Von Muskau nach Branitz – das bleibende Werk von Fürst Pückler  

24.07.2015 |  Von  |  Europa
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Von Muskau nach Branitz – das bleibende Werk von Fürst Pückler  
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Neben dem Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau ist der Branitzer Park der zweite grosse Landschaftsgarten, der von dem legendären preussischen Aristokraten und Gartenarchitekten gestaltet wurde.

Der Park stellt das Alterswerk von Fürst Pückler dar und bewahrt bis heute in besonderer Weise die Erinnerung an seinen Schöpfer.

Park und Schloss Branitz stehen meist etwas im Schatten des UNESCO-Welterbes Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau. Zu Unrecht – denn in den Branitzer Gartenanlagen spiegeln sich das Konzept und die gärtnerische Gedankenwelt von Fürst Pückler noch authentischer wider als im Muskauer Vorbild.

Parklandschaft auf sandigem Boden

Das Dörfchen Branitz vor den Toren von Cottbus wäre vielleicht nie eine besondere Erwähnung wert gewesen, wenn nicht Ende des 18. Jahrhunderts die Pückler-Familie hier ein Schloss erbaut hätte. Es diente den Fürsten Pückler zunächst als Wohnsitz. Der Bau und die zugehörige Landwirtschaft wurden verpachtet, als die Familie 1785 in das gut 30 Kilometer entfernte Muskau zog. Branitz sollte in den nächsten Jahrzehnten nur eine Nebenrolle für die einflussreichen und vermögenden Standesherren von Muskau spielen.

Das änderte sich, als Hermann von Müller-Muskau 1845 die Standesherrschaft Muskau verkaufen musste und Branitz zu seinem Alterssitz erwählte. Fürst Pückler war mit seinem Park-Projekt in Muskau in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Anlage des weitläufigen Landschaftsgartens hatte riesige Summen verschlungen. Die sandigen Böden in der Gegend machten die Verwirklichung seines Vorhabens zu einer grossen Herausforderung. Fürst Pückler musste Unmengen an Muttererde aus weiten Entfernungen herankarren lassen, um überhaupt die Voraussetzungen für die geplante Bepflanzung zu schaffen. Obwohl er zu den vermögendsten Aristokraten seiner Zeit gehörte, überforderte das auf Dauer seine Möglichkeiten.



Mit dem Verkauf der Standesherrschaft konnte sich der Fürst finanziell sanieren. Und es blieb genügend Geld übrig, um sogleich ein zweites Park-Projekt in Angriff zu nehmen – den Branitzer Park. Was in Muskau notgedrungen unvollendet bleiben musste, konnte der Aristokrat hier nun abschliessend verwirklichen. Der Branitzer Park steht daher fast noch mehr als der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau für die eigentlichen Pläne und Absichten seines Schöpfers.

Die Rahmenbedingungen für eine Parkanlage waren dabei in Branitz keineswegs besser als in Muskau. Branitz liegt in der Cottbuser Sandplatte, die hier zu findenden Sandböden boten allenfalls Grundlage für eine karge Landwirtschaft und sind nicht besser als die in Muskau. Bereits zur damaligen Zeit wurden die Böden Brandenburgs, wozu auch Cottbus und Branitz gehören, als „Sandbüchse des Heiligen Römischen Reiches“ bezeichnet, in der vor allem Kartoffeln gedeihen. Fürst Pückler musste daher auch in Branitz grosse Mengen Muttererde für seinen Park verwenden. Diesmal reichte aber sein finanzielles Polster dafür aus. Dazu trug auch bei, dass der Landschaftspark in seinen Dimensionen von vorneherein etwas bescheidener konzipiert war als der in Muskau.

Ein Parkkonzept mit konzentrischen Kreisen

Das Gesamtgelände des Parks umfasste ursprünglich eine Gesamtfläche von 622 Hektar. Davon entfallen rund 112 Hektar auf den sogenannten Innenpark, der grössere Rest auf den umgebenden Aussenpark. Im Innenpark bildet der sogenannte Pleasureground im Umfeld des Schlosses wiederum einen besonderen Bereich. Diese quasi auf konzentrischen Kreisen beruhende Vorstellung von der Gestaltung eines Landschaftsparks hatte Fürst Pückler in England kennengelernt. Hier hatte man sich bereits Ende des 18. Jahrhunderts vom Idealbild des barocken Gartens verabschiedet, der durch eine streng formale Gestaltung mit symmetrischen Achsen und geometrischen Figuren in der Bepflanzung gekennzeichnet war. Der Englische Garten orientierte sich dagegen stärker an der Natur. Symmetrie und Geometrie werden hier zugunsten unregelmässiger Formen und geschwungener Linien aufgegeben.

