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Die Insel Rhodos, Teil 1: Die Ankunft im Land der Legenden

28.10.2013 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Die Insel Rhodos, Teil 1: Die Ankunft im Land der Legenden
4.5 (90%)
2 Bewertung(en)

Das kleine weisse Flugzeug geht auf die kleine grüne Insel nieder. Es landet problemlos. Wir würden es nicht zugeben, aber fühlen uns insgeheim erleichtert. Denn aus der Luft sieht die Insel wie ein pummeliges Krokodilchen aus, das gerade auf die Wasseroberfläche gestiegen ist, um in aller Ruhe Sonne zu tanken. Ob es sich nicht erschrickt und untertaucht, wenn wir mit unserem dicken Flugzeugbauch auf seinen Rücken plumpsen? Nichts dergleichen. Das Krokodilchen bleibt unberührt liegen, als ob unser Flugzeug nicht mehr als eine dicke weisse Fliege wäre.

Wir steigen aus. Nach der sterilen Kühle im Flugzeugsinneren hüllt uns heisse und feuchte Luft ein. Von der Sonne fast geblendet und nach fünf Minuten schon in Schweiss gebadet, schauen wir uns neugierig um. Also, hier bist du – die mythische Insel Rhodos! Schöner als auf den Ansichtskarten, unglaublicher als irgendein Reiseführer dich jemals beschreiben könnte. Das Wasser um die Insel herum ist strahlend blau und die Insel selbst strahlend grün, so dass man, wenn die goldene Manschette des Strandes nicht da wäre, Schwierigkeiten bekommen würde, den Übergang zwischen den Farben zu erkennen.





Ganz grün ist die Insel (Bild: Irina Simonenko)

Ganz grün ist die Insel (Bild: Irina Simonenko)

In der Hotelpension inspizieren wir unser Zimmer. Sauber und schön, und das Beste – es hat einen Balkon mit Meeresblick Richtung Sonnenuntergang. Romantischer geht es nicht. Die in sattes Grün eingebettete Pension wird von einem sehr netten Ehepaar getrieben. Wie bei sehr vielen Paaren hier auf Rhodos, handelt es sich um eine Mischehe. Besonders für die Nordeuropäer erweist sich ein Urlaub auf Rhodos sehr oft als folgenreich. Sie kommen, verlieben sich in die Insel, finden natürlich (Oh, Zufall der Götter!) ihr Perfect Match und bleiben hier für immer. Besonders für Frauen gilt es nach wie vor, je grösser und blonder desto aussichtsreicher die Chancen auf eine baldige Eheschliessung. So sind unsere Gastgeber eine 1,80 Meter grosse Schwedin (blond, selbstverständlich) und ein temperamentvoller Grieche – in einem Kochbuch würde man die Mischung auf der Seite „heisses Eis“ finden. Man merkt gleich, dass sie Ordnung und Durchdachtheit in den familiären Betrieb hineinbringt, und das sonnige Gemüt ihres Gefährten schafft eine häusliche und gemütliche Atmosphäre.  Sehr schön.

Schön wie eigentlich alles auf der Insel. Obwohl man in der letzten Zeit in Bezug auf Griechenland von nichts anderem hört als von der Krise, dem Schuldenberg und den Rettungsmassnahmen, scheint Rhodos fast ganz und gar jenseits des volkswirtschaftlichen Getümmels geblieben zu sein. Rhodos lebt hauptsächlich vom Tourismus. Und da ist es noch keiner Krise gelungen, den Zauber der Insel, dem ihre Besucher allesamt erlegen zu sein scheinen, zu lösen.

Küstenortschaft (Bild: Irina Simonenko)

Küstenortschaft (Bild: Irina Simonenko)

Das Märchenhafte, das die Insel wie mit einem magischen Schleier bedeckt, hat seinen Anfang natürlich in der griechischen Mythologie. Laut verlässlichem Bericht des antiken griechischen Dichters Pindar: „Es spross aus dem Nass des Meeres / die Insel und wurde zu eigen dem Stammvater der scharfen Strahlen, / dem Herrn der feuerschnaubenden Rosse“. Mit dem „Stammvater der scharfen Strahlen“ ist Helios, der Sonnengott gemeint. Sein Job erforderte eine uneingeschränkte Bereitschaft zu reisen, deswegen war der rastlose Gott den ganzen Tag mit seinem feurigen Wagen unterwegs. Das hatte für den fleissigen Aussendienstler zweierlei Konsequenzen: Zum einen, als Vatergott Zeus sein Reich unter den Göttern des Olymp verteilte, war Helios wieder mal ausser Haus und blieb ohne seinen Anteil. Und zum anderen, lernte er auf seinen Reisen die Nymphe Rhode kennen. Nachdem die Insel aus dem Meer entstanden war, gehörte sie Poseidon. Der viel beschäftigte Meeresgott entschied sich fürs Delegieren und beauftragte seine schöne Tochter, die Nymphe Rhode, in seiner Abwesenheit nach dem Rechten auf der Insel zu sehen. Als Helios im Vorbeifahren aus seinem Sonnenwagen die schöne Rhode sah, verliebte er sich gleich. Wie man in diesem Fall die Win-win-Situation erreicht, lag auf der Hand: Auf Ersuchen von Helios gab ihm Zeus, anstatt die Erde neu aufteilen zu müssen, die schöne Insel, die (genau wie deren Herrin) der Sonnengott so reizvoll fand. Natürlich hatte die Geschichte ein Happy-End: Helios nahm die bezaubernde Nymphe zur Frau und sie bekamen sieben Söhne. Drei seiner Enkelkinder – Kameiros, Ialysos und Lindos – wurden als Gründervater der Insel Rhodos verehrt.





Der Sonnenuntergang auf Rhodos (Bild: Irina Simonenko)

Der Sonnenuntergang auf Rhodos (Bild: Irina Simonenko)

Wir sitzen auf dem Balkon und schauen uns den Sonnenuntergang an. Die feuerrote Kugel liegt schon glühend auf der Wasseroberfläche und färbt alles um sich – das Meer, den Himmel und die Insel – in die buntesten Töne, die das Farbspektrum komplett durcheinander zu bringen scheinen. Es riecht nach Meer und Nachtblumen. Die Luft vibriert von der Zikadenmusik.  Man glaubt fast der Legende…

 

Oberstes Bild: Die Insel Rhodos (Bild: Irina Simonenko)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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