Spitzbergen – Inselwelt zwischen Nordkap und Nordpol

17.04.2016 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Spitzbergen – Inselwelt zwischen Nordkap und Nordpol
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Es gibt noch Regionen in Europa, die fernab urbaner Zivilisation liegen und nahezu menschenleer sind. Dazu gehört zweifelsohne die Inselgruppe von Spitzbergen. Sie bildet de facto die einzige Landmasse zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol. Weit jenseits des Polarkreises gelegen, bietet die Inselwelt ein eindrucksvolles Naturerlebnis für all jene, die die raue Ursprünglichkeit des hohen Nordens schätzen.

Spitzbergen liegt mehr als 600 Kilometer vom norwegischen Hauptgebiet entfernt. Zum Nordpol ist es von hier aus noch über 1000 Kilometer weit. Die Inselgruppe befindet sich damit ziemlich genau am Schnittpunkt zwischen dem Europäischen Nordmeer, der Grönlandsee, der Barentssee und dem Nordpolarmeer. Über 400 Inseln und Schären umfasst der Archipel, der mit einer Gesamtfläche von 61.000 Quadratkilometern rund eineinhalbmal so gross wie die Schweiz ist.



Touristen beim Besuch der Gletscher von Spitzbergen (Bild: Woodwalker, Wikimedia, CC)

Touristen beim Besuch der Gletscher von Spitzbergen (Bild: Woodwalker, Wikimedia, CC)

Svalbard – die kühle Küste

In Norwegen heisst die Inselgruppe „Svalbard“. Die Bezeichnung „Spitzbergen“ wird nur für die Hauptinsel verwandt, die mit über 37.000 Quadratkilometern deutlich mehr als die Hälfte der Landmasse ausmacht. Im deutschen Sprachraum hat sich „Spitzbergen“ als Name für den ganzen Insel-Archipel eingebürgert. Weitere grosse Inseln sind Nordostland (14.400 Quadratkilometer), Edgeøya (5.000 Quadratkilometer) und Barentsøya (1.300 Quadratkilometer).



„Svalbard“ bedeutet so viel wie „kühle Küste“ – eine treffende Bezeichnung, denn das Klima auf Spitzbergen ist hocharktisch. Nur im kurzen Sommer ist die Inselgruppe eisfrei, im Winter kann das Packeis bis zur Südspitze reichen. Rund sechzig Prozent der Fläche sind vergletschert. Die Temperatur liegt im Jahresschnitt bei frostigen -6,6 Grad. Lediglich zwischen Juni und September werden üblicherweise positive Werte erreicht. Der wärmste Monat ist der Juli mit knapp 6 Grad plus im Schnitt.

Spitzbergen: Das De Geerdalen an der Südküste des Isfjord (Bild: Wilson44691, Wikimedia)

Spitzbergen: Das De Geerdalen an der Südküste des Isfjord (Bild: Wilson44691, Wikimedia)




Der Spitzbergen-Vertrag – norwegische Souveränität

Von daher verwundert es nicht, dass sich die Besiedlung Spitzbergens in Grenzen hält. Zweieinhalbtausend Menschen leben hier ständig, die meisten in der „Hauptstadt“ Longyearbyen auf der zentralen Insel. Spitzbergen wurde Ende des 16. Jahrhunderts von dem holländischen Seefahrer Willem Barents entdeckt. Lange dienten die Inseln als Ausgangspunkt und Station für Walfänger, daneben wurde auch Robben- und Fuchsjagd betrieben. Eine Wende brachte die Entdeckung grosser Kohlevorkommen am Beginn des 20. Jahrhunderts. Damit begann die ständige Besiedlung Spitzbergens um das Jahr 1900. Der Kohlebergbau wurde vor allem von Norwegern und Russen betrieben und wird vor allem von norwegischer Seite in begrenztem Umfang auch heute noch fortgesetzt.

Der Status der Inselgruppe war über Jahrhunderte nicht klar definiert. Spitzbergen galt als Niemandsland, das jeder, der wollte, nutzen konnte. Streitigkeiten blieben naturgemäss nicht aus. Eine rechtliche Klarstellung brachte der sogenannte internationale Spitzbergen-Vertrag 1920, der die Inseln der norwegischen Souveränität unterstellte. Das Land musste sich dabei allerdings verpflichten, Bürgern und Unternehmen aus allen Unterzeichner-Staaten die gleichberechtigte ökonomische Nutzung der Insel-Ressourcen zu ermöglichen. Die Schweiz ist dem Spitzbergen-Vertrag am 30. Juni 1925 beigetreten. De facto haben aber nur Norwegen und Russland bzw. die frühere Sowjetunion davon Gebrauch gemacht. Die Russen haben den Kohleabbau mittlerweile weitgehend aufgegeben, die russischen Siedlungen Pyramiden und Grumant sind heute Geisterorte, noch besiedelt ist Barentsburg.

