El Chepe: Mit dem Zug über die Sierra Madre

21.11.2013 |  Von  |  Nordamerika
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
El Chepe: Mit dem Zug über die Sierra Madre
5 (100%)
1 Bewertung(en)

Passagierzüge sind in Mexiko fast gänzlich unbekannt. Fast – mit der Ausnahme des Chepe, des Ferrocarril Chihuahua al Pacífico. Der Traditionszug verbindet die Marktstadt Los Mochis im Bundesstaat Sinaloa mit dem östlich der Sierra Madre gelegenen Chihuahua und durchquert auf dem Weg eine der spektakulärsten Bahnstrecken der Welt.

Abfahrt aus Los Mochis im Morgengrauen



Für Reisende, die die 650 Kilometer von Los Mochis nach Chihuahua mit dem Chepe zurücklegen wollen, startet die Bahnfahrt früh am Morgen. Schon vor Sonnenaufgang versammeln sich Touristen, örtliche Händler und die noch leicht verschlafen wirkenden Schaffner vor dem kleinen Bahnhofsgebäude, während auf dem Vorplatz Kaffee und Atole, das traditionelle mexikanische Maisgetränk, in Plastikbechern verkauft werden.

Los Mochis war lange Zeit nicht mehr als ein verschlafener Handelsort; heute zählt die Stadt dank des Chepe zu den meistbesuchten Reisezielen im Bundesstaat Sinaloa. Von den subtropischen Landschaften der mexikanischen Pazifikebene sollten sich Besucher jedoch vor der Abfahrt ein Bild machen. Die morgendliche Dunkelheit lässt noch keine Aussicht zu, und auch der mangelnde Schlaf fordert in den ersten Fahrtstunden noch seinen Tribut von dem einen oder anderen Fahrgast.

El Chepe, Ferrocarril Chihuahua al Pacífico. (Quelle: Wiki / Lizenz: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.en" target="_blank">CC</a>)

El Chepe, Ferrocarril Chihuahua al Pacífico. (Quelle: Wiki / Lizenz: CC)




El Fuerte, Divisadero, Creel: auf dem Weg zur Kupferschlucht

Auf dem Weg in die westliche Sierra Madre passiert der Chepe El Fuerte, eine kleine Kolonialstadt, deren prachtvolle Altstadt bis heute von der einstigen Bedeutung der Stadt als Bergbauzentrum zeugt. Viele Touristen steigen erst hier zu, am „Tor zur Kupferschlucht“, denn die wirklich spektakuläre Strecke beginnt mit dem Anstieg von El Fuerte nach Divisadero. Auf dem Weg passiert der Chepe Bauichivo mit der Jesuitenmission von Cerocahui und windet sich seinen Weg durch zerklüftete Schluchten, bizarre Berglandschaften und ein Netz aus unzähligen Tunneln.

An so mancher Stelle scheint sich unter den Bahngleisen ein endloser Abgrund aufzutun; der Blick aus den Fenstern des Chepe ist hier nichts für schwache Nerven, dafür aber auch im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Bei der Ankunft in Divisadero sind 2400 Höhenmeter bewältigt, und den Reisenden eröffnet sich die spektakuläre Aussicht auf die Barranca del Cobre, die Kupferschlucht, dessen Talsohle bis heute vom Volk der Tarahumara bewohnt wird.



Die Kupferschlucht besteht aus einem System von sechs separaten Canyons und verdankt ihren Namen den kupferfarbenen Gesteinsformationen, die ihren Teil zur Faszination der mächtigen Schlucht beitragen. Seit 2010 kann die Kupferschlucht bei Divisadero auch aus der Luft bestaunt werden; eine 3 km lange Seilbahnstrecke überquert die Schlucht hier in einer Höhe von 400 m. Ein weiterer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Kupferschlucht ist das Bergdorf Creel, in 2440 m Höhe der höchste Ort auf der Strecke des Chepe. Mit nur 5000 Einwohnern dient Creel als wichtigstes touristisches Zentrum der Sierra Tarahumara. Die Kleinstadt bietet nicht nur Zugang zu vielen einzigartigen Naturschauspielen, sondern gewährt auch einen Einblick in die jahrtausendealte Kultur der Tarahumara.

