Schweizer Parahotellerie erwartet mehr einheimische Gäste

31.05.2016 |  Von  |  Schweiz
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Schweizer Parahotellerie erwartet mehr einheimische Gäste
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Die fünf Mitglieder der Gesellschaft Parahotellerie Schweiz spüren noch immer die Folgen der Euromindestkurs-Aufhebung. Zusätzlich trübten die schwache Schneelage und die frühen Ostertage das Geschäft in den kälteren Monaten. Viele Gäste aus der Eurozone blieben auch dieses Jahr der Schweiz fern.

Dass die Mitglieder trotzdem positiv in den Sommer blicken, hängt vor allem damit zusammen, dass sich dieses Jahr noch mehr Schweizer als üblich für Ferien im Heimatland entscheiden dürften und dass die innovativen neuen Produkte der Mitglieder stark nachgefragt werden.

Bed and Breakfast Switzerland, Interhome, Reka, die Schweizer Jugendherbergen und TCS Camping blicken auf eine herausfordernde Wintersaison (1. November 2015 bis April 2016) zurück. Dies zeigt eine aktuelle Mitgliederumfrage, die Anfang Mai durchgeführt wurde. Während Reka die Logiernächte um 1 Prozent steigern konnte, gingen bei den Schweizer Jugendherbergen die Logiernächte im Vergleich zum Vorjahr um gut 10% zurück und Interhome verzeichnete bei den Reservierungen ein Minus von 3,6%.

Der starke Franken und die schlechte Schneelage haben vor allem die Gäste aus Europa davon abgehalten, ihre Skiferien in der Schweiz zu verbringen. Erschwerend kam hinzu, dass Ostern dieses Jahr sehr früh stattfand und sich auch das Wetter nicht von seiner besten Seite zeigte. Folglich weist auch die Winterbilanz des grössten Schweizer Campingplatz-Betreibers TCS ein Minus von 2% auf.

Auch die Aussichten auf die bevorstehende Sommer- und Herbsthochsaison sind in der Schweizer Parahotellerie nicht durchwegs positiv. „Das Buchungsverhalten der Gäste ist weiterhin zurückhaltend. Die ist einerseits begründet durch die sehr günstigen Angebote im Ausland, aber auch die unstete Wetterlage“, sagt beispielsweise Fredi Gmür, CEO der Schweizer Jugendherbergen (SJH) und Präsident der Parahotellerie Schweiz.

Bei den SJH liegt man beim Buchungsstand 2,76% hinter dem Vorjahr. Dagegen verzeichnet Reka aber ein Buchungsplus von 7% und auch bei Interhome zeigt die Zahl der Reservierungen mit plus 7% deutlich nach oben. „Die preislich etwas höherwertigen Reka-Feriendörfer in Zinal, Blatten und Disentis erfreuen sich diesen Sommer einer grossen Nachfrage. Ein deutlicher Zuwachs zeichnet sich auch in Bergün und Sörenberg ab“, begründet Reka-Direktor Roger Seifritz die erfreulichen Prognosen.

Starker Binnenmarkt, treue französische Gäste

Gründe für Optimismus sind aber nicht nur bei Reka zu finden. Die Reservationen und Buchungseingänge weisen bei allen Mitgliedern daraufhin, dass dieses Jahr noch mehr Schweizer als üblich ihre Ferien im Inland verbringen dürften. Bei Interhome hatten die Buchungen für den Binnenmarkt bereits im Winter um 1,9% zugenommen.

Für die Sommermonate hat die mit Abstand wichtigste Gästegruppe im Vergleich zum Vorjahresperiode gar 16% mehr Ferienhäuser reserviert. „Die erfreulichen Zahlen zeigen uns, dass die Schweiz bei unseren Kunden nach wie vor oder sogar noch mehr in ist“, freut sich Roger Müller, Länderchef Schweiz bei Interhome.

Oliver Grützner, Leiter Tourismus & Freizeit beim TCS mutmasst, dass die angespannte geopolitische Situation dafür verantwortlich sein könnte. Auch Reka-Direktor Roger Seifritz vermutet wegen der zweifelhaften Sicherheitslage in beliebten Reiseländern wie der Türkei oder Ägypten einen „Cocooning-Effekt“.

Fredi Gmür betont seinerseits, dass der sehr schöne Sommer 2015 als Treiber dieser positiven Entwicklung wirke. Ein weiterer Faktor sei sicher, dass die Parahotellerie ideale Voraussetzungen für Ferien mit der ganzen Familien und Gruppen bietet. „Wir stellen fest, dass das Bedürfnis nach Gemeinschaft in den Ferien wieder zugenommen hat“, so Gmür.

Aufenthalte werden kürzer, spontane Buchungen im Trend

Neben der erhöhten Binnennachfrage lassen sich zwei weitere Trends herauskristallisieren. So bestätigen mehrere Parahotellerie-Mitglieder, dass die Aufenthaltsdauer im Schnitt kürzer wird. Interhome verzeichnet einen momentanen Rückgang der Aufenthaltsdauer in der Schweiz in den Sommermonaten von 9,3 auf 8,3 Tage.

