Quinten – Dörfli mit nationaler Bedeutung

10.04.2015 |  Von  |  Schweiz
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Quinten – Dörfli mit nationaler Bedeutung
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Gerade mal 60 Einwohner hat Quinten im Kanton St. Gallen, am Walensee. Da gedeiht nicht nur köstlicher Wein, sondern wachsen auch exotische Früchte, wie Kiwis oder Feigen. Die herrliche Vegetation und die gepflegten Gebäude lassen in Quinten sofort Ferienstimmung aufkommen. Das Dorf ist absolut sehenswert, nicht umsonst wird es in der Liste der Ortsbilder von nationaler Bedeutung aufgeführt.

Das Dörflein das zur politischen Gemeinde Quarten gehört, erfreut sich eines südländischen Klimas und eines geschützten Ortskerns. Unterhalb der steilen Südhänge der Churfürsten wird hier eine durchschnittliche Jahrestemperatur von 12 Grad erreicht.



Wenn Sie nun Lust bekommen, sich in Ihr Auto zu setzen und nach Quinten zu fahren, dann muss ich Sie enttäuschen: Weit werden Sie nicht kommen! Sie erreichen das Dorf ausschliesslich zu Fuss oder mit dem Schiff. So kam auch ich vor Jahren erstmals hierher: Von Murg aus erreicht man Quinten in einer kurzen Überfahrt mit einem kleinen Boot. Auch das Linienschiff, welches zwischen Weesen und Walenstadt verkehrt, stoppt hier. Die Churfirsten im Blick und das tiefblaue Wasser des Walensees ringsum sind schon beeindruckend, die Geschichte und der hervorragende Zustand der Häuser des Ortes sind es umso mehr.


Blick auf Quinten (Bild: Badener, Wikimedia, CC)

Blick auf Quinten (Bild: Badener, Wikimedia, CC)


Wurzeln bis ins 9. Jahrhundert

Auf dem Gebiet von Quinten wurden zwar römische Münzen gefunden, die heute in einem Museum in St. Gallen zu sehen sind, aber wie diese hierher kamen, darüber gibt es unterschiedliche Vermutungen. Die Ortsbezeichnung kam dank des Bischofs von Chur zustande und soll von der Hofnummerierung stammen. Somit reicht sie ins 9. Jahrhundert zurück. Im 13. Jahrhundert verwaltete der Hof Quarten Quinten und Anfang des 15. Jahrhunderts war es ein Teil der österreichischen Herrschaft Windegg. Später ging es an die Landvogtei Gaster über. Als sich 1523 die Pfarrei Quarten von Walenstadt trennte, wurde Quinten ein Teil von ihr. Das Haupteinkommen der Einwohner bildeten bis Mitte des 20. Jahrhunderts die Wald- und Alpnutzung.

Der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg erfasste Quinten kaum. Da das Dorf weder mit der Bahn noch dem Pkw erreichbar ist, kam es hier zu keiner Industrialisierung. So viele Einwohner wanderten aus, dass es eine Zeit lang schien, als könne das Dorf nicht weiter bestehen. Erst die Anbindung an die Walenseeschifffahrt machte Quinten zu einem beliebten Ausflugsziel und brachte durch den Tourismus neue Arbeitsplätze. Heute leben die Einwohner vor allem vom Rebbau und dem Tourismus. Plötzlich waren Ferienhäuser in dieser vom Klima verwöhnten Region gefragt und der fruchtbare Boden wurde teilweise überbaut, was zum Rückgang der Landwirtschaft führte. Das Ortsbild zu erhalten, wurde zu einer wichtigen Aufgabe der Denkmalpflege.




Man erreicht Quinten ausschliesslich zu Fuss oder mit dem Schiff. (Bild: Ramessos, Wikimedia)

Man erreicht Quinten ausschliesslich zu Fuss oder mit dem Schiff. (Bild: Ramessos, Wikimedia)


Erhalt des Dorfbildes ist Denkmalpflege-Projekt

Als ich das erste Mal in Quinten aus dem Boot stieg, wähnte ich mich in einer Filmkulisse. Der Ort ist so herzig, die alten Häuser und Gärten sind dermassen liebevoll gepflegt und dekoriert, dass ich nicht sofort loswandern konnte. Zuerst wollte ich mir alles anschauen und dann am Hafen einen Kaffee trinken, um die friedliche Stimmung auf mich wirken zu lassen. Mit Sicherheit hat jedes Haus in Quinten eine interessante Geschichte, die bedeutendsten möchte ich Ihnen hier vorstellen:



Eines davon ist das etwas ausserhalb des Dorfkerns gelegene Kublihaus. Hierbei handelt es sich um ein historisch bedeutendes Haus, welches ein Stück Geschichte der Schweiz schrieb.

