La Paz – Andengipfel und indigene Kultur in der höchsten Metropole der Welt

16.04.2014 |  Von  |  Alle Länder, Südamerika
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La Paz – Andengipfel und indigene Kultur in der höchsten Metropole der Welt
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La Paz wird oft fälschlicherweise als Hauptstadt Boliviens bezeichnet und dabei mit dem 700 km entfernten Sucre verwechselt, Boliviens offizieller Hauptstadt. Dennoch bildet La Paz als Regierungssitz in vielerlei Hinsicht das Zentrum des Andenstaats und ist zugleich auch der höchstgelegene Regierungssitz weltweit.

In spektakulärer Hanglage auf 3200 – 4100 m Höhe bietet La Paz seinen Besuchern bereits bei der Anreise einen wahrhaft atemberaubenden Anblick – und das nicht nur wegen der äusserst dünnen Andenluft. Vom tiefen, schluchtartigen Talkessel des Río Chokeyapu bis auf die Hochebene des umgebenen Altiplano erstreckt sich die aussergewöhnliche Stadt, in denen sich die höher und tiefer gelegenen Viertel nicht nur klimatisch, sondern auch sozial deutlich unterscheiden.



La Paz ist wie viele lateinamerikanische Metropolen eine Stadt der Gegensätze – von den traditionellen Märkten bis zu modernen Einkaufszentren und angesagten Kneipen, von den Villenvierteln im geschützten Talkessel bis zu den kargen Unterkünften des höhergelegenen Vorortes El Alto. Dabei ist jedoch die stark regional geprägte Andenkultur immer präsent und begegnet dem Besucher bei seinen Streifzügen auf Schritt und Tritt.

Koloniale Architektur in der Calle Jaen (Bild: (WT-shared) Shoestring / Wikimedia / CC)

Koloniale Architektur in der Calle Jaen (Bild: (WT-shared) Shoestring / Wikimedia / CC)

Unverfälschte Andenkultur auf 4000 m Höhe

Weltbekannte Sehenswürdigkeiten und Monumente sucht man in La Paz vergebens – ein Grund, warum viele Reisende die scheinbar uninteressante Stadt auf ihrer Südamerika-Tour auslassen. Trotz des Mangels an touristischen Attraktionen im eigentlichen Sinne ist La Paz jedoch viel mehr als lediglich eine Durchgangsstation zum nahegelegenen Titicacasee, denn der bolivianische Regierungssitz erwartet seine Gäste nicht nur mit einem kulturellen Angebot, das man in anderen Städten des Landes vergebens sucht; auch die farbenfrohe Kultur der Anden ist auf den Märkten von La Paz lebendig wie vor vielen Hundert Jahren.



Die indigenen Aymara machen in La Paz nach wie vor einen Grossteil der Bevölkerung aus, und an den Strassenständen und Stadtteilmärkten bietet sich dem Besucher ein unverfälschter Einblick in das Alltagsleben der weltweit höchstgelegenen Metropole. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch auf dem „Hexenmarkt“, der seinen Spitznamen der ungewöhnlichen Mischung an ritualen Gegenständen und naturbelassenen Textilien, traditionellen Gewändern und einzigartigen Souvenirs verdankt. Mitten im Stadtzentrum vermischen sich auf diesem farbenfrohen Markt Tourismus, geschäftiger Alltag und uralte Traditionen.





"Hexenmarkt" in La Paz (Bild: Gonzalo Rivero / Wikimedia / CC)

„Hexenmarkt“ in La Paz (Bild: Gonzalo Rivero / Wikimedia / CC)

Auch in den Museen von La Paz bietet sich ein Einblick in viele alte Traditionen, allen voran im weltweit grössten Coca-Museum, das die Geschichte, traditionelle Bedeutung und medizinische Anwendung der Coca-Pflanze darstellt. Das Nationalmuseum für Ethnografie und Folklore wiederum vermittelt einen Überblick über die Geschichte und Komplexität des kulturellen Mosaiks, das die bolivianische Gesellschaft bis heute kennzeichnet und auch für Reisende allgegenwärtig ist.



