Die Insel Comino – eine kleine Perle im Mittelmeer

04.07.2017 |  Von  |  Europa
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Die Insel Comino – eine kleine Perle im Mittelmeer
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Stellen Sie sich vor, Sie sind am Meer: Sie schauen aufs Wasser, das glasklar, und unbeschreiblich türkis schimmernd zu ihren Füssen liegt, während Sonnenstrahlen winzige Glitzersternchen auf der Wasseroberfläche tanzen lassen. Kleine zauberhafte Sandbuchten laden zwischen den Klippen zum Faulenzen ein.

Sind Sie zwischen November und Ende April hier, geniessen Sie die einsame Natur und Stille umher. Ist es Sommer, dann haben Sie hoffentlich die Badesachen dabei, um neben vielen anderen Ausflüglern zu schwimmen, baden, schnorcheln und Sonne zu tanken.


Comino ist eine perfekte Urlaubsinsel. (Bild: Sabine Itting)

Comino ist eine perfekte Urlaubsinsel. (Bild: Sabine Itting)


Willkommen auf Comino, der kleinsten bewohnten maltesischen Insel!

Sommerhitze im Süden ist nichts für mich, ich reise in der Nebensaison. Deshalb entdeckte ich Comino nicht an einem heissen Sommertag, wenn sich Touristen und Malteser in der berühmten Blue Lagoon (Blaue Lagune) drängeln, sondern mitten im Oktober. Es war ein Halbtagesausflug, den ich ganz spontan unternahm. Bei einem Bummel in Qawra entdeckte ich an einem sonnigen Vormittag das Schild, auf welchem mit traumhaften Fotos die Bootstour zur Insel Comino angeboten wurde. Eine halbe Stunde später legte das Boot mit rund 20 anderen Gästen und mir ab.

Gelesen hatte ich schon einiges über Comino, vor allem wird in Wort und Bild in jedem Prospekt und Reiseführer die Blaue Lagune angepriesen. Das Inselchen hat, wie ich finde, aber noch einiges mehr zu bieten. Allein die Anreise ist unvergesslich, und je näher man Comino kommt, wird es richtig magisch. Im Grunde genommen ist es ein Katzensprung von den Häfen Maltas bis zur winzigen Schwesterinsel, unsere Fahrt dauerte aber rund eine Dreiviertelstunde.

Dafür waren wir alle dankbar: Der Kapitän unseres Ausflugsbootes steuerte entlang der Felsen die eine oder andere Höhle an. Das klare Wasser leuchtet hier in allen erdenklichen Blautönen. Vielleicht haben Sie den „Graf von Monte Christo“ im Kino gesehen? Abschnitte des Filmes wurden im Jahr 2000 hier gedreht.

Nach einer kurzen Weiterfahrt entlang der beeindruckenden Felsen bog das Boot ab und ging in der Blue Lagoon vor Anker. 20, von der türkisfarbenen Schönheit überwältigte, Urlauber kletterten über den schwankenden, schmalen Bootssteg an Land. Es war durchaus warm genug zum Schwimmen, aber mein Badeanzug lag im Hotel! So entschloss ich mich, das 2000 mal 1700 Meter grosse Inselchen zu erkunden: Comino kann in rund 2 ½ Stunden umwandert werden.


Einige Abschnitte des Filmes „Graf von Monte Christo“ wurden im Jahr 2000 auf Comino gedreht. (Bild: Sabine Itting)

Einige Abschnitte des Filmes „Graf von Monte Christo“ wurden im Jahr 2000 auf Comino gedreht. (Bild: Sabine Itting)


Pflanzen und Sehenswertes

Als ich mich auf den Weg in der Nähe der Blauen Lagune machte, kam ich mir fast wie auf einer Bergtour oberhalb der Baumgrenze vor. Ein bisschen Trittsicherheit sollte man in der Nähe der Klippen mitbringen und die eine oder andere hier wachsende Distel sollte, vor allem wenn man kurze Hosen trägt, beachtet werden. Ich lief, vor lauter Freude am Fotografieren dieser märchenhaften Landschaft, natürlich zuerst einmal in eine hinein. Eine andere Pflanze gab Comino ihren Namen: Er ist nämlich abgeleitet vom maltesischen Begriff für Kümmel, Kemmuna.

Dazu gibt es eine interessante Geschichte. Piraten und Sarazenen liessen sich im Mittelalter gerne auf Comino nieder. Von dem kleinen in der Mitte von Gozo und Malta gelegenen Eiland liessen sich auf diese beiden Inseln perfekte Beutezüge durchführen. Gleichzeitig wurden etwa zur gleichen Zeit Schwerverbrecher nach Comino verbannt. Und diese mussten, während sie ihre Strafe absassen, Kümmel anbauen.

Der wächst heute noch in rauen Mengen. Auch wenn die Insel auf den ersten Blick etwas kahl wirkt, fühlen sich hier jede Menge Kräuter, Agaven und Sträucher, aber auch Blümchen wohl.

