Vevey – Sommerfrische im Schatten von Montreux

26.06.2016 |  Von  |  Schweiz
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Vevey – Sommerfrische im Schatten von Montreux
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Vevey im Kanton Waadt ist spätestens seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein beliebter Sommerkurort am Genfersee. Dennoch ist der Name der Stadt längst nicht so bekannt, wie der des benachbarten Montreux, das mit seinem kulturellen Angebot, spektakulären Musik-Festivals und seiner mondänen Atmosphäre einen internationalen Ruf geniesst. Dabei steht Vevey der Nachbarstadt, was Schönheit oder den Reiz der landschaftlichen Lage betrifft, keineswegs nach.

Vor allem in Wirtschaftskreisen ist Vevey ein Begriff, befindet sich hier doch die Unternehmenszentrale von Nestlé, dem grössten Schweizer Industrieunternehmen und weltweit bedeutendster Nahrungsmittelkonzern.


Das Alimentarium (Bild: marekusz – Shutterstock.com)

Das Alimentarium (Bild: marekusz – Shutterstock.com)


Das ehemalige Nestlé-Verwaltungsgebäude in der Stadt aus dem Jahre 1921 ist inzwischen selbst Baudenkmal und bietet dem Alimentarium Platz. Das Alimentarium ist ein Museum, das ganz dem Thema „Essen, Kochen und Ernährung“ gewidmet ist. Dass das auch ein zentrales Betätigungsfeld von Nestlé darstellt, ist kein Zufall. Heute residiert die Konzernzentrale in einem Y-förmigen modernen Bau, der in den 1950er Jahren vom bekannten Schweizer Architekten Jean Tschumi konzipiert wurde.


Die Konzernzentrale von Nestlé (Bild: Port(u*o)s, Wikimedia, CC)

Die Konzernzentrale von Nestlé (Bild: Port(u*o)s, Wikimedia, CC)


Vom Handelsort zum Tourismus-Ziel

Besiedelt ist das Gebiet von Vevey schon seit Langem. Die frühesten Spuren stammen von Pfahlbauten aus dem Neolithikum und der Bronzezeit. Im Römischen Reich war hier eine wichtige Strassenkreuzung an der Heerstrasse vom Grossen Sankt Bernhard nach Aventicum (Avenches). An diesem Verkehrsknotenpunkt entstand Vibisco, woraus im Lauf der Zeit Vevey werden sollte. Im Mittelalter war Vevey wichtiger Handelsplatz am Genfersee. Im Industriezeitalter wurde die Stadt Industrie-Standort. Gleichzeitig entdeckte man mit dem aufkommenden Tourismus im 19. Jahrhundert Vevey wegen seiner attraktiven Lage am Genfersee und seines beinahe mediterranen Klimas.


Die Altstadt von Vevey (Bild: Mihai-Bogdan Lazar – Shutterstock.com)

Die Altstadt von Vevey (Bild: Mihai-Bogdan Lazar – Shutterstock.com)


Heute bildet Vevey mit den Nachbargemeinden La Tour de Pelz, Le Châtelard, Clarens und Montreux ein durchgängiges Siedlungsband, das sich am Nordostufer des Genfersees entlangzieht. Während das Hinterland Mittelgebirgscharakter besitzt, in dem sich auch mancher Weinberg findet, eröffnet der Blick auf den See spektakuläre Alpenaussichten am jenseitigen Ufer. Auch das macht den Reiz der Lage aus. Viele Sehenswürdigkeiten von Vevey sind im beginnenden 19. Jahrhundert entstanden, als die Stadt aufblühte. Von daher überrascht es nicht, wenn im Stadtgebiet trotz des Alters der Siedlung wenig „Mittelalterliches“ zu finden ist.


Vevey am Nordostufer des Genfersees (Bild: canadastock – Shuttertstock.com)

Vevey am Nordostufer des Genfersees (Bild: canadastock – Shuttertstock.com)


Bäderarchitektur und Belle Epoque

Das bedeutendste Zeugnis aus dieser Zeit ist vielleicht die kleine Kirche Saint Martin, die sich in guter Aussichtslage auf einem Hügel erhebt. In der bereits um 1000 erwähnten Kirche verbinden sich romanische und gotische Bauweise.


