Schloss Tarasp – Wahrzeichen des Unterengadins

22.06.2016 |  Von  |  Tagesausflüge CH
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Schloss Tarasp – Wahrzeichen des Unterengadins
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Im Osten des Kantons Graubünden erstreckt sich das Engadin, das von mächtigen Bergen umrahmte Hochtal des Inn, der hier immer weiter der Schweizer Grenze zum benachbarten Österreich entgegenstrebt. Der untere Teil des Tales mit den Gemeinden Zernez, Scuol und Valsot bildet das Unterengadin. Sein unbestrittenes Wahrzeichen ist das weithin sichtbare Schloss Tarasp, ein lohnendes Ausflugsziel bei einem Ferienaufenthalt in Graubünden.

Das Schloss verdankt seine dominierende Wahrnehmung vor allem der exponierten Lage. Es erhebt sich auf einem markanten Felsen, der fast unvermittelt aus einer von grünen Hügelwellen geprägten Landschaft auf der rechten Innseite aufragt. Er ist fast hundert Meter hoch. Die Burgmauern und die gesamte Anlage setzen dem Fels sozusagen die Krone auf und ergeben zusammen mit der eindrucksvollen Bergkulisse im Hintergrund ein äusserst malerisches Bild.

Unter Habsburger Herrschaft

Tarasp leitet sich aus dem lateinischen „Terra aspera“ = „raue Erde“ ab. Ob damit ein Bezug auf den felsigen Untergrund oder nach Rodungen verbliebenes Ödland hergestellt werden sollte, bleibt Spekulation. Fest steht, dass sich in der Gegend im 11. Jahrhundert ein Adelsgeschlecht niederliess, das seine Ursprünge wohl am Comer-See hatte.


Am Comer-See (Bild: © Peter38 - shutterstock.com)

Am Comer-See (Bild: © Peter38 – shutterstock.com)


Graf Ulrich I. von Tarasp legte um das Jahr 1040 den Grundstein der Schlossanlage – mehr eine befestigte Burg. Nach dem Eintritt des letzten Grafen von Tarasp ins Kloster im Jahre 1177 erlosch die Adelslinie. Die folgende Geschichte des Schlosses und der Grafschaft ist verworren. Schliesslich gelangte das Gebiet 1464 in habsburgischen Besitz und blieb – im Unterschied zum übrigen Unterengadin – bis 1803 eine österreichische Exklave in der Schweiz. Im 16. Jahrhundert erhielt das Schloss sein heutiges Gesicht. Erst im Zeitalter Napoleons fiel Tarasp an die Eidgenossenschaft.


Graf Ulrich I. von Tarasp legte um das Jahr 1040 den Grundstein der Schlossanlage. (Bild: © christian kober - shutterstock.com)

Graf Ulrich I. von Tarasp legte um das Jahr 1040 den Grundstein der Schlossanlage. (Bild: © christian kober – shutterstock.com)


Erwerb durch den Künstler Not Vital

Doch damit endete für das Schloss die Ära der Eigentümerwechsel nicht. Das 19. Jahrhundert sah verschiedene private Besitzer, darunter der Dresdner Industriellen Karl August Lingner, der zwischen 1907 und 1916 für eine umfassende Renovierung und Umgestaltung sorgte. Nach seinem Tod gelangte Schloss Tarasp in den Besitz der grossherzoglichen Familie von Hessen. Die blieb bis vor wenigen Monaten Eigentümer. Am 30. März 2016 erwarb der aus dem Unterengadin stammende, international bekannte Künstler Not Vital das Anwesen. Er will das Schloss kulturhistorisch aufwerten, später soll eine Stiftung die Gebäude übernehmen.

Eher Festung als Schloss

Mit seinen hochaufragenden, schmucklosen Mauern, den kleinen, eher an Schiessscharten erinnernden Fensteröffnungen und der gedrungenen Bauweise wirkt das Schloss eher wie eine Festung, denn als Palast. Das ist kein Zufall, denn tatsächlich diente Schloss Tarasp in der österreichischen Ägide wegen seiner prekären geografischen Lage als Grenzfestung. Diese Architektur gibt dem ganzen Bau eine düster-geheimnisvolle Aura, in dem man sich manche Schauergeschichte vorstellen kann.


Schloss Tarasp diente in der österreichischen Ägide wegen seiner prekären geografischen Lage als Grenzfestung. (Bild: © Vogel - shutterstock.com)

Schloss Tarasp diente in der österreichischen Ägide wegen seiner prekären geografischen Lage als Grenzfestung. (Bild: © Vogel – shutterstock.com)


Genau genommen besteht das Schloss aus zwei Teilen – der Oberburg und der Unterburg. Die Unterburg wird geprägt durch die Umfassungsmauern, mittleres Torhaus, Kapellentor, die romanische Johannes-Kapelle mit dem hohen Glockenturm und ein eindrucksvolles Pulverhaus. Dieser untere Teil breitet sich wie eine Terrasse vor der Oberburg aus, die das gesamte Hochplateau des Felsens einnimmt. Die Gebäude der Oberburg gruppieren sich um einen engen Innenhof und bestehen im Wesentlichen aus der Kernburg mit einem Süd- und Nordtrakt, mehreren Wehrgängen sowie einer Zisterne. Auch hier kommt das Wehrhafte der ganzen Anlage deutlich zum Ausdruck.


Genau genommen besteht das Schloss aus zwei Teilen – der Oberburg und der Unterburg. (Bild: © Roland Zihlmann - shutterstock.com)

Genau genommen besteht das Schloss aus zwei Teilen – der Oberburg und der Unterburg. (Bild: © Roland Zihlmann – shutterstock.com)


Schöne Aussicht

Das Higlight der Innenausstattung ist eine 2‘500 Pfeifen umfassende Konzertorgel des Dresdner Orgelbauers Jehmlich. Sie wird für gerne besuchte Orgelkonzerte auf Schloss Tarasp genutzt. Darüber hinaus ist die Anlage für Besichtigungen zugänglich. Im Inneren werden die Schlosskapelle, Ritter- und Festsäle sowie die Waffenkammer gezeigt.



Am schönsten ist aber wohl die Aussicht vom „Schlossberg“ auf das umliegende Unterengadin – zum Beispiel das Dörfchen Fontana zu Füssen des Schlosses, das sich mit seinen wenigen Häusern und der Dreifaltigkeitskirche am Tarasp-See entlang streckt. Landschaft, Geschichte und Kultur – ein Ausflug nach Schloss Tarasp hat viel zu bieten.

Fazit

Schloss Tarasp ist das Wahrzeichen des Unterengadins. Ein Ausflug hierhin führt in die wechselvolle Vergangenheit einer Grenzfestung in spektakulärer Lage.

 

Artikelbild: © christian kober – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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