Baden-Württemberg: Im Terrain der Kletterer

22.04.2020 |  Von  |  Deutschland, News

Efeu rankt an den Laubbäumen empor, die hier unten in der kleinen, schattigen Schlucht über dem Neckar wachsen.

Juliana verknotet das Sicherungsseil mit ihrem Hüftgurt, reibt sich die Hände noch mit etwas Magnesia ein und steigt auf einen kleinen Felsvorsprung. Die Hände suchen Halt im teilweise glatten Gestein, Freund Jens sichert ihren Aufstieg.

Die erste Route heute ist das sogenannte Rosenstöckle. Sie verläuft zwischen zwei schmalen, zerklüfteten Muschelkalktürmen – oben am Fels wachsen Wildrosen.

Freitagnachmittag in den Hessigheimer Felsengärten zwischen Stuttgart und Heilbronn: Auf dem schmalen Pfad, der direkt an der Felskante entlangläuft, sind Spaziergänger mit Kind und Kegel und Hund unterwegs. Die Schlucht zwischen den Felsen liegt auf halber Höhe und ist das Terrain der Kletterer – ab und zu schaut einer von ihnen über die Kante, um gleich wieder kehrtzumachen und abzusteigen.

„Das hier ist ein tolles Trainingsgebiet für den Feierabend oder das Wochenende“, erzählt Jens, der wie Juliana ganz in der Nähe wohnt. Für den Weinbauern, der in der Felsengartenkellerei arbeitet und nebenerwerblich auch selbst Wein anbaut, ist das Klettern ein toller Sport, um zu entspannen: „Ich liebe es, in der Natur zu sein, und beim Klettern kreisen meine Gedanken wirklich nur um den nächsten Halt in der Wand.“

Ein sonniger Aussichtsbalkon über dem Neckar

Ob die Sportler beim Klettern auch ein Auge für die besondere Tier- und Pflanzenwelt haben? Die Felsen hier sind nämlich nicht nur Lebensraum für seltene Flechten, Gräser und Blütenpflanzen mit exotischen Namen: zum Beispiel Wimper-Perlgras, Kelch-Steinkraut, Scharfer Mauerpfeffer, Kartäuser-Nelke, Edel-Gamander oder Frühlings-Fingerkraut.

Auch viele Vögel brüten in den Nischen des Muschelkalks, und die Mauereidechse hat dort ihr Zuhause. Drum herum breiten sich die Weinhänge über dem Neckar aus – viele Reben wachsen in Steillagen, in denen keine Maschinen eingesetzt werden können. Ein toller Sonnen-Aussichtsbalkon ist das hier oben, auch für Spaziergänger. Der Blick reicht weit über den Fluss. Unten auf dem Neckartal-Radweg, der über 368 Kilometer von Villingen-Schwenningen bis nach Mannheim verläuft, ist einiges los. Und hier oben sorgen die Kletterer für etwas Nervenkitzel inmitten all der Beschaulichkeit.


Hessigheimer Felsengärten


Bunt-alternative Klettergrüppchen

„Ist da oben jetzt frei?“, ruft jemand von unten. Freie Bahn, los geht’s! 500 Meter breit ist das Klettergebiet, bis zu 18 Meter geht es nach oben, auf etwa 130 Kletterrouten, 3. bis 9. Grad, für Anfänger und Fortgeschrittene, Boulderer und Bergsteiger. Ab dem frühen Nachmittag bevölkern sich denn auch die Felsen mit bunt-alternativen Klettergrüppchen – Pärchen, Väter mit ihren Söhnen und Sportkumpels starten mit ein paar Aufstiegen ins sonnige Wochenende. Die gute Stimmung schwappt zu den Zuschauern über, die oben auf den Bänken Platz genommen haben. Die Felsengärten sind im Sommer-Wochenend-Modus. Schön wie am Strand ist es hier.



Besondere Lebensräume

Der Vergleich ist gar nicht so weit hergeholt, denn hier war tatsächlich mal ein warmes Meer: Der Muschelkalk in Hessigheim besteht aus Sedimentgesteinen, die während der Trias-Zeit vor etwa 240 Millionen Jahren entstanden sind. Deshalb findet man hier auch immer wieder Versteinerungen. Schon seit den 1920er-Jahren wird in Hessigheim geklettert, seit 1942 sind die Felsengärten Naturschutzgebiet, und ebenso lange ist es nicht mehr erlaubt, auf der Aussenseite der Felsen – also direkt über dem Neckar – zu klettern. Damit sind einige der aussichtsreichsten Touren tabu, andererseits ist an heissen Tagen das Klettern in der Schlucht ohnehin angenehmer. Heute sind die Felsengärten auch ein Natura-2000-Gebiet, denn es gibt hier gleich eine ganze Reihe besondere Lebensräume: Felsköpfe, Felswände, Schutthalden, Magerrasen und die Schlucht.

Gemütliche Weinorte

Klar, dass in einer Weinregion wie dieser auch der Genuss eine grosse Tradition hat. Die Fachwerk- und Kunststadt Bietigheim-Bissingen, die Weinstadt Bönnigheim und der gemütliche Weinort Besigheim laden Gäste nach einem Spaziergang in den Felsengärten zum Bummeln und Einkehren ein. Für Juliana und Jens sind die Hessigheimer Felsengärten schlicht das familiäre Hausrevier nach Feierabend, sie bleiben dann gern dort, bis die Sonne untergeht. „Manchmal“, erzählt Jens, „machen wir nach dem Klettern auf einem der Felsen ein kleines Picknick – das ist einfach wunderschön.“

Weitere Informationen: www.tourismus-bw.de

 

Quelle: Tourismus Lifestyle Verlag GmbH, Bern
Artikelbilder: © TMBW, Gregor Lengler

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