Ephesos – antike Metropole an der türkischen Ägäis

20.03.2015 |  Von  |  Alle Länder, Naher Osten
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Ephesos – antike Metropole an der türkischen Ägäis
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Die Ausgrabungsstätte von Ephesos gehört zu den touristischen Highlights für Türkei-Urlauber, die sich auch für die Geschichte des Landes interessieren. Ein Besuch des Ruinenfeldes der antiken Metropole ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit und führt zurück in die Welt der Griechen und Römer sowie in die Zeit, als das Christentum sich auszubreiten begann.

Wenn Sie Bibelkenner sind, wird der Name Ephesos Ihnen vertraut sein. Der Apostel Paulus machte auf seinen Missionsreisen in der Stadt mehrfach Station und verbrachte hier auch längere Zeit. Mehrere seiner Briefe, die heute Bestandteil des Neuen Testaments sind, entstanden während seiner Aufenthalte, einer richtet sich sogar direkt an die dortige Gemeinde: der „Brief an die Epheser“. Die Gemeinde in Ephesos gehörte zu den ersten ausserhalb des jüdischen Kernlandes. Auch einige Legenden um Maria, die Mutter Jesu, sind mit der antiken Stadt verbunden.



Aufstieg und Niedergang einer antiken Metropole

Vor zweitausend Jahren war Ephesos eine der Top-Metropolen des Römischen Reiches. Die Hafenstadt an der Ägäis bildete das Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum der reichen Provinz Asien. Hier pulsierte das Leben. Mit wohl 200.000 Einwohnen stellte sie eine der grössten Städte des Imperiums dar, nur übertroffen von Rom selbst, Alexandria und Byzanz. Wer heute über das Ausgrabungsfeld der Stadt wandert, mag dies trotz der eindrucksvollen Reste kaum glauben. Das Schicksal von Ephesus ist auch so etwas wie ein Symbol für die menschliche Vergänglichkeit.

Das Ende von Ephesos kam nicht plötzlich, sondern ist eine Geschichte des allmählichen Niedergangs. Er hängt mit der immer weiter voranschreitenden Versandung des Hafens, des zentralen Wirtschaftsfaktors der Stadt, zusammen. Krankheitsepidemien und fremde Eroberer sorgten ausserdem für Verfall, Zerstörung und Bevölkerungsrückgang. Spätestens ab dem 6. Jahrhundert war der frühere Glanz dahin, dennoch existierte die Stadt unter wechselnden Vorzeichen bis ins 15. Jahrhundert weiter. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann dann die systematische Erforschung und Freilegung durch britische und österreichische Archäologen.

Im Umfeld von Badeorten an der türkischen Küste

Ephesos – türkisch: Efes – liegt im Umfeld der Stadt Selçuk in der Provinz Izmir. Von der wuchtigen Zitadelle der Stadt mit ihren zinnenbewehrten Mauern und Türmen, einem Relikt aus byzantinischer und ottomanischer Zeit, hat man einen guten Blick auf das Gelände und das antike Ausgrabungsfeld. Dass Ephesos einmal ein bedeutender Hafen war, lässt sich nur noch erahnen, denn die Küste liegt heute einige Kilometer weit entfernt. Viele Besucher verbringen ihren Urlaub im etwa zwanzig Kilometer entfernten Kuşadası, das mit seinen Stränden ein sehr beliebter Badeort an der türkischen Ägäis ist.



Ephesos ist heute eine der am besten untersuchten und restaurierten Ausgrabungsstätten in der Türkei. Im Unterschied zu anderen antiken Stätten wie zum Beispiel Pergamon blieben die Fundstücke hier weitgehend an Ort und Stelle. Daher erwartet den Besuchern hier eine detailreiche Fülle an Ausgrabungsmaterial, das genügend Stoff für eine mehrtägige Entdeckungstour bietet. Eine Auswahl tut Not, zumal die Ausgrabungsfläche im Sommer sehr heiss ist und wenig Schatten bietet. Sie sollten daher früh sein, wenn Sie Ephesos besuchen. Das empfiehlt sich auch, um den grossen Besucherscharen zu entgehen, die später auf das Gelände strömen.





Grosses Theater von Ephesos (Bild: Ingo Mehling, Wikimedia, CC)

Grosses Theater von Ephesos (Bild: Ingo Mehling, Wikimedia, CC)

Marmorstrassen, Tempel und Theater

Die Hauptsehenswürdigkeiten von Ephesos liegen im Umfeld der Kuretenstrasse und der Marmorstrasse. Die Kuretenstrasse war einst eine der Prachtmeilen der Stadt. Zahlreiche Überreste von Tempeln, Mosaiken und Skulpturen legen noch ein beredtes Zeugnis davon ab. Ein Highlight der Strasse sind die Hanghäuser, ehemalige Wohnhäuser, die ebenso eine Ahnung vom Alltagsleben der Epheser vermitteln wie die öffentlichen Toilettenanlage in einem heute „Bordell“ genannten Gebäude und die Ruinen der Scholastika-Thermen, einer antiken Freizeit- und Wellness-Oase. Ansonsten finden Sie an der Kuretenstrasse viel Repräsentatives: die Überreste des Hadrian-Tempels und des Herakles-Tors, das Memmius-Monument und den Trajan-Brunnen zum Beispiel.

