Bilbao – von der Industriestadt zur innovativen Kulturmetropole

05.08.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Bilbao – von der Industriestadt zur innovativen Kulturmetropole
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Bilbao, die Hauptstadt der Provinz Bizkaia, zählt kaum zu den typischen spanischen Reisezielen. Statt prachtvoller Kirchen und historischer Baudenkmäler erwartet Bilbao seine Besucher mit dem Charme einer hart arbeitenden Industriestadt, deren Stadtbild von Schiffswerften und Eisenhütten bestimmt wird.

Bilbao ist nicht nur Provinzhauptstadt, sondern auch die grösste Stadt im Baskenland. Durch ihre Lage an der Mündung des Ría de Bilbao hat sich die Stadt zugleich zur wichtigsten Industrie- und Hafenstadt der Region entwickelt.

Das industriell bestimmte Stadtbild Bilbaos mit seiner Mischung aus alten und neuen Gebäuden wirkt auf den ersten Blick planlos zusammengewürfelt. Diese charakteristische Mischung ist aber gerade das, was die besondere Atmosphäre von Bilbao ausmacht. Zum Reiz Bilbaos tragen nicht zuletzt auch die vielen Grünanlagen rund um das Stadtzentrum bei, von denen aus sich traumhafte Ausblicke über die Stadt bieten.

Blick auf den Casco Viejo, die mittelalterliche Altstadt von Bilbao (© Fernando Pascullo / Wikimedia / CC)

Blick auf den Casco Viejo, die mittelalterliche Altstadt von Bilbao (© Fernando Pascullo / Wikimedia / CC)

Von der Römersiedlung zur Industriestadt

Die Stadt Bilbao wurde im Jahr 1300 an der Stelle einer alten Römersiedlung gegründet. Aus deren Namen Bellum Vadum hat sich im Laufe der Jahrhunderte vermutlich auch der heutige Stadtname Bilbao entwickelt. Zum Zeitpunkt der Stadtgründung bestand die Siedlung vor allem aus Bauern, Eisenschmieden und Seeleuten. Anders als die Landwirtschaft sind die Eisenwirtschaft und der Seehandel in Bilbao bis heute von Bedeutung.



Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts boomte in Bilbao die Eisenindustrie. Schon die Römer hatten das hochwertige Eisen der Region abgebaut, und nachdem im 19. Jahrhundert die ersten Hochöfen gebaut wurden, entwickelte sich Bilbao schnell zum Zentrum der baskischen Wirtschaft. Erst ab den 1970er Jahren begann der wirtschaftliche Niedergang, der jedoch zugleich auch dafür sorgte, dass sich die traditionelle Industriestadt Bilbao neuen Aktivitäten öffnete. Mittlerweile hat Bilbao das Image einer grauen Industriestadt weitgehend abgelegt und im Rahmen der Stadterneuerung ein neues, innovatives Gesicht erhalten.





Altstadtgasse im Casco Viejo von Bilbao (© Mikemod / Wikimedia / CC)

Altstadtgasse im Casco Viejo von Bilbao (© Mikemod / Wikimedia / CC)

Mittelalterliche Baukunst und industrieller Charme in Bilbaos Altstadt

Charakteristisch für die Innenstadt von Bilbao ist die eigenwillige Mischung aus alten und neuen Elementen. Das mittelalterliche Zentrum der Stadt bildet der Casco Viejo, während die erste Siedlung aus der Zeit der Stadtgründung in der Vorstadt Bilbao la Vieja lag. Die eigentliche Stadt entwickelte sich schliesslich um den Casco Viejo, da dieser Bereich besonders bedeutend für die städtische Wirtschaft war.

