München: Mehr als Hofbräuhaus, Oktoberfest und Fussball

23.10.2015 |  Von  |  Alle Länder
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München: Mehr als Hofbräuhaus, Oktoberfest und Fussball
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München, von den Einheimischen liebevoll „Hauptstadt mit Herz“ genannt, hat seinen ganz eigenen Charme. Italienisches Flair, bayerische Alpenkulisse und gelebtes Brauchtum heben die Stadt von anderen Metropolen in Deutschland ab.

Frauenkirche, Allianzarena und Hofbräuhaus stehen bei den Touristen auf den obersten Plätzen der Sightseeingliste, doch München bietet noch viel mehr. Ich nehme dich mit auf eine Stadtführung mit versteckten Orten und kleinen Schätzen.

Das Gute zuerst: München ist eine Ganzjahresdestination. Ich bin ein Wintermuffel aber München sieht mit Schnee und Eis bedeckt einfach entzückend aus. Im Gegensatz zu manch einheitsgrauen Städten, lässt es sich hier auch bei klirrenden Minusgraden aushalten.

Stadtspaziergang für den ersten Eindruck

Fangen wir mal ganz klassisch an: Mit einem kurzen Stadtspaziergang, der je nach Bedarf ausgeweitet werden kann. Beginnen wir am Odeonsplatz und dem Hofgarten. Bei schönem Wetter kannst du im Pavillion am Hofgarten den Geigern zuhören oder Tänzern zuschauen. Am Eingang zur Feldherrenhallen gibt es am Wochenende sogar oftmals ganze Kombos mit Flügel und Kontrabass. Hier am Odeonsplatz verstehst du, wieso München sich gerne mit dem Titel „Nördlichste Stadt Italiens“ schmückt. Die Feldherrenhalle zum Beispiel wurde nach dem Vorbild der Loggia dei Lanzi in Florenz gebaut.

Wenn wir links am Tor vorbei in Richtung Staatsoper geht, musst du unbedingt den Löwen über die Nase streicheln, denn das bringt Glück. Als Pfälzerin kann ich dir übrigens die Pfälzer Weinstube empfehlen. Bei einem Pfälzer Riesling kann man sich das italienische Flair noch etwas länger um die Nase wehen lassen. Doch gehen wir weiter zur Staatsoper. Hier dominiert die grosse Sitzskulptur von König Max I. Joseph. Linker Hand befindet sich die Residenz, die du dir bei Gelegenheit auch mal von innen ansehen solltest. Ein Blick in den Innenhof musst ihr aber allemal werfen.

Folgen wir der Dienerstrasse dann kommen wir am berühmten Dallmayrhaus vorbei und können dann links in ein kleines Seitengässchen abbiegen. Dort kommen wir zum Alten Hof, mittelalterliches Zentrum und erste Stadtresidenz Münchens. Von hier aus können wir durchs Tal zum Viktualienmarkt schlendern oder den Turm des Alten Peter besteigen. Den Abschluss macht der Marienplatz, wo man sich das Glockenspiel, welches um 11 und 12 Uhr und im Sommer zusätzlich um 17 Uhr zu sehen und hören ist, auch durchaus sparen kann.

Wer ein ruhiges aber hübsches Eckchen in der Innenstadt sucht, der wird am Sankt-Jakobs-Platz fündig. Hier befindet sich das Stadtmuseum und das Jüdische Zentrum samt Synagoge und Jüdischem Museum, die beide mit moderner Architektur punkten.


Italienisches Flair an der Feldherrenhalle. (Bild: © anshar / shutterstock.com)

Italienisches Flair an der Feldherrenhalle. (Bild: © anshar / shutterstock.com)


Kunst, Kunst, Kunst

Ich habe in München ja Kunstgeschichte studiert und finde immer noch, dass die Münchner Kunstlandschaft die beste Deutschlands ist. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich (dank kostenlosem Eintritt für Kunstgeschichtler) einfach mal schnell durch die Neue Pinakothek gelaufen bin, um meinen Lieblingsbildern „Hallo“ zu sagen.

