Sarnen – ländliche Idylle am Sarnersee

18.06.2016 |  Von  |  Schweiz
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Sarnen – ländliche Idylle am Sarnersee
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Einen Kantons-Hauptort würde man in Sarnen nicht unbedingt vermuten. Allerdings ist der Kanton Obwalden ebenfalls überschaubar, auch wenn er einen der drei Schweizer Urkantone bildet. Die rund 10‘000 Sarner Bürger stellen immerhin mehr als ein Viertel der Einwohnerschaft von Obwalden. Dennoch denkt man bei Sarnen nicht zwangsläufig an eine Stadt. Und urbane Hektik will hier im Umfeld des stillen Sarnersees einfach nicht aufkommen.

Mit seiner aufgelockerten Bebauung, der Ausfächerung in diverse Weiler und Ortsteile und der malerischen Hanglage mit zahlreichen Einzelgehöften erinnert Sarnen in mancher Hinsicht an eine dörfliche Streusiedlung.

Erst das Vorhandensein zentraler Infrastruktur-Einrichtungen und bedeutender Gewerbebetriebe weist auf überörtliche Bedeutung hin. Sie hat dazu geführt, dass in Sarnen traditionelle und moderne Bauweise manchmal eigenwillig nebeneinander stehen. Dem Reiz des Ortes tut das aber keinen Abbruch. Und die bereits lange ausgeübte „Zentral-Funktion“ hat Sarnen auch manche Sehenswürdigkeit beschert.


Sarnen (Bild: Félix Potuit, Wikimedia, public domain)

Sarnen (Bild: Félix Potuit, Wikimedia, public domain)


Sankt Peter und Paul – ein barockes Meisterwerk

Unbestrittenes Schmuckstück ist die Pfarrkirche Sankt Peter und Paul im Ortsteil Kirchhofen, die weithin sichtbar von einer Anhöhe über den Sarnersee grüsst. Der im 18. Jahrhundert errichtete Bau bildet ein besonders schönes Beispiel von Spätbarock-Architektur in der Schweiz. Im Äusseren zeigt sich die doppeltürmige Kirche schlicht, dafür überrascht das Innere mit einer reichen Ausstattung.

Wertvolle Stuckaturen und Deckengemälde schmücken das lichte Kirchenschiff. Kanzel, Hochaltar und Seitenaltäre präsentieren sich dem Betrachter mit zartrosa marmorierten Säulen und prächtigem Gold-Dekor. Der ganze Raum atmet die typische Heiterkeit der Barockzeit. Zu Recht ist der Bau ein Kulturgut von nationalem Rang. Es fügt sich ideal in die landschaftliche Umgebung ein.


Pfarrkirche St. Peter and Paul in Sarnen, Innenraum (Bild: Mussklprozz, Wikimedia, CC)

Pfarrkirche St. Peter and Paul in Sarnen, Innenraum (Bild: Mussklprozz, Wikimedia, CC)


Sankt Martin – auf den Spuren von Corbusier

Einen krassen Gegensatz dazu bietet die Kollegiumskirche Sankt Martin – ebenfalls nationales Kulturgut. Der 1966 errichtete Sakralbau gehört dem Benediktinerkonvent Muri-Gries. Er diente ursprünglich als Kirche für das benachbarte, heute nicht mehr existierende Internat im schmucken Konventsbau „Altes Gymnasium“. Sankt Martin ist ein Werk des Schweizer Architekten Ernst Studer, der sich dabei von Corbusier beeinflussen liess.

Helle hohe Rundmauern ohne Fenster prägen das Bauwerk, das dank der geschwungenen Formgebung trotz seiner Fensterlosigkeit und des verwendeten Betons nicht klotzig oder massiv wirkt. Dazu trägt auch die kuppelartige Dachgestaltung bei. Studers Bau erinnert in manchem an Corbusiers berühmte Kirche Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp, dennoch ist Sank Martin eine ganz eigenständige Kreation.


