Das Van Gogh Museum in Amsterdam: Ein Denkmal dem verkannten Genie

16.11.2013 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Das Van Gogh Museum in Amsterdam: Ein Denkmal dem verkannten Genie
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Amsterdam hat touristisch gesehen ein schier unübersehbares Kulturangebot. Wenn man sich alles anschauen wollte, müsste man entweder die Reise verlängern oder dürfte nicht schlafen. Für alle aber, die sich für Kunst, besonders für die Malerei des 19. Jahrhunderts interessieren, wird ein Punkt auf jeden Fall ganz oben auf der Liste stehen: Das Van Gogh Museum.

Das Van Gogh Museum in Amsterdam befindet sich im Stadtbezirk Amsterdam-Zuid. Der Museumskomplex besteht aus zwei Gebäuden. Im Hauptgebäude ist die ständige Sammlung untergebracht, während im 1999 entstandenen Ergänzungsbau die temporären Ausstellungen Platz finden.  Eine unterirdische Passage verbindet beide Ausstellungsorte.



Treppenhaus im Van Gogh Museum (Bild: Hajotthu, Wikimedia, CC)

Treppenhaus im Van Gogh Museum (Bild: Hajotthu, Wikimedia, CC)

In einer bestimmten Weise ist das Van Gogh Museum viel mehr als nur ein Museum als solches, es ist vielmehr ein Denkmal, gewidmet dem Leben und Schaffen einer einzigen Person – Vincent Van Gogh. Jedes Bild und jede Zeichnung schildern das traurige, bewegende und durch ständiges Auf und Ab gekennzeichnete Schicksal des Künstlers, der sein Leben lang als Sonderling und Eigenbrötler galt. Und mehr noch, das Amsterdamer Museum ist ein Denkmal, das der Hartnäckigkeit, der unermüdlichen Arbeit und Suche eines Menschen nach sich selbst gewidmet ist.

Vincent kam zur Welt als zweites Kind der Familie Van Gogh. Der ein Jahr zuvor geborene Sohn, ebenfalls Vincent, verstarb kurz nach der Geburt. Viele Forscher vertreten die Meinung, dass Van Gogh sich in der Kindheit als ungeliebter Ersatz seines älteren Brüderchens fühlte, und das sein ganzes Leben prägte. Dank seinen Onkeln, die im internationalen Kunsthandel tätig waren, fing er eine Ausbildung als Kunsthändler an. Der Misserfolg in dieser Tätigkeit war vorprogrammiert, denn der junge Van Gogh taugte überhaupt nicht als Verkäufer. Er empörte sich regelrecht über die Kunden, die anstatt richtiger Kunst irgendwelchen Modekitsch kauften. In den nächsten Jahren scheiterten alle seine Versuche, sich in irgendeinem Beruf zurecht zu finden. Durch einen inneren Drang getrieben entschied sich Van Gogh in Amsterdam Theologie zu studieren. Seine Vorbereitung auf das Studium bricht er aber nach einem Jahr ab, weil, wie er selbst in einem seiner Briefe erklärt „… ich die ganze Universität, die theologische wenigstens, für einen unbeschreiblichen Schwindel halte, wo lauter Pharisäertum gezüchtet wird.“ Doch er setzte seine geistliche Ausbildung fort, indem er die Schule für Laienprediger in Brüssel besuchte. Seine leidenschaftlichen und feurigen Predigten passten aber nicht in die gewünschte Art, und Van Gogh wurde als ungeeignet eingestuft. Am Schluss bekam er doch probeweise eine Stelle als Hilfsprediger im Steinkohlegebiet Borinage. Van Gogh widmete nun sein Leben mit ganzem Feuer seiner Seele dem Dienst an Menschen, die ihr Dasein in ärmsten Bedingungen und in schwerster Arbeit verbrachten. Van Gogh verwendete alle seine Mittel, um den Minenarbeitern zu helfen, und sah am Schluss nicht besser als sie aus. Das entsprach nicht den Vorstellungen seiner Vorgesetzten über das Bild eines Predigers, und seine Anstellung wurde gekündigt.



All diese Misserfolge führten dazu, dass Van Gogh sich entschied, Maler zu werden. Er war schon 27 Jahre alt und wurde nie in der Malkunst unterrichtet. Doch der innere Drang, sich selbst auszudrücken, richtete er mit der gleichen Leidenschaft, wie er alles in seinem Leben tat, aufs Papier. Er zeichnete unermüdlich, studierte die Lehrbücher, kopierte seine Lieblingsbilder. Doch kaum etwas in seinen früheren Versuchen zeigte, dass auf Van Gogh ein großes künstlerisches Schicksal wartete. Mehr noch: Wenn er seine Arbeiten Fachkundigen oder Berufsmalern zeigte, ernteten sie stets negative Kritiken und Van Gogh selbst bekam den Rat, sich eine andere Beschäftigung zu suchen.



Trotz der ständigen Geldnot und des scheinbaren Fehlens an Perspektiven machte Van Gogh hartnäckig weiter. Er wechselte die Wohnorte, belegte einige Malkurse, lernte Künstler kennen und gab sein ganzes Geld für Farben und Modelle aus. In Paris kam er in den Kreis der jungen Impressionisten, entdeckte für sich helle Farben und fing mit verschiedenen Maltechniken zu experimentieren.





Van Gogh, Selbstporträt vor Staffelei

Van Gogh, Selbstporträt vor Staffelei

Nur 10 Jahre dauerte seine Karriere als Maler. Die Anerkennung blieb aus, gerade mal ein Bild konnte Van Gogh zu seinen Lebzeiten verkaufen. Allein sein geliebter Bruder Theo scheint unerschütterlich an ihn geglaubt zu haben. Bis zu dem tragischen und nicht ganz aufgeklärten Tod des Künstlers 1890 unterstützte ihn Theo all die Jahre finanziell und seelisch. Als Gegenleistung für seine Hilfe übergab Van Gogh seinem Bruder alle seine Bilder. Und das waren nicht wenige – rund 900 Gemälde und 1´100 Zeichnungen mit Ausnahme von wenigen verschenkten Bildern hinterließ Vincent nach seinem Tod. Theo Van Gogh selbst gelang es nicht mehr, den Erfolg seines geliebten Bruders zu sehen, denn er starb ein halbes Jahr nach ihm. Doch Theos Witwe Johanna Van Gogh-Bonger wusste, die Erbschaft dem breiten Publikum bekannt zu machen. Sehr weise verwaltete sie das Erbe: Der literarisch wertvolle Briefwechsel zwischen Theo und Vincent wurde veröffentlicht, zahlreiche Ausstellungen fanden statt. Mehr und mehr Museen wünschten, für die Werke des verkannten Genies ihre Türe zu öffnen. Da Van Gogh oft das gleiche Motiv mehrmals gezeichnet hatte, konnte Johanna einen Teil der Bilder verkaufen, ohne am Gesamteindruck Abstriche machen zu müssen.

Nach einer Langzeitausstellung im Amsterdamer Stedelijk Museum wurde 1973 das Van Gogh Museum eröffnet, in dem über 200 Gemälde und 400 Zeichnungen des niederländischen Malers ausgestellt werden. Außerdem beherbergt das Museum den Großteil von Van Goghs Briefwechsel. Auch die von Theo van Gogh angefangene Sammlung der Werke der Künstler aus dem 19. Jahrhundert wurde ständig erweitert und kann hier besichtigt werden.



 

Oberstes Bild: Museumsgebäude mit dem Ergänzungsbau (Bild: Wladyslaw, Wikimedia, CC)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.




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