Grenzlage am Hochrhein – Diessenhofen

22.06.2016 |  Von  |  Schweiz
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Grenzlage am Hochrhein – Diessenhofen
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Etwa auf halbem Wege zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein liegt das Städtchen Diessenhofen. Es ist ein Ort in Grenzposition am Hochrhein, denn das sich am jenseitigen Flussufer hangaufwärts ausbreitende Gailingen gehört bereits zum Nachbarn Deutschland.

„Am Rhy dihei – im Städtli willkomme“ lautet das liebenswerte Motto von Diessenhofen, das sich bis heute ein geschlossenes mittelalterliches Ortsbild bewahren konnte. Dies und die malerische Rheinlage lässt Besucher gerne in den Ort kommen.

Die erste urkundliche Erwähnung Diessenhofens stammt aus dem Jahre 757, als ein Priester seinen Weiler ‚Deozincova‘ der Abtei Sankt Gallen schenkte. Später fiel der Ort an das mächtige Adelsgeschlecht der Kyburger.

Graf Hartmann III. von Kyburg errichtete hier 1178 eine befestigte Stadt, nach dem Aussterben der Kyburger fiel Diessenhofen an die Habsburger. Mit deren Einflussverlust in der Region konnte die Stadtgemeinde 1415 sich von adeliger Herrschaft befreien und sogar die Reichsunmittelbarkeit erlangen.


Etwa auf halbem Wege zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein liegt das Städtchen Diessenhofen. (Bild: © SilvanBachmann - shutterstock.com)

Etwa auf halbem Wege zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein liegt das Städtchen Diessenhofen. (Bild: © SilvanBachmann – shutterstock.com)


Diese Ära der „Unabhängigkeit“ währte allerdings nur kurz. Mit der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen fiel auch Diessenhofen 1460 an die neuen Landesherren, seither teilt die Stadt die Geschichte der Schweiz und des Kantons Thurgau.

Mittelalterliches Stadtbild

Die mittelalterliche Stadtanlage ist heute in den Gassen und Strassen der Altstadt noch gut zu erkennen, auch wenn von der alten Stadtbefestigung nur noch wenig erhalten blieb. Es ist eine überschaubare Fläche, denn gross wurde Diessenhofen nie.


Mittelalterliches Stadtbild (Bild: © Bildagentur Zoonar GmbH - shutterstock.com)

Mittelalterliches Stadtbild (Bild: © Bildagentur Zoonar GmbH – shutterstock.com)


Auch heute hat die Stadt mit ihren gut 3‘600 Einwohnern eher dörfliche Dimensionen. Unbestrittenes Wahrzeichen der Altstadt ist der hochaufragende Siegelturm, der im 16. Jahrhundert an Stelle eines früheren Stadttors errichtet wurde. Im Siegelturm bewahrte man noch bis in die jüngste Zeit das Stadtsiegel und wichtige Urkunden auf – daher der Name. Der „Clou“ des Turms ist die Uhr mit der Anzeige der Mondphasen.

Am Rheinufer fallen dem Betrachter zwei Bauwerke ins Auge. Das eine ist der sogenannte Hänkiturm, das andere die Rheinbrücke. Beide Bauten zeigen beeindruckende Holzkonstruktionen. Der Hänkiturm war einst Teil der im Zuge einer Stadterweiterung im 13./14. Jahrhundert bis zum Rhein vorgeschobenen Stadtbefestigung.


Am Rheinufer fallen dem Betrachter zwei Bauwerke ins Auge. (Bild: © Bildagentur Zoonar GmbH - shutterstock.com)

Am Rheinufer fallen dem Betrachter zwei Bauwerke ins Auge. (Bild: © Bildagentur Zoonar GmbH – shutterstock.com)


Sein wehrhaft wirkender Holzturm wurde früher auch als „Armbrusterturm“ bezeichnet – nomen est omen. Die Rheinbrücke bietet Fussgängern seit Menschengedenken dank überdachter Konstruktion einen trockenen Übergang ans jenseitige Rheinufer. Sie ist bereits im 13. Jahrhundert bezeugt, besteht aber – als immer wieder erneuerte Überbrückung – wohl schon länger.

