Halong – in der Bucht des untertauchenden Drachen

21.05.2015 |  Von  |  Asien
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Halong – in der Bucht des untertauchenden Drachen
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Die Halong-Bucht im Norden Vietnams gehört zu den faszinierenden Naturschönheiten des südostasiatischen Landes.

Die bizarren, aus dem Meer ragenden Felseninseln sind ein äusserst beliebtes Foto-Motiv für die Reisenden, die die Region in grosser Zahl besuchen. Seit 1994 ist die Bucht Teil des UNESCO-Weltnaturerbes.

Für Geologen bildet die Felsenwelt der Halong-Bucht ein interessantes Forschungsobjekt. Es handelt sich um typisches Karstgestein, das sich auf einem allmählich im Meer versinkenden Kalksteinplateau erhebt. Die Schönheit der Halong-Bucht ist also vergänglich. Doch keine Angst – den Untergang der Felseninseln wird unsere Generation nicht mehr erleben. Und auch unsere Enkel und Urenkel werden sie noch sehen können.


Die Schönheit der Halong-Bucht ist vergänglich. (Bild: © Cristal Tran - shutterstock.com)

Die Schönheit der Halong-Bucht ist vergänglich. (Bild: © Cristal Tran – shutterstock.com)


Wunder der Erde, vom hohen Himmel errichtet

Die Inseln breiten sich auf einer Fläche von rund 1’500 Quadratkilometern in einer weiten Bucht des Golfes von Tonkin nahe der Hafenmetropole Haiphong aus. Älteren werden die Namen Haiphong und Tonkin noch ein Begriff sein. Der sogenannte Tonkin-Zwischenfall – ein Seegefecht, dessen Authentizität umstritten ist – bildete 1964 den offiziellen Anlass für den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Vietnam-Krieg. Und der Name Haiphong erschien in den Folgejahren häufig im Zusammenhang mit Luftangriffen der Amerikaner in den Schlagzeilen. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Wer heute die malerische Landschaft der Halong-Bucht besucht, kann sich kaum vorstellen, dass hier vor wenigen Jahrzehnten noch der Krieg tobte.



Um die Entstehung der Inseln vor der Küste Vietnams rankt sich eine schöne Legende. Als das Viet-Volk einst von Feinden bedroht wurde, schickte der Himmel einen Drachen zu seinem Schutz. Der vernichtete die Angreifer und zog dabei mit seinem Schwanz tiefe Furchen ins Land. Als er danach im Meer abtauchte, wurde das Land von Wasser überflutet.  Nur die Spitzen des an den Furchenrändern aufgeworfenen Gesteins ragten noch aus dem Meer – die Felsennadeln der Halong-Bucht. Der vietnamesische Name der Bucht „Vinh Ha Long“ bedeutet denn auch nichts anderes als „Bucht des untertauchenden Drachen“. Bereits frühere Generationen wussten die Schönheit der Landschaft zu schätzen. Der vietnamesische Dichter Nguyen Trai bezeichnete sie vor 500 Jahren als „ein Wunder der Erde errichtet vom hohen Himmel“.


Die Halong-Bucht gehört zu den faszinierenden Naturschönheiten des südostasiatischen Landes. (Bild: © Luciano Mortula - shutterstock.com)

Die Halong-Bucht gehört zu den faszinierenden Naturschönheiten des südostasiatischen Landes. (Bild: © Luciano Mortula – shutterstock.com)


Eine vielgestaltige Inselwelt

Die tatsächliche Entstehungsgeschichte ist prosaischer. Die Felsen sind Überreste gewaltiger Muschelkalkbänke, die sich vor etwa 250 bis 300 Millionen Jahren im Meer gebildet haben. Sie blieben auch später erhalten, als der Meeresboden angehoben wurde, erfuhren aber durch tektonische Aktivitäten eine starke Verformung. Im Wechsel von Eiszeiten und Wärmephasen stieg und sank der Meeresspiegel immer wieder und die Erosion nagte an dem Gestein. Wind und Wellen taten ein Übriges. Die spezifische Zusammensetzung des Kalks in Verbindung mit den klimatischen Verhältnissen bewirkte dann die Verkarstung, die das heutige Erscheinungsbild prägt.