Blick auf die Barranca Del Cobre / Kupferschlucht. (Quelle: Wiki)

Blick auf die Barranca Del Cobre / Kupferschlucht. (Quelle: Wiki)

Die Tarahumara

Wie lange genau das Volk der Tarahumara bereits in Mexiko leben, ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass es sich bei den Tarahumara und eine der ältesten und am wenigsten veränderten Kulturen des Landes handelt. Sich selbst bezeichnen die männlichen Tarahumara als Rarámuri – „die, die schnell laufen“. Seit jeher sind die Tarahumara als aussergewöhnliche Langstreckenläufer bekannt, die auf der Hetzjagd oder heutzutage bisweilen auch auf Rennen hundert Kilometer und mehr ohne Pause zurücklegen können. Heute leben die Tarahumara in den unwirtlichen Bergregionen der Sierra Tarahumara meist in grosser Armut. Die traditionelle Lebensweise dieses alten Volkes können Besucher unter anderem in Creel bei einem Besuch der Tarahumara-Höhlenwohnstätten kennenlernen.

Tarahumara Frauen mit Kind verkaufen Körbe, Teppiche, Perlen und Orangen. (Urheber: Lance Fisher / <a href="http://www.flickr.com/photos/lancefisher/13727863/" target="_blank">flickr.com</a>)

Tarahumara Frauen mit Kind. (Urheber: Lance Fisher / flickr.com)

Ankunft in Chihuahua



Spät am Nachmittag setzt der Chepe seine Fahrt von Creel aus fort und erreicht am frühen Abend Cuauhtémoc, die grösste Mennonitenkolonie der Welt. Wer sich entscheidet, in Cuauhtémoc einen Zwischenstopp einzulegen, wird mit einem Einblick in eine aussergewöhnliche Kultur belohnt, die seit den 1920er Jahren ein fester Bestandteil der nordmexikanischen Gesellschaft ist. Die deutschstämmigen Mennoniten gelangten im 18. Jahrhundert nach Lateinamerika und machten sich vielerorts schnell einen Namen als anspruchslose und hart arbeitende Bauern.

Bis heute sind die Mennoniten in Mexiko für ihre erstklassigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse bekannt; den in Mexiko weitverbreiteten Mennonitenkäse können Touristen in Cuauhtémoc direkt von den Herstellern erwerben. Erst am späten Abend erreicht der Chepe schliesslich sein Ziel: Chihuahua, eine der bedeutendsten Metropolen im nördlichen Mexiko. Die alte koloniale Wüstenstadt ist nicht nur wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Region, sondern spielte auch eine entscheidende Rolle während der mexikanischen Revolution.

Casa De Pancho Villa. (Urheber: Pedro Eduardo Romero Vàzquez / Wiki / Lizenz: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank">CC</a>)

Casa De Pancho Villa. (Urheber: Pedro Eduardo Romero Vàzquez / Wiki / Lizenz: CC)

Die grösste Attraktion der Stadt ist heute das ehemalige Wohnhaus von Pancho Villa mit dem Revolutionsmuseum, das so einzigartige Ausstellungsstücke umfasst wie den schwarzen Dodge, in dem der legendäre mexikanische Revolutionsführer 1923 ermordet wurde. Während das nächtliche Chihuahua die Reisenden mit Cowboy-Flair, den kulinarischen Genüssen Nordmexikos und dem pulsierenden Nachtleben einer jungen Universitätsstadt erwartet, hat der Chepe seinen Dienst für heute getan. Am nächsten Morgen geht es pünktlich um sechs Uhr wieder auf die Reise, über 37 Brücken und durch 86 Tunnel, durch Mennonitenland und die Heimat der Tarahumara bis ins 650 Kilometer entfernte Los Mochis.



 

Oberstes Bild: Kupferschlucht, Sierra Madre, Mexiko – © j.o.photodesign – Fotolia.com

Hier liegt dieses Reiseziel

Über Andrea Rathjen

Die Agentur belmedia GmbH beliefert die Leserschaft täglich mit interessanten News, spannenden Themen und tollen Tipps aus den unterschiedlichsten Bereichen. Nahezu jedes Themengebiet deckt die Agentur belmedia mit ihren Online-Portalen ab. Wofür wir das machen? Damit Sie stets gut informiert sind – ob im beruflichen oder privaten Alltag!



Trackbacks

  1. Im Land der Rosamunde Pilcher, Teil II: Von Bath geht’s an die Westküste › reiseziele.ch
  2. Ein robuster Koffer ist der perfekte Reisebegleiter › reiseziele.ch

Ihr Kommentar zu:

El Chepe: Mit dem Zug über die Sierra Madre

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.