Fast wie im Himalaya – die Triftbrücke über die Triftschlucht

29.06.2016 |  Von  |  Tagesausflüge CH
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Fast wie im Himalaya – die Triftbrücke über die Triftschlucht
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Der Klimawandel macht auch vor der Gletscherwelt der Schweizer Alpen nicht Halt. Dort wo vor einigen Jahren noch mächtige Eismassen das Bild bestimmten, zeigt sich heute vielerorts nacktes Gestein oder ein Gewässer.

Das gilt auch für den Triftgletscher im äussersten Osten des Kantons Bern unweit der ehemaligen Gemeinde Gadmen im Gadmertral. Vor gut vierzig Jahren hatte der Gletscher noch eine Länge von fast sechs Kilometern und war im oberen Bereich bis zu drei Kilometer breit, während eine etwa 500 Meter schmale Gletscherzungen weit hinab reichte.


Unterer Abschnitt des Triftgletschers (Bild: Michael Graf, Wikimedia, public domain)

Unterer Abschnitt des Triftgletschers (Bild: Michael Graf, Wikimedia, public domain)


Der allgemeine Anstieg der Temperaturen hat auch hier nachhaltige Spuren hinterlassen. Heute besitzt der Triftgletscher nur mehr einen Bruchteil seines früheren Volumens und hat sich weit in die Höhe zurückgezogen.

Gerade mal zweieinhalb Quadratkilometer macht seine Fläche noch aus. Die ursprüngliche Zunge ist ganz verschwunden. Wo früher Gletschereis mühelos ein tiefes Becken ausfüllte, erstreckt sich heute am Boden eines von den Eismassen erkennbar geformten Tales ein See, der durch eine Schlucht abfliesst und dessen tiefe Bläue die Kälte des Schmelzwassers erahnen lässt.


Blick auf der Triftbrücke und Triftgletscher (Bild: Thisisbossi, Wikimedia, CC)

Blick auf der Triftbrücke und Triftgletscher (Bild: Thisisbossi, Wikimedia, CC)


Auf schwankendem Boden

Wenn man auch das Verschwinden des Gletschers bedauern oder sogar mit Sorge betrachten mag, ist zuzugestehen, dass auch die „neue“ Landschaft ihre Reize besitzt. Vor allem hat der Gletscher-Rückzug das Entstehen einer zusätzlichen Attraktion nicht nur möglich, sondern geradezu nötig gemacht – die Triftbrücke über die Triftschlucht.

Als die alte Gletscherzunge noch existierte, gab es einen Weg über das Eis, der zu der Trifthütte am Hinter Tierberg führte – einer traditionsreichen und häufig genutzten Station auf Bergtouren. Durch das Wegschmelzen des Eises wurde ein wichtiger Zugang zu der Hütte unterbrochen.


Die Triftbrücke über die Triftschlucht (Bild: Migel – Shutterstock.com)

Die Triftbrücke über die Triftschlucht (Bild: Migel – Shutterstock.com)


Daher entschloss man sich im Jahre 2004 zum Bau einer Fussgänger-Brücke, um die entstandene Lücke zu schliessen. Als technische Lösung wurde eine Dreiseilbrücke gewählt, wie sie typischerweise in Nepal bei der Überwindung von Abgründen und Flüssen im Himalaya-Gebirge Verwendung findet. Diese erste Brücke erwies sich allerdings für die örtlichen Verhältnisse als nicht geeignet. Sie geriet bei Windturbulenzen stark ins Schwanken und war reparaturanfällig.

Überdies war der Publikums-Andrang auf die neue „Sehenswürdigkeit“ wesentlich stärker als erwartet. Daher wurde 2009 eine neue Brücke eingeweiht. Dabei achtete man auf einen festeren Steg und mehr Windstabilität.


Die Triftbrücke über die Triftschlucht (Bild: Capricorn Studio – Shutterstock.com)

Die Triftbrücke über die Triftschlucht (Bild: Capricorn Studio – Shutterstock.com)


Stahl sorgt für Stabilität

Ein Abenteuer bleibt die Überquerung trotzdem. Und wer Höhenangst besitzt oder nicht schwindelfrei ist, dem mag der Gang auf der Brücke eher wie ein Albtraum erscheinen. Tatsächlich bewegt man sich hier in einer filigranen Konstruktion über eine Länge von 170 Metern und auf einer Höhe von 100 Metern über dem Erdboden – letzteres entspricht einem 40-stöckigen Hochhaus. Die Triftbrücke ist damit zumindest im Bereich der Alpen eine der längsten und höchsten Seilbrücken ihrer Art für Fussgänger. Immerhin mag angesichts des zerbrechlichen Aussehens die Tatsache beruhigen, dass hier 7,5 Tonnen Stahl verbaut wurden und die eingesetzten 5‘000 Meter Trag- und Abspannseile ebenfalls aus Stahl sind. Das sollte für genug Solidität garantieren.

Wer seine inneren Hürden überwindet und den Gang auf die Brücke wagt, wird mit einem atemberaubenden Blick auf den Schmelzwassersee und die Bergwelt des Triftgletschers entschädigt – eine Aussicht, die es so früher nicht gab. Fast könnte man dabei den eigentlichen Zweck, den Zugang zur Trifthütte zu ermöglichen, aus den Augen verlieren. Heute ist der Gang über die Triftbrücke ein Höhepunkt bei einer Hüttenwanderung in dem Gebiet.


Stahl sorgt für Stabilität (Bild: Thisisbossi, Wikimedia, CC)

Stahl sorgt für Stabilität (Bild: Thisisbossi, Wikimedia, CC)


Mit der Triftbahn

Zur Triftbrücke zu gelangen ist kein Problem. Man startet bei der Talstation „Nessental“ der Triftbahn am Sustenpass im Gadmertal auf 1‘022 Metern und fährt mit der Seilbahn bis zur Bergstation auf 1‘390 Metern. Schon das ist ein Erlebnis. Von da aus bis zur Triftbrücke sind es etwa anderthalb Stunden Fussmarsch, eine bewältigbare Strecke.



Fazit

Die Triftbrücke im Bereich des Triftgletschers ist eine der spektakulärsten Seilbrücken in den Schweizer Alpen. Mit ihr lässt sich die Triftschlucht überqueren und eine herausragende Aussicht geniessen.

 

Artikelbild: © Chriusha, Wikimedia, CC

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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