Die Kirche Saint Martin (Bild: Jmh2o, Wikimedia, CC)

Die Kirche Saint Martin (Bild: Jmh2o, Wikimedia, CC)


Im 15. Jahrhundert ist dagegen Sainte Claire entstanden, die Kirche eines ehemaligen Klarissenklosters. Etwas später wurde das „Berner Schloss“ erbaut, ein markantes Haus, das heute Winzermuseum ist. Als ein Werk des 14. Jahrhunderts zeigt sich der Tour Saint Jean mit seinem Brunnen, seiner schönen Uhr und den beiden Glocken.


Château de l'Aile (Bild: Capture Light – Shutterstock.com)

Château de l’Aile (Bild: Capture Light – Shutterstock.com)


Bauten aus der grossen Zeit als Sommerkurort hat Vevey dagegen jede Menge zu bieten. Das Hôtel des Trois-Couronnes aus dem Jahr 1842 steht stellvertretend für den beginnenden Tourismus. Château de l’Aile, Casino du Rivage und Hôtel du Lac sind weitere schöne Beispiele aus dieser Epoche. Eine russisch-orthodoxe Kirche für die aristokratischen Gäste aus dem Zarenreich durfte ebenfalls nicht fehlen.


Die russisch-orthodoxe Kirche (Bild: Jmh2o, Wikimedia, CC)

Die russisch-orthodoxe Kirche (Bild: Jmh2o, Wikimedia, CC)


Auch die säulengeschmückte Kornhalle am zentralen Marktplatz ist Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden. In einem schönen Bell Epoque-Bau ist das Jenisch-Museum untergebracht, eine weitere Sehenswürdigkeit. Es zeigt bildende Kunst, grafische Darstellungen und Zeichnungen aus unterschiedlichen Epochen. Auch dem Werk Oscar Kokoschkas widmet sich das Museum.


Das Hôtel des Trois-Couronnes (Bild: Jmh2o, Wikimedia, CC)

Das Hôtel des Trois-Couronnes (Bild: Jmh2o, Wikimedia, CC)


Die Fête des Vignerons

Mag Vevey auch keine spektakulären Festivals wie Montreux bieten, eine besondere Veranstaltung muss erwähnt werden – die Fête des Vignerons. Dieses einzigartige Weinfest findet nur alle 25 Jahre statt und kann auf eine bis 1797 zurückreichende Tradition zurückblicken. Für das Fest wird jeweils ein eigenes Festgelände mit einer Arena für bis zu 16’000 Plätze errichtet.


Gedenkplatte in Vevey mit den Jahreszahlen der durchgeführten Feste und der Aufschrift: «ORA ET LABORA - ICI SE CELEBRE LA FETE DES VIGNERONS» (Bild: Jmh2o, Wikimedia, GNU)

Gedenkplatte in Vevey mit den Jahreszahlen der durchgeführten Feste und der Aufschrift: «ORA ET LABORA – ICI SE CELEBRE LA FETE DES VIGNERONS» (Bild: Jmh2o, Wikimedia, GNU)


Zu jeder Fête des Vignerons gehören eine Darstellung der Arbeit im Weinberg, der Feldarbeit und des weidenden Viehs. Auch Gestalten aus der antiken und christlichen Mythologie werden gezeigt, ebenso findet ein Lobpreis des Vaterlandes statt. Dabei wirken mehrere Tausend Darsteller und Statisten mit, bekannte Musiker und Schriftsteller leisten Beiträge zu der Veranstaltung. Es ist ein weit über Vevey ausstrahlendes Ereignis. Die nächste Fête des Vignerons findet vom 26. Juli bis 11. August 2019 statt, vielleicht eine gute Gelegenheit zum Besuch von Vevey.



Fazit

Vevey steht als Sommerferienort am Genfersee seit jeher etwas im Schatten des benachbarten Montreux. Zu Unrecht – denn die Stadt ist einen Besuch wert.

 

Artikelbild: © Mehwishnasim2, Wikimedia, CC

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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