Die mittelalterliche Altstadt ist geprägt von engen, verwinkelten Gassen, unter denen die „Siete Calles“, die sieben Strassen, als historischer Ursprung der Innenstadt hervorzuheben sind. Zu den sehenswerten Bauwerken zählt allen voran die gotische Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert. Die Kathedrale von Bilbao wurde ursprünglich als Pilgerkirche auf der Küstenroute des Jakobswegs gebaut und ist in ihrer Bauweise von der französischen Kathedralgotik beeinflusst. Die Basilika Begoña stammt aus dem 16. Jahrhundert und weist aufgrund der hundertjährigen Bauzeit unterschiedliche Stilelemente auf. Dominierend ist aber auch hier die gotische Bauweise.

Eine der grössten Attraktionen von Bilbao ist die Schwebefähre Puente de Vizcaya, die die Stadtteile zu beiden Seiten des Flusses Nervión verbindet. Sie ist die älteste Schwebefähre der Welt und wird in Bilbao auch Puente Colgante, die „hängende Brücke“, genannt. Ein weiteres einzigartiges Baudenkmal ist die Markthalle des Mercado de la Ribera, die grösste überdachte Markthalle in Europa. Der Mercado de la Ribera ist unter den Einwohnern von Bilbao auch als La Plaza, „der Platz“, bekannt. Dieser Name geht auf den offenen Marktplatz zurück, an dessen Stelle die Markthalle 1929 errichtet wurde.

Mittelschiff der Kathedrale von Bilbao (© José Luis Filpo Cabana / Wikimedia / CC)

Mittelschiff der Kathedrale von Bilbao (© José Luis Filpo Cabana / Wikimedia / CC)




Mehrere Museen bieten in Bilbao einen Einblick in Geschichte und Traditionen der Stadt ebenso wie der Region. In der Altstadt Casco Viejo ist das Baskische Museum von Bilbao zu finden, das Museo Etnográfico Vasco, dessen Ausstellung die Geschichte der baskischen Kultur in Nordspanien vorstellt. Im Seefahrtsmuseum und im Industriemuseum können sich die Besucher zu den traditionellen Grundpfeilern der städtischen Wirtschaft informieren. Eines der bedeutendsten Kunstmuseen Spaniens ist das Museo de Bellas Artes, das Museum der Schönen Künste. Die mehr als 8000 Ausstellungsstücke umfassen sowohl zeitgenössische und moderne Kunst als auch Werke, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.



Innovativ und lebenswert: das neue Bilbao

In den 1990er Jahren wurde in Bilbao eine umfassende Neugestaltung der Innenstadt vorgenommen, in deren Rahmen viele innovative Bauwerke und Einrichtungen entstanden. Das Aushängeschild des „neuen Bilbao“ ist ohne Zweifel das neugeschaffene Metrosystem, das fast vollständig vom britischen Architekten Sir Norman Foster gestaltet wurde. Zum Bau der neuen Metrolinien wurden als Materialien ausschliesslich Stahl, Glas und Beton verwendet. Die Bahnhofsbauten zeichnen sich durch ihre offene, klare Bauweise aus, die ohne jede Art von Zierelementen auskommt. Das Gesamtkonzept wurde ebenso wie die hervorragende Zugänglichkeit der Bahnhöfe bereits mehrfach ausgezeichnet.





Eingang zur Metro-Haltestelle Abando (© Ardfern / Wikimedia / CC)

Eingang zur Metro-Haltestelle Abando (© Ardfern / Wikimedia / CC)

Charakteristisch für das neue Bilbao ist auch die Stadtbrücke Zubizuri, die zwischen 1994 und 1997 vom spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava in Form eines Segels gebaut wurde. Zu den bedeutendsten neuen Einrichtung zählt vor allem das Museo Guggenheim. Bis 1997 wurde dieser spektakuläre Museumsbau vom US-amerikanischen Architekten Frank O. Gehry geschaffen. Das Bauwerk aus Glas, Titan und Kalkstein gilt als eines der weltweit bedeutendsten Werke avantgardistischer Architektur im 20. Jahrhundert. Zu sehen ist vor allem moderne und zeitgenössische Kunst.

 

 

Oberstes Bild: Meisterwerk avantgardistischer Architektur: das Museo Guggenheim in Bilbao (© Doalex / Wikimedia / CC)

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