Neben den Pinakotheken lege ich dir das Museum Brandhorst, vor allem aber das Lenbachhaus und das Haus der Kunst ans Herz. Im Lenbachhaus liegt der Fokus auf den Blauen Reitern, das HdK punktet mit genialen und mutigen Sonderausstellungen.

Im Keller des HdK befindet sich übrigens das P1, wofür sich mittlerweile aber wohl kein Mensch mehr interessiert. Ein kleiner Blick auf den Aussenbereich kann man allerdings ja trotzdem mal werfen. Auch die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in der Theatinerstrasse hat immer wieder sehenswerte Ausstellungen, wenn auch meist sehr Mainstream. Kleiner Tipp: In den Pinakotheken kostet der Eintritt sonntags nur 1 Euro.

Vom Englischen Garten zu den Eisbach Surfern und zum Eisbach Floating

München ist grün. Der Englische Garten zählt zu den grössten Parkanlagen der Welt und hat ganz unterschiedliche Facetten. Der nördliche Teil ist relativ naturbelassen, Schafe grasen hier und weite Wiesenflächen prägen das Bild. Der südliche Teil befindet sich direkt in der Innenstadt und kann am Haus der Kunst oder an der Universität betreten werden. Am HdK kann man auch die berühmten Eisbach-Surfer bewundern. Es ist schon witzig, wenn man mitten in München Leute mit dem Surfbrett herumlaufen sieht. Hier kann man sie dann in Action erleben. Wer hier surfen will, sollte wirklich Profi sein. Die Welle ist durch Einbauten im Wasser gefährlich und leider gab es schon einige Todesfälle. Also nichts für Anfänger!

Der Südteil des Park ist in englischer Manier angelegt. Grosse Liegeflächen auf denen sich in bestimmten Bereichen auch gerne die „Nackerten“ tummeln und zum Sportmachen einladen dominieren diesen Teil. Hier befindet sich auch ein kleines japanisches Teehaus.

Was wirklich richtig Spass macht ist das sogenannte Eisbach Floating. Kurz hinter der Surfwelle springt man in den eiskalten Bach (er heisst nicht umsonst Eisbach) und lässt sich mit der Strömung mitreissen. Am Tivoli kann man sogar mit der Tram wieder zum Startpunkt zurückfahren. Das Floating sollten aber nur geübte Schwimmer machen, für alle Angsthäschen wie mich gibt es auch die kleine Version im Schwabinger Bach, der nur wenige Meter daneben etwas gemächlicher dahin fliesst.


Die Isar ist am Flaucher besonders schön. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)

Die Isar ist am Flaucher besonders schön. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)


Isar, oh Isar

Hach, die Isar. Der Fluss, der durch München fliesst, klingt für mich fast wie eine Freundin. Unzählige fabelhafte Nachmittage und Grillabende haben wir am seichten Gewässer verbracht. Mit Blick auf die vorbeifahrenden Flosse und dem Bier im Wasser zum Kühlen. Bei schönem Wetter gleicht vor allem der Flaucher, der Lieblingsplatz der Münchner Wasserliebhaber, einem Open Air Festival.

Menschenmassen, Musik, Grillduft und gute Stimmung. Hier lässt es sich wirklich aushalten. Viel mehr muss man dazu gar nicht sagen, ausser: Nimm deinen Müll mit! Die feierfreudigen Besucher hinterlassen im Sommer täglich dermassen viel Müll, dass sich das zu einem echten Problem entwickelt hat. Wer feiert, räumt auch auf. Basta.

Olympiapark

Heimspiel für mich. Im Olympiapark finden richtig tolle Events statt wie das Theatron, geile Konzerte und Sportveranstaltungen. Für mich gab es in den drei Jahren, die ich in unmittelbarer Nachbarschaft wohnte, einiges zu sehen und hören. Wenn Konzerte im Stadion gespielt werden, versammeln sich die Zaungäste auf dem Olympiaberg, der übrigens aus dem Schutt des 2. WK besteht, und lauschen dort den Bands. Von hier aus hat man auch eine tolle Aussicht auf München und die Alpen, ein grandioses Panorama.