Bäume wird man vergeblich suchen. Wer sich für Heilpflanzen interessiert, dem wird hier das Herz aufgehen. Sammeln ist allerdings verboten, sich an der Vielfalt zu erfreuen und zu fotografieren ist dagegen natürlich erlaubt. Wie überall auf Malta gedeihen auch auf Comino die leckeren maltesischen Kapern. Der Geruch von Thymian erinnert mich bis heute an diesen herrlichen Ausflug

Ein Tipp: Eingelegte Kapern und getrocknete Kräuter können Sie überall auf den maltesischen Inseln kaufen. Sie sind ein beliebtes Mitbringsel und bringen daheim Urlaubsfeeling in die Küche.

Was mich auf meiner kleinen Wanderung beeindruckt hat, war, dass vieles, was Auge und Herz erfreut, nicht von Menschenhand geschaffen wurde. Naturfreunde finden hier wirklich ein Paradies. Ich blieb mehrfach stehen, um all diese Schönheit und Unberührtheit regelrecht aufzusaugen.

Es gibt weder Strassen noch Läden. Und doch kann man auf Comino Ferien machen: In der San Niklaw Bay steht ein Hotel und gibt es einen Campingplatz. Das nächtliche Unterhaltungsprogramm besteht wohl aus einem unbeschreiblichen Sternenhimmel und dem Meeresrauschen. Ich entdeckte auf meinem Rundgang den Wachturm, der 1618 für Verteidigungszwecke erbaut wurde, eine kleine Kapelle, eine ehemalige Quarantänestation und den kleinen Friedhof. Es gibt ausserdem noch eine Schweinefarm und einen Landeplatz für Helikopter.


Auch wenn Comino auf den ersten Blick etwas kahl wirkt, fühlen sich hier jede Menge Kräuter wohl. (Bild: Sabine Itting)

Auch wenn Comino auf den ersten Blick etwas kahl wirkt, fühlen sich hier jede Menge Kräuter wohl. (Bild: Sabine Itting)


Obwohl die Geschichte Cominos einige Tausend Jahre zurückreicht, hatten Archäologen nie Interesse, hier Grabungen vorzunehmen. Dass trotzdem immer mal wieder Funde, vor allem von Keramik aus der Bronzezeit gemacht werden, ist der Witterung zu verdanken. Gelegentlich legen Regen und Wind diese frei. Auch römische Gräber wurden entdeckt.

Allgemeine Informationen

Zurück von meinem Spontanausflug, googelte ich im Hotel nach ausführlicheren Informationen über das Inselchen und erfuhr beispielsweise, dass es noch eine kleine Schwester hat. Das winzig kleine Eiland hatte ich zwar gesehen, nun erfuhr ich, dass es Cominotto heisst. Auf Comino leben vier Einwohner. Ausserdem gibt es einen Polizeiposten mit zwei Beamten. Aber bitte denken Sie nun nicht, dass die vier Inselbewohner dermassen bewacht werden müssen! Die Polizisten schauen, dass die Ankerbestimmungen eingehalten werden und niemand das Jagdschutzgesetz missachtet. (Die grössten Säugetiere Maltas sind übrigens Hase und Igel.)



Comino ist ideal für Tagesausflüge von den Schwesterinseln Gozo und Malta. Wer hier Ferien macht, ist entweder ein grosser Naturfreund und Ruhesuchender oder möchte viel Sport treiben. Ausser Baden und Schwimmen sind Segeln, Windsurfen, Wasserski und Ausflüge mit dem Kajak angesagt.

Die Unterwassergrotten der Comino Caves, das Cominotto Riff und Lantern Point sind allesamt Highlights für Tauchbegeisterte. Ich selbst tauche nicht, habe aber einen jungen Mann von der farbenprächtigen Fauna und Flora schwärmen hören. Neben dem Hotel befindet sich ein Tauchzentrum, in welchem auch deutschsprachige Tauchlehrer arbeiten.

Natürlich gibt es im Hotel in Restaurant. Ich hatte nicht genügend Zeit und verpflegte mich an einer der Imbissbuden, welche während der Badesaison in unmittelbarer Nähe der Blauen Lagune zu finden sind. Hier bekam ich sogar einen feinen vegetarischen Burger mit frischem Salat.

Gut zu wissen:

  • Es ist verboten, Pflanzen oder historische Fundstücke zu beschädigen oder gar mitzunehmen, und auch Abfallentsorgung und Feuer anzünden in der freien Natur ist untersagt. (Denken Sie an die zwei Polizisten, heimlich etwas Verbotenes zu tun, ist auf der kleinen Insel unmöglich!)
  • Gehen Sie nie zu nahe an den Rand der Klippen!
  • Ein hoher Sonnenschutzfaktor ist dringend ratsam, auch eine Kopfbedeckung muss vor allem im Sommer sein. Schattenspender gibt es praktisch auf Comino keine.
  • Auch wenn die Wanderung um die Insel im Grunde genommen keine hohen Anforderungen stellt, sind Trittsicherheit, gute Wanderschuhe und ausreichend Wasser zum Trinken ein Muss.

Als ich wieder auf dem Boot sass und mich von dem Inselchen verabschieden musste, war mir klar: Ich werde den Nachmittag auf Comino nie mehr vergessen. Und ich werde zurückkehren. Garantiert!

 

Artikelbild: © Sabine Itting


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