Der Vesuv – Zeugnis der Naturgewalten

18.02.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Der Vesuv – Zeugnis der Naturgewalten
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Seit Jahrtausenden fasziniert der Vesuv Seismologen und Reisende aus aller Welt. In nur 15 km Entfernung zum Stadtzentrum von Neapel und inmitten einer der am dichtesten besiedelten Regionen Italiens ist der mächtige Vulkan bis heute aktiv, wie die Schwefeldämpfe und Fumarolen im Kraterinneren bezeugen.

Seit dem letzten Ausbruch im Jahr 1944 befindet sich der Vesuv in einer Ruhephase, die tagtäglich unzählige Besucher aus aller Welt nutzen, um dem Kraterrund des einzigen aktiven Vulkans auf dem europäischen Festland einen Besuch abzustatten. Rund 15 km südöstlich des Vesuvs – nicht weiter entfernt als das Zentrum von Neapel – zeugen die Ruinen der antiken Stadt Pompeji von den unvorstellbaren Kräften, die im Inneren des Berges schlummern.



In seiner heutigen Form besteht der Vesuv eigentlich aus zwei Einzelvulkanen, dem Somma und dem Vesuv, die für die charakteristische zweigeteilte Silhouette des Vulkans verantwortlich sind. Mit einer Höhe von 1281 m ist der Vesuv lediglich ein freigesprengtes Überbleibsel eines alten Schichtvulkans, von dessen gewaltigem Durchmesser der halbkreisförmige Somma noch heute eine Vorstellung bietet.

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Der Vesuv: Geschichte eines Vulkans

Der Vesuv ist keineswegs der einzige Vulkan in der Metropolregion Neapel. Eine ganze Reihe von erloschenen Vulkanen formen die Buchten und Inseln rund um den Golf von Neapel, und die Phlegräischen Felder, ein durch starke vulkanische Aktivität geprägtes Gebiet westlich von Neapel, stellen mit ihren unterirdischen Magmakammern bis heute eine potenzielle Gefahr dar. In dieser vulkanisch sehr aktiven Zone thronte der heutige Vesuv einst als mächtiger Schichtvulkan, dessen Basis rund 1000 m unter dem Meeresspiegel liegt.



Bei einem gewaltigen Ausbruch im Jahr 79 n. Chr. – derselbe, der auch die Stadt Pompeji zerstörte – brach der Vulkankegel auseinander, und im Inneren des Wall-Restes entstand der heutige Vesuv als neuer Tochtervulkan. Seither werden der Vesuv und der äussere Wall-Vulkan Somma als Doppelvulkan angesehen. Dass der Vesuv selbst in der heutigen Ruhephase noch gefährlich ist, zeigte der letzte Ausbruch im Jahr 1944, bei dem trotz Vorwarnung und Evakuierung 26 Menschen starben.

Vesuv und halbkreisförmiger Monte Somma (Bild: Ross Elliott / Wikimedia / CC)

Vesuv und halbkreisförmiger Monte Somma (Bild: Ross Elliott / Wikimedia / CC)

Heute besteht für die Region rund um den Vesuv nicht nur ein komplexer Rettungsplan, sondern auch ein Umsiedelungsplan, um die Bevölkerung in der roten Zone rund um den Vulkan auszudünnen. Es sind jedoch nur wenige Bewohner, die bislang auf das Angebot der Regierung eingegangen sind und den gefährlichen Bereich in direkter Nähe zu „ihrem“ Vulkan verlassen haben. Im Gegenteil trägt die stetige illegale Bebauung noch zusätzlich dazu bei, die Lage am Vesuv zu verschärfen.



Aufstieg und Niedergang von Pompeji

Keine Stadtgeschichte ist so sehr mit dem Vesuv verknüpft wie die von Pompeji, dem heutigen Pompei südöstlich des Vesuvs. Am 24. August des Jahres 79 zerstörte ein verheerender Ausbruch des Vulkans die antike Stadt und beendete damit eine siebenhundertjährige Geschichte, die geprägt war von wechselnden Herrschaftsverhältnissen und der anschliessenden Blütezeit als römische Kolonie. Das römische Pompeji glänzte mit herrschaftlichen mondänen Bauwerken und religiösen Kultstätten, mit Prachtstrassen, eindrucksvollen Foren und Handelsplätzen.

