Schweiz: 68'040 Staustunden – Nationalstrassen stossen an Kapazitätsgrenzen
von belmedia Redaktion +Flächendeckend-CH +Instagram-CH Autobahn Autobahn A1 Autobahn A2 Autobahn A3 Autobahn A4 Autobahn A5 Autobahn A6 Polizei.news Regionen Schweiz Verkehr & Katastrophen Verkehrsmeldungen Verkehrsticker
Die Nationalstrassen sind das Rückgrat der Mobilität in der Schweiz. Sie entlasten Dörfer und Agglomerationen und erschliessen die Regionen für Güter und Personen.
Obwohl sie nur rund drei Prozent des gesamten Strassennetzes ausmachen, wurden 2025 knapp 45 Prozent aller Fahrzeugkilometer auf ihnen zurückgelegt – insgesamt rund 30 Milliarden Kilometer. Mit 68 040 Staustunden nahm die Überlastung im Vergleich zum Vorjahr stark zu. Das zeigt: Trotz gezielter Massnahmen zur Verbesserung des Verkehrsflusses stösst das Nationalstrassennetz zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen.
Verkehrsflussbericht 2025
Im Jahr 2025 wurden rund 30 Milliarden Fahrzeugkilometer auf dem Nationalstrassennetz zurückgelegt (+1.4 Prozent gegenüber 2024). Dabei entfallen rund 25 Milliarden Kilometer auf Personenwagen (+1.5 Prozent). Auch der Güterverkehr ist stark auf die Nationalstrassen angewiesen: Mehr als 70 Prozent des strassenseitigen schweren Güterverkehrs wurden über das Nationalstrassennetz abgewickelt. Dies geht aus dem Bericht „Verkehrsentwicklung und Verfügbarkeit der Nationalstrasse 2025“ hervor.
Netz stösst an Belastungsgrenze
2025 wurden insgesamt 68 040 Staustunden verzeichnet – ein Anstieg von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 89 Prozent der Staus sind auf Verkehrsüberlastung zurückzuführen, weniger als 4 Prozent auf Baustellen, was unter dem Vorjahreswert liegt. Besonders betroffen waren Routen mit starkem Pendlerverkehr, namentlich die A1 Genf – St. Gallen, A2 Basel – Chiasso und A3 Basel – Sargans. Die Staustunden beim Gotthardtunnel bewegten sich in etwa auf dem Niveau von 2024.
Der starke Anstieg der Staustunden zeigt, dass die Überlastung auf dem Nationalstrassennetz nicht punktuell auftritt. Auf wichtigen Abschnitten bestehen zunehmend wiederkehrende, strukturelle Engpässe. Gleichzeitig verteilt sich der Verkehr insbesondere im Mittelland stärker über den ganzen Tag. Dadurch ist das Netz nicht mehr nur während der Morgen- und Abendspitzen stark belastet, sondern vielerorts nahezu permanent. Bereits kleinere Ereignisse wie Pannen oder Unfälle führen dadurch zu Staus und stockendem Verkehr. Reisezeiten auf den Nationalstrassen werden zunehmend unberechenbar. Dies kann dazu beitragen, dass die Verkehrsteilnehmenden die Nationalstrassen meiden und vermehrt auf Kantons- und Gemeindestrassen ausweichen.
Dies wird insbesondere auf den Hauptachsen A1 und A2 deutlich. Auf vielen Kantonsstrassen ist das Verkehrswachstum höher als auf den parallel verlaufenden Autobahnen. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass Verkehrsteilnehmende ihre Fahrten zunehmend über das nachgelagerte Strassennetz und weniger über die Nationalstrassen abwickeln.
Intelligente Verkehrsmanagementsysteme zeigen Wirkung
Das ASTRA begegnet dieser Entwicklung mit verschiedenen Massnahmen zur Verbesserung des Verkehrsflusses. Intelligente Verkehrsmanagementsysteme wie Geschwindigkeitsharmonisierung oder die temporäre Freigabe des Pannenstreifens helfen, die bestehende Infrastruktur effizienter zu nutzen. Beispielsweise auf der A6 zwischen Thun und Bern sowie auf der A1 bei Winterthur konnten Staus durch die Pannenstreifenumnutzung deutlich reduziert werden. Zudem zentralisiert das ASTRA die Steuerung dieser Systeme schweizweit stärker und verbessert die Steuerungs-Algorithmen stetig. Die dafür entwickelte Anwendung «Verkehrslenkung Schweiz» ist für erste Verkehrsmanagement-Anlagen seit Ende 2025 in Betrieb. Parallel dazu verfolgt das ASTRA zusammen mit der Fahrzeugindustrie die Potenziale des hoch assistierten und automatisierten Fahrens konsequent. Diese Anstrengungen werden mittel- und langfristig einen positiven Einfluss auf den Verkehrsfluss und die Verkehrssicherheit haben.
Punktuelle Ausbauten bringen langfristige Entlastung
Verkehrsmanagement und automatisiertes Fahren alleine genügen nicht, um die Netzfunktion langfristig zu gewährleisten. Systematische Engpässe gefährden die gesamte Netzfunktion. Um dieser Herausforderung zu begegnen, sind punktuelle Ausbauten zweckmässig. Im Rahmen des Projekts «Verkehr ’45» hat das UVEK die geplanten Ausbauvorhaben auf Strasse und Schiene priorisiert und eine Vorlage zur gezielten Weiterentwicklung der Nationalstrassen erarbeitet. Ziel bleibt es, die Verfügbarkeit des Netzes langfristig zu sichern, Kantons- und Gemeindestrassen wieder zu entlasten und die Nationalstrassen auch bei Baustellen oder Ereignissen leistungsfähig zu halten. Der Bundesrat hat die Vernehmlassung zur Vorlage am 19. Juni 2026 eröffnet.
Erhebung der Staustunden
Die Staustunden basieren auf den Verkehrsmeldungen von Viasuisse. Für jedes Stauereignis werden Beginn und Ende erfasst und statistisch ausgewertet. Dabei wird sichergestellt, dass jeder Stau nur einmal gezählt und eindeutig einer Nationalstrasse zugeordnet wird.
Das ASTRA entwickelt die Staudetektion laufend weiter. Künftig könnten Staustunden vermehrt automatisiert erfasst werden, etwa mit Hilfe von Floating Car Data oder Verkehrsmodellierungen. Wichtig bleibt, dass Methodik und Datengrundlage langfristig stabil und nachvollziehbar bleiben, damit Vergleiche über mehrere Jahre hinweg möglich sind.
Bericht Verkehrsfluss Nationalstrassen
Verkehrsentwicklung und Verfügbarkeit der Nationalstrassen – Jahresbericht 2025
Quelle: Bundesamt für Strassen (ASTRA)
Bildquelle: Bundesamt für Strassen (ASTRA)