Der Berliner Spreepark. Früher Vergnügungspark bald Erholungsgebiet?

27.10.2015 |  Von  |  Europa
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Der Berliner Spreepark. Früher Vergnügungspark bald Erholungsgebiet?
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Rostiges Metall, wildbewachsene Gehwege, umgefallene Dinosaurier – der Spreepark inmitten der deutschen Hauptstadt Berlin ist ein verlassener Freizeitpark. Jahrzehnte war er Ausflugsziel für zunächst DDR-Bürger, später für alle.

Der Vergnügungspark war von 1969 bis 2001 in Betrieb, bevor sein Besitzer mit haarsträubenden Geschichten Schlagzeilen machte.

Seit 1999 gab es finanzielle Probleme, kurz darauf folge die Insolvenz. Als der Park seine Tore schloss, setzte sich der Geschäftsführer mit seinen engsten Mitarbeitern und einigen Fahrgeschäften nach Peru ab. Einige Jahre danach wurde der ehemalige Parkbetreiber mit 167 kg Kokain erwischt, das er im Fahrgeschäft “Fliegender Teppich” versteckt von Peru nach Deutschland schmuggeln wollte. Eine filmreife Geschichte ohne Happy End. Er wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Sein Sohn trat in seine Fussstapfen und wurde ebenfalls wegen Drogenschmuggel in Peru zu 20 Jahren im Gefängnis verurteilt und sitzt noch immer seine Strafe ab.


Der Plan des alten Vergnügungsparks. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)

Der Plan des alten Vergnügungsparks. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)


Verfall

Seit der Insolvenz verfällt und verwildert der Park. Das Riesenrad ragt weit sichtbar über den Baumwipfel empor und weckte Neugierde. Der Spreepark ist eines der beliebtesten „Lost Places“ in Deutschland. Mit der Kamera bewaffnet, verschaffen sich Abenteuerlustige Zugang zum bewachten Gelände, um dort die Atmosphäre des verlassenen Parks einzufangen. Leider kommen auch immer wieder schwarze Schafe aufs Gelände, Vandalismus und Brandstiftung sind die Folge.

Bis vor kurzem konnte man aber auch am Wochenenden ganz legal das “Cafe Mythos” besuchen und eine Rundfahrt mit der noch intakten Bimmelbahn durch das Gelände unternehmen. Geführte Touren brachten die Geschichte näher. Auch wenn man nicht wirklich alleine durch das Gestrüpp streifen konnte, konnte der Park auch so seinen morbiden Charme spielen lassen. Ein eigenartiges Szenario und ein eigenartiges Gefühl, das einen beim Besuch befällt. Fast so, als wäre der Ort Schauspiel einer großen Tragödie gewesen.
Inspiriert hat der Park schon schon so einige Kreative, weshalb man ihn auch immer wieder in TV-Produktionen entdecken. Wie zum Beispiel in Film “Wir sind die Nacht”.


Verwildert und verlassen. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)

Verwildert und verlassen. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)


Neue Pläne

Seit einigen Monaten tut sich nun etwas. Der Berliner Senat will den Park wiederbeleben und für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Es soll kein Vergnügungspark mehr entstehen, sondern eine Art Erholungsgebiet. Einige Gebäude sollen saniert und somit gerettet werden, wie zum Beispiel das „Eierhäuschen“ in dem wieder Gastronomie betrieben werden soll. Ansonsten stehen Räumung und Sicherung des Geländes auf dem Plan. Es ist abzuwarten, wann und wie der ehemalige Spreepark im Plänterwald seine Tore öffnet. Man kann gespannt sein und hoffen, dass dieser einmalige Ort seinen Charme bewahren kann.


Die noch intakte originale Bimmelbahn. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)

Die noch intakte originale Bimmelbahn. (Bild: © Julia Schattauer / bezirzt.de)


 

Artikelbild: © Stefan Schierle / shutterstock.com

Über Julia Schattauer

Julia Schattauer ist freie Autorin und leidenschaftliche Bloggerin. Geschichten vom Reisen sind ihr Steckenpferd. Neben nützlichen Fakten geht es ihr in erster Linie ums Storytelling. Darum, den Leser in die Welt mitzunehmen und sein Fernweh zu wecken. Als studierte Kunsthistorikerin, Tourismus-, und Literaturwissenschaftlerin schreibt sie ausserdem über Themen aus Kunst und Kultur.


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