Schwarzwald – schöne Winterbräuche und 125 Jahre Skilauf

Damals, als noch nicht jeder Hof im Schwarzwald elektrisches Licht hatte, pflegte man in vielen Gemeinden einen schönen Brauch: das „Z’ Licht go“ – man ging zum Licht. An dunklen Winterabenden versammelten sich die Menschen in einer Stube, um beim Schein der Kienspäne am Ofen zu sitzen, Handarbeiten zu verrichten und sich Neuigkeiten zu erzählen.

Einen solchen Gemeinschaftsabend können Besucher in der mehr als 250 Jahre alten „Vollmer´s Mühle“ in Seebach im nördlichen Schwarzwald erleben: Sie dürfen selbst Butter herstellen, sich am Spinnrad versuchen und Kienspäne schneiden – und natürlich auch Geschichten lauschen oder selbst welche zum Besten geben.

„Heiliwog“-Holen in Endingen

Zu den Schwarzwälder Bräuchen, die sich speziell um Heiligabend ranken, gehört das „Heiliwog“-Holen in Endingen am Kaiserstuhl. Nach der Christmette versammeln sich die Einwohner um Mitternacht an den Brunnen der Stadt. Nach dem ersten Schlag der Kirchturmuhr füllen sie ihre mitgebrachten Krüge mit dem fliessenden Wasser aus den  Brunnen. Das „Heiliwog“ muss während der zwölf Glockenschläge entnommen werden – nur dann ist es „heilig“. Damit wird die Wohnung gesegnet: „Heiliwog, Gottes Gob, Glick ins Hüs, Unglick nüss!“

Weihnachtsfackeln über der Nagold

Einer der lichten Höhepunkte des Winters ist das „Altensteiger Weihnachtsfackeln“ am Ostrand des Schwarzwaldes. Die Altensteiger „Fackler“ schichten am Heiligabend oberhalb der Stadt am Hellesberg und am Schlossberg schon ab 6 Uhr morgens aus Holzscheiten kunstvoll zwei mehrere Meter hohe runde Türme auf, deren Spitzen je eine Tanne schmückt.


Einer der lichten Höhepunkte des Winters ist das „Altensteiger Weihnachtsfackeln“ am Ostrand des Schwarzwaldes. (Bild: © nikuz – shutterstock.com)

Mit dem Abendläuten um 18 Uhr werden die Holzstösse angezündet. Wenn die Flammen zum Himmel lodern, entfachen die „Fackler“ daran ihre bis zu fünf Meter langen Riesenfackeln und postieren sich auf den Bergwiesen. Nach und nach zünden auch Zuschauer Hunderte von Handfackeln an, so dass bald ein Lichtermeer über dem Nagoldtal wogt.

Den „Kuhreihen“ blasen

Einer Viehseuche verdanken die Villinger den Klang des Krummhorns an Heiligabend: 1765 grassierte die Seuche rund um die Stadt. Die Villinger gelobten, jedes Jahr am 24. Dezember den „Kuhreihen“ zu blasen, wenn sie von der Seuche verschont blieben.

Mit der Melodie des „Kuhreihen“ wurde das Vieh zum Melken gerufen. Noch heute halten sich die Villinger an ihr Gelöbnis und ziehen an Heiligabend ab 23 Uhr von Stadttor zu Stadttor. Nach dem letzten Glockenschlag um Mitternacht klingt das Spiel der Musiker auf dem Marktplatz aus.


Mit der Melodie des „Kuhreihen“ wurde das Vieh zum Melken gerufen. (Bild: © Oleg Krugliak – shutterstock.com)

Knallende Peitschen kündigen das „Pelzmärtle“ an

Sie gehören zusammen und sind doch grundverschieden: Das liebenswürdige „Christkind“ und das furchterregende „Pelzmärtle“. Um Bad Wildbad und Bad Herrenalb im nördlichen Schwarzwald zieht das ungleiche Duo an Heiligabend von Haus zu Haus. Das weissgekleidete Christkind huscht verschleiert und begleitet von zwei jungen Frauen durch die Strassen.

Das mit Stroh verkleidete „Pelzmärtle“ wird dagegen von lautstarken Burschen geführt und mit knallenden Peitschen angekündigt. Während das Christkind kleine Geschenke verteilt, soll das „Pelzmärtle“ unartige Kinder erschrecken. Beide sammeln für einen guten Zweck.

Dunkle Begleiter: Biggeresel und Co.

Finstere Gestalten in Pelzen brummeln, rasseln, quieken und erschrecken als „Pelzmärtle“ oder „Rubelez“ Kinder und arglose Gemüter. In den Nächten rund um den Nikolaustag am 6. Dezember ziehen sie im Kinzigtal im mittleren Schwarzwald mit „Klausebigger“ oder „Biggeresel“ von Haus zu Haus. Doch Nikolaus und der ihn begleitende Engel halten die dunklen Begleiter im Zaum.

Kinder können mit einem Gedicht oder einem Flötenspiel die wilden Gestalten besänftigen. Für die „Braven“ öffnet der Nikolaus dann den Sack mit Süssem und hat auch manchen Spruch parat. Besonders lebendig ist der Brauch in Haslach, in Steinach und in Zell-Unterentersbach.

