Tivoli – Traumgärten und Wasserspiele in Latium

23.03.2015 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Tivoli – Traumgärten und Wasserspiele in Latium
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Es ist sicher eine Herausforderung, bei einem Aufenthalt in Rom mit seinen zahllosen Sehenswürdigkeiten noch Zeit zu finden, Ziele ausserhalb zu besuchen. Dabei gibt es auch im Umfeld der italienischen Hauptstadt einiges zu sehen. Einer der schönsten und lohnendsten Abstecher ist fraglos Tivoli.

Die Stadt liegt etwa dreissig Kilometer östlich von Rom in spektakulärer Lage entlang den Flusshängen des Aniene, der sich mit seinem Flusslauf tief in das Gestein eingegraben hat. Von den Anhöhen öffnet sich ein weiter Blick in die Ebene der römischen Campagna.



Tivoli – ein Name geht um die Welt

Gegenüber dem Getriebe der Tiber-Metropole wirkt Tivoli geradezu kleinstädtisch. Das malerische Gesamtbild der Stadt mit ihren Gärten und Wasserfällen hat viele Maler zu romantischen Werken inspiriert. Bereits in der Antike war Tibur – so der damalige Name – ein Rückzugsort für die Herrscher und die High Society Roms, um der Hektik und den politischen Ränkespielen in der Hauptstadt zu entfliehen. Später folgten die Päpste ihrem Beispiel.

Es handelt sich dabei um keinen Zufall, dass die Bezeichnung „Tivoli“ heute auch so etwas wie ein Synonym für einen Vergnügungspark ist. Die bekannteste Einrichtung dieser Art ist wohl der Tivoli in Kopenhagen, es gibt aber auch andere Beispiele. Der römische Kaiser Hadrian errichtete am Rande der Stadt seine persönliches Erholungs-, Vergnügungs- und Wellnesszentrum – praktisch die „Urmutter“ aller Freizeitparks und Vorbild für zahlreiche Nachahmungen über zwei Jahrtausende.

Sehenswertes aus 2.000 Jahren

Besuchern hat Tivoli viel zu bieten. Da ist die historische Altstadt mit ihren engen Gassen, die sich um den barocken Dom drängen oder die wuchtige Feste Rocca Pia, die die Päpste errichten liessen, um die immer mal wieder rebellischen Bewohner in Zaum zu halten. Unmittelbar daneben befinden sich die Überreste des römischen Amphitheaters – eine weitere Sehenswürdigkeit. Auch sonst sind noch Überbleibsel aus der Zeit der Antike erhalten: zum Beispiel der Vesta-Tempel auf der ehemaligen Akropolis oder die Tempelruine des Hercules Victor, des antiken Schutzpatrons Tivolis.



Was aber die Stadt so einzigartig macht, das sind ihre Villen und Gartenanlagen, die mit ihren Wasserfällen, Brunnen und Fontänen Oasen der Ruhe und Schönheit bilden. Zwei davon, die Villa Adriana und die Villa d’Este sind heute sogar UNESCO-Weltkulturerbe.





Überreste des römischen Amphitheaters in Tivoli (Bild: LPLT, Wikimedia, CC)

Überreste des römischen Amphitheaters in Tivoli (Bild: LPLT, Wikimedia, CC)

Villa Adriana – antikes Versailles und Freizeitvergnügen

Die Villa Adriana oder Hadriansvilla ist ein mehr als ein Quadratkilometer grosses Gelände, auf dem sich einst eine imposante Palastanlage erhob. Die Bezeichnung „Villa“ ist insofern stark untertrieben. Manche Historiker sprechen von einem antiken „Versailles“. Der Palast diente dem römischen Kaiser Hadrian als Sommerresidenz und Altersruhesitz. Zu dem Gebäudekomplex gehörten einst Bibliotheken, Gästehäuser, ein Stadion, eine Gladiatoren-Arena, Theater, Thermen und noch manches mehr. In den Gärten der Hadriansvilla wurden Landschaften und Gebäude nachempfunden, die der Kaiser während seiner Reisen in Griechenland und Ägypten erlebt hatte. Die Gartenanlagen dienten späteren Generationen als das Vorbild für Gartenkunst schlechthin und beeinflussten insbesondere barocke Gartengestaltungen. Auch als Ruine wirkt die Palastanlage mit ihren Bassins, Säulen, Skulpturen, Kuppel- und Mauerresten noch überaus eindrucksvoll und harmonisch. Sie macht unmittelbar deutlich, warum sie Vorbild für andere Freizeitanlagen auf dem Globus wurde. Die Hadriansvilla verdankt nach zweimaliger Zerstörung ihre Wiederentdeckung übrigens dem Borgia-Papst Alexander VI., dem wohl berüchtigtsten Renaissance-Papst, der hier im 16. Jahrhundert erste Grabungen durchführen liess.

