Grösste 3S-Bahn der Welt wird in Zermatt gebaut

04.11.2016 |  Von  |  Europa, News, Schweiz

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33 Jahre alt ist Sandra Imboden. Sie ist Bauführerin bei der Ulrich Imboden AG. Diese ist mit den Bauarbeiten für die Talstation und den Stützen 1 und 2 in Zermatt beauftragt worden. Die Unternehmung arbeitet als federführende Unternehmung der ARGE Cervino mittlerweile auch an der Bergstation und der 3. Stütze. Vor kurzem unterhielten wir uns mit ihre über ihren nicht ganz „Frauen-alltäglichen“ Job als Bauführerin.

Schon im Vorfeld hat mir eine Frage ganz besonders brennend auf der Seele gelegen, welche ich Sandra dann natürlich auch gleich als erste stellen musste. Wie kommt man eigentlich auf den Beruf Bauführerin? Für die eine Frau ein etwas ungewöhnlicher Berufswunsch, für die andere ein Berufsziel, das sich bereits im Jugendalter abzeichnete. Klar träumte auch Sandra als Kind von eher weiblichen Berufen, wie zum Beispiel Coiffeuse, doch schon bald zeichnete sich ihr Faible für spezielle Gebäude oder imposante Bauwerke ab.

So entschied sich die gebürtige Aarauerin, die im Alter von sechs Jahren mit ihren Eltern nach Zermatt zog, zuerst für eine Hochbauzeichnerlehre und besuchte danach dieselbe Bauführerschule in Aarau, die auch ihr Vater Georges schon besucht hat. Sie wollte unbedingt die Chance wahrnehmen als 4. Generation in das Familienunternehmen der Ulrich Imboden AG einzusteigen.

Heute gibt es zwar immer mehr weibliche Kader im Baugewerbe, aber Baumeisterinnen hingegen gibt es bis heute schweizweit nur gerade mal vier. Da der Grossteil der Bauführer männlich ist und dies auch in Zukunft so bleiben wird, wird sich das Image des traditionell männlichen Bauführers wahrscheinlich in absehbarer Zeit nicht oder nur langsam ändern.

Auf die Frage, ob sie es als Frau als nachteilig empfindet in einer Männerdomäne zu arbeiten, meint sie nur: „Nein, wieso sollte ich? Ehrlich gesagt, fällt es mir schon lange nicht mehr auf, wenn ich an Baustellensitzungen die einzige Frau unter 15 Männern bin. Das Geschlecht entscheidet, zumindest hier, nicht über Erfolg oder Misserfolg.“ Einem Statement, dem ich als eine der wenigen Kader-Vertreterinnen in der Bergbahnbranche voll und ganz zustimmen kann.

Heutige Bauprojekte, so Sandra Imboden, sind zunehmend komplexer, die Aufgaben sind umfangreich und anspruchsvoll. Neben gut ausgebildetem Baustellenpersonal benötigt es daher eine effiziente Organisation der Baustelle. Der Bauführer steht in ständigem Kontakt mit Polieren, anderen Handwerkern, Planern und Bauherren, und ist sozusagen die kommunikative Drehscheibe für alle Beteiligten.

Projekte werden von der Kostenberechnung über die Arbeitsvorbereitung bis hin zur Überwachung und der Abrechnung abgewickelt. „Das schönste an unserem Beruf ist es, dass vollendete Bauwerk einer zufriedenen Bauherrschaft übergeben zu dürfen“, sagt mir Sandra daraufhin mit strahlenden Augen. „Manche Arbeitstage sind sehr lange. Doch solange einem die Arbeit Spass macht, nimmt man dies gerne in Kauf.“

Die grösste Herausforderung beim Bau der neuen 3S-Bahn sieht Sandra ganz klar in der Logistik und den wenigen zur Verfügung stehenden Bautagen. „Das Projekt hat für mich sowohl als Zermatterin als auch als Bauführerin einen grossen Stellenwert. Die Ulrich Imboden AG durfte bereits beim Bau der Luftseilbahn Trockener Steg – Klein Matterhorn Ende der 70er Jahre die Baumeisterarbeiten ausführen. Nun, 35 Jahre später kann ich mit Stolz sagen, auch einen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben.“ Und so kehre ich nach diesem interessanten Gespräch mit Sandra Imboden mit der Erkenntnis in mein Büro zurück, dass Frauen in Männerberufen eigentlich gar nicht so ungewöhnlich sind.

 

Artikel von: Sandra Stockinger / htr-news
Artikelbild: pixabay.com

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