Das berühmte Zeltdach des Olympiastadions kann man auch mit einer Zeltdachtour besteigen und sich beim Flying Fox einen Adrenalinkick abholen. Wer es etwas gemütlicher will, der leiht sich ein Tretboot und schippert über den Olympiasee. Einmal im Jahr findet im Olympiapark das Sommer Tollwood statt. Ein bunter Markt mit Bio-Essen, Kunst und Krempel aus aller Welt, Musik und guter Stimmung. Für mich war das Festival immer ein Pflichtbesuch. Das Winter-Tollwood findet übrigens immer auf der Theresienwiese statt.


Der Olympiapark war 1972 Austragungsort der tragischen Olympischen Spiele (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)

Der Olympiapark war 1972 Austragungsort der tragischen Olympischen Spiele (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)


Essen und Trinken

Kaffee und Kuchen

Rund um die Ludwig-Maximilians-Universität (die übrigens wegen der geschichtsträchtigen Vorkommnisse rund um die Geschwister Scholl und der Architektur ebenfalls sehenswert ist) und die TU in Schwabing bzw. Maxvorstadt gibt es ziemlich viele kleine Cafés, die echt gemütlich sind. Ich war zum Beispiel immer sehr gerne im Gartensalon, der in einem kleinen Innenhof der Amalienpassage direkt an der LMU gelegen ist.

Leckere Kuchen und altes Omageschirr sorgen für Wohlfühlatmosphäre. Eine ganz besondere Aussicht hast du vom TU Café Vorhoelzer Forum in der Luisenstrasse. Dank der spektakulären Aussicht und den Künsten des Barrista (er kann sogar Einhörner in Schaum zeichnen) ist die Dachterrasse wirklich kein Geheimtipp mehr und du musst mit langen Warteschlangen rechnen. Aber Hochfahren lohnt sich allein wegen dem Panoramablick. Den Aufzug findest du übrigens, wenn du am Haupteingang links im Flur ganz nach hinten gehst.

Lecker Essen

Das Santo Anger ist eine Rock’n’Roll Pizzeria im Glockenbachviertel. Was man eher in Berlin vermuten würde, hält sich hier in München schon seit einigen Jahren. Die Pizza ist mega lecker, günstig riesig und dazu gibts gute Musik. Perfekt für den Start in einen „Feierabend“.

Dass ich dir kein bayrisches Wirtshaus empfehle ist meinem Vegetarismus geschuldet. Und ganz ehrlich: Für Wirtshäuser braucht man keinen Tipp, die gibts überall. In München gibt es aber mittlerweile auch ein paar vegane und vegetarische Adressen. Oft sind diese aber ziemlich teuer. Eine Ausnahme ist das Café Ignaz, das es mittlerweile seit Jahrzehnten gibt. Hier gibt es eine erschlagende Auswahl an süssem und herzhaftem Gebäck und eine üppige Auswahl an warmen Gerichten. Der Clou: Zu jedem Hauptgericht gibt es ein Stück Kuchen dazu.

Prost: Trinken

Biergärten gibt es so einige in München. Ich finde es toll an einem Sonntag den Picknickkorb zu packen und im Biergarten ein richtig tolles bayrisches Frühstück inklusive einer Mass Bier zu zelebrieren. Das ist München! Eigentlich kann man bei der Auswahl nicht viel falsch machen, vor allem bei den grossen alteingessessenen. Ein kleiner Tipp für alternative und junge Biergärten ist das Park-Café am Karlsplatz.

Ich bin grosser Kneipenfan. Statt in Clubs findet man mich eher beim Bierchen in der Kneipe. Erwartet von mir keine Tipps zu Cocktailbars und Szenekneipen, das war in München nicht so mein Metier. Da ich gerne Metal höre und zu meiner Münchenzeit auch noch viel mehr in der Szene unterwegs war, habe ich mich hauptsächlich in Metalkneipen wie dem RAW oder dem Abseits rumgetrieben.

Das Raw ist ziemlich klein und meist gut besucht. Im Abseits gibt es neben Metal hauptsächlich Fussball und eine gemütliche Atmosphäre. Hier habe ich ziemlich viele Abende verbracht. Meine Lieblingskneipe war früher die „Schwasi„, die Schwabinger 7, die es mittlerweile leider nicht mehr gibt. Oder besser gesagt, das Original gibt es nicht mehr.

