Istanbul: Auf den Spuren der Sultane im Topkapı-Palast

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Istanbul: Auf den Spuren der Sultane im Topkapı-Palast
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Viele Jahrhunderte lang war der Topkapı-Palast Wohnsitz der türkischen Sultane. Erbaut wurde er im 15. Jahrhundert auf der heutigen Landspitze Sarayburnu, die auf der europäischen Seite Istanbuls den Übergang zwischen Marmara-Meer und Goldenem Horn bildet.

Unzählige Sagen und Legenden ranken sich um den alten Herrscherpalast mit seinen Innenhöfen, Sälen und Gärten, von dem aus die Sultane über das Osmanische Reich herrschten. Der Topkapı-Palast war Schauplatz geheimer Intrigen und ungewöhnlicher Todesfälle, sah den Aufstieg von jungen Herrschern ebenso wie von geheimnisvollen Konkubinen.



Heute steht Besuchern ein Teil der Originalräume zur Besichtigung offen. Ein Rundgang durch den Topkapı-Palast gleicht einer Zeitreise in längst vergangene Epochen, als das Osmanische Reich zu den Grossmächten der Welt zählte.

Blick vom Bosporus auf den Topkapı-Palast (© Quibik / Wikimedia / CC)

Blick vom Bosporus auf den Topkapı-Palast (© Quibik / Wikimedia / CC)

Symbol osmanischer Macht

Im Jahr 1435 wurde Konstantinopel, das heutige Istanbul, von den Osmanen erobert. Angeführt von Sultan Mehmed II. besiegelten die Osmanen damit das Ende des Byzantinischen Reiches und zugleich den Aufstieg des Osmanischen Reiches zu einer der führenden Grossmächte. In den folgenden Jahrhunderten herrschten die osmanischen Sultane über weite Teile Südosteuropas, Vorderasiens und Nordafrikas.



Nach der Eroberung Konstantinopels liess Mehmed II. einen neuen Palast errichten, der der Rolle der osmanischen Sultane würdig war. Er wählte dafür die repräsentative Lage auf der Halbinsel Sarayburnu, die zugleich einen spektakulären Blick auf den Bosporus bot. Seither zählt der Topkapı-Palast zu den unbestrittenen Wahrzeichen Istanbuls und zu den bedeutendsten Vermächtnissen türkischer Geschichte.

Vollendet wurde der erste Palastbau im Jahr 1468. In den folgenden Jahrhunderten veränderten Umbauten und Erweiterungen immer wieder das Erscheinungsbild der Anlage, bis der Topkapı-Palast Anfang des 18. Jahrhunderts in seiner heutigen Form vollendet wurde. Beginnend mit Mehmed II. lebten und regierten alle osmanischen Sultane bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Topkapı-Palast. Erst Abdülmecid I wechselte 1856 schliesslich in den neuen Dolmabahçe-Palast auf der gegenüberliegenden Seite des Goldenen Horns.

Vergoldete Säulen im Empfangssaal (© G.dallorto / Wikimedia)

Vergoldete Säulen im Empfangssaal (© G.dallorto / Wikimedia)

Herrscher-Residenz und politisches Zentrum

Mit einer Fläche von fast 70 ha bildete der Topkapı-Palast praktisch eine eigene Stadt. Bis zu 5000 Menschen lebten hier in getrennten Gebäuden, die um vier Höfe in einer grossen Gartenanlage angeordnet waren. Die Räume für Dienstpersonal, Verwaltung, Empfänge und Herrscherfamilie waren dabei streng getrennt. Den Haupteingang zum Palast bildet das Bâb-ı Hümâyûn, ein prachtvoller Torbogen mit kalligrafischer Inschrift aus der Zeit Mehmeds II.

Von den vier Höfen des Topkapı-Palastes dienten zwei als Dienst- und Verwaltungsräume, in denen unter anderem das politische Zentrum mit den Staats- und Verwaltungsräumen untergebracht war. Die Palastküche, die allgemeinen Diensträume und die Unterkünfte der Leibgarde waren im ersten und zweiten Hof zu finden.

