Jerez – Heimat des Sherrys und des Flamenco

25.04.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Jerez – Heimat des Sherrys und des Flamenco
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Bei Städtereisen ins südspanische Andalusien kommen viele Reisende kaum über Granada und Sevilla hinaus. Zu unrecht, denn Orte wie Jerez de la Frontera erwarten ihre Besucher mit andalusischer Lebensart in ihrer authentischsten Form – und das ohne die städtische Hektik der grösseren Reiseziele.

Jerez nimmt unter den andalusischen Metropolen in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle ein. Die 200.000-Einwohner-Stadt gilt als Wiege des Flamenco und zugleich als Zentrum der andalusischen Reitkunst, die in der Königlich-Andalusischen Reitschule von Jerez bis heute gepflegt wird. Auch ein weltweit berühmtes Produkt stammt aus der Stadt: Der Sherry wurde bereits vor Jahrtausenden in Jerez produziert und ist in Spanien nicht ohne Grund unter dem Namen Vino Jerez bekannt.



Mit seiner faszinierenden Mischung aus andalusischer Kultur und alten Traditionen, dem beschaulichen Charme einer sonnengebadeten Kleinstadt und der Weltoffenheit einer Metropole mit langer Geschichte bietet Jerez de la Frontera einen ganz besonderen Einblick in das Alltagsleben im südlichen Spanien. Auch für Motorsport-Fans ist der Grosse Preis von Spanien auf dem Circuito de Jerez längst zu einem festen Termin der Motorrad-Weltmeisterschaft geworden.

Historische Wohnhäuser in Jerez (Bild: El Pantera / Wikimedia / CC)

Historische Wohnhäuser in Jerez (Bild: El Pantera / Wikimedia / CC)

Bewegte Geschichte der „Grenzstadt“ Jerez

Jerez de la Frontera, zu deutsch „Jerez an der Grenze“, verdankt seinen Namen der Lage in einem lange Zeit umkämpften Gebiet, in dem Christen und Mauren im Mittelalter um die Vormachtstellung stritten. Nach vielen Jahrhunderten der maurischen Herrschaft fiel Jerez im 13. Jahrhundert an Kastilien und entwickelte sich dank der Nähe zu den Seehäfen Cádiz und Sevilla schnell zu einer der wohlhabendsten Städte der Region. An die wechselhafte Stadtgeschichte erinnern heute die Überreste der historischen Festungsanlagen, darunter auch ein Stadttor aus der Zeit der maurischen Herrschaft.



Die grösste Attraktion in Jerez ist aber ohne Zweifel die Festungsanlage Alcázar, ein maurisches Fort aus dem 11. Jahrhundert, das neben den mächtigen Festungsmauern selbst vor allem mit seinen prachtvollen Gärten beeindruckt. Im Alcázar sind nicht nur eine mittelalterliche Moschee und ein Hammam erhalten, sondern auch eine Camera Obscura, die von einem der Wehrtürme aus über ein Spiegelsystem die Stadt ins Turminnere projiziert. Auch das Archäologische Museum von Jerez beschäftigt sich mit der bewegten Stadtgeschichte. An der Plaza del Mercado gelegen, umfasst das Museum einige besonders kostbare Stücke wie einen Korinthischen Helm, der in der Nähe des Kartäuserklosters am Fluss Guadalete gefunden wurde.

Maurische Festung Alcázar (Bild: Lo Guilhem / Wikimedia / public domain)

Maurische Festung Alcázar (Bild: Lo Guilhem / Wikimedia / public domain)

Der Stolz der Stadt: Flamenco und andalusische Reitkunst



Der Flamenco ist die wohl bekannteste und authentischste spanische Liedform, und seinen Ursprung hat der Flamenco-Gesang nicht etwa in einer der grösseren Städte, sondern in den Gassen von Jerez. Schon im 19. Jahrhundert und womöglich noch früher wurde auf andalusischen Festen der traditionelle Flamenco vorgetragen – damals noch rein mündlich, ohne schriftliche Aufzeichnungen. Die historischen Ursprünge des Flamenco sind bis heute noch geklärt; seine Wurzeln liegen jedoch vermutlich in all den Kulturen, die im Laufe der Jahrhunderte ihre Spuren in Andalusien hinterlassen haben.

Der Höhepunkt des Flamenco-Jahres ist in Jerez das alljährlich stattfindende Flamenco-Festival, das im Frühjahr viele der besten Flamenco-Sänger und -Musiker nach Jerez lockt und als bestes Flamenco-Festival weltweit gilt. Neben den grossen Flamenco-Shows umfasst das Festival auch Kurse und Workshops, die zum Teil von den besten Flamenco-Lehrern des Landes gehalten werden. Das Festival findet jedes Jahr von Februar bis März statt. Das Andalusische Zentrum für Flamenco betreibt ausserdem ein Flamenco-Museum im Palacio Permartín an der Plaza de San Juan.

Andalusische Folklore beim Festival der Pferde in Jerez (Bild: Hans Peter Schaefer / Wikimedia / CC)

Andalusische Folklore beim Festival der Pferde in Jerez (Bild: Hans Peter Schaefer / Wikimedia / CC)

Auch die andalusische Reitkunst hat in Jerez lange Tradition, und an der Königlich Andalusischen Hofreitschule können die edlen Rassepferde nicht nur beim Training, sondern auch bei den regelmässig stattfindenden Dressurveranstaltungen beobachtet werden. Die Hofreitschule wurde 1973 von Álvaro Domecq Romero gegründet und beschäftigt unter seinen erstklassigen Ausbildern mehrere Olympiamedaillisten im Dressurreiten. Schon seit dem 15. Jahrhundert ist auch das Kartäuserkloster von Jerez ein bedeutendes Zentrum der Pferdezucht, und das Gestüt „Yeguada de la Cartuja“ beheimatet noch heute die weltweit grösste Zucht an spanischen Kartäuser-Pferden, einer Unterrasse der Andalusier. Das Gestüt ist jeden Samstag für Besucher geöffnet und präsentiert zu diesem Anlass öffentliche Vorführungen.

Jerez und der Sherry: Besuch in den Bodegas

Schon seit Jahrtausenden wird in der Region um Jerez Wein produziert, und der heutige Likörwein Sherry verdankt seine Bezeichnung dem historischen arabischen Namen der Stadt, Sherish. Während der Wein von Jerez bereits zu Zeiten der Römer ein wichtiges Exportgut darstellte, fielen viele der Rebstöcke während der maurischen Herrschaft einer befohlenen Rodung zum Opfer, da der Konsum alkoholischer Getränke nach islamischem Glauben nicht erlaubt war. Dennoch konnte ein grosser Teil der Weinberge erhalten werden, und nach der spanischen Rückeroberung entwickelte sich der Sherry schnell zum wichtigsten Exportgut von Jerez.

Sherry-Fässer in einer traditionellen Bodega (Bild: Falkue / Wikimedia / CC)

Sherry-Fässer in einer traditionellen Bodega (Bild: Falkue / Wikimedia / CC)




Noch heute ist der Sherry in der Region ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, und viele der traditionsreichen Bodegas stehen den Besuchern zur Besichtigung offen. Im Rundgang enthalten ist fast immer auch eine Sherryverkostung. Weitere Städte des sogenannten „Sherry-Dreiecks“ sind Sanlúcar de Barrameda, El Puerto de Santa María und Chiclana de la Frontera. Der Name Sherry ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung und das „Sherry-Dreieck“ der einzige Anbauort für Sherry weltweit.

Oberstes Bild: Kathedrale und Sherry-Bodegas (Bild: Prince Grobhelm / Wikimedia / CC)

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