Eine besondere Erfindung von Fürst Pückler sind dabei die Sichtachsen. Das sind unvermittelt im Park auftretende Öffnungen in sonst geschlossener Bepflanzung, die die Sicht in die Weite der Landschaft freigeben oder den Blick auf einen besonders markanten Punkt lenken. Sowohl im Muskauer als auch im Branitzer Park wurde diese Idee umgesetzt. Sie sollte als Vorbild für viele „natürliche“ Parkanlagen vor allem im angelsächsischen Raum dienen.


Das Gesamtgelände des Parks umfasste ursprünglich eine Gesamtfläche von 622 Hektar. (Bild: © Henry Nowick - shutterstock.com)

Das Gesamtgelände des Parks umfasste ursprünglich eine Gesamtfläche von 622 Hektar. (Bild: © Henry Nowick – shutterstock.com)


Der Pleasureground – ein Vergnügen besonderer Art

Den innersten Teil des gesamten Landschaftsparks bildet der Pleasureground rund um das Schloss. Er ist mit der deutschen Übersetzung „Vergnügungsfeld“ nur unzureichend beschrieben. Bereits Fürst Pückler bevorzugte die englische Bezeichnung. Der Pleasureground ist im Konzept des Englischen Landschaftsparks der gebäudenahe Teil, in dem die gärtnerische Gestaltungskunst stärker hervortritt, die naturräumliche Nähe dagegen weniger betont wird. In der Idealvorstellung bildet er die Erweiterung der Räume eines Hauses oder Schlosses in den Garten hinein, ehe der Übergang in die gestaltete Landschaft erfolgt. Diesem Gedanken entsprechend sind im Pleasureground die formalen Gestaltungsprinzipien strenger als in den übrigen Parkbereichen; es ist der Teil des Geländes, der dem Barockgarten noch am nächsten kommt. Dementsprechend gehören zum typischen Erscheinungsbild Blumenbeete mit geometrischen Formen, schnurgerade Wege, geschnittene Hecken, Ziergehölze sowie Gartenskulpturen und Plastiken als Schmuck.

Dieses Konzept wurde auch in Branitz rund um das Schloss verwirklicht. Es handelte sich im wahrsten Sinne des Wortes um einen Vorgarten, um Architektur in Pflanzenform. Der Pleasureground war gleichzeitig als der privateste Teil des Parks gedacht. Während die übrigen Teile des Branitzer Parks von Anfang an für die Öffentlichkeit zugänglich sein sollten, war der Pleasureground alleine Fürst Pückler und seiner Familie vorbehalten. Früher gab es sogar eine Umfriedung, der Pleasureground war abgegrenzt. Diese Einzäunung existiert heute nicht mehr.

Der Innenpark – die Erweiterung zum Landschaftspark

Der Innenpark in Branitz folgt im Übrigen ganz dem Vorbild des Englischen Gartens. Er ist eine von Menschenhand geschaffene Landschaft mit Wiesen, Waldflächen, einzelnen Baumgruppen und frei stehenden Bäumen. Eine wichtige Rolle spielt auch das Wasser. Zum Parkgelände gehört eine künstliche Seenlandschaft. Insgesamt sieben dieser Gewässer liess der Fürst in seinem Park anlegen, einige davon mehr ein Teich, andere tatsächlich ein kleiner See. Einige Wasserflächen werden dabei durch einen Bachlauf miteinander verbunden. Brücken überqueren an besonders idyllischen Stellen das Wasser und sorgen für stimmungsvolle Ausblicke. Fürst Pückler liess auf dem ursprünglich völlig flachen Gelände auch mehrere Hügel aufschichten. Als Material dafür diente der Aushub der Seen und Wasserläufe. Heute wirkt alles wie natürlich gewachsen und entstanden, dabei wurde hier nichts dem Zufall überlassen.


Der Innenpark in Branitz folgt im Übrigen ganz dem Vorbild des Englischen Gartens. (Bild: © Henry Nowick - shutterstock.com)

Der Innenpark in Branitz folgt im Übrigen ganz dem Vorbild des Englischen Gartens. (Bild: © Henry Nowick – shutterstock.com)


Eine einmalige Besonderheit im Branitzer Park sind die beiden Erdpyramiden. Fürst Pückler liess die beiden Erderhebungen als Grabstätten für sich und seine Frau Lucie errichten. Dabei stand weniger der Gedanke an ein Pharaonengrab im Vordergrund, der Fürst sprach selbst bei den beiden Pyramiden von Tumuli. Tumulus ist die lateinische Bezeichnung für ein Hügelgrab, das bis in die Römerzeit hinein in vielen europäischen Kulturen zur Bestattung hochgestellter Persönlichkeiten diente.

Dieser Vorstellung folgen auch die beiden Pyramiden im Branitzer Park. Die Orientreisen des Fürsten, die auch nach Ägypten führten, mögen dabei zur Pyramidenform inspiriert haben. Eine Pyramide wurde in einem der Seen des Parks errichtet. In dieser Seepyramide wurden später die sterblichen Überreste von Fürst Pückler und seiner Frau Lucie bestattet. Besonders eindrucksvoll wirkt sie im Herbst. Dann verfärben sich die Weinreben, die die Pyramide bedecken, und der Bau erscheint in leuchtendem Herbstbunt.