Die Meile endet in der sogenannten oberen Agora. Rund um diesen Platz befand sich einst das politische Zentrum der Stadt mit entsprechenden Bauten für Ratsversammlungen, Anhörungen und Verhandlungen. In diesem Bereich existieren auch noch die Ruinen des Domitian-Tempels sowie die Reste des Pollio-Nymphäums.

Die Celsus-Bibliothek mit ihrer restaurierten prächtigen Fassade und das Grosse Theater bieten die beiden architektonischen Höhepunkte der Marmorstrasse, die wie der Name sagt, tatsächlich mit Marmorplatten gepflastert ist. Das Theater, das einst 24.000 Zuschauern in seinem Halbrund Platz bot, ist noch sehr gut erhalten. Es wird wegen seiner hervorragenden Akustik auch heute noch für Konzerte und Aufführungen genutzt. Von der Marmorstrasse zweigt die Arkadiane an, eine ebenfalls gut erhaltene – aber nur bedingt zugängliche – Strasse, an der sich früher Läden befanden. Von hier gelangte man zum zentralen Verulanus-Platz und zum – nicht mehr existierenden – Hafen.

Bibliothek des Celsus, Ephesos (Bild: Shetta, Wikimedia, CC)

Bibliothek des Celsus, Ephesos (Bild: Shetta, Wikimedia, CC)

Das Ende eines Weltwunders

Etwas abseits davon liegen die Überreste der Marienkirche. Es ist ein ehrwürdiger Ort, handelt es sich doch um die älteste bekannte Marienkirche der Christenheit. Hier fand im 5. Jahrhundert auf Initiative von Kaiser Theodosius II. das „Konzil von Ephesos“ statt, eines der bedeutendsten frühen Kirchenkonzile. Mit dem Aufstieg des Christentums in der Region hängt auch der Niedergang eines anderen Monuments der Stadt zusammen, das einst sogar ihr Wahrzeichen war – des Artemis-Tempels.



Er lag etwas abseits unterhalb der heutigen Zitadelle von Selçuk. Nur kümmerliche Reste erinnern heute daran, dass sich an dieser Stelle einst eines der sieben Weltwunder erhob. Er galt als der grösste Tempelbau der antiken Welt. Im 3. Jahrhundert von den eingefallenen Goten zerstört, wurde er nicht mehr aufgebaut, sondern als Steinbruch genutzt. Der Artemis-Kult hatte zu dieser Zeit bereits ausgedient.

Ruinen der Marienkirche in Ephesos (Bild: Matthias Holländer, Wikimedia)

Ruinen der Marienkirche in Ephesos (Bild: Matthias Holländer, Wikimedia)

Das Haus der Mutter Maria

Eng mit Maria, der Mutter Jesu, ist auch ein anderer Platz in der Nähe verbunden. Etwa sieben Kilometer südwestlich von Selçuk befindet sich am Ende einer verschlungenen Strasse in einer idyllisch grünen Umgebung das „Haus der Mutter Maria“. Der am Nachtigallenberg oberhalb einer Quelle gelegene Bau soll der Legende nach das letzte Wohnhaus und der Sterbeort Mariens sein. Zu den prominentesten Besuchern gehörte unter anderen Papst Benedikt XVI., der 2006 hierher kam. Die Stätte wird übrigens nicht nur von christlichen Pilgern besucht, auch im Islam geniesst Maria eine hohe Anerkennung. Es ist daher auch ein symbolträchtiger Ort für das mögliche friedliche Nebeneinander beider Weltregionen.

Meryemana (Marien-Haus) ist das angebliche Sterbehaus von Maria. (Bild: Andreas Husemann, Wikimedia, CC)

Meryemana (Marien-Haus) ist das angebliche Sterbehaus von Maria. (Bild: Andreas Husemann, Wikimedia, CC)

Ephesos oder Efes berührt wegen seiner grossartigen kulturellen Zeugnisse, die auch in ihren Überresten noch eindrucksvoll wirken. Sie weisen gleichzeitig darauf hin, dass menschliches Werk nicht von Dauer ist. Und als authentischer Ort des frühen Christentums erinnert die antike Stadt an die Einflüsse, die Europa bis in unsere Gegenwart prägen. Wenn Sie als Türkei-Besucher an Kultur und den Wurzeln europäischer Geschichte interessiert sind, ist ein Besuch in Ephesos immer zu empfehlen.



 

Oberstes Bild: Ionische Kapitelle mit Stierkopfdarstellung in Ephesos (© Klaus Walter, Wikimedia, CC)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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