Villa Adriana - antikes Versailles und Freizeitvergnügen (Bild: LPLT, Wikimedia, GNU)

Villa Adriana – antikes Versailles und Freizeitvergnügen (Bild: LPLT, Wikimedia, GNU)




Villa d’Este – Gartenkunst der Borgia

Mindestens genauso sehenswert, aber ein Werk aus einer anderen Epoche ist die Villa d’Este mit ihren Gärten. Auch dieses Welkulturerbe Tivolis hat mit den Borgias zu tun. Die Villa wurde im 16. Jahrhundert von Kardinal Ippolito II. d’Este, einem Sohn der berühmten Lucrezia Borgia – der Tochter Papst Alexanders VI. -, erbaut. Es handelt sich um einen typischen Repräsentationsbau der Renaissance.

Obwohl die Villa ein Kunstwerk für sich ist, kann sie mit dem Garten nicht mithalten. Er gilt als Höhepunkt der Gartengestaltung in dieser Zeit und ist bis heute ein Meisterwerk der Gartenkunst. Hunderte von Brunnen, Grotten, Nymphäen, Wasserspielen und -becken sind für die Anlage kennzeichnend, die im Übrigen streng geometrischen Gestaltungsprinzipien folgt. Der Garten gliedert sich in zwei Bereiche. Der Hanggarten bildet eine Abfolge von Terrassen, Treppen und Rampen. Zu seinen Highlights gehört die sogenannte Allee der hundert Brunnen. Parallel zum Hanggarten verläuft eine Querachse mit drei grossen Fischteichen, die von einer Doppelterrasse mit dem markanten Neptunbrunnen abgeschlossen wird. Eine besondere Attraktion des Brunnens ist die Wasserorgel, ein einmaliges mit Wasserkraft betriebenes Musikinstrument. An die Querachse schliesst sich der flachere Hauptgarten mit zahlreichen Laubengängen und kleineren Gartenparzellen an. Die Wasserspiele verdankt die Anlage dem Aniene-Fluss. Ein unterirdischer Kanal verbindet den Garten mit einem Nebenarm des Flusses und sorgt so für ausreichend Wasser zu jeder Jahreszeit.

Villa d’Este mit ihren Gärten gehört zu dem Welkulturerbe Tivolis. (Bild: Cezar Suceveanu, Wikimedia, CC)

Villa d’Este mit ihren Gärten gehört zu dem Welkulturerbe Tivolis. (Bild: Cezar Suceveanu, Wikimedia, CC)

Villa Gregoriana – der Romantik verpflichtet

Einen ganz anderen Charakter zeigt die dritte bedeutende Gartenanlage Tivolis, die Villa Gregoriana. Sie präsentiert sich dem Besucher eher in wildromantischer Verwunschenheit und verzichtet ganz auf die streng formale Gestaltung wie beim Park der Villa d’Este. Dennoch handelt es sich auch hier um ein Werk von Menschenhand. Die Anlage geht auf eine Initiative von Papst Gregor XVI. zurück, der hier im Umfeld der früheren Villa des Manlius Vopiscus einen Park anlegen liess. Er ist ganz durch die Romantik des 19. Jahrhunderts geprägt. Die Villa Gregoriana befindet sich im „Teufelstal“, einer steilen Schlucht unterhalb der Akropolis mit dem Vesta-Tempel. Schattige Spazierwege mit Treppen führen durch das Tal, dessen Highlight der Wasserfall des Aniene ist, der in mehreren Kaskaden über hundert Meter in die Tiefe stürzt. Die Ruinen der antiken Villa wurden harmonisch in den Park integriert. Der Aniene-Fall mit dem darüber thronenden Vesta-Tempel ist ein Gemäldemotiv par excellence, was von Romantikern gerne genutzt wurde.

Villa Gregoriana – der Romantik verpflichtet. (Bild: maurizio / Shutterstock.com)

Villa Gregoriana – der Romantik verpflichtet. (Bild: maurizio / Shutterstock.com)

Eine Zeitreise durch die Gartenkunst

So bildet ein Besuch in Tivoli nicht nur einen schönen Kontrast zu anstrengenden Besichtigungen in Rom. Er ist auch eine Art Zeitreise in zwei Jahrtausende Gartenkunst mit einer vollendeten Verbindung von Pflanzen, Wasser und menschlicher Gestaltungskraft. Kaum an einem anderen Ort wird dabei so deutlich, wie jede Epoche ihre jeweils eigenen Ausdrucksformen fand und trotzdem an grossartigen Vorbildern orientiert blieb.



 

Oberstes Bild: Neptunbrunnen vor der Villa d’Este in Tivoli (© Gianluca Rasile / Shutterstock.com)

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Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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