Monte Tamaro und die Kirche Santa Maria degli Angeli

20.06.2016 |  Von  |  Schweiz, Tagesausflüge CH
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Monte Tamaro und die Kirche Santa Maria degli Angeli
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Im südlichen Tessin oberhalb der Gemeinde Rivera – zwischen Lago Maggiore und Luganer See gelegen – erhebt sich der Monte Tamaro. Mit seinen 1‘960 Höhenmetern ist er sicher einer der weniger spektakulären Gipfel der Schweiz, auch wenn man von hier oben bei guter Sicht wundervolle Blicke auf den Lago Maggiore, bis hin zum Monte-Rosa-Massiv oder zum Matterhorn geniessen kann.

Einem sportinteressierten Publikum mag der Monte Tamaro als Austragungsort der Mountainbike-Weltmeisterschaften im Jahre 2003 noch ein Begriff sein. Mountainbiking steht hier nach wie vor hoch im Kurs. Es gibt einen Bike-Park, mehrere Parcours und Downhill-Strecken. Auch Sommerrodler kommen mit einem entsprechenden Bahn-Angebot auf ihre Kosten. Doch der Berg hat noch eine andere Attraktion zu bieten – die Kirche Santa Maria degli Angeli.

Fast wie eine Festungsmauer

Es dürfte sich fraglos um einen der ungewöhnlichsten Sakralbauten in der Schweiz handeln – und um einen der modernsten. Die Kirche wurde im Jahre 1990 von dem international renommierten Schweizer Architekten Mario Botta – selbst ein „Tessiner“ – entworfen. Die Umsetzung des Baus auf dem Gelände der auf 1‘567 Metern, etwas unterhalb des Gipfels gelegenen Alpe Foppa erfolgte zwischen 1992 und 1996. Dabei wurden Beton und rötlicher Porphyr als Werkstoffe genutzt. Das rostrote Antlitz ist bis heute ein prägendes Element der Kirche.


Blick nach Nordosten (Bild: © Adrian Michael, Wikimedia, CC BY-SA 2.5)

Blick nach Nordosten (Bild: © Adrian Michael, Wikimedia, CC BY-SA 2.5)


Wenig erinnert äusserlich an ein sakrales Bauwerk. Einzig eine metallische Aufhängung über dem Kapellenraum am Ende des Baus mit einem Kreuz und einer Glocke weist auf die religiöse Funktion hin. Gleichzeitig kann das Metall-Gebilde als Aussichtspunkt genutzt werden, denn hier öffnet sich der Blick weit in die Bergwelt und das unterhalb liegende Tal.

Ansonsten drängt sich dem Betrachter eher das Bild einer Festungsmauer auf. Über 65 Meter Länge erstreckt sich eine nur von kleinen runden Öffnungen und einem Durchgangs-Bogen mit Treppe durchbrochene Wand. Auch der Kapellenraum am Ende wirkt mit seinen runden Umfassungsmauern mehr wie der Überrest eines Festungsturms als ein sakraler Raum. Wegen der Treppenkonstruktion wird manchmal auch der Vergleich mit einem Amphitheater gewählt.


Die Kirche wurde im Jahre 1990 von dem international renommierten Schweizer Architekten Mario Botta entworfen. (Bild: © Mike Lehmann, Wikimedia, CC BY-SA 2.5)

Die Kirche wurde im Jahre 1990 von dem international renommierten Schweizer Architekten Mario Botta entworfen. (Bild: © Mike Lehmann, Wikimedia, CC BY-SA 2.5)


Ein aussergewöhnliches Ziel

Der Besucher hat die Wahl zwischen zwei Wegen: er kann auf der Mauer zum Dach der Kapelle gelangen und über Treppen dann in den Innenraum. Oder er bewegt sich im Inneren der Festungswand auf einem Gang, der im Platz unmittelbar vor dem Kapelleneintritt endet. Der Innenraum des Kirchenbaus ist von schnörkelloser Schlichtheit und strenger Geometrie geprägt.

Seine Zierde ist die von dem bekannten italienischen Künstler Enzo Gucchi bemalte Apsis. Eingelassene rechteckige Fenster in der Kapelle erlauben Blicke in das Tal. Trotz der formalen Strenge wirkt der Raum nicht schwer oder wuchtig, es ist ein idealer Ort für Meditation und um zur Ruhe zu kommen. Dazu trägt schon alleine das gedämpfte Licht bei.


Blick ins Tal, im Hintergrund Bellinzona (Bild: © Adrian Michael, Wikimedia, CC BY-SA 2.5)

Blick ins Tal, im Hintergrund Bellinzona (Bild: © Adrian Michael, Wikimedia, CC BY-SA 2.5)


Die Kirche Santa Maria degli Angeli ist ein charakteristischer Botta-Bau. Dessen Formensprache zeichnet sich durch Geometrie, Schlichtheit und die Nutzung der Effekte von Licht und Schatten aus, die seinen Bauten trotz massiver Bauweise oft den Eindruck leichter Eleganz verleihen. Die Verbindung von moderner Architektur und Malerei auf höchstem Niveau macht Santa Maria degli Angeli zu einem aussergewöhnlichen Bauwerk und einem besonderen Ausflugsziel.

Dem Himmel ein Stück näher

Man muss nicht religiös geprägt sein, um sich an diesem Ort dem Himmel ein Stück näher zu fühlen. Hierher zu kommen, ist übrigens nicht schwer. Eine Seilbahn führt bis auf die Höhe. Und wer nach Besinnung und Meditation noch Lust auf weltliche Genüsse hat, findet sie im nahen, idyllisch an einem kleinen See gelegenen Ausflugsrestaurant der Alpe Foppa.



Fazit

Die Kirche Santa Maria degli Angeli am Monte Tamaro ist einer der ungewöhnlichsten Sakralbauten der Schweiz – ein Meisterwerk moderner Architektur und Kunst. Wer hierher kommt, fühlt sich dem Himmel ein Stück näher.

 

Artikelbild: © Sascha Corti – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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