Der Scatlè-Wald – ein etwa 9 Hektar grosses Urwaldreservat

04.10.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa, Schweiz
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Der Scatlè-Wald – ein etwa 9 Hektar grosses Urwaldreservat
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Schon über 800 Jahre alt ist das älteste unberührte Fichtenwaldgebiet bei Brigels in der Schweiz und es gehört zu den zwei Waldgebieten in der Eidgenossenschaft, die den Namen Urwald tragen dürfen.

Somit ist der Wald ein zu schützendes Naturdenkmal, um das sich der Denkmalschutz (nicht mal im Ausnahmefall) allerdings nicht zu kümmern braucht. Nur Mitarbeiter von Pro Natura, Wissenschaftler und Förster können sich in dem als Nationalpark geführten Wald frei bewegen, sie es für Inventarisierungsprojekte oder Baumzählungen.



Naturschützer erhalten den Urwald

Während es beim Denkmalschutz darum geht, kulturhistorisch wertvolle Bauwerke, Steinmonumente oder technische Denkmäler zu erhalten und damit bei Gefährdung auch einzugreifen, wird ein Naturdenkmal wie ein Urwald ganz sich selbst überlassen, Eingriffe des Menschen sind unerwünscht. Diese Ursprünglichkeit und Unberührtheit zeichnet seit Jahrhunderten den Fichtenwald von Scatlè in der Gemeinde Brigels (rätoromanisch Breil) im Kanton Graubünden aus. Bäume, die wegen Blitzeinschlags oder Morschheit umstürzen, bleiben einfach liegen und bieten somit als Totholz vielen Tieren und Pflanzen einen geschützten Raum und eine Lebensgrundlage, wo sie Nahrung, Unterschlupf und Brutgelegenheiten finden. Eingriffe des Menschen würden die Kreisläufe des Lebens hier nur spürbar stören und schnell würde der Wald seinen Status als Urwald verlieren. Daher sind auch keine Wanderwege durch das steil gelegene Waldgebiet angelegt, das Steigungen und Gefälle zwischen 70 und 100 % aufweist. Das unwegsame Gelände hat dem Wald seinen Namen gegeben: Scatlè, was so viel wie „eingeschachtelt“ bedeutet.

Gemäß der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) ist ein Urwald dadurch gekennzeichnet, dass Menschen ihn nicht beeinflusst und so verändert haben. Der Scatlè-Wald ist so ein Urwald, seit dem 13. Jahrhundert gilt er als unberührt, wozu sicher seine Unzugänglichkeit beigetragen hat. Nur Förster kennen das Gebiet und wissen, wie sie in den schwer erreichbaren Wald am Osthang des Piz Dado gelangen, um die Gesundheit und das Wachstum des Waldes sowie den Tierbestand (überwiegend Gämsen) zu überwachen. Will man den Rand des Urwalds erreichen, in dem bis zu 450 Jahre alte Fichten wachsen, so fährt man von Zürich aus zweieinhalb Stunden mit dem Bus und der Rhätischen Bahn und kommt schliesslich nach einer knapp einstündigen Wanderung an.

Schon 1910 wurde das älteste Waldgebiet der Schweiz unter Naturschutz gestellt. Doch kaum etwas zeugt davon, dass man vor einem aussergewöhnlichen Naturdenkmal steht. Wohl deshalb gehen die meisten Wanderer an dem Fichtenurwald vorbei, ohne ihn zu bemerken. Diese Unauffälligkeit hat sicher mit dazu beigetragen, dass der Wald in seiner Urwüchsigkeit erhalten geblieben ist.





Alphütte bei Rubi Sut, Brigels (Bild: Terfili, Wikimedia, CC)

Alphütte bei Rubi Sut, Brigels (Bild: Terfili, Wikimedia, CC)

In der Nähe des Urwalds: das malerisches Brigels mit zauberhaften Kirchen

Hier inmitten der Schweizer Alpen ist es einfach traumhaft – aus 1500 Meter Höhe über dem Meer fliesst das Flüsschen Flem aus dem Val Frisal in Richtung der Gemeinde Brigels. Das Dorf wuchs rund um eine Hügelfestung aus dem 12. Jahrhundert. Dort auf dem Hügel St. Eusebius kann man noch alte Mauerreste entdecken – heute befindet sich an dieser Stelle die Wallfahