Zu Besuch in der Äbtestadt Wil

07.06.2016 |  Von  |  Schweiz
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Zu Besuch in der Äbtestadt Wil
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Die alte Stadt Wil bildet traditionell ein wichtiges urbanes Zentrum für den westlichen Teil des heutigen Kantons Sankt Gallens. In früheren Zeiten war die Gegend als Wileramt Teil des sogenannten Fürstenlandes, des Territoriums der Fürstäbte von Sankt Gallen. Gleichzeitig besass Wil aber auch Bedeutung für die nördlichen Gebiete der ehemaligen Grafschaft Toggenburg.

Die Sankt Gallener Äbte prägten über Jahrhunderte der Stadt ihren Stempel auf und bestimmen bis heute das Gesicht von Wil.

Mit seinen rund 18.000 Einwohnern besitzt der Ort eher kleinstädtische Dimensionen. Und diesen Eindruck vermittelt auch die historische Altstadt, die sich in exponierter Lage auf einer Anhöhe erstreckt. Dennoch ist Wil grösser, als es den Anschein hat.

In der Agglomeration um den historischen Kern leben rund 100.000 Menschen. Längst ist die Besiedlung der Altstadt entwachsen und ins Umland ausgefächert. Mit dem eingemeindeten Bonschhofen und den angrenzenden Gemeinden Rickenbach und Sirnach ist die Stadt fast zu einem einheitlichen Gebilde verschmolzen, in dem sich alte und neue Bausubstanz vermischen.

Über Jahrhunderte im Besitz der Fürstäbte von Sankt Gallen

Den besonderen Reiz von Wil für Besucher macht aber seine Altstadt aus, die als die am besten erhaltene in der ganzen Ostschweiz gilt. Das Engagement zur Erhaltung des historischen Zentrums wurde schon 1984 mit der Verleihung des Wakkerpreises durch den Schweizer Heimatschutz ausgezeichnet.

In der Altstadt spiegeln sich über tausend Jahre Geschichte wider. Eine erstmalige urkundliche Erwähnung des Namens „Wil“ findet sich in der sogenannten Henauer Urkunde aus dem Jahre 754. Ob damit tatsächlich die heutige Stadt gemeint war, ist jedoch nicht abschliessend geklärt. Fest steht jedenfalls, dass im Jahre 1226 die Grafen von Toggenburg den Ort den Fürstäbten von Sankt Gallen schenkten. Bis zum Ende der Fürstabtei im Jahre 1798 gehörte Wil zum geistlichen wie weltlichen Besitz der Abtei.


Über Jahrhunderte im Besitz der Fürstäbte von Sankt Gallen (Bild: © Brilliant Eye - shutterstock.com)

Über Jahrhunderte im Besitz der Fürstäbte von Sankt Gallen (Bild: © Brilliant Eye – shutterstock.com)


Den schönsten Gesamteindruck der Altstadt hat man vom Stadtweiher aus, der sich in einer ausgedehnten Grünanlage zu Füssen des Gebäudeensembles befindet. Von dort aus kann Ihr Blick nach oben wandern, wo sich Ihnen quasi die Rückseite der alten Häuser zukehrt. Bei den hoch aufragenden Wänden mit ihren steilen Dächern kommen fast ein wenig italienische Reminiszenzen auf.

Wenn man die wesentlich repräsentativere Vorderseite sehen will, muss man sich auf den Weg in die Gassen, Plätze und Winkel des historischen Zentrums begeben. Es ist eine überschaubare Geographie, bei der man sich nur wenige Namen merken muss. Dafür hat man auf engem Raum eine geballte Ansammlung von wertvollen Baudenkmälern vor sich.

Der Hof zu Wil und mehr im Herzen der Altstadt

Das Herzstück der Altstadt ist der Hofplatz. Sein Blickfang ist der mächtige „Hof zu Wil“ mit seinen strahlendweissen Mauern. Er bildet gleichsam die „Krone der Wiler Altstadt“ und kann auf eine 800jährige Geschichte zurückblicken. Entstanden ist er ursprünglich als Wohn- und Wehrturm der Grafen von Toggenburg, später war er Aussenpfalz und Verwaltungssitz der Fürstäbte von Sankt Gallen.


Den besonderen Reiz von Wil für Besucher macht seine Altstadt aus, die als die am besten erhaltene in der ganzen Ostschweiz gilt. (Bild: © Brilliant Eye - shutterstock.com)

Den besonderen Reiz von Wil für Besucher macht seine Altstadt aus, die als die am besten erhaltene in der ganzen Ostschweiz gilt. (Bild: © Brilliant Eye – shutterstock.com)


In den letzten 200 Jahren diente er als Brauhaus. Der Hof zu Will bildete praktisch die Keimzelle, aus der der Ort später entstanden ist – ein Wahrzeichen. Gastronomisches hat er seinen Besuchern auch heute noch zu bieten.

Der zweite bemerkenswerte Bau auf dem Hofplatz ist das sogenannte Baronenhaus. Das Ende des 18. Jahrhunderts entstandene Wohnhaus des Reichsvogts Baron Josef Pankraz von Grüebler erhebt sich in der Mitte des Hofplatzes und beeindruckt durch seine prächtige Fassadenmalerei. Dagegen drückt sich die Kirche Sankt Nikolaus beinahe an den Rand der Altstadt und wirkt vergleichsweise schlicht. Sie ist ein Werk verschiedener Epochen und präsentiert sich dem Betrachter vornehmlich im Stil der Spätgotik.


Wil Santis (Bild: © Karel Gallas - shutterstock.com)

Wil Santis (Bild: © Karel Gallas – shutterstock.com)


Lohnender Streifzug durch das historische Wil

Es sind aber weniger die einzelnen Bauten, die die Wiler Altstadt so „ansehnlich“ machen. Es ist die Gesamtheit der Bauwerke, die trotz unterschiedlicher Stile und Entstehungszeiten „wie aus einem Guss“ wirken. Fachwerk steht hier einträchtig neben massiven Mauern, Lauben verleihen vielen Häusern besondere Anmut und eine südliche Atmosphäre. Darunter befinden sich besonders sehenswerte Denkmäler wie das Gerichtshaus und das Hauptmannshaus. Überall laden kleine Geschäfte und Cafés zum Verweilen ein. Ein Streifzug durch die alten Wiler Gassen lohnt sich.



Fazit

Die Geschichte Wils im Kanton Sankt Gallen ist seit jeher eng mit der berühmten Fürstabtei verbunden. In der wunderschönen Altstadt des Ortes spiegelt sich diese Verbindung noch heute in eindrucksvollen Baudenkmälern wider.

 

Artikelbild: © Brilliant Eye – shutterstock.com

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem grossen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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