Johann Melchior Kubli (1750 – 1835) kaufte dieses Haus und lebte hier bis zu seinem Tod. Kubli war Politiker und wurde bekannt als Gerichtsschreiber im Prozess gegen die angebliche Hexe Anna Göldin. Er hatte verschiedene Ämter inne und wurde ausserdem in Quinten als Winzer und Obstbauer geschätzt. Vielen ist sein Name vor allem deshalb bekannt, weil er im Hexenprozess 1782 an die Unschuld von Anna Göldin glaubte und sich gegen die Folter aussprach. Dadurch, dass er geheime Akten öffentlich machte, kam die Unschuld der Angeklagten ans Tageslicht.


Haus in Quinten (Bild: Badener, Wikimedia, CC)

Haus in Quinten (Bild: Badener, Wikimedia, CC)


Das Kublihaus wurde wahrscheinlich im 17. Jahrhundert erbaut. Es handelt sich um ein stattliches Glarner Herrenhaus mit fünf Stockwerken. Hierin sind 12 Zimmer sowie vier Keller untergebracht. Im Jahre 1999 wurde das Haus renoviert, wobei die Kriterien der Denkmalpflege eingehalten werden mussten. Dieses geschichtsträchtige Haus können Sie für Familienfeiern und Firmenanlässe mieten. Neben weiteren Informationen bezüglich seiner Geschichte dürfen Sie sich in diesen wundervollen alten Gemäuern auf Quintner Wein und Spezialitäten aus der Region freuen.

Im Zentrum des kleinen Dorfes steht die 1765 erbaute Kapelle. Sie gehört zur Kirchgemeinde Quarten und ist dem heiligen Bernhard v. Clairvaux geweiht, dem alljährlich am 20. August gedacht wird. Aus einem Bericht von 1639 geht hervor, dass die Kapelle früher näher am Seeufer stand. Aufgrund ihres sehr schlechten baulichen Zustandes wurde Mitte des 18. Jahrhunderts der Neubau beschlossen. Für diesen bekam das Dorf Quinten von Quarten im Dorfzentrum den nötigen Bauplatz geschenkt. 1919 wurde eine erste komplette Renovation durchgeführt und die kleine Kirche erhielt Relieffiguren sowie Holzplastiken, zudem stattete man sie mit einem Deckengemälde aus. Im Jahre 1985 war eine weitere Renovation notwendig, während der die Kapelle weitestgehend ihren ursprünglichen Zustand wieder bekam.



Ein weiteres markantes Gebäude soll abschliessend genannt werden: Das frühere Gasthaus „Zur Sonne“, heute als Haus Gilly oder Alte Post bekannt, stammt aus der Zeit um Mitte des 17. Jahrhunderts. Es wird aber vermutet, dass der Ursprung dieses Hauses wesentlich weiter zurückreicht. Die Geschichte des Gebäudes konnte nicht definitiv geklärt werden. Laut einem ehemaligen Denkmalpfleger des Kantons St. Gallen ist die Alte Post in Quinten ein Sonderfall im Sarganserland. Diese Aussage bezieht sich auf die historische Bausubstanz, die für diese Region aussergewöhnliche Fassade mit ihrem reich verziertem Fachwerk, aber auch auf die Innenausstattung: Hohe Wohnräume mit getäfelten Wänden lassen ebenso auf fremde Einflüsse schliessen, wie die sehenswerten Decken.



 Ruine Strahlegg: Überbleibsel des Imperium Romanum

Ein Ausflug nach Quinten lässt sich mit einer Wanderung nach Weesen verbinden. Neben der Naturschönheit entdecken Sie hier eine interessante Burgruine: Die Ruine Strahlegg in Hinterbetlis. Lange wurde vermutet, dass es sich hierbei um ein Bauwerk aus dem Mittelalter handelt. Forscher kamen aber zu dem Schluss, dass es bereits im 1. Jahrhundert von den Römern als Wachturm erstellt wurde. Erst Hunderte von Jahren später baute man ihn zum Burgturm um. Mithilfe der kantonalen Denkmalpflege wurde dieser eindrückliche Zeitzeuge restauriert und steht heute unter Denkmalschutz.



 

Oberstes Bild: Das malerische Dorf Quinten zieht Besucher nicht nur wegen seines südländischen Klimas an. (© böhringer friedrich, Wikimedia, CC)

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