Boston? Besser zu Fuss!

22.03.2014 |  Von  |  Alle Länder, Nordamerika

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

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Boston, genannt Beantown, zählt zu den ältesten Städten Amerikas. Auch auf die Gefahr hin, Touristengaumen zu enttäuschen: Seit Kolonialsiedler eine Schwäche für in Molasse gekochte Bohnen hatten, gehören Baked Beans nicht mehr zu den Spezialitäten. Überhaupt ziehen Bostoner den Nickname Cradle of Modern America vor, denn hier steht die Wiege der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Schon 1635 entstand hier die allererste öffentliche Schule der USA, ihr erstes U-Bahn-System im Jahr 1897. Durch die Geschichte spazieren, Korallenriffe erleben oder mit dem Bus auf dem Wasser unterwegs sein? All das und mehr geht in Boston – einem beispiellos erfrischenden Mix aus respektabler Historie und moderner Architektur.



Das Beste: Fast alles ist zu Fuss erreichbar, ohnehin die bessere Option für detailverliebte Stadtwanderer auf dem Freedom Trail. Unübersehbar in Rot entlang seiner Backsteine markiert, führt der 4 km lange Pfad der Freiheit zu sechzehn historischen Stationen der US-amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung. Die Besichtigung ist meist kostenlos, aber eine Spende erfreut immer.

Fotomontage aus dem roten Pflaster und einer Bronzeeinlassung des Freedom Trail in Boston (Bild: Gerd A.T. Müller, Wikimedia, GNU)

Fotomontage aus dem roten Pflaster und einer Bronzeeinlassung des Freedom Trail in Boston (Bild: Gerd A.T. Müller, Wikimedia, GNU)

Freedom Trail: Von Boston Common bis Charlestown

Nach einer Fahrt im Schwanentretboot geht es vom Public Garden zum Stadtpark Boston Common, dem allerersten Bürgerpark Amerikas. Einst Truppenübungsplatz, dann Richtplatz, diente das Areal während des Unabhängigkeitskrieges erst als Stützpunkt britischer Truppen, dann als Viehweide. Dann schlängelt sich der Weg unterhalb der goldenen Kuppel des neoklassizistischen Massachusetts State House von 1798 entlang, Sitz des Gouverneurs.



Der Federal Style seines Architekten findet sich überall in Neuengland – der Bostoner Charles Bulfinch war auch am Bau des Capitols mitbeteiligt. Wer hineingeht, kann den holzgeschnitzten Sacred Codfish bewundern, Symbol für den Fischfang in Massachusetts. Vor dem State House: Statuen von Staatsmännern wie dem 1917 in Massachusetts geborenen John F. Kennedy.

Stadtpark Boston Common – der allererste Bürgerpark Amerikas (Bild: Jared C. Benedict, Wikimedia, CC)

Stadtpark Boston Common – der allererste Bürgerpark Amerikas (Bild: Jared C. Benedict, Wikimedia, CC)

Rotmarkierte Steine führen auch zur Park Street Church, einer 1809 erbauten kongregationalistischen Kirche: Von ihrer Kanzel forderte William Lloyd Garrison 1829 in seiner berühmten Brandrede die sofortige Abschaffung der Sklaverei. Zwei Jahre darauf, am Unabhängigkeitstag 1831, sang hier Katherine Lee Bates ihr America, die heimliche Nationalhymne der Bostoner.

Oben in Charlestown endet der Freedom Trail – und erinnert am Bunker Hill Monument an eine entscheidende Schlacht zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges. Hier liegt auch die über 200 Jahre alte USS Constitution, die 1797 vom Stapel lief. Der Sprung an Bord dieses ältesten, noch fahrtüchtigen Segelkriegsschiffs ist kostenlos.

Die USS Constitution im Hafen von Boston (Bild: Elmschrat Coaching38, Wikimedia, CC)

Die USS Constitution im Hafen von Boston (Bild: Elmschrat Coaching38, Wikimedia, CC)

Wie lange die Tour insgesamt dauert? Streng genommen nur eine Stunde, aber eigentlich verdienen die interessanten Stationen des Freedom Trail wenigstens drei Stunden ungeteilter Aufmerksamkeit.

Uptown-Idylle: Beacon Hill zu Fuss

Wer vom Boston Common den Louisburg Square entlang schlendert, kommt nach Beacon Hill, benannt nach dem Leuchtfeuer auf seiner Spitze. Still ist es hier – überall von Ulmen gesäumte Alleen, enge Gassen mit rotem Kopfsteinpflaster und malerische Häuserzeilen mit Messingtürklopfern.

Irgendwann im 19. Jahrhundert blieb die Zeit hier stehen: Verzauberte Hausgärten, von Steinmauern umschlossen, liegen in der Sonne und abends im Licht echter Gaslaternen. Hilft da gerade ein Gentlemen mit Zylinder einem Reifrock aus der Kutsche?