Ein weiterer bedeutender Bau ist Burg Unterhof am Rande der Altstadt. Im Kern handelt es sich um eine Stadtburg des 12. Jahrhunderts. Sie war ursprünglich Stamm- und Verwaltungssitz der von den Kyburgern eingesetzten Truchsesse. Durch den Verlauf der Geschichte verlor sie nach und nach ihre Funktion und verfiel über die Jahrhunderte. 1988 übernahm eine Schweizer Versicherung das Gebäude und sorgte für den Wiederaufbau.


Die Rheinbrücke bietet Fussgängern seit Menschengedenken dank überdachter Konstruktion einen trockenen Übergang ans jenseitige Rheinufer. (Bild: © Pixeljoy - shutterstock.com)

Die Rheinbrücke bietet Fussgängern seit Menschengedenken dank überdachter Konstruktion einen trockenen Übergang ans jenseitige Rheinufer. (Bild: © Pixeljoy – shutterstock.com)


Unter anderem wurde der nur noch in Resten vorhandene Turm wiederhergestellt – eine nicht unumstrittene Rekonstruktion. Heute dient Burg Unterhof als Seminarhotel. Interessante Bauten gibt es noch einige in der Diessenhofener Altstadt – zum Beispiel die reformierte Kirche Sankt Dyonisius, das repräsentative Vordere Amtshaus direkt am Rhein oder manches schöne Bürgerhaus.


Kornscheune bei Diessenhofen (Bild: © Bildagentur Zoonar GmbH - shutterstock.com)

Kornscheune bei Diessenhofen (Bild: © Bildagentur Zoonar GmbH – shutterstock.com)


Sankt Katharinental – barockes Schmuckstück

Diessenhofen verfügt mit dem Kloster Sankt Katharinental über einen weiteren besonderen Schatz auf seinem Stadtgebiet. Der umfangreiche Gebäudekomplex des ehemaligen Dominikanerinnen-Konvents befindet sich am westlichen Stadtrand in Richtung Schaffhausen und grenzt ebenfalls direkt an den Rhein.

Das Kloster ist ein schönes Beispiel barocker Sakralarchitektur. Eine Schwestergemeinschaft von Beginen ist hier bereits im 13. Jahrhundert entstanden. Nach den Wirren der Reformation erlebte das Kloster im 18. Jahrhundert eine neue Blütezeit. Ihr sind die noch zu sehenden Bauten wesentlich zu verdanken. Im 19. Jahrhundert wurde der Konvent aufgehoben, die Gebäude dienen heute überwiegend als Klinik. Das Schmuckstück von Sankt Katharinental ist die Klosterkirche – ein bedeutendes Werk des Barock im deutschsprachigen Raum.

Der prächtige Hauptaltar, Seitenaltäre, Stuckaturen, Deckengemälde und Orgel vermitteln einen guten Eindruck von der Glanzzeit des Klosters. Im Klostermuseum wird an die wechselvolle Klostergeschichte erinnert. Auch auf zwei wertvolle literarische Werke der Diessenhofener Nonnen wird dabei eingegangen – das Sankt „Katharinentaler Schwesternbuch“ und das „Graduale von Sankt Katharinental“: zwei bedeutende Zeugnisse klösterlichen Lebens in mittelalterlicher und vorreformatorischer Zeit.



Diese kleine Übersicht zeigt – es gibt viele gute Gründe, bei einem Aufenthalt in der Region einen Stopp in Diessenhofen einzulegen.

Fazit

Diessenhofen am Hochrhein ist ein liebens- und lebenswertes Städtchen mit einem Stadtkern, der noch aus dem Mittelalter stammt. Ein Stopp lohnt sich!

 

Artikelbild: © Ales Krivec – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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