Blick auf bunte Häuser von Longyearbyen (Bild: Svalbard Global Seed Vault/Peter Vermeij, Wikimedia, CC)

Blick auf bunte Häuser von Longyearbyen (Bild: Svalbard Global Seed Vault/Peter Vermeij, Wikimedia, CC)

Im Land der Eisbären

Spitzbergen ist ein Gebirgsland, die höchsten Berge liegen im Nordosten der Hauptinsel. Der Newtontoppen nimmt dabei mit 1713 Metern die Spitzenposition ein, mehrere andere fast gleich hohe Gipfel befinden sich in der Nähe. Die Küste Spitzenbergens ist stark zerklüftet und durch zahlreiche Fjorde gekennzeichnet. Die Vegetation ist der Klimazone entsprechend spärlich. Wo sich kein Eis oder Schnee befindet, sind typische Tundragewächse anzutreffen. Moose, Gräser und Heidegewächse kommen dann zum Vorschein. Die Tierwelt auf Spitzbergen wird durch Seevögel, Robben, den Polarfuchs, das Spitzbergen-Ren und den Eisbären geprägt. Der Insel-Archipel ist Heimat eine der grössten Eisbären-Populationen auf der Welt. Mehr als 3.000 der stark gefährdeten Tiere sollen hier leben, und es dürfte keinen weiteren Ort in Europa geben, wo öffentliche Warnschilder vor kreuzenden Bären warnen. Die Begegnung mit dem Eisbären ist auf Spitzbergen eine Realität und bedarf entsprechender Vorsichtsmassnahmen.

Bartrobbe auf Spitzbergen (Bild: Michael Haferkamp, Wikimedia, CC)

Bartrobbe auf Spitzbergen (Bild: Michael Haferkamp, Wikimedia, CC)

Mitternachtssonne und Polarlichter

Der Tourismus ist auf der Inselgruppe in den letzten Jahren zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor geworden. Der Hauptort Longyearbyen nimmt dabei naturgemäss eine Schlüsselstellung ein. Der Hafen wird gerne von Kreuzfahrtschiffen angelaufen, die hier Zwischenstopp machen und Gelegenheit zu Tagesausgflügen bieten. Daneben hat sich Spitzbergen aber auch zu einem Ziel für Reisende entwickelt, die hier länger verweilen und die ursprüngliche Naturlandschaft der Inselwelt erkunden wollen. Longyearbyen verfügt dafür über eine entsprechende Infrastruktur mit Übernachtungsgelegenheiten, Ausrüstungsmöglichkeiten und vielfältigen Angeboten für Aktivitäten. Dabei hat natürlich die Jahreszeit entscheidenden Einfluss.



Selbst im nördlichen Norwegen sind Polarnacht und Mitternachtssonne nicht so ausgesprägt wie hier. Zwischen dem 14. November und dem 29. Januar herrscht in Longyearbyen Dunkelheit. Dann ist bei klarem Wetter das bläuliche Polarlicht neben Sternen und Mond die markanteste Lichterscheinung am Himmel. Dafür befindet man sich zwischen dem 19. April und dem 22. August im Reich der Mitternachtssonne. In dieser Zeit geht die Sonne am Firmament nicht unter. Je nach Breitengrad und Lage können die Zeiträume auf der Inselgruppe dabei etwas variieren. Die Zwischenzeiten, der helle Winter bzw. das Frühjahr und der Herbst mit den allmählich länger oder kürzer werdenden Tagen haben dabei ihren ganz eigenen Reiz.

Trekking und Abenteuer

Longyearbyen ist der Ausgangspunkt für längere Touren in die Inselwelt. Mehrtagestouren haben dabei einen ausgesprochen Trekking-und Expeditions-Charakter, da es im Inselinneren keine Wanderwege, Strassen oder Wegmarkierungen gibt. Übernachtungen finden dann im Zelt, in einer Hütte oder im Iglu statt. Organisierte Führungen sind empfehlenswert. Wegen der besonderen Bedeutung des Umwelt- und Naturschutzes ist in vielen Teilen Spitzenbergens eine besondere Genehmigung für Touren erforderlich. Nur auf der Hauptinsel im Umfeld von Longyearbyen gibt es ein grösseres Gebiet, wo dies nicht erforderlich ist.

Im Winter stehen Schneeschuh- oder Ski-Wanderungen, Touren mit dem Hundeschlitten oder Motorschlitten auf dem Programm. Im Sommer werden neben Fusswanderungen auch Kajak- und Bootstouren angeboten. Gletscher können ebenfalls besucht werden. Es gibt auch Schiffsreisen von Longyearbyen aus, die in Spitzbergens vielfältige Inselwelt führen und die schönsten Fjorde anlaufen. Sie sind als Ein- oder Mehrtagestour möglich – quasi eine kleine Spitzbergen-Kreuzfahrt in sich.

Ein Aufenthalt in Spitzbergen ist sicher etwas anderes als ein normaler Erholungsurlaub. Wer sich in diesen nördlichsten Teil Europas begibt, sollte schon eine Portion Abenteuerlust mitbringen und Ansprüche an Komfort und Bequemlichkeit hintan stellen. Einmalige Eindrücke in einer ursprünglichen Naturlandschaft garantiert die Inselwelt zwischen Nordkap und Nordpol aber auf jeden Fall.



 

Artikelbild: Küste der Insel Prinz-Karl-Vorland, Spitzbergen. (© Per Harald Olsen, Wikimedia, CC)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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