Das Mondtal und die gefährlichste Strasse der Welt

Viele der eigentlichen Attraktionen von La Paz liegen ausserhalb der Stadt in den spektakulären Landschaften, die die mächtigen Andengipfel der Region formen. Rund 10 km südöstlich der Stadt erwartet die Besucher eine bizarre Felslandschaft, das Valle de la Luna, zu Deutsch Mondtal. Ihren Namen verdankt diese Millionen Jahre alte Landschaft ihren schroffen Felszacken, Kratern und steilen Schluchten, die durch die fast vollständige Abwesenheit von Vegetation einen Anblick wie von einem anderen Planeten bieten. Zwischen den einzelnen Felsformationen bestehen beträchtliche Unterschiede im Mineralgehalt, was dem Mondtal eine besondere Farbenvielfalt mit unzähligen Braun-, Beige- und Rottönen beschert.

Yungas-Strasse von La Paz nach Coroico (Bild: celineo / Wikimedia / CC)

Yungas-Strasse von La Paz nach Coroico (Bild: celineo / Wikimedia / CC)

Wer sich eine Auszeit vom Stadtlärm gönnen möchte, hat von La Paz aus ebenfalls die Möglichkeit, auf der gefährlichsten Strasse der Welt eine wahrhaft atemberaubende Biketour zu unternehmen. Der Camino de la Muerte, zu Deutsch Todesstrasse, trägt den offiziellen Namen Yungas-Strasse und führt von La Paz aus ins nordöstlich gelegene Coroico. Die einspurige Strasse ist eine der wenigen Verbindungen vom bolivianischen Regierungssitz in die nördliche Amazonas-Region des Landes und war bis zur Eröffnung einer moderneren und sichereren Verbindung im Jahr 2006 für ihre Gefährlichkeit bekannt. Auf gewundene Serpentinen zieht sich die Todesstrasse hoch über steilen Schluchten hin, immer nur wenige Meter vom Abgrund entfernt und an vielen Stellen ohne Fahrbahnbegrenzung. Für Mountainbiker gilt die Abfahrt über die Yungas-Strasse bis nach La Paz aufgrund der atemberaubenden Aussichten als einmaliges Erlebnis, und viele Unternehmen bieten von La Paz aus geführte Biketouren an.

Von La Paz an den Titicacasee

In nur 50 km Entfernung von La Paz ist der höchste schiffbare See der Welt ein unverzichtbares Ziel für jeden Reisenden. Die schwimmenden Schilfgrasinseln der Uro und der Wallfahrtsort Copacabana, die strickenden Männer der Insel Taquile und der legendäre Geburtsort des ersten Inkas zeugen von den uralten Traditionen und der spirituellen Bedeutung des Sees, der mit seiner tiefblauen Farbe inmitten der Andengipfel einen unvergesslichen Anblick bietet.

Schwimmende Inseln auf dem Titicacasee (Bild: Jpduchesneau / Wikimedia / public domain)

Schwimmende Inseln auf dem Titicacasee (Bild: Jpduchesneau / Wikimedia / public domain)

Auf dem Weg zum Titicacasee passieren Reisende auch die Ruinenstätte Tiahuanaco, eine der bedeutendsten Prä-Inka-Städte der Region, die seit 2000 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. Tiahuanaco war einst ein politisches und religiöses Zentrum der Aymara-Kultur, die bis heute die Region dominiert. Lediglich ein Prozent der gesamten Stätte soll bisher freigelegt worden sein, und dennoch bietet Tiahuanaco bereits jetzt einen aussergewöhnlichen Eindruck von der jahrtausendealten Aymara-Kultur. Monumente wie das drei Meter hohe Sonnentor und die Monolithen des Ruinenfeldes Puma Punku zeugen von der faszinierenden Baukunst der einstigen Bewohner.

 

Oberstes Bild: Zentrum von La Paz vor den Gipfeln der Anden (Bild: psyberartist / Wikimedia / CC)

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