Madagaskar – uralte Kultur im Kanal von Moçambique

30.05.2014 |  Von  |  Afrika, Alle Länder
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Madagaskar – uralte Kultur im Kanal von Moçambique
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Madagaskar mit seinen gigantischen Dimensionen wird nicht umsonst als der „Achte Kontinent“ bezeichnet. Über mehr als eine halbe Million Quadratkilometer dehnt sich die Insel im Kanal von Moçambique aus, die ein paar Hundert Kilometer vor der Küste Ostafrikas liegt. Die viertgrösste Insel der Welt kann mit einer einzigartigen Artenvielfalt ihrer Flora und Fauna aufwarten, die sich während eines Urlaubs auf der Insel entdecken lässt. Viele der Tiere und Pflanzen, die einem beim Streifzug über die Insel etwa in den Nationalparks begegnen, sind endemisch. Diese Pracht ist einzigartig auf der Erde.

Was für die Pflanzen- und Tierwelt auf Madagaskar gilt, trifft ebenso auf die Kultur des Landes zu. Über mehrere Jahrhunderte hinweg hat sich auf der riesigen Insel eine eigene Kultur entwickelt, die im Bewusstsein anderer Länder und Kulturen mehr oder weniger unbemerkt erblühen konnte. Lernen Sie bei einem Rundtrip über die Insel farbenfrohe, ausgelassene Tänze kennen, die teilweise mit einzigartigen Instrumenten begleitet werden. Tauchen Sie bei einem Abstecher in die indigenen Dörfer in die lebenslustige Welt der Einheimischen ein, die trotz fehlenden materiellen Reichtums das Leben auf ihre Art und Weise zu geniessen wissen.



Dorf Ifasina in der Provinz Fianarantsoa, Madagaskar (Bild: Bernard Gagnon, Wikimedia, CC)

Dorf Ifasina in der Provinz Fianarantsoa, Madagaskar (Bild: Bernard Gagnon, Wikimedia, CC)

Kulturgeschichte Madagaskars



Erst im Jahr 1500 wurde die kaum zu übersehende Insel von Europäern dank Diego Dias, eines portugiesischen Seefahrers, zum ersten Mal wahrgenommen. Doch die Inselbevölkerung wurde nicht, wie in Süd-, Mittel- und Nordamerika, systematisch unterworfen und ausgerottet. Dafür gab es auch überhaupt keinen Grund, da die wichtigsten Handelsrouten an Madagaskar vorbeiführten. Die Stationen und Stützpunkte im Indischen Ozean waren damals viel rentabler. Dies hatte vorerst zur Folge, dass die indigenen Madagassen völlig unbeeinträchtigt ihre alten heidnischen Gebräuche weiterhin pflegen durften.

Aberglaube, Ahnenkult, Astrologie und Weissagungen wurden von Schamanen und Eingeweihten betrieben. Geändert hat sich das, als verschiedene europäische Seefahrernationen Madagaskar nacheinander als Gefangeneninsel nutzten. Dabei traten sie in Konkurrenz mit marodierenden Piraten, welche die Insel als Basis für ihre Raubzüge verwendeten. Wer kennt es nicht, das alte Seefahrerlied: „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord …“?

Markt in Toliara, Madagaskar (Bild: B.navez, Wikimedia, CC)

Markt in Toliara, Madagaskar (Bild: B.navez, Wikimedia, CC)

Madagaskar Kult

Heute hat sich die Situation auf dem riesigen Eiland oberflächlich stark geändert. Fast 40 % der Inselbewohner folgen nun dank eindringlicher Bekehrungen, die nicht immer freiwillig durchgeführt wurden, dem christlichen Glauben. Aber ganz tief in ihrem Inneren konnten sich die Einwohner wohl doch nie so ganz von ihren alten Riten und Gebräuchen trennen. Da verwundert es auch nicht, dass mehr als die Hälfte der Einwohner weiter an die alten Gottheiten und die Ahnen glaubt. Dieser Umstand wirkt sich auch direkt auf den Tourismus aus.

So ist es durchaus nicht jedem Besucher gestattet, in einem indigenen Dorf seine Füsse hinzusetzen, wo er will. Schliesslich sollen die alten Ahnen, die Fadys, nicht gestört werden. Sollten Sie zufällig bei einer Beerdigung in einem Dorf in den Gebirgsregionen der Insel zugegen sein, werden Sie feststellen, dass ein Begräbnis auch als ausgelassenes Fest mit Musik und farbenprächtigen Tanzgruppen gefeiert werden kann. Sie werden sich dann vielleicht auch fragen, warum eine christliche Beerdigung immer so traurig und im Vergleich zum Fest der Madagassen so „langweilig“ sein muss.

Traditionelle Tanzaufführung Antandroy (Bild: Woodlouse, Wikimedia, CC)

Traditionelle Tanzaufführung Antandroy (Bild: Woodlouse, Wikimedia, CC)




Ethnische Gruppen

Man kann durchaus sagen, dass Madagaskar schon immer ein echtes Einwanderungsland war. Neben unterschiedlichen Immigranten aus afrikanischen Regionen haben auch europäische Glücksritter ihr Heil auf der Insel gesucht. Immerhin leben mittlerweile knapp 20 verschiedene Nationen gemeinsam friedlich auf dem Eiland. Wahrscheinlich sind es noch ein paar mehr.

Eine eigene Sprache hat sich ebenfalls im Laufe der Zeit entwickelt, sodass sich die Menschen durchaus nicht nur als Afrikaner, sondern auch als Madagassen sehen. Kurios ist, dass die Vazimbas, also die Urbevölkerung, gar keine dunkle, sondern eine helle Hautfarbe hatten. Vermischt haben sie sich mit indonesischen Einwanderern und den Bantu aus Afrika, die später hinzustiessen. All dies hat zu einer facettenreichen Kultur geführt, die von allen Gruppen geprägt wurde.

Arbeit auf dem Reisfeld (Bild: Eric Mathieu, Wikimedia, CC)

Arbeit auf dem Reisfeld (Bild: Eric Mathieu, Wikimedia, CC)

Festivals bei einem Madagaskar-Besuch erleben

Es lohnt sich, nicht nur die atemberaubende Landschaft der Insel und ihr artenreiches Leben zu erkunden, sondern sich auch unter die Einheimischen zu mischen und deren Gebräuche kennenzulernen. Sie werden lernen, wie man trotz grosser Entbehrung sehr gesund und zufrieden leben kann. Es ist kein Geheimnis, dass die Menschen in Afrikas Regionen begeisterte Tänzer und Anhänger eindringlicher Rhythmen sind. In der Hauptstadt Antananarivo wie auch in anderen Gemeinden geht es das ganze Jahr hoch her. Musikalische Festivals mit Folkloregruppen sowie mit adaptiertem Jazz und anderen Musikrichtungen sind gang und gäbe.

Das kulturelle Highlight der Insel ist das Hira Gasy Festival im Juni, dessen Ursprünge auf altem Glauben basieren. Jazzfans sollten sich im Oktober das „Madajazzcar Music Festival“ in der Hauptstadt nicht entgehen lassen. Und völlig ausgelassen wird beim „Famadihana Festival“ – dem Fest des Tanzes mit den Toten – gefeiert. Dieses Fest werden Sie allerdings nur in den ländlichen Gegenden der Insel erleben können.



 

Oberstes Bild: Strand auf Madagaskar (© Aleix Cabarrocas Garcia, Wikimedia, CC)

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Über Kirsten Schlier

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