fahrzeug ist es auch möglich, den kompletten Strand entlang zu fahren. Den Sonnenuntergang, so wurde uns gesagt, muss man vom Strand aus gesehen haben. Somit packten wir etwas zu Essen und Trinken ein und fuhren los.

Nach einem platten Reifen am Cape Reinga legten wir es noch einmal darauf an und fuhren ebenfalls ein kleines Stück auf dem Sand. Diesmal ohne weitere Vorkommnisse. Auf einer einsamen Düne machten wir es uns bequem und genossen das farbenfrohe Spektakel, bei welchem die Sonne am Horizont im Meer versinkt.

Schon war es Sonntag und somit Zeit für uns, zurück nach Auckland zu fahren.

Unterwegs machten wir einige Fotostopps in Rawene und Opononi, bevor wir zum Waipoua Kauri Forest kamen. Riesige Kauribäume sind ein Wahrzeichen Neuseelands und hier stehen drei Viertel dieser Giganten. Fünfzig stattliche Meter können diese Riesen werden bei einem Durchmesser von bis zu vier Metern.


Riesige Kauribäume sind ein Wahrzeichen Neuseelands

Riesige Kauribäume sind ein Wahrzeichen Neuseelands


Ein kleiner Rundgang führt durch den verwunschenen Märchenwald, der sogar zwei richtige „V.I.P.s“ zu bieten hat. Der Tāne Mahuta ist mit seinen ca. 51 Metern einer der grössten Bäume der Welt. Sein Nachbar, der Te Matua Ngahere, ist zwar etwas kleiner, weist dafür aber mit fast 16,5 Metern den grössten Baumumfang in Neuseeland auf. Davor stehend fühlte ich mich direkt noch einmal kleiner, als ich es sowieso schon bin.

Wer hätte gedacht, dass der Norden Neuseelands in so kurzer Zeit so viel zu bieten hat? Wir kehrten mit vielen tollen Eindrücken zurück nach Hause.

Während viele Reisende in Auckland landen und sich per Mietwagen oder Bus direkt auf den Weg in den Süden machen, bleibt der Norden für die meisten unentdeckt. Eigentlich schade – wo er doch so viel zu bieten hat!

 

Bilder: © Melanie Kasüske – world-whisperer.com

Über Melanie Kasüske

Vier Jahre hatte ich das Glück als Schlittenhundeguide in Schweden und Finnland zu arbeiten. Hunde faszinierten mich schon immer und nach diesen vier Jahren kann ich sagen, dass sie einem mehr geben als jemals ein Mensch zu geben vermag.
Inzwischen arbeite ich auf einem Kreuzfahrtschiff und sehe so die Welt während ich arbeite. In meinem Urlaub zieht es mich dennoch immer wieder in die Natur zu diversen Wanderungen, die nicht unbedingt Teil einer Fernreise sein müssen, sondern auch gerne in Deutschland stattfinden können.

Webseite: www.world-whisperer.com


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