Forum von Pompeji mit dem Vesuv im Hintergund (Bild: Leandro Neumann Ciuffo / Wikimedia / CC)

Forum von Pompeji mit dem Vesuv im Hintergund (Bild: Leandro Neumann Ciuffo / Wikimedia / CC)

Nachdem 17 Jahre zuvor bereits ein grosses Erdbeben schwere Schäden in der Stadt angerichtet hatte, begrub der explosionsartige Ausbruch im August 79 Pompeji unter einem gewaltigen Asche- und Gesteinsregen sowie den darauf folgenden Lavaströmen. Der Ausbruch war eine indirekte Folge des Erdbebens und kam für die Bewohner keineswegs so unerwartet wie oftmals angenommen, denn bereits Tage zuvor hatte die anhaltende Aktivität des Vulkans einen Teil der Einwohner zur Abreise veranlasst.

Über 1500 Jahre dauerte es, bis das aussergewöhnlich gut erhaltene Pompeji in mühevoller und langwieriger Arbeit wieder freigelegt wurde. Heute existiert das antike Pompeji Seite an Seite mit der modernen Kleinstadt Pompei, und heute wie damals leben ihre Bewohner in direkter Nähe zum mächtigen Vesuv, dessen fruchtbare Böden zugleich Gefahr und Segen für die Region bedeuten.

Modernes Pompei (Bild: KingCrimson / Wikipedia / public domain)

Modernes Pompei (Bild: KingCrimson / Wikipedia / public domain)




Der Vesuv in der neapolitanischen Kultur

Der Vesuv war nicht nur landschaftlich schon immer ein prägender Teil von Neapel; auch in der Volkskultur hat der allgegenwärtige Vulkan viele Spuren hinterlassen. Von den Darstellungen berühmter Italienreisender wie Johann Wolfgang Goethe oder Andy Warhol bis zur meistfotografierten Ansicht von Neapel, die die Silhouette des Doppelvulkans im Hintergrund der Stadt zeigt, ist der Vulkan unzertrennbar mit Neapel verbunden.

Das berühmteste italienische Volkslied, das sich mit dem Vesuv beschäftigt, ist wohl das weltbekannte „Funiculì, Funiculà“ von Peppino Turco und Luigi Denza. Die traditionsreiche neapolitanische Volksweise stammt aus dem Jahr 1880 und wurde anlässlich der Einweihung einer Standseilbahn veröffentlicht, die Besucher bis fast an den Kraterrand des Vesuvs brachte. Dem Namen der Bahn, auf Italienisch Funicolare del Vesuvio, verdankt das Lied auch den charakteristischen Titel.

Auf dem Weg zum Krater (Bild: Mboesch / Wikimedia / CC)

Auf dem Weg zum Krater (Bild: Mboesch / Wikimedia / CC)

Im Gegensatz zum Volkslied existiert die Standseilbahn auf dem Vesuv schon lange nicht mehr. 1903 wurde sie zu einem Teil durch eine Zahnradbahn ersetzt und 1955 schliesslich endgültig stillgelegt, nachdem sowohl eine Autostrasse als auch eine ergänzende Sesselbahn eingeweiht worden waren. Mittlerweile ist die befestigte Strasse die einzige Zugangsmöglichkeit, auf der Besucher von Ercolano oder Torre del Greco bis knapp unter den Kraterrand gelangen. Lediglich die letzten rund 1000 Meter müssen nach wie vor zu Fuss bewältigt werden.

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Bilderlizenzen Galerie: CC / CC BY 2.0 / CC BY 3.0 / CC BY-SA 4.0
Oberstes Bild: Blick von Neapel auf den Vesuv (Bild: Massimo Finizio / Wikimedia / CC)

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