Vietnam – Von Nord nach Süd in zweieinhalb Wochen

11.08.2015 |  Von  |  Asien, Pazifik
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Vietnam – Von Nord nach Süd in zweieinhalb Wochen
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Zu dritt starteten wir unser Abenteuer Mitte Januar und flogen in den Norden von Vietnam – in die Hauptstadt Hanoi mit rund 10 Mio. Einwohnern. Temperatur: 12 – 15° C. Wir kamen nachts am Flughafen an und warteten auf unseren Fahrdienst zum Hotel. Da wir gelesen hatten, dass auf den Strassen Vietnams hin und wieder den Touristen die Taschen durch vorbeifahrenden Roller vom Arm gerissen werden, hielten wir Abstand zum Strassenrand.

Nach einer halben Stunde Fahrt und einem mühsamen Treppenaufstieg in den vierten Stock bezogen wir unser Quartier im Blue Sky Hotel. Die Unterkunft ist leider nicht zu empfehlen. Die Lage ist top, aber das Hotelzimmer war aufgrund schlechter Fensterisolierung kalt, feucht und schimmlig. Dafür waren die Mitarbeiter sehr freundlich.

Am nächsten Morgen erlebten wir dann einen Kulturschock direkt vor der Hoteltüre. So ein reges Treiben hatte ich noch nie gesehen und die Menschen mit den spitzen Hüten kannte ich nur aus dem Fernsehen. Uns wurde auch schnell klar, dass ein Vietnamese nichts von Lebensmittelkühlung hält und nichts ist ohne sein Fahrrad.


In Hanoi herrscht ein hektisches Treiben. (Bild: © Bettina Hielscher)

In Hanoi herrscht ein hektisches Treiben. (Bild: © Bettina Hielscher)


Ein Vietnamese ist nichts ohne sein Fahrrad und hält nichts von Lebensmittelkühlung. (Bild: © Bettina Hielscher)

Ein Vietnamese ist nichts ohne sein Fahrrad und hält nichts von Lebensmittelkühlung. (Bild: © Bettina Hielscher)


Nach ein paar Tagen Hanoi hatten wir uns an das hektische Treiben gewöhnt, das Verhandeln mit Vietnamesen gelernt (sie sind sehr hartnäckig) und das Überqueren der Strasse wie die Einheimischen beherrscht: Laufen. Einfach laufen. Den Verkehr ignorieren und die Ampeln ebenso, denn ob Rot, Grün oder Gelb – für Vietnamesen ist immer Grün, also ist auch für dich immer Grün, denn sonst kommst du nie auf die andere Strassenseite.

Das ist auch der Grund, warum die Hupe das wichtigste Ausstattungsmerkmal der Fahrzeuge ist. Bei 10.000.000 Einwohnern gibt es gut 8.000.000 Rollerfahrer – die ohne Führerschein fahren, denn den gibt es in Vietnam nicht.

Demzufolge beherrscht auch niemand die Verkehrsordnung und fährt wild hupend durch die Gegend. An grösseren Strassen wird überraschenderweise auch mal eine Ampel von 85% registriert. Da muss man dann aufpassen, dass man nicht aus Versehen wie gewohnt auch bei Rot auf die Strasse läuft.


Ein Ausflug in die trockene Halong Bucht ist sehr eindrucksvoll. (Bild: © Bettina Hielscher)

Ein Ausflug in die trockene Halong Bucht ist sehr eindrucksvoll. (Bild: © Bettina Hielscher)


Nach eindrucksvollen Ausflügen in die trockene Halong Bucht und in die nasse Halong Bucht inklusiver Übernachtung auf dem Schiff reisten wir weiter ins Zentralvietnam, nach Hoi An – mit dem Zug 15 Stunden über Nacht. 15 Stunden aber nur, weil die Bummelbahn an jeder Haltestelle, sprich ca. alle fünf Minuten gehalten hat. Da ist unsere S-Bahn in Deutschland sogar schneller. Es war ein ganz witziges Erlebnis, das ich aber nicht nochmal mitmachen muss.

Die Temperaturen befanden sich dort Ende Januar bei 25 – 27° C.

In Hoi An habe ich mich verliebt. Nicht in einen Mann, sondern in die Stadt. Sie ist ruhig, verträumt, bunt und strahlt ein ganz besonderes Flair zwischen den uralten heruntergekommenen Altbauten aus. Es gibt keinen Supermarkt – es gibt einen Markt. Täglich. Der genauso bunt ist wie der Rest der Stadt. Überall hängen Lampions an den Häuserfassaden und in den Fenstern, und die Strasse ist die Lebensbühne der Einheimischen. Ein wunderschöner Hafen mit farbenfrohen Fischerbooten kann von der Uferpromenade bestaunt werden, die mit gemütlichen Restaurants bestückt ist.

