Ritter, Burgen, Gaukler: Ein Besuch auf dem Mittelaltermarkt

08.10.2015 |  Von  |  Allgemein
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Ritter, Burgen, Gaukler: Ein Besuch auf dem Mittelaltermarkt
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Kampfgebrüll und Gelächter erfüllt die Luft. Auf dem abgesteckten Kampffeld vor der Burgruine stürzt sich ein kleiner Wikinger mit Holzschwert auf den am Boden liegenden Mann. Früh übt sich, wer ein grosser Kämpfer werden will. Drumherum jubelt und grölt die Masse. Mittelaltermärkte haben nicht nur bei mir einen Stein im Brett, sie sind seit einigen Jahren ein richtiger Publikumsmagnet.

Nicht nur die Subkulturszene auch Familien fühlen sich auf den kreativen und ereignisreichen Festen wohl.

Rund um die Burgruine Moschellandsburg in Obermoschel hat der jährliche Mittelaltermarkt seine Toren geöffnet. Gewandete und neuzeitliche Neugierige kommen in Massen und tauchen ein in eine Welt vergangener Tage. Da stehen schon einmal spätmittelalterlicher Hochadel und bewaffneter Wikinger bei einem Dunkelbier zusammen, Bäuerin und Gothicbraut begegnen sich beim Honighändler.

Unschlagbar ist die Örtlichkeit: Die vom Dreissigjährigen Krieg beschädigte und 1689 von den Franzosen zerstörte Moschellandsburg ragt als Ruine hoch oben über der kleinsten pfälzischen Stadt Obermoschel. Der Markt ist zwar dementsprechend klein aber beliebt. Es zeigt, wie viele Mittelalterfeste es inzwischen europaweit gibt. Ein grosses Netz von kleinen Märkten bis hin zu grossen Spektakeln zieht sich von Portugal bis Kroatien.

Von der Burg im Nordpfälzer Bergland hat man einen sagenhaften Blick über Weinberge und Wälder hinab ins Tal. Fernab jeder grösseren Stadt fühlt man sich hier tatsächlich in frühere Zeiten zurückversetzt.

Im Burghof lässt es sich auf Strohballen in der Sonne verweilen, ein Bierchen trinken und den Gauklern zuschauen. Feuershow und Jongleure bespassen die Menge und sorgen bei mittelalterlichen Klängen für gute Stimmung und eine gehörige Portion Flair.


An den vielen Marktständen gibt es Allerlei Dinge zu kaufen. Hier zum Beispiel Methörner. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)

An den vielen Marktständen gibt es allerlei Dinge zu kaufen. Hier zum Beispiel Methörner. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)


Wir schlendern über das Lager, das neben dem Marktgelände vorrangig als Wohnort der Lagernden dient. Hier stehen Zelte mit Feuerstellen, langhaarige und bärtige Männer sitzen mit ihren Familien an grossen Tischen.

Es wird getrunken und diskutiert, gelacht und geschlafen und all das stets mit Publikum. An die fehlende Privatsphäre ist man als Teilnehmer gewöhnt.

Wir streifen durch das Lager hin zu den Markständen. Stoff und Gewänder, Schmuck und Met werden von gut gelaunten Händlern angepriesen. Auf dem Weg zur Burg reihen sich Stände mit dem “Allerley” aus mehreren Jahrhunderten aneinander, von Früh- bis Spätmittelalter, angeboten von Händlern aus dem hohen Norden und dem fernen Osten.

Dunkler Rauch steigt über einer Schmiede hervor, Geistliche mit Almosenbechern gehen ihrer Wege. Es ist wie ein Kurzurlaub, wenn man ein paar Stunden auf einem Mittelaltermarkt verbringt, den Vorführungen zuschaut, das leckere Essen und den guten Met geniesst. Es ist eine kleine Zeitreise mit ganz viel Liebe zum Detail. Eine Zeitreise, die ich immer wieder gerne miterlebe.


Felle und Stoffe. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)

Felle und Stoffe. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)


Meine Tipps: Mittelaltermärkte in Europa:

1. Landshut – Deutschland

Das grösste Mittelalterfest Europas findet übrigens alle vier Jahre in Niederbayern statt. Die „Landshuter Hochzeit“ dauert drei Wochen und spielt die prunkvolle Hochzeit von Georg dem Reichen und Hedwig, der Tochter des polnischen Königs Kasimir IV. nach.

2. Luzern – Schweiz

Auch in der Schweiz gibt es Mittelalterfeste wie zum Beispiel der Mittelaltermarkt zu Luzern, der im April stattfindet. Auch hier stehen Lagerleben, mittelalterliches Handwerk und Musik im Mittelpunkt.

3. Óbidos – Portugal

Betritt man die alten Stadtmauern des kleinen Städtchens Óbidos, taucht man ein in eine vergangen Zeit. Vor allem im Juli, wenn das jährliche Mittelalterfest stattfindet. Vor der Burg bietet sich die perfekte Kulisse für Tänzerinnen, Narren und allerhand Marktstände.

4. Provins – Frankreich

In der Weltkulturerbestadt findet einer der grössten mittelalterlichen Märkt Europas statt. Neben den Marktständen, Vorführungen und der Zeltstadt stehen hier vor allem die Kinder im Mittelpunkt.

5. East Sussex – England

Auf dem Herstmonceux Castle findet jährlich im Sommer ein ganz besonderes Mittelalterfest statt. Hier wird Unterhaltung und Spektakle gross geschrieben, denn in erster Linie geht es hier schauspielerisch zur Sache. In authentischer Kulisse gibt es Turniere, Sänger und Gaukler.

6. Rab – Kroatien

Wunderschön am Meer gelegen, hat Rab eine besondere Atmosphäre für ein Mittelalterfest. Jeden Sommer findet in der Altstadt das „Rapska Fjera“, ein mittelalterliche Markt statt. Höhepunkt ist das Armbrustschützentunier, das eine erfolgreiche Abwehr von Feinden durch Armbrustschützen erinnert.

 

Artikelbild: © 135pixels / shutterstock.com

Über Julia Schattauer

Julia Schattauer ist freie Autorin und leidenschaftliche Bloggerin. Geschichten vom Reisen sind ihr Steckenpferd. Neben nützlichen Fakten geht es ihr in erster Linie ums Storytelling. Darum, den Leser in die Welt mitzunehmen und sein Fernweh zu wecken. Als studierte Kunsthistorikerin, Tourismus-, und Literaturwissenschaftlerin schreibt sie ausserdem über Themen aus Kunst und Kultur.


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