Krippenausstellung im „Fürstenberger Hof“

Das Museum „Fürstenberger Hof“ in Zell am Harmersbach im mittleren Schwarzwald lockt im Winter mit einer Sonderausstellung: Auf 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind rund 300 Krippen der „weltweit grössten Krippensammlung“ von Paul Chaland aus Paris zu sehen. Neben Grosskrippen aus Spanien ist etwa auch eine originelle Krippe aus Champagnerkorken ausgestellt.

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bilden traditionelle Krippen aus dem Schwarzwald. Mit tausenden von Lichtern verwandelt sich der 350 Jahre alte „Fürstenberger Hof“ in eine Weihnachtsoase samt Weihnachtsmarkt. Vom 28. November 2015 bis 10. Januar 2016 ist die Krippenausstellung montags bis samstags von 14 bis 17 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 4 Euro, Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt.


Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bilden traditionelle Krippen aus dem Schwarzwald. (Bild: © Alexander Hoffmann – shutterstock.com)

Stimmungsvolle Weihnachtsmärkte

Im Winter ist der Schwarzwald mit seiner stillen Landschaft, den verschneiten Wäldern und weiten Panoramen besonders sinnlich, erst recht, wenn die Weihnachtsmärkte geöffnet sind. In Freiburgs Altstadtstrassen beginnt der Weihnachtsmarkt 2015 bereits am 23. November, in den meisten anderen Orten am 1. Advent. Einzigartig ist der „Bergmännische Weihnachtsmarkt“ am 3. Adventswochenende in Neubulach: Er zieht sich bis ins historische Silberbergwerk untertage.

Geführte Schneewanderungen im Nationalpark

Kristallklare Luft, verschneite Lichtungen und nichts als Tierspuren im Schnee: Bei geführten Schneeschuhwanderungen für die ganze Familie geht es am 6. und 31. Januar 2016 auf Spurensuche rund um das Nationalparkzentrum am Ruhestein. Auf spielerische Art lernen Kinder ab sechs Jahren, wie der Dachs zu seinem Winterspeck kommt und wo der Siebenschläfer seinen Winterschlaf hält.


Tierspuren im Schnee. (Bild: © Mikko Hyvärinen – shutterstock.com)

Im Nationalparkzentrum sind Schneeschuhe für fünf Euro für Kinder bzw. zehn Euro für Erwachsene ausleihbar. Wintersportler können die einzigartige Naturlandschaft des Nationalparks Schwarzwald auf 160 Kilometer gespurten Langlauf-Pisten besonders intensiv erleben.

125 Jahre Skilauf im Schwarzwald

Damals verlacht, heute als Pionier gefeiert: Als der französische Diplomat und Abenteurer Dr. Robert Pilet am 8. Februar 1891 den Feldberg auf Holzbrettern bestieg, kam er den Einheimischen mehr als seltsam vor. Dabei markiert seine Gipfelbesteigung die Geburtsstunde des Skilaufs in Mitteleuropa! In diesem Winter feiert der Schwarzwald das 125. Jubiläum mit zahlreichen Events: Am 20. Februar 2016 wird am Seebuck zum Beispiel die Dt. Alpine Skimeisterschaft der Hebammen ausgetragen.

Hebammen gehörten zu den ersten Berufsgruppen, die Skier zur Fortbewegung nutzten. Von 13. November 2015 bis 26. März 2016 sind im Haus der Natur am Feldberg viele Exponate aus der Geschichte des Skisports ausgestellt. Bis April 2016 gehören Lesungen und Kamingespräche mit Prominenten genauso zum Programm wie Filme zur Skigeschichte und Sportevents.


Hebammen gehörten zu den ersten Berufsgruppen, die Skier zur Fortbewegung nutzten. (Bild: © Fotokvadrat – shutterstock.com)

Tolle Wintererlebnisse im Europa-Park

Ein Highlight der Wintersaison im Europa-Park in Rust ist die Dinner-Show „Cirque d´Europe“: Bei einem Galamenü von Sternekoch Peter Hagen geniessen die Gäste einen spektakulären Abend mit Musik, Tanz, Komik und Akrobatik. Mit einer Silvesterparty krönt Deutschlands grösster Freizeitpark sein 40-jähriges Jubiläum. Der Europa-Park ist ab 28. November 2015 bis 10. Januar 2016 täglich (ausser 24. und 25. Dezember) ab 11 Uhr geöffnet.



Weihnachtszeit im Holzschneflermuseum

Schindeln schnitzen, Deuchel bohren, Schnaps brennen: Womit sich die Schwarzwaldbauern während der langen Wintermonate beschäftigt haben, können Besucher im Holzschneflermuseum Resenhof in Bernau erleben. Am 27. Dezember 2015 gibt es Tipps zum Stricken warmer Socken. An Neujahr feiert das Museum mit Sekt und Eierring, am 2. Januar 2016 unterhalten Bernauer bei der „Stubete“ mit Gesang und Musik. Ausser am 31. Dezember ist der 220 Jahre alte Schwarzwaldhof vom 25. Dezember 2015 bis 6. Januar 2016 von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 3,50 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Jugendliche bis 16 Jahre. Das Programm wechselt täglich.

 

Artikel von: Schwarzwald Tourismus GmbH (STG)
Artikelbild: © andreiuc88 – shutterstock.com

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Als gelernter Informatikkaufmann war für mich schon schnell klar, dass die Administration von verschiedenen Systemen zu meinem Gebiet werden sollte. Um aber auch einen kreativen Anteil in meinen Arbeitsalltag zu integrieren, verschlug es mich in die Welt des Web Content Management.

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