Auch die Umgebung von Hoi An ist sehr schön. Reisfelder wohin das Auge reicht. Mit dem Fahrrad sind Ausflüge sehr empfehlenswert. Die nahegelegene Tempelstadt My Son ist auch gut zu erreichen. Ein weiteres Erlebnis war die gebuchte „Landlife Experience Tour“, die einen ins Leben der einheimischen Gemüse- und Reisbauern führt und bei der alles selbst erlebt und ausprobiert werden kann.


Die Umgebung von Hoi An ist wunderschön. (Bild: © Bettina Hielscher)

Die Umgebung von Hoi An ist wunderschön. (Bild: © Bettina Hielscher)


Im schönen Red House Homestay wird man gastlich empfangen. (Bild: © Bettina Hielscher)

Im schönen Red House Homestay wird man gastlich empfangen. (Bild: © Bettina Hielscher)


Wir hatten ein Zimmer im wunderschönen Red House Homestay gebucht, etwas ausserhalb der Altstadt, die aber mit dem Fahrrad schnell zu erreichen ist. Die Gastfamilie ist sehr herzlich und gastfreundlich. Ich kann es nur empfehlen!


Ho Chi Minh City ist sehr westlich geprägt. (Bild: © Bettina Hielscher)

Ho Chi Minh City ist sehr westlich geprägt. (Bild: © Bettina Hielscher)


Nach fünf Tagen flogen wir weiter ganz in den Süden nach Ho Chi Minh City (ehemals Saigon). Temperatur: 30° C und mehr. Ho Chi Minh City ist für meinen Geschmack eine hässliche Stadt, die sehr westlich ist und kein besonderes Flair ausstrahlt.

Ein Ausflug ins Mekong Delta mit Übernachtung ist sehr empfehlenswert. Ohne Übernachtung lohnt sich die vierstündige Anfahrt nicht. Die schwimmenden Märkte, die in den Flyern beworben werden, finden morgens um 6.00 / 7.00 Uhr statt und von denen ist um 11.00 Uhr, wenn man endlich ankommt, nichts mehr zu sehen. Wer eine Übernachtung bucht, erlebt die Märkte am nächsten Morgen.

Wir waren in einem tollen Homestay untergebracht und erlebten einen gemütlichen gemeinschaftlichen Abend und eine aufregende Nacht in einer rustikalen Bambushütte.


Ein Ausflug ins Mekong Delta lohnt sich in jedem Fall. (Bild: © Bettina Hielscher)

Ein Ausflug ins Mekong Delta lohnt sich in jedem Fall. (Bild: © Bettina Hielscher)


Wer sich ein wenig für die Geschichte Vietnams interessiert, dem lege ich die Chu Chi Tunnel ans Herz. Eine interessante Erfahrung kann man machen, in dem man selbst durch die 80 cm hohen und 60 cm breiten Chu Chi Tunnel kriecht, die damals als Versteck und Lebensraum dienten.

Fazit

Es war grossartig. Vietnam ist eine Reise wert!

Wer Fragen zu Vietnam hat oder Reiseempfehlungen haben möchte, darf mir gerne schreiben.


Auf einer "Landlife Experience Tour" kann man ins Leben der Einheimischen eintauchen. (Bild: © Bettina Hielscher)

Auf einer „Landlife Experience Tour“ kann man ins Leben der einheimischen Gemüse- und Reisbauern eintauchen. (Bild: © Bettina Hielscher)


Fragen und Antworten zu Vietnam:

Wie ist die Jahreszeit im Januar?

  • Im Norden, in Hanoi, hatten wir rund 13° C – 15° C und keinen einzigen Regentag. Es hat sogar öfters mal die Sonne geschienen und die Temperaturen kletterten auf 17° C. In der trockenen Halong Bucht war ebenfalls schönes, aber frisches Wetter, und in der Halong Bucht mit Übernachtung auf dem Schiff war es zwar sonnig, aber doch noch recht kühl. Etwas wärmere Sachen und windabweisende Kleidung sind zu empfehlen.
  • In Zentralvietnam, in Hoi An, war das Wetter toll, die Temperaturen zwischen 20° C und 25° C, abends wurde es schon etwas kühler, rund 18° C.
  • Im Süden, in Ho Chi Minh City, hatte es immer um die 28-33° C und auch nachts war es angenehm warm draussen.

Mit welcher Währung wird in Vietnam gezahlt?