Sicher gibt es auch Bustouren durch Beacon Hill, aber in bequemen Tretern, die Kamera schussbereit, geniesst sich die Szenerie einfach besser!

Kein Geringerer als der erwähnte Charles Bulfinch kaufte die Südseite des Hill, rief – und Bostons Elite zog ein, von Vanderbilt und Lowell bis Henry James. Später entdeckten auch Bush-Herausforderer John Kerry oder Hollywood-Diva Uma Thurman Beacon Hill für sich.

Uptown-Idylle – Beacon Hill in Boston (Bild: Ian Howard, Wikimedia, CC)

Uptown-Idylle – Beacon Hill in Boston (Bild: Ian Howard, Wikimedia, CC)

New England Aquarium: Renoviert noch schöner

San Diego hat den weltberühmten Zoo, Boston das New England Aquarium auf Central Wharf – Fischen und Walfang sind aus Neuenglands Geschichte nicht wegzudenken. Allerdings hat das 21. Jahrhundert Harpunen gegen Rettungsanker getauscht, denn dieses Aquarium engagiert sich für den Schutz des Ozeans.

Sein 900’000 Liter-Becken durchziehen Haie, Rochen, Mantas und Riesenschildkröten, dazu hunderte kleinerer Fischarten. Eine spiralförmige Plattform schlingt sich um sein Herzstück, den Giant Ocean Tank. Gerade erst hat man die komplexeste Wasserausstellung der Welt für 17,8 Millionen Dollar renoviert, karibisches Korallenriff und zahlreiche neue Tierarten inklusive.

Auf vier Etagen sieht man durch 52 Fenster hinein, während das Personal erklärt, warum die Haie die kleinen Fische nicht zum Frühstück verspeisen. Ein Kino zeigt eine Mischung aus Meeresmaterial und Filmen von populärwissenschaftlichem Interesse. Nicht zuletzt sind Pinguine, Seelöwen und Fisch-Streichelbecken ein echter Familienmagnet! Obwohl die Schlange an der Kasse endlos scheint, muss niemand draussen bleiben.

Wo so viel Wasser durstig macht, steht auch irgendwo ein Biergarten: Am Pier, nördlich hinter dem New England Aquarium, serviert man neben Cocktails auch Longdrinks aus Goldfischgläsern – mit Strohhalmen für mehrere Trinker, versteht sich.

New England Aquarium in Boston (Bild: Robert Stern, Wikimedia, CC)

New England Aquarium in Boston (Bild: Robert Stern, Wikimedia, CC)

Duck Tour: Mit Enten auf Augenhöhe



Sich wie eine Ente fühlen – das gibt es nur in Boston. Vorausgesetzt, man reserviert rechtzeitig Tickets für die einzigartige Duck Tour. Karten für das Entenerlebnis, das etwas mehr als eine Stunde dauert, gibt es beim Museum of Science und im Prudential Center.

Dann klettert man in ein aufgeputztes Amphibienfahrzeug aus dem Zweiten Weltkrieg, dessen Fahrer mit diversen Anekdoten durch die Strassen Bostons und an allen wichtigen Attraktionen entlangführt: Vom State House bis zum Regierungszentrum Big Dig, dann zur eleganten Newbury Street, zum Quincy Market und zum Prudential Tower.

Doch was ist das? Plötzlich verwandelt sich der Bus in ein Boot – und taucht einfach ein. Duck Tour auf dem Charles River heisst, Welt und Boston Skyline mit Entenaugen zu sehen, ohne sich die Füsse nass zu machen. Und zur weihnachtlichen Feiertagstour, die beim Prudential Center startet, setzen die Enten sogar Weihnachtsmützen auf.

Duck Tour in Boston (Bild: Tony Hisgett, Wikimedia, CC)

Duck Tour in Boston (Bild: Tony Hisgett, Wikimedia, CC)

Lieber Lobster statt Ente? Die Neuenglandstaaten sind berühmt für ihren Hummer und Boston für seine Lobster Rolls. Wer sie im beliebten Neptune Oyster bestellt, sollte etwas Wartezeit und keine Angst vor Tuchfühlung mit dem Tischnachbarn mitbringen – extrem voll. Dafür gibt es eine vielseitige Auswahl frischer Austern, einschliesslich schriftlicher Beschreibung von Herkunft und Geschmacksrichtung.

Aber jetzt, endlich, kommt die Lobster Roll und sieht aus, als wollte das Brötchen unter seiner Ladung an Krebsfleisch kapitulieren: Ob in warmer Butter oder mit Mayonnaise – jedes Mal zum Sterben lecker!



 

Oberstes Bild: Skyline von Boston  (Bild: Nelson48, Wikimedia)

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