Oliver Grützner von TCS Camping hat zudem festgestellt, dass immer kurzfristiger gebucht wird. Die guten Wetterprognosen über Auffahrt haben auf den 27 Plätzen von TCS Camping kurzfristig für einen grossen Ansturm gesorgt. „Diese Tendenz hat sich mit dem Onlinebuchungstool, das wir 2015 eingeführt haben, noch verstärkt.“

Diese Thematik greift auch Dorette Provoost, Geschäftsführerin von Bed and Breakfast Switzerland, auf. Mit der neuen Webseite und dem neuen Buchungstool habe sich auch ihre Gästestruktur und das Buchungsverhalten verändert.

Provoost ist überzeugt, dass vor allem bei Gästen aus Asien und Ozeanien das Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft ist, freut sich zudem aber auch, dass sowohl bei Österreichern als auch bei Franzosen trotz des starken Frankens eine Aufwärtstendenz zu erkennen ist. Während auch Interhome auf treue Gäste aus Frankreich zählen kann, sind die Buchungen der Gäste aus Deutschland noch immer das grosse Sorgenkind der Schweizer Parahotellerie.

Partnerschaften und Innovationen

Um weitere Gästesegmente für sich zu begeistern und dazu beizutragen, das Image der teuren Schweiz zu relativieren, setzt die Schweizer Parahotellerie auch künftig auf Innovationen. Die Mitglieder haben erneut viel Geld in die Hand genommen um ihre Angebote attraktiver und moderner zu gestalten. Zudem wurden strategische Partnerschaften eingegangen, um den Mehrwert für die Kunden weiter zu steigern.

Bed and Breakfast Switzerland ist seit Anfang Jahr Partner des Schweizer Tourismus-Verbands und damit offizielle Klassifikationsstelle für alle BnB in der Schweiz. „Sämtliche BnB, die bei uns gelistet sind, werden mit Sternen klassifiziert und von erfahrenen Kontrolleuren besucht“, erklärt Dorette Provoost. Einzigartige Unterkünfte und erweiterte Spezialisierungen (ideal für Motorradfahrer/Wanderer/Kleinkinder u.v.m.) sollen zudem neue Gäste bringen.



TCS Camping hat seinerseits erneut verschiedene Campingplätze baulich weiterentwickelt. Die Anlage in Bern-Eymatt wurde zu einem Sommercamping umfunktioniert, der auch als Naherholungsgebiet für den Grossraum Bern dienen soll. Darüber hinaus wird auf dem Platz neu auch ein eigenes Gartenrestaurant betrieben. Auf verschiedenen Campingplätzen in der ganzen Schweiz entstanden neue oder zusätzliche Mietunterkünfte, in Flaach auch ein Abenteuerdorf mit zwei barrierefreien Bungalows.



Reka verfolgt weiter die Strategie, schlecht ausgelastete Objekte ohne Entwicklungspotenzial aus dem Angebot zu nehmen und diese durch solche mit hohem Potenzial ersetzen. Per 2017 übernimmt die Schweizer Reisekasse beispielsweise das Parkhotel Benscino in Brissago. Neu sind zudem die Partnerschaften mit dem Outdoor-Anbieter Mammut und dem Bike-Spezialisten Thömus.

Künftig werden die Unternehmen gemeinsam aktive Familien und Gruppen bewirtschaften. Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit mit Mammut wird das komplett renovierte und erweiterte Feriendorf Zinal (VS). Mit Thömus werden vorerst Bike-Ferien im jurassischen Reka-Feriendorf Montfaucon angeboten.



Die Schweizer Jugendherbergen treiben derweil die Erneuerung ihres Netzwerks voran: Der Umbau der Jugendherberge Bern und drei neue Betriebe in Burgdorf, Luzern und Schaan-Vaduz befinden sich in Planung. Zudem gelang es den SJH im Winter, dank einer Kooperation mit Migrationsämtern, die Minderumsätze bei der touristischen Nachfrage zumindest teilweise zu kompensieren.



Interhome ist mit der schweizerischen Investmentgesellschaft Mountain Resort Real Estate Fund SICAV eine Kooperation eingegangen. Durch die Partnerschaft werden in den nächsten Jahren im Schweizer Alpenraum zehn Ferienresidenz-Projekte mit insgesamt 4500 Betten realisiert. Die Vermarktung und Gästebetreuung sämtlicher Ferienresidenzen mit dem Brand Swiss Peak Resort liegen exklusiv bei Interhome. Des Weiteren trägt Interhome dem Umstand Rechnung, dass der Vertrieb von Ferienhausangeboten innerhalb von Pauschalreisen noch wenig verbreitet ist. Das Unternehmen passt sich nun den Marktveränderungen an und setzt seit kurzem auf die Technologie des deutschen Software-Spezialisten Peakwork.



 

Artikel von: Parahotellerie Schweiz
Artikelbild: © stoonn – Shutterstock.com

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