Gezahlt wird in Dong (VND). Aufgerundet kann man sagen, dass 25.000 Dong einem CHF bzw. 1 Euro entsprechen (ja, man wirft dort „mit Millionen“ um sich). Das Geld kann am Flughafen gewechselt werden. Beim Rückflug muss man aufpassen, dass man alles, was umgerechnet ca. 10 CHF (Euro) oder weniger an Dong übrig ist, in Vietnam ausgibt. Ich habe es wechseln lassen wollen und man sagte mir, dass sei zu wenig und kann nicht gewechselt werden. Also lieber noch mal ein „teures“ Essen geniessen, als 10 CHF (Euro) zu verschenken …

Gibt man in Vietnam Trinkgeld?

Das ist unüblich und wird nicht erwartet. Wir haben es in den Restaurants auch fast nicht gemacht, es sei denn, wir hatten Kleingeld übrig (Kleingeld in Form von kleinen Scheinen, denn Münzgeld gibt es überhaupt nicht).

Ist Vietnam teuer?

Vietnam ist bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von rund 45 CHF (Euro) sehr günstig. Ein gutes Essen erhält man schon für 1-2 CHF (Euro). Auch die Ausflüge und Unterkünfte sind extrem preiswert.

Wo kann man massgeschneiderte Anzüge und Kleider machen lassen?

Das macht am besten in Hoi An. Dort gibt es unzählige Schneidereien mit tollen Stoffen. Ich habe umgerechnet ca. 28 CHF (Euro) für ein massgeschneidertes Sommerkleid gezahlt. Wer zwei Teile machen lassen möchte, macht dies am besten im gleichen Geschäft, denn das zweite Kleidungsstück wird dann ca. nur noch die Hälfte kosten.

Das Schneidern geht im schnellsten Fall innerhalb von einem Tag und kann dann abgeholt werden. Sollten zweite Änderungen vorgenommen werden, rate ich euch, das Kleidungsstück ein paar Tage vor der Abreise in Auftrag zu geben, damit Zeit für die Anprobe plus eventuelle weitere Änderungen bleibt.

Können die Vietnamesen Englisch?

Die Menschen, die mit Touristen zu tun haben, können meist gut Englisch. Im Restaurant oder in den Unterkünften kann man sich gut verständigen. Manche Vietnamesen sprechen die englischen Worte jedoch sehr schwer verständlich aus, so dass man trotz Englischkenntnissen fast nur Bahnhof versteht. Aber mit Händen und Füssen geht es – und die üblichen touristischen Fragen verstehen die meisten.


Auf den schwimmenden  Märkten werden die Produkte an den Kunden gebracht. (Bild: © Bettina Hielscher)

Auf den schwimmenden Märkten werden die Produkte an den Kunden gebracht. (Bild: © Bettina Hielscher)


Wie verhandelt man?

Mindestens um die Hälfte mit dem Preis runter gehen und sich dann annähern. Die Händler verkaufen die Produkte dann immer noch zu einem für sie hohen Preis, auch wenn er uns im Vergleich zu Deutschland sehr günstig vorkommt. Ich habe ein echtes Seidentuch für vier CHF (Euro) bekommen, in der Schweiz oder Deutschland bekommt man das gerne mal für 60 CHF (Euro).

Manchmal klappt es auch sehr gut, wenn man hartnäckig bleibt und sein maximales Angebot deutlich macht und dann geht, wenn der Händler nicht runtergeht. Dreimal habe ich dann die Ware zu dem Preis bekommen, den ich maximal geboten habe, weil der Händler mir hinterher gegangen ist und nachgegeben hat. Die Konkurrenz ist dort sehr hoch, daher kann man auch manchmal etwas gemein sein und sagen, dass man es bei der Konkurrenz um so und so viel CHF (Euro) erhalten hat und dann auch dort wieder hingehen, wenn er auf das maximale Gebot nicht eingeht. Es fängt dann sogar an, richtig Spass zu machen. Man sollte nur sehr selbstbewusst sein und eine klare Stimme ohne zögerlichen Unterton beim Handeln haben.

 

Oberstes Bild: Hafen Hoi An – © Bettina Hielscher

Über Bettina Hielscher

Mit sich selbst im Reinen zu sein, ist, glaube ich, die grösste und schwerste Lebensaufgabe: zufrieden zu sein mit sich und seinem Handeln, zu sich selbst zu stehen und sich nicht mehr mit anderen zu vergleichen, weil man den Frieden in sich gefunden hat. Ich möchte dir Inspiration geben, zu dir selbst zu finden und ein Leben im Einklang mit dir zu führen – denn nur so wirst du glücklich in deinem Leben.


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