Ferienwohnungen Tessin

Reise von Peking nach Shanghai, Teil 3: Die kaiserliche Sommerresidenz in Chengde

26.03.2014 |  Von  |  Alle Länder, Asien
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Reise von Peking nach Shanghai, Teil 3: Die kaiserliche Sommerresidenz in Chengde
5 (100%)
1 Bewertung(en)

Peking ist ein guter Startpunkt, um zahlreiche und allesamt sehenswerte Destinationen um die Hauptstadt zu entdecken. Man kann diese Unternehmungen jedoch kaum „Ausflug“ nennen, denn angesichts der Distanzen muss man eher von Kurzreisen sprechen, auf denen man mehrere Stunden Fahrzeit benötigt, um das Reiseziel zu erreichen. 

Eines der am nächsten liegenden Ausflugsziele ist die Stadt Chengde in der Provinz Hebai. Obwohl es sich um eine sehr gepflegte und freundliche Stadt handelt, ist meistens nicht sie das eigentliche Reiseziel, sondern die kaiserliche Sommerresidenz, die in der Nähe der Stadt liegt, sowie die acht äusseren Tempel, die 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden.

Kaiserlicher Sommerpalast bei Chengde (Bild: 梓地, Wikimedia, CC)

Kaiserlicher Sommerpalast bei Chengde (Bild: 梓地, Wikimedia, CC)




Der Grund, warum der Kaiser gerade Chengde als den Ort für seine Sommerresidenz gewählt hatte, liegt auf der Hand: obwohl Chengde nur 250 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt, ist es hier deutlich kühler. Aus genau dem gleichen Grund ist es eines der beliebtesten Ausflugsziele im Sommer, wann tausende Hauptstädter und Touristen vor der Hitze der Hauptstadt nach Chengde fliehen.

Der erste Palast der sommerlichen Residenz wurde von Kaiser Kangxi 1703 angelegt. Zu ihrer heutigen Form und den Dimensionen wurde die Residenz erst gegen 1790 ausgebaut. Nicht nur angenehme Temperaturen waren der Grund, warum die Wahl des Kaisers auf Chengde fiel. Ausgezeichnete Jagdreviere und Fischgründe lockten Kangxi hierher, noch bevor er Chengde in seine Sommerresidenz verwandelte. Die Idee soll ihm gerade während einer seiner Jagdausflüge gekommen sein.

Ausserdem gehörte der Kaiser Kangxi der Qing-Dynastie an. Die Qing-Herrscher waren keine Han-Chinesen (auch heute noch mit mehr als 90 % der Gesamtbevölkerung die grösste Ethnie in China), sondern Mandschuren. Da die vom Kaiser geliebten Jagdgebiete gerade in der Mandschurei, der Region im Nordosten Chinas, lagen, schien es ihm keine schlechte Idee zu sein, sich mehr in seiner historischen Heimat aufzuhalten. Hier befand er sich auf sicherem Boden und konnte nicht nur herrliche Natur geniessen, sondern auch an eigene kulturelle Wurzeln erinnert werden.

Der Palastkomplex ist vor allem ein Meisterwerk der chinesischen Gartenkunst, die mit königlicher Grosszügigkeit mit Flächeneinteilung umgegangen ist. Er misst fast sechs Quadratkilometer und ist somit die grösste kaiserliche Vergnügungsanlage in ganz China, zweimal so gross wie der Sommerpalast in Peking. Der Parkkomplex ist mit einer steinernen 10 Kilometer langen Mauer umgeben.

Parkanlage in der kaiserlichen Sommerresidenz bei Chengde (Bild: takwing.kwong, Wikimedia, CC)

Parkanlage in der kaiserlichen Sommerresidenz bei Chengde (Bild: takwing.kwong, Wikimedia, CC)

In einem Teil der Anlage wurden Regierungs- und Wohngebäude errichtet. Die andere Hälfte diente dem angenehmen kaiserlichen Zeitvertrieb. Die Parkanlage wurde so konzipiert, dass es hier sowohl Berge als auch Ebenen und Seen gibt, die nur so zum Verweilen einladen. Hier ging das chinesische Oberhaupt samt Gefolge auf die Jagd, machte lange Spaziergänge und picknickte. Allein die Namen wecken die Sehnsucht nach einer richtig sommerlichen Erholung: Pavillon zum Hören des Wasserfalls, Hütte im Herzen des Wassers, Berghaus der Klaren Ruhe, Tempel des Blütengeistes, Tor der Wolkenhöhle, Brücke des Föhrenwindes.