Ursprünglich war die auf einem der künstlichen Hügel erbaute Landpyramide als Grab für Fürstin Lucie gedacht gewesen. Die früh verstorbene Frau des Fürsten liess sich aber auf dem Dorffriedhof von Branitz bestatten. Ein Nachkomme des Fürsten verfügte später die Umbettung in die Seepyramide, die Landpyramide blieb daher leer. 


Ursprünglich war die auf einem der künstlichen Hügel erbaute Landpyramide als Grab für Fürstin Lucie gedacht gewesen. (Bild: © Henry Nowick - shutterstock.com)

Ursprünglich war die auf einem der künstlichen Hügel erbaute Landpyramide als Grab für Fürstin Lucie gedacht gewesen. (Bild: © Henry Nowick – shutterstock.com)


Der Aussenpark und der Gedanke der Ornamental Farm

Um den Innenpark herum legte Fürst Pückler den sogenannten Aussenpark an. Er folgte damit dem Gedanken der „Ornamental Farm“. Dieses Konzept ist ebenfalls im England des 18. Jahrhunderts entstanden. Dabei ging es darum, landwirtschaftliche Nutzflächen bewusst in eine Park- und Gartengestaltung miteinzubeziehen. Auch sie sollten nicht ausschliesslich auf Funktion angelegt sein, sondern ebenso ästhetischen Prinzipien folgen. Dahinter standen unter anderem von Rousseau geprägte philosophische Vorstellungen von einem Leben näher an der Natur. Agrarische Elemente finden sich in vielen Parks der Epoche. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das von Marie Antoinette im Schlosspark von Versailles angelegte Hameau, ein Fantasie-Dorf inmitten einer barocken Gartenanlage – eine Art pastoraler Idylle.

Darum ging es bei Fürst Pücklers Ornamental Farm nicht. Hier sollte kein künstliches Landleben geschaffen werden, sondern die vorhandene Agrarstruktur – eine Kombination aus Feldern, Wäldern und Weiden – sollte vielmehr gärtnerisch geformt und verschönert werden. Dieser Aussenpark ist heute weitgehend verschwunden. Im Laufe der Zeit wurden die Flächen anderweitig verwendet. Heute erstrecken sich hier neben Siedlungsflächen unter anderem ein Tierpark und ein Stadion. Grosse Teile werden auch noch landwirtschaftlich genutzt, ohne die ursprüngliche Konzeption zu berücksichtigen.


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Schloss Branitz – vornehme Bescheidenheit

Schloss Branitz selbst ist ein vergleichsweise bescheidenes barockes Werk, das sich äusserlich als einflügeliger Bau mit zurückhaltendem Dekor präsentiert. Zu beiden Seiten wird das Schloss von dem Marstall und dem Kavaliershaus flankiert. Im Inneren zeigt Schloss Branitz noch viel von seiner originalen Einrichtung, das elegante, heute antike Mobiliar ist stilistisch bereits stark vom Klassizismus geprägt. Es lässt sehr authentisch das private Wohnumfeld von Fürst Pückler und seiner Frau erahnen. Repräsentatives sucht man hier fast vergebens, das Schloss diente vor allem Wohnzwecken und war nicht für fürstliche Prachtentfaltung gedacht. Am ehesten trifft dies noch auf die Ahnengalerie der Pückler-Familie im Vestibül zu.

Heute ist in dem Schloss auch eine Gemäldesammlung des Cottbuser Landschaftsmalers Carl Blechen untergebracht, eines Zeitgenossen von Fürst Pückler. Die museumspädagogische Ausstellung im Schloss „Auf der Suche nach dem versteinerten Prinzen“ ist auf Schulen und junge Parkbesucher ausgerichtet. Sie informiert über den Park und das bunte Leben von Fürst Pückler. Er gehörte sozusagen zum Jetset seiner Zeit und führte lange eine dandyhafte Existenz. Heute ist das Schloss auch Veranstaltungsort für Konzerte, Tagungen, Lesungen und ähnliches. Im Unterschied zu anderen Parks war Fürst Pückler mit weiteren Dekorationsbauten in Branitz zurückhaltend. Die neogotische Parkschmiede und das neoklassizistische Cottbuser Torhaus sind die einzigen Beispiele dieser Art im Landschaftspark.



Bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Schloss Branitz und die zugehörigen Ländereien im Eigentum der Fürstenfamilie. Dann folgte die kommunistische Bodenreform und die Pücklers wurden enteignet. Heute befinden sich das Schloss und der Innenpark in Staatsbesitz. Die „Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz“ kümmert sich um die Schöpfung des herausragenden Gartenarchitekten und bewahrt sein Erbe. So können sich auch heutige Besucher an der Gartenkunst des Fürsten erfreuen.

 

Oberstes Bild: © Henry Nowick – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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