„Super Hotel und prima Service“: Wie verlässlich sind Hotelbewertungen im Internet wirklich?

13.09.2013 |  Von  |  Alle Länder
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„Super Hotel und prima Service“: Wie verlässlich sind Hotelbewertungen im Internet wirklich?
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Sehr saubere Anlage mit freundlicher Atmosphäre
Ein Urlaub wie er im Buche steht.
Herzlichen Dank an das gesamte [Hotel]-Team für die sehr gute Rundumbetreuung.
Wir haben uns ,sauwohl’ gefühlt.“ (Zitat eines Gästebucheintrages auf holidaycheck.ch)

Derartige Gästebucheinträge finden sich auf den vielen Hotelbewertungsportalen wie tripadvisor.de oder holidaycheck.ch zuhauf. Doch wie glaubwürdig sind solche Hotelbewertungen wirklich? Schreiben hier tatsächlich hochzufriedene Hotelgäste? Oder stecken dahinter Fake-User, die – womöglich gegen Bezahlung – vom heimischen PC aus das Blaue vom Himmel erzählen?



Leider lässt sich diese Frage nicht ohne Weiteres klar beantworten. Und hier liegt auch das Problem: Vorsicht ist also angebracht, wenn man im Urlaub nicht bitter enttäuscht werden will, weil sich ein im Internet angepriesenes „Traumhotel“ als miese Absteige entpuppt.

Laut Schätzungen von Experten der Fachhochschule Worms sind rund ein Drittel aller Hotelbewertungen gekauft. Dabei treffen die Betrüger offenbar auf ein gutgläubiges Publikum: 95% der User geben an, dass sie den Bewertungen glauben, so Studien der FH Worms. „Ungefähr 60% sagen, dass die Bewertungen Einfluss auf Ihre Hotelbuchungsentscheidung haben“, konstatiert Prof. Roland Conrady von der FH Worms in einem ZDF-Beitrag zum Thema.

Gefälschte Hotelbewertungen – Verlockung für die Branche    



Die Bedeutung der Bewertungsplattformen für die Hotelbranche ist enorm: Mit positiven Bewertungen lassen sich die Buchungen unmittelbar ankurbeln. Gemäss Studien der FH Worms kann eine positive Hotelbewertung die Zahl der Buchungen um 70 Prozent steigern. Da liegt es auf der Hand, dass Betrüger angezogen werden.

Problematisch ist, dass man auf den Hotelbewertungsportalen zum Teil auch gleich die Buchungen vornehmen kann (wie z. B. bei holidaycheck.ch), was die Unabhängigkeit dieser Portale gegenüber der Hotelbranche infrage stellt.

Die Hoteliers wissen sehr genau um die Wichtigkeit der Bewertungsportale für die Neukundengewinnung. Daher regen mehr als 60 Prozent von ihnen laut einer Befragung der FH Worms ihre Gäste dazu an, eine Bewertung im Internet vorzunehmen – was ja auch legitim ist.



Nicht legitim ist es aber, wenn Hotels Bewertungen fälschen oder Agenturen zum Schreiben von Bewertungen beauftragen. Hier geht es um handfesten Betrug und Gesetzesbruch in Form von unlauterem Wettbewerb. Auch wenn sich das im Einzelfall schwer nachweisen lässt – die Verlockung für die Hotels, sich ihre eigenen Bewertungen zu schreiben, ist gross.

Wenn Gäste mit Hotelverrissen drohen

Die Kehrseite von bezahlten und gefakten Lobhudeleien auf Hotels sind übelste Verrisse. Auch diesen darf man nicht ohne Weiteres glauben. Dahinter können Konkurrenten stecken, (schlecht bezahlte) Hotelangestellte oder erpresserische Hotelgäste. Glaubt man dem bayerischen Hotelier Stefan Menig, sind solche Erpressungen durch Gäste (nach dem Motto „Hotelrabatt – oder schlechte Hotelbewertung“) keine Seltenheit. Dementsprechend prangert er die Bewertungsportale – konkret holidaycheck.ch – an: „Dieses Portal öffnet Erpressungen Tür und Tor. Soll ich etwa Schutzgeld zahlen, damit mich niemand in den Ruin treibt? Das sind Zustände wie bei der Mafia.“

Allerdings: Über 70 Prozent der Hoteliers würden auf solche Erpressungen nicht eingehen, wie die Wormser Umfrage ergab. Lediglich 25 Prozent können sich vorstellen, eventuell auf derartige Drohungen einzugehen.

Unzureichende Kontrollen der Bewertungen

Zwar haben die Hotelbewertungsportale das Problem erkannt. So beschäftigt holidaycheck.ch eine Crew von 41 Personen, die fortwährend den Content prüft. Bei vielen Portalen bleibt die Kontrolle aber unzureichend, wie Tests zeigen. So testete die Schweizer Verbraucherzeitschrift „K-Tipp“ neun deutschsprachige Bewertungsportale. Das Resultat: Acht Portale erkannten eine aus einem Werbeprospekt abgeschriebene Hotelbewertung nicht.



Insofern ist am Ende der kritische Verstand der User gefragt, wenn es um die Nutzung von Hotelbewertungsportalen geht.

Betrügerische Hotelbewertungen erkennen

Wie man gefakte Hotelbewertungen erkennt, dazu nachfolgend vier Tipps nach Empfehlungen des Experten Prof. Conrady:

  • Den Text genau anschauen: Liest er sich wie aus dem Reisekatalog abgeschrieben? Vorsicht bei Formulierungen wie „traumhafte Destination“ etc., die ein normaler Nutzer wahrscheinlich nicht gebrauchen würde! Auch viel zu allgemeine Informationen, die jeder schreiben kann, der nicht vor Ort war, sollten stutzig machen. Je mehr Details in der Bewertung, desto glaubwürdiger.
  • Bei Urlaubsbildern auf solchen Portalen nachprüfen, woher sie stammen: Wurden sie wirklich von Reisenden eingestellt oder vom Hotel selbst?
  • Die Nutzerdaten der Bewertenden betrachten: Wie lange ist der Bewertende registriert? Ergeben sich Auffälligkeiten, wurden z. B. 10 Hotels auf einmal bewertet? Wie wird der Bewertende selbst bewertet? Schätzen ihn andere Nutzer als vertrauenswürdig ein?
  • Wichtig zu beachten: Manche Portale lassen nicht jeden User bewerten, sondern nur solche, die nachgewiesen haben, dass sie auch tatsächlich im Hotel übernachtet haben. Letztlich sind nur solche Bewertungen wirklich glaubwürdig.

Fazit: Hotelbewertungen können eine nützliche Hilfe sein, um sich für das richtige Hotel zu entscheiden. Die zig Millionen Nutzer von Hotelbewertungsportalen können schliesslich kaum irren. Trotzdem sollte man diese Portale sehr kritisch nutzen und vor allem nicht ausschliesslich, sondern dort gemachte Angaben gründlich nachrecherchieren. So ist die Chance gut, beim Hotel die richtige Wahl zu treffen und im Urlaub nicht enttäuscht zu werden.

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Oberstes Bild: © styleuneed – Fotolia.com

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