Der vietnamesische Name der Bucht „Vinh Ha Long“ bedeutet „Bucht des untertauchenden Drachen“. (Bild: © beboy - shutterstock.com)

Der vietnamesische Name der Bucht „Vinh Ha Long“ bedeutet „Bucht des untertauchenden Drachen“. (Bild: © beboy – shutterstock.com)


Die Inselwelt der Halong-Bucht besteht aus rund 2.000 kleinen und kleinsten Felsen, die oft wie Messerspitzen steil aus dem Meer in die Höhe ragen. Im Schnitt sind die Felsen fünfzig bis hundert Meter hoch. Das tropisch-feuchte Klima sorgt dafür, dass viele von ihnen begrünt sind. Dort wo sich im Lauf der Zeit etwas Erde festsetzen konnte, gedeiht üppiger Pflanzenwuchs und bildet einen schönen Kontrast zu dem dunkelgrauen Kalkgestein. Viele Inseln stellen tatsächlich nur aus dem Wasser aufsteigende Nadeln dar, andere besitzen eine ausgedehntere Fläche mit eigenen Buchten und Nebeninseln. Auf einigen gibt es im Inneren sogar Seen und manche sind hohl und verfügen über beeindruckende Grotten und Höhlen. Die Gestalt mancher Felsen inspirierte zu poetischen Namen. Hon Rong (Dracheninsel), Hon Canh Buom (Segelinsel) oder Hon Trong Mai (Hahn und Henne- Insel) sind schöne Beispiele dafür, die meisten Felsen sind namenlos.

Schwimmende Dörfer und Höhlenerlebnisse

Für eine menschliche Besiedlung eigneten sich die Inseln seit jeher kaum. Sie waren einfach zu unwegsam, boten zu wenig Platz für Behausungen, und der felsige Boden war für Landwirtschaft ungeeignet. Dennoch leben in der Region seit Urzeiten Menschen. Sie ernähren sich aus dem Meer durch Fischfang. Die rund 1’600 Fischer und ihre Familien wohnen traditionell in schwimmenden Dörfern. Das war und ist bequemer, als die Fischgründe von Land aus anzusteuern. Die Flora und Fauna der Region ist äusserst vielfältig. Im Meer finden sich umfangreiche Korallenbestände – es wurden bisher alleine 160 Korallenarten festgestellt -, diverse Fische, Tintenfische, Muscheln sowie Krebs- und Garnelenarten. Auch der Pflanzenwuchs auf den Inseln ist artenreich. Unter anderem gedeihen hier mehrere hundert verschiedene Magnolien. Manche Eilande sind sogar regelrecht von Dschungel überwuchert.


Die rund 1’600 Fischer und ihre Familien wohnen traditionell in schwimmenden Dörfern. (Bild: © Lena Serditova - shutterstock.com)

Die rund 1’600 Fischer und ihre Familien wohnen traditionell in schwimmenden Dörfern. (Bild: © Lena Serditova – shutterstock.com)


Zu den Highlights einer Inseltour gehört zweifelsohne ein Höhlenbesuch. Manche geben ihre Hohlräume nur bei Ebbe preis, andere sind unabhängig von den Gezeiten besuchbar. Auch hier existieren kreative Namensschöpfungen wie Sung Sot (Überraschungsgrotte), Thien Cung (Himmelspalastgrotte) oder Trinh Nu (Jungfrauengrotte). Einige Höhlen besitzen geradezu phantastische und bizarr wirkende Stalaktiten- und Stalagmiten-Formationen. Bekannte Beispiele dafür sind die Trommelgrotte (Hang Tong) oder die Höhle der hölzernen Pfähle (Hang Dau Go). Kaum jemand wird sich dem Zauber der künstlich beleuchteten Tropfsteinwelt in der Trommelgrotte entziehen können.

Naturschutz und Tourismus – eine Gratwanderung

Eine Besonderheit des Archipels ist Cát Bà. Mit einer Fläche von 354 Quadratkilometern bildet sie die mit Abstand grösste Insel in der Halong-Bucht und ist die einzige, die dauerhaft besiedelt und auch landwirtschaftlich genutzt wurde. Heute leben hier rund 13.000 Menschen, die meisten davon in der gleichnamigen Stadt. Archäologische Funde auf Cát Bà deuten auf eine erste Besiedlung bereits vor 6.000 Jahren hin. Cát Bà verfügt über seltene Korallenriffe und im nördlichen Vietnam sonst kaum noch zu findende Bestände an Weiden und Mangrovenwäldern. Einige bedrohte Tierarten haben hier einen geschützten Lebensraum. Manche Tiere und Pflanzen sind endemisch, kommen also nur hier vor. Vor diesem Hintergrund hat Vietnam den Bereich der Insel bereits 1984 zum Nationalpark erklärt.



Die Region der Halong-Bucht lebt heute vom Tourismus, der im sich öffnenden Vietnam ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden ist. Die Bucht des untertauchenden Drachen gehört dabei zu den meistbesuchten Zielen. Bootstouren durch die Inselwelt sind inzwischen Standard. Damit droht die zauberhafte Landschaft auch von den negativen Begleiterscheinungen des Massentourismus eingeholt zu werden. Obwohl sich die Regierung bemüht, eine angemessene Balance zwischen Natur- und Landschaftsschutz einerseits und touristischen Bedürfnissen zu wahren, gelingt das nicht immer. Der wachsende Wohlstand durch die Reisenden ist ein Segen für die arme Bevölkerung, kann aber auch schnell zum Fluch werden. Die Bewahrung der einzigartigen Inselwelt bleibt eine Herausforderung.

 

Oberstes Bild: © Pablo Rogat – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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