Eine zweite Schwasi hat eröffnet, doch da war ich erst einmal. Das Original war ehrlich gesagt eine ziemliche Spelunke und hatte richtigen Kultstatus seit den 70ern. Hier war das Publikum etwas, nun ja, anders und vor allem herrlich gemischt. Hier habe ich wirklich tolle Menschen kennengelernt. Beim Abriss wurde übrigens eine Fliegerbombe unter dem Kneipenraum gefunden. Glück gehabt.

Zu meiner Olydorfzeit war ich natürlich ziemlich oft in unserer Studentenkneipe, der Bierstube. Urig, gemütlich und viele Studenten, schau mal vorbei!
Ansonsten kann ich dir die Sehnsucht Bar empfehlen, in direkter Uninähe gibt es hier Bier, viele BHs und Motorraddeko.  Im Alternativ-Club Substanz gibts Indie und die Favorit Bar gilt immer als Bar mit Berlinfaktor im „No-Style“. Heisst: Unverputzte Wände und Elektro. Im Glockenbachviertel gibt es viele Schwulenbars. Das Pimpernel besticht im Seventies-Erotik-Look. Zur späten Stunde kann man hier durchaus mal vorbeischauen.


Der Olympiapark im Dämmerlicht.(Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)

Der Olympiapark im Dämmerlicht.(Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)


Feiern und Party

Wie gesagt, ich war nicht so oft in Clubs, sondern lieber in Bars und Kneipen und vor allem auf Konzerten. Meine Lieblingslocation ist das Backstage. Hier gibt es Konzerte, einen Biergarten mit Grillmöglichkeit und regelmässig die Partyreihe „Besser trinken und feiern“. Auf verschiedenen Floors gibt es Metal, Rock, Indie und ganz wichtig: den 90er Raum und erschreckend billige Getränke.

Ebenfalls für Konzerte kann ich das Feierwerk empfehlen, schaut einfach mal aufs Programm.

Wer sich unter das Partyvolk mischen will, der kann sich mal in die Kultfabrik trauen. Im ehemaligen Pfanniwerksgelände wütet das partywillige Volk. Wer drauf steht, kann sich ins Getümmel wagen, wer nicht, sollte sich das Gelände mit Lost-Place-Charakter lieber tagsüber anschauen.

Etwas Off-Topic aber trotzdem ein guter Abendplan ist die Veranstaltungsreihe „Nerd Nite„. Wer Spass an nerdigen Themen und Unterhaltung hat, ist hier gut aufgehoben. Das Motto „It’s like Discovery Channel with Beer“ sagt schon viel. Alle paar Wochen stellen ein paar Experten ein kurioses Spezialthema auf unterhaltsame Weise vor, dazu gibts Bier und ein begeistertes Publikum-

Mitbringsel

Du liebst Souvenirs, die etwas ausgefallener sind, als an den 0815-Ständen? Statt Lederhosen, Alpenkrimskrams oder sonstigen Kitsch, kaufe lieber etwas Gescheites. Ich würde ich zum Beispiel den in München hergestellten Gin „The Duke“ vorschlagen. Er wird nicht nur von einem gutem Freund hergestellt, er ist auch super lecker und ein Andenken, dass man in geselliger Runde geniessen kann.

Du willst mehr über München wissen? Dann habe ich hier einen Blogtipp: Meine Kolleginnen von „Das Münchner Kindl“ liefert Insiderwissen und allerhand Tipps rund um die bayerische Metropole.

 

Artikelbild: © S.Borisov / shutterstock.com

Über Julia Schattauer

Julia Schattauer ist freie Autorin und leidenschaftliche Bloggerin. Geschichten vom Reisen sind ihr Steckenpferd. Neben nützlichen Fakten geht es ihr in erster Linie ums Storytelling. Darum, den Leser in die Welt mitzunehmen und sein Fernweh zu wecken. Als studierte Kunsthistorikerin, Tourismus-, und Literaturwissenschaftlerin schreibt sie ausserdem über Themen aus Kunst und Kultur.


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