Kollegiumskirche Sankt Martin in Sarnen (Bild: Roland Zumbuehl, Wikimedia, CC)

Kollegiumskirche Sankt Martin in Sarnen (Bild: Roland Zumbuehl, Wikimedia, CC)


Das Sarner Jesuskind

Mit dem Benediktinerinnenkloster Sankt Andreas verfügt Sarnen noch über ein weiteres bedeutendes „geistliches“ Gebäude. Seit 1615 sind die Benediktinerinnen bereits im Ort tätig und können damit auf eine über 400jährige Tradition zurückblicken. Der wertvollste Besitz des Klosters ist das Sarner Jesuskind, eine aus dem 14. Jahrhundert stammende Holzfigur. Bereits bald nach seiner Schöpfung wurden dem Sarner Jesuskind Wunderkräfte zugeschrieben, was damals einen mächtigen Wallfahrtsbetrieb auslöste.

Auch wenn an der Wundertätigkeit heute vielleicht Zweifel existieren, die Wallfahrtstradition besteht ungebrochen fort. Das Kloster verfügt aber noch über einen anderen Schatz – eine der grössten und wichtigsten Musikaliensammlungen der Schweiz. Über 2300 Musikmanuskripte gehören zu ihrem Bestand und runden die übrigen Klostersammlungen mit Büchern, Gemälden und liturgischen Gerätschaften ab.


Musikaliensammlung des Frauenklosters St. Andreas (Bild: WWHenderson20, Wikimedia, CC)

Musikaliensammlung des Frauenklosters St. Andreas (Bild: WWHenderson20, Wikimedia, CC)


Rund um den Dorfplatz

Sarnens „gute Stube“ ist der Dorfplatz. Er bildet sozusagen das Herzstück der Gemeinde. Die barocke Dorfkapelle Maria Lauretana gibt dem Platz zusammen mit schönen alten Häusern ringsum ein malerisches Bild. Das Rathaus und das sogenannte von Wyl-Haus sind wohl die repräsentativsten Gebäude hier.

Oberhalb des Dorfplatzes erhebt sich gut sichtbar das Schützen- und Zeughaus Landenberg, ein Bau aus dem 18. Jahrhundert, der strenger Symmetrie folgt und mit seinen roten Zwiebeltürmen, weiss-roten Fensterläden und strahlend-weissen Mauern einen markanten Farbkontrast bietet. Manche sehen in ihm das eigentliche Wahrzeichen von Sarnen. Wer sich für die Geschichte von Obwalden interessiert, kann ihr im Historischen Museum Obwalden nachspüren. Das Museum ist in der ehemaligen Kaserne Sarnen, einem Bauwerk des 16. Jahrhunderts, untergebracht und zeigt einheimisches Kunst- und Kulturgut.


Sarnens „gute Stube“ ist der Dorfplatz. (Bild: Stefano Ember – Shutterstock.com)

Sarnens „gute Stube“ ist der Dorfplatz. (Bild: Stefano Ember – Shutterstock.com)


Viele Besucher möchten aber einfach auch nur die schöne Landschaft rund um den Sarnersee geniessen. Das etwa siebeneinhalb Quadratkilometer grosse Gewässer ist in ein breites Tal zwischen den Höhen von Jänzi und Anigrat eingebettet. Die Wasserfläche mit ihren weithin sanft ansteigenden Ufern, den grünen Hängen und Anhöhen ringsum sowie dem Alpen-Panorama im Hintergrund verleihen der Landschaft ein äusserst reizvolles Bild.



Fazit

Sarnen als Hauptort des Kantons Obwalden hat sich seinen ländlichen Charakter bewahrt. Besucher finden hier am Sarnersee manches Sehenswerte und eine malerische Landschaft.

 

Artikelbild: © Roland Zumbühl, Wikimedia, GNU

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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