Der Zugang zum dritten Hof war ausschliesslich besonderen Gästen vorbehalten. Hier befand sich der Thronsaal, in dem Empfänge für bedeutende Persönlichkeiten abgehalten wurden. Auch die palasteigene Staats- und Verwaltungsschule hatte im dritten Hof ihre Räumlichkeiten, ebenso wie das Harem und die Privatgemächer der Sultane. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch der Schatzkammer, in denen bis heute viele der kostbarsten Stücke aufbewahrt werden, darunter das juwelenbesetzte Schwert von Süleyman dem Prächtigen und der legendäre Topkapı-Dolch.

Kunstvoller Dolch im Palastmuseum (© Daniel Villafruela. / Wikimedia / CC)

Kunstvoller Dolch im Palastmuseum (© Daniel Villafruela. / Wikimedia / CC)

Der vierte Hof beherbergt die prachtvollsten Räume der Sultansfamilie und ist das unbestrittene Schmuckstück der Palastanlage. Der unermessliche Reichtum der Sultane spiegelt sich in Gärten, Terrassenanlagen und Pavillons wieder; die Gartenhäuser und Aufenthaltsgebäude waren mit erlesenen Materialien wie Marmor, Tropenhölzern und kostbaren Teppichen geschmückt.

Der Topkapı-Palast heute

Im Jahr 1923 wurde im Topkapı-Palast ein Museum eröffnet, das nicht nur einen Rundgang durch viele der wichtigsten Räumlichkeiten ermöglicht, sondern auch eine bedeutende Sammlung an Ausstellungsstücken umfasst. Zu den Exponaten zählen unzählige Waffen, Kleidungsstücke, Schmuckstücke und Alltagsgegenstände aus dem Osmanischen Reich, aber auch bedeutende islamische Reliquien.



Die Waffen des Propheten Mohammeds werden ebenso wie eines seiner Barthaare im Topkapı-Palast aufbewahrt, und auch eines der ältesten erhaltenen Koranexemplare ist im Palast ausgestellt. Ausserdem kann die Karte des Admirals Piri Reis betrachtet werden. Die osmanische Seekarte aus dem Jahr 1513 ist auf Kamelhaut gezeichnet und zeigt auch Küstenlinien, die in Europa damals noch gar nicht bekannt waren. Aufgrund der Bedeutung der ausgestellten Reliquien ist der öffentliche Zugang zum Topkapı-Palast insbesondere bei konservativen Muslimen umstritten.





Brunnen im Privatgemach von Murad III. (© Myrabella / Wikimedia / CC)

Brunnen im Privatgemach von Murad III. (© Myrabella / Wikimedia / CC)

Der Topkapı-Palast – Schauplatz von Sagen und Legenden

Um den Topkapı-Palast ranken sich unzählige Legenden – angefangen von den geheimnisvollen Ritualen des Harems bis hin zu den politischen Intrigen am Hof des Sultans. Zu den herausragenden Persönlichkeiten, die aus der Herrschaftszeit der Sultane in Erinnerung geblieben sind, zählt zweifellos die Konkubine Roxelane. Die Lieblingsgemahlin von Süleyman I. war die Tochter eines polnischen Priesters und kam in ihrer Jugend als geraubte Sklavin nach Istanbul. Im Harem Süleymans gelangte Roxelane zu beispielloser Macht und beeinflusste den Sultan auch in politischen Angelegenheiten. Um ihre eigenen Söhne an die Macht zu bringen, soll sie sogar die Ermordung des ältesten Sultanssohnes Mustafa angeordnet haben.

Auch Selim der Trunkenbold regierte im 16. Jahrhundert im Topkapı-Palast. Seinen unschönen Spitznamen verdankte Selim II. seiner Neigung zum Alkohol, die ihn schliesslich auch das Leben kostete. In den 1650er Jahren wiederum regierte Ibrahim der Verrückte im Topkapı-Palast, der schon bei seinem Machtantritt wahnsinnig war.

 



 

Oberstes Bild: Beratungssaal des Sultans im zweiten Innenhof (© Gryffindor / Wikimedia / CC)

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