Kontraste – eine spontane Reise nach Andalusien und Gibraltar

25.07.2015 |  Von  |  Europa
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Kontraste – eine spontane Reise nach Andalusien und Gibraltar
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Im Februar letzten Jahres wurde ich angefragt, ob ich Lust hätte, für eine Golfschule in Andalusien, die sich auch in der Schweiz niederlassen möchte, eine Broschüre zu betexten. 

Mit Golf hatte ich mich bis dahin noch nie befasst, und da ich nicht gerne über etwas schreibe, das ich nicht kenne, sagte ich erst zu, als ich hörte, dass ich das Golfresort Alhaurin und die dazugehörenden Ferienwohnungen vor Ort kennenlernen sollte. Das war natürlich ein Auftrag, den ich nicht ablehnen konnte!

Unvorbereitet ab nach Andalusien

Ich konnte mir eine Woche freischaufeln, und so sass ich drei Tage später in einem Airbus der easyJet mit dem Ziel Málaga. Im Rucksack einen kleinen Reiseführer über Andalusien, den ich mir noch schnell in der Bibliothek geholt hatte und auf dem Flug lesen wollte. Jedoch war die Strecke so herrlich, dass ich nonstop am Fenster klebte und so ohne jede Information an der stürmischen, sonnenüberfluteten und gar nicht winterlichen Costa del Sol landete.

Am Flughafen wurde ich abgeholt, und da ich vor lauter Begeisterung während des Fluges nichts gegessen hatte, machten wir einen Stopp an einer wundervoll gelegenen Tapas-Bar in der Nähe von Mijas. Palmen raschelten im Wind und der Blick schweifte über Meer und Berge, und ehe ich realisierte, dass ich tatsächlich so spontan hierhergekommen war, hielt ich schon den Schlüssel für die Ferienwohnung in der Hand. Die nächsten zwei Tage vergingen wie im Fluge und waren gleichzeitig spannend und gemütlich. Jungen Schweizer Golfspielern und ihrem Lehrer mit der Kamera eine Runde auf dem Golfplatz folgen, im schicken Restaurant des Resorts jede Menge Kalorien anfuttern und schreiben … und immer wieder die unbeschreiblich schöne Natur und Landschaft geniessen.

Die Arbeit war getan und mein Flug ging erst ein paar Tage später. An einem Nachmittag hatte ich Gelegenheit, mich von dem malerischen und unter Denkmalschutz stehenden Gebirgsstädtchen Mijas verzaubern zu lassen. Aber viel mehr gab es für mich mangels öffentlicher Verkehrsmittel nicht zu sehen. Als ich gerade überlegte, die restliche Zeit in Málaga oder Granada zu verbringen, bekam ich eine Mitfahrgelegenheit in den Süden angeboten. Ich dürfte, wenn ich schon mal hier sei, auf keinen Fall Gibraltar verpassen, meinte eine Schweizerin, die ich zufällig getroffen hatte. Gibraltar … bis dahin glaubte ich immer, beste Geografiekenntnisse zu haben, diese liessen mich aber nun im Stich. Gibraltar? Ich brachte es mit Fussball in Verbindung. Sosehr ich mich auch anstrengte, mehr fiel mir dazu nicht ein.

Viel Zeit, mich zu informieren, hatte ich nicht. Google half mir grob auf die Sprünge. Britisches Überseegebiet, Stadtstaat, Affenfelsen, weltweit einmalige Attraktion:  Man betritt das Land, indem man über die Rollbahn des Flughafens läuft!

Da schlug mein Herz gleich höher, bin ich doch begeisterter Aviatikfan und Planespotterin. Am nächsten Morgen lud ich also meinen Koffer in den Jeep dieser netten Dame aus Luzern. Ihr Ziel war Puerto Soto Grande, sie wollte mich jedoch bis nach La Línea de la Concepción bringen, wo ich kurzfristig ein Zimmer im Marriott Hotel buchen konnte. Ich bekam die Gelegenheit, zuerst Puerto Soto Grande anzusehen: ein Bilderbuchort, der mich an die wohlhabenden Städtchen in Florida erinnerte. Sehr sauber und gepflegt, modern, wohlhabend, palmengesäumte Strassen … In der Nähe des Jachthafens tranken wir einen Kaffee und spazierten ein Stück am Strand entlang. Ich packte eine der grossen, überall im Sand verstreut liegenden Muscheln ein. Alles hier erinnerte an die tollen Fotos in Ferienkatalogen.