Chinesische Gartenkunst in der kaiserlichen Sommerresidenz bei Chengde (Bild: takwing.kwong, Wikimedia, CC)

Chinesische Gartenkunst in der kaiserlichen Sommerresidenz bei Chengde (Bild: takwing.kwong, Wikimedia, CC)




Am Eingang zur Sommerresidenz ist eine grosse Tafel zu sehen, an der der Kaiser eigenhändig eine Inschrift hinterlassen hat, aber (!) mit einem Schreibfehler. In einer der Hieroglyphen ist ein Strich zu viel. Doch natürlich behaupten die Fans der chinesischen Geschichte, dass der Kaiser diesen Fehler absichtlich gemacht hat. Ohne den Strich würde die Hieroglyphe „Bi“ so etwas wie „vermeiden“ oder „sich fernhalten“ meinen. Und mit dem zusätzlichen Strich wollte der Kaiser klarmachen, dass sein Aufenthalt in der Sommerresidenz keineswegs bedeute,  er würde seinen kaiserlichen Pflichten aus de Weg gehen und hier in Chengde die Zeit müssig vertreiben.





Inschrift mit dem kaiserlichen Schreibfehler (Bild: 颐园新居, Wikimedia, CC)

Inschrift mit dem kaiserlichen Schreibfehler (Bild: 颐园新居, Wikimedia, CC)

Und tatsächlich verbrachte der Kaiser seine Zeit nicht nur mit Jagd, Spaziergängen und Musizieren. Hier hat er kaiserliche Empfänge gegeben, Belohnungen verteilt und Audienzen gewährt, wo vor ihm die Gesandtschaften der  alliierten oder tributpflichtigen Völker erschienen sind. Dabei sollten die Beziehungen zwischen der chinesischen Zentralmacht und anderen Stämmen gefestigt werden, und Ringkämpfe, Pferderennen und Musikanten sorgten für die Vergnügung aller Beteiligten.

Ausnahmsweise hat der Kaiser hier die Ausländer empfangen, wie zum Beispiel die misslungene Macartney-Mission im Jahre 1793. Die englische Krone hatte den brillanten Diplomaten Lord Macartney mit drei Kriegsschiffen und jeder Menge Gefolge nach China geschickt, um den Kaiser Quianlong um die Eröffnung der englischen Botschaft in Peking und um die Lockerung der bis zu diesem Zeitpunkt sehr restriktiven Handelsbestimmungen zu ersuchen.



Lord Macartney war ein redegewandter Diplomat und doch ein echter Sohn seiner Heimat: Zur Begrüssung weigerte er sich, sich vor dem Kaiser protokollgemäss niederzuwerfen, und beugte nur ein Knie und auch dieses nur so tief, wie ihn seine Abstammung und Angehörigkeit zu der Weltmacht England erlaubten. Der Kaiser nahm alle feinen Geschenke nur aus Höflichkeit und ohne Wertschätzung entgegen, und antwortete auf alle Gesuche mit einem kaiserlichen, nicht zu widersprechenden „Nein“.  Der stolze Lord musste Chengde und dann auch China unverrichteter Dinge verlassen.

Macartney-Mission 1793, Karikatur von James Gillray (Bild: James Gillray, Wikimedia)

Macartney-Mission 1793, Karikatur von James Gillray (Bild: James Gillray, Wikimedia)

Die Sommerresidenz wurde aktiv nur bis 1820 genutzt. In diesem Jahr soll hier der Kaiser Jiaqing von einem Blitz getötet worden sein. Ein schlechtes Zeichen für die Himmelssöhne, also verbrachten sie seitdem ihre Sommer in Peking. In Hitze und Sicherheit vor dem himmlischen Zorn.

 

Oberstes Bild: Kaiserliche Sommerresidenz bei Chengde (Bild: Gisling, Wikimedia, CC)

Wo liegt dieses Reiseziel?

Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



Trackbacks

  1. Reise von Peking nach Shanghai, Teil 2: Peking – Stadt der Kontraste › reiseziele.ch
  2. Reise von Peking nach Shanghai, Teil 1: Die Verbotene Stadt und die Chinesische Mauer › reiseziele.ch
  3. Reise von Peking nach Shanghai, Teil 5: Der Berg der Dichter Huang Shan – die Entdeckung der chinesischen Romantik › reiseziele.ch
  4. Reise von Peking nach Shanghai, Teil 4: Terrakotta-Armee von Xiʼan › reiseziele.ch
  5. Reise von Peking nach Shanghai, Teil 7: Shanghai – eine Stadt mit vielen Gesichtern › reiseziele.ch
  6. Reise von Peking nach Shanghai, Teil 6: Guilin – Liebling der Maler und Dichter › reiseziele.ch

Ihr Kommentar zu:

Reise von Peking nach Shanghai, Teil 3: Die kaiserliche Sommerresidenz in Chengde

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.