Da ist La Línea das krasse Gegenteil. Es wirkt ziemlich schäbig. Wir fuhren eine Weile durch die nicht sehr einladenden Strassen, bis wir das Hotel fanden. Glücklicherweise befand sich dies nur leicht versetzt hinter der Hauptstrasse, gegenüber vom Meer. Der nächtliche Spaziergang durch dunkle, düstere Gassen würde mir also erspart bleiben, sollte ich abends noch unterwegs sein.

Das spanische Personal im 4* Marriott Hotel konnte kaum Englisch, bzw. wollte nicht wirklich eine Fremdsprache sprechen. Das ist etwas, was ich auch ausserhalb des Golf-Resorts sowie schon früher in Spanien, z. B. an der Costa Brava, erlebte. Ich bekam den Zimmerschlüssel und die Zimmernummer, das war offensichtlich genug Information. Mein Zimmer war freundlicher als die Angestellten des Hotels, und als ich die Vorhänge aufzog, stockte mir fast der Atem: Vor mir lagen das Meer, der Fels von Gibraltar und in der Ferne die nordafrikanische Küste.


Der Fels von Gibraltar (Bild: © Michal Ninger - shutterstock.com)

Der Fels von Gibraltar (Bild: © Michal Ninger – shutterstock.com)


Wenn es auch in diesem Hotel nichts zu essen gab, nicht mal Frühstück konnte ich dazubuchen, so bot es doch eine nicht zu übertreffende Aussicht, und es gab WLAN. Jetzt konnte ich mich im Internet endlich informieren, wo ich hier eigentlich „gelandet“ war. Und ich fand auch heraus, wo es in der näheren Umgebung ein Restaurant oder einen Supermarkt gab: nämlich nirgends. Das heisst, es gab zwar ein chinesisches Restaurant nur wenige Hundert Meter weiter, aber das war geschlossen.

Nun, so sagte ich mir, gehe ich halt nach Grossbritannien essen! Ich war nie vorher bei den Briten und hatte keine Ahnung, was mich jenseits der Grenze erwarten würde. Etwa eine Viertelstunde dauerte der Spaziergang bis zum Grenzübergang, wo ein mächtiges Gedrängel herrschte: Autoschlangen stauten sich, düster aussehende Kerle standen herum, und jede Menge Leute wollten in beide Richtungen über die Grenze. Mir erschien das alles ziemlich unwirklich. Ich liess mich treiben, zeigte meinen Pass vor und beantwortete die Frage, was ich in Gibraltar wolle, damit, dass ich Touristin sei und kein bestimmtes Anliegen habe. Das war offensichtlich die richtige Antwort, ich wurde durchgewinkt. Die beiden jungen Frauen hinter mir hatten weniger Glück, sie durften nicht weiter.


Spanische Grenze (Bild: © Allard One - shutterstock.com)

Spanische Grenze (Bild: © Allard One – shutterstock.com)


Bevor ich nun Gibraltar betreten konnte, versperrte erst einmal eine Schranke wie an einem Bahnübergang Strasse und Trottoir. Eine Eisenkette mit Metallspitzen wurde ausserdem quer über die Strasse gelegt. Begeistert kramte ich die Kamera aus dem Rucksack: Das war gutes Timing, eine Maschine der Monarch Air befand sich im Landeanflug. Kaum war sie angekommen, wurde der Weg freigegeben und man lief oder fuhr tatsächlich quer über die Rollbahn. Aus einem Automaten zog ich mir für einen Euro einen Stadtplan und machte mich auf die Suche nach einem Restaurant, wo ich diesen studieren und essen konnte. Hohe Erwartungen hatte ich an die britische Küche nicht, zumal ich Vegetarierin bin. Umso mehr überraschte mich ein Schild vor dem Lord Nelson: English Breakfast and English Breakfast Vegetarian stand da geschrieben.

Wer jetzt zweifelnd über eine vegetarische Variante dieses Gerichtes nachdenkt, dem kann ich versichern: Es war super lecker! Ein Cider dazu, Rugby im TV und aufgestellte Leute um mich herum – ich vergass die Zeit, und es war bereits dämmrig, als ich mich an der Grenze in die Warteschlange Richtung Spanien einreihte. Es ging zäh vorwärts, aber ich musste wieder nur meinen Reisepass hochhalten und durfte problemlos passieren. Dass Schmuggel und Kriminalität in La Línea de la Concepción an der Tagesordnung sind, wusste ich da noch nicht, aber konnte es mir beim Anblick der düsteren Gestalten rund um die Grenze denken. Froh, wieder im Hotel zu sein, schaffte ich es nicht, endlich ausführlich Gibraltar zu googeln, denn ich schlief bald tief und fest ein. 

Möwen, Muscheln, Sonne, Glück

Ich wurde langsam wach und hörte von Ferne Gelächter. Nun musste ich mich erst mal sammeln: Wo war ich, wer lachte da die ganze Zeit? Als ich die Augen öffnete, sah ich auf eine prächtige Dattelpalme, dahinter aufs Meer, bis hin nach Marokko in Afrika. Und nein, ich träumte nicht mehr, das war die Wirklichkeit! Vor meinem geöffneten Fenster kreiste eine Lachmöwe und amüsierte sich prächtig. Zwar habe ich inzwischen gelesen, dass es die sogar in der Schweiz geben soll, aber so etwas hatte ich nie vorher gehört. Möglicherweise gibt es verschiedene Lachmöwenarten? Diese hier jedenfalls amüsierten sich auch noch prächtig, als sie mich in meinem 4*-Hotelzimmer beim Frühstück sahen: Es gab Erdnüsse und eine winzige Flasche Orangensaft aus der Minibar.

Nun, Lachen ist ja bekanntlich ansteckend, und so marschierte ich wenig später bestens gelaunt schon wieder nach Gibraltar, wo ich mir erneut ein herzhaftes englisches Frühstück gönnen wollte. Dieses Mal lief ich am Strand entlang, wo mir auch hier die grossen Jakobsmuscheln auffielen, leider auch viel Unrat. Okay, es war ja Februar, wahrscheinlich wird vor Saisonbeginn geputzt.

Die Fahrzeuge in Richtung Gibraltar stauten sich schon am Vormittag, und der Parkplatz war auch gut gefüllt. Der britische Wachposten war freundlich wie die Möwen und lachte, als er mich stolz mit ein paar Brocken Deutsch begrüsste und mir einen schönen Tag wünschte. Es braucht so wenig, um einem Gast ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern! Ebenso freundlich war der Grenzwächter, der gerade wieder die Eisenkette über die Strasse gelegt hatte. Er zeigte mir, wo ich am besten stehen sollte, um die schönsten Fotos von der sich im Landeanflug befindenden easyJet-Maschine zu machen.


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Wenig später sass ich vor dem Lord Nelson in der Sonne und genoss mein reichhaltiges Frühstück. Auf der anderen Seite des Casemates-Platzes befand sich das Tourismusbüro, welches ich als Nächstes ansteuerte. Eine Frau etwa in meinem Alter und ein jüngerer Mann sassen hinter den Schreibtischen und sahen mich etwas verständnislos an, als ich fragte, ob man denn ganz Gibraltar umwandern könnte? Ob ich zu Fuss gehen wolle, fragten sich mich. Hiking … nein, das ist nicht möglich, durch den Tunnel kann man nicht laufen. Ich könnte aber bis zu diesem gehen und mit dem Bus wieder zurückfahren. Na, das war doch schon mal was. Als ich aber noch wissen wollte, ob ich das an einem Tag schaffen kann, sahen mich dann beide ziemlich schief an. So etwas Blödes hat hier wohl noch keiner gefragt.

Drei Stunden, meinte der junge Mann schliesslich, sollte ich einplanen, es gäbe ja unterwegs einiges zu sehen. Ich war noch nicht zu Türe heraus, als es hinter mir tönte, wie am Morgen vor dem Fenster. Na, wenigstens hatte ich denen einen Grund zum Lachen geboten, grinsend spazierte ich zuerst zum Hafen. Es ist eine schöne Anlage, und gleich dahinter wurde die Lande- und Startbahn ins Meer hinaus gebaut. Da gerade ein Flieger der British Airways zum Start bereitstand (oder soeben gelandet war?), kam er unmittelbar hinter den Segelboten zum Stehen. Ein tolles Bild, da passte der Begriff „Flughafen“ perfekt.

Dann führten meine Schritte in Richtung Zentrum. Da Shoppen nicht so mein Ding ist, liess ich die Läden unbeachtet. Jedoch fielen mir die schönen, restaurierten Häuser auf. Ich bummelte durch alte Gassen, bis ich zum Convent gelangte. In diesem herrlichen, aus dem Jahr 1728 stammenden Gebäude befindet sich heute der Sitz des Gouverneurs. Ich hatte Glück und konnte die Wachablösung miterleben. Mein Ziel, die Insel zu umrunden, war nicht mehr wichtig, viel zu viel gab es zu sehen und zu geniessen. So beispielsweise den Upper Rock Naturpark. Diesen wohl schönsten botanischen Garten, den ich je besuchte, kann man täglich von 8.00 bis 21.00 Uhr gratis betreten.

Von hier geniesst man den Blick aufs Meer, auf den mächtig aufragenden Felsen und vor allem die vielen, vielen Pflanzen. Alles hier ist liebevoll gepflegt, und was mir am besten gefiel: Die Bänke wurden nicht einfach entlang des Weges aufgereiht, sondern sind in diese üppige Pflanzenpracht integriert. Kleine Pfade führen zu manch einer Bank. Das nutzte ich, um einfach die Seele baumeln zu lassen und dankbar zu realisieren und zu geniessen, dass ich tatsächlich so überraschend in so einer wunderschönen Gegend unseres Planten gelandet war.

Später nahm ich den Bus zurück in Richtung Grenze. Rüber nach Spanien wollte ich noch nicht. Also folgte ich ziemlich neugierig einer Strasse, die auf die „Rückseite“ des berühmten Felsen von Gibraltar führte. Hier schaute ich mir den Friedhof an, der aus einem chaotischen Gedränge von weissen Steingräbern besteht. Es scheint, dass überall, wo es noch Platz hat, bei Bedarf ein neues Grab ausgehoben wird. Ein System konnte ich jedenfalls nicht erkennen. Der Platz ist eben überall in Gibraltar begrenzt, klar, wenn so ein winziges Land hauptsächlich aus einem Felsen besteht …

Nach ca. einer Viertelstunde Fussweg lag plötzlich unter mir ein Strand wie aus einem Bilderbuch: Caleta. Ein paar bunt gestrichene Häuser und das Caleta-Hotel umrahmten ihn, es war kein Mensch zu sehen und alles erschien mir unwirklich schön. Ein Stillleben. Wie gemalt. Die Sonne interessierte es nicht, dass da eine Frau aus der Schweiz unterwegs und auf Februar eingestellt war. Sie schien warm vom tiefblauen Himmel, an dem der Wind ein paar Wolkenfetzen vor sich hertrieb. Ich zog die Turnschuhe aus und rollte die Hosenbeine so hoch wie möglich. Was für ein Genuss, mitten im Winter barfuss an diesem Traumstrand durch die Wellen zu spazieren.

Später lag ich im Sand und war einfach nur glücklich. Um mich herum die schönsten Muscheln. Eine davon hat ihren Platz auf meinem Schreibtisch gefunden.

Die frechen Berberaffen auf dem Upper Rock

An meinem letzten Tag in Europas Süden machte ich mich frühmorgens auf, natürlich begleitet vom Gelächter der Möwen, die Affen auf dem Upper Rock zu besuchen. Dort hinauf gelangt man zu Fuss (dafür fehlte mir die Zeit), mit einem der nervigen Minibus-Taxisfahrer, die ihr Touristenprogramm laut und aufdringlich abspulen, oder mit der Gondel, einem Schweizer Fabrikat übrigens. Ich entschied mich für Letzteres. Zwar erklärte mir vorher ein Herr mit Touristentaxi, dass ich ohne ihn keine Affen zu sehen bekäme, aber das war natürlich Unsinn.

Die Äffchen sind allgegenwärtig, Einzelgänger, Gruppen sowie Mamis mit ihren Kleinen. Sie bieten sich als herrliche Fotomodelle an. Während man bei manchen das Gefühl hat, sie genössen die Aufmerksamkeit, dösen andere in der Sonne und kümmern sich überhaupt nicht um die Besucher. Leider liegt dort oben auch viel Müll herum, aufgeplatzte Abfallsäcke werden von den Affenkindern auseinandergenommen und Plastikflaschen und leere Kartons zum Spielen benutzt. Manche Touristen fanden das ganz goldig, ich eher nicht so.

Wenn man aber den Weg etwas entlangspaziert, trifft man Äffchen in der Natur: Da liegt einer auf einem Felsen, dort schläft ein anderer inmitten von Blüten, hier spielen zwei Fangen oder klettern auf dem Geländer, eine Mama stillt ihre Babys und ein dicker alter Affe blinzelt gelangweilt der fotografierenden Touristin entgegen. So gefiel mir das! Dazu hatte ich einen Prachttag erwischt. Allerbeste Fernsicht. Der Blick ging zwischen Europa und Afrika hin und her und immer wieder weit aufs Meer hinaus.


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Auch die weissen Minibusse trafen zahlreich hier oben ein. Mit Leckerbissen für die Tiere, die daraufhin auf die Autodächer sprangen und bettelten. Die Mitfahrer fanden das ganz toll, hatten nach fünf Minuten alle Fotos geschossen und düsten weiter. Bis das nächste Taxi angebraust kam.

Ausser den Affen faszinierte mich natürlich der Blick auf den Flugplatz. So von oben herab auf die Flugzeuge im Landeanflug oder nach dem Start zu sehen, war schon ein Highlight. Als ich mit der Kamera auf der Lauer lag, gesellte sich ein stattlicher Affenherr zu mir und sah mir so wissend zu, dass ich ihm beinahe die Kamera in die Hand gedrückt hätte, damit er ein Bild von mir macht. Die Tiere sind wirklich zutraulich, würden sich aber niemals anfassen lassen, und das ist, ebenso wie Füttern, auch strengstens verboten.

Eine Heimreise mit Sprach- und anderen Hindernissen

Zurück im Hotel, wollte ich herausfinden, wie ich denn am nächsten Morgen zum Flughafen nach Málaga käme. Damit überforderte ich die gesamte Rezeption des Marriott Hotels. Dass es in Málaga einen Flughafen gibt, das wussten sie natürlich, dass einer ihrer Gäste aber dorthin gelangen musste, kam wohl noch nie vor. Nach einer halben Stunde, zu dritt am PC herumtippend, hatten sie immerhin herausgefunden, dass ich mit dem Bus bis Marbella fahren konnte und dort eventuell einen Anschluss hätte. Ansonsten wäre es dann nicht mehr so weit und teuer mit dem Taxi wie von La Línea. Na immerhin.

Am nächsten Morgen stand ich verloren auf dem Busbahnhof in La Línea de la Concepción. Kein Informationsschalter, kein Ticketschalter, kein Fahrplan, kein Mensch, der Englisch sprach oder mir weiterhelfen wollte. Erst als ich mich verzweifelt auf meinen Koffer setzte, um der Dinge zu harren, die an diesem Tag noch auf mich zukommen würden, sprach mich ein junger Mann an. Er bringe seine Mutter zum Bus nach Málaga, der halte in Marbella. Mama würde mir gerne zeigen, wo ich aussteigen müsse. Ein Bus nach Málaga??? Ich hätte die beiden umarmen können.

Wenig später kaufte ich für wenige Euro ein Ticket und sank in das bequeme Polster des Reisebusses. Draussen zog die Traumlandschaft Andalusiens an mir vorbei und ich saugte diese Bilder in mich auf. Wundervolle Strände, unzählige herrliche Hotelanlagen: Hier lebt man vom Tourismus. Und das tut man natürlich auch im Flughafen. Dort machte mir Spanien den Abschied nochmals so richtig leicht: Ich hatte den ganzen Tag noch keinen Bissen gegessen und wollte gerne, bevor mein Flug ging, gemütlich speisen. Zeit hätte ich gehabt, aber für Vegetarier gab es erst mal gar nichts, ausser einem unfreundlichen NO. Und das gleich in zwei Restaurants. Am Informationsschalter konnte man mir auch nicht weiterhelfen, aber am Schalter von Swissport bekam ich schliesslich einen Tipp, wo ich ausserhalb des Gebäudes doch endlich etwas essen konnte.



Zum Abschied gab es noch Chaos am Gate: Man hatte vergessen, dass wir, wenn wir den Ausgang verlassen, ein Flugzeug zum Einsteigen benötigen. Das war zu dem Zeitpunkt aber noch in der Luft.
Schliesslich wurden wir aber doch noch abgeholt, ich schlief noch während des Starts ein und wurde erst in Basel wieder wach.

Dort fragte ich den Angestellten am Bahnschalter, ob er eventuell Zeit hätte, mir bitte den Fahrplan zu meinem Heimatort auszudrucken. Er lachte und meinte: Aber selbstverständlich, Madame, das tue ich gerne, dafür sitze ich doch hier. – Ja, ich war wieder in der Schweiz!

Nachtrag:

1. Die Golfschule, für die ich diese Reise eigentlich antrat, gibt es nach wie vor in Andalusien, die Zweigstelle in der Schweiz wurde bis heute nicht realisiert.

2. Andalusien ist wunderschön. Ich werde bestimmt wieder dorthin reisen, aber vorher etwas Spanisch lernen.

 

Oberstes Bild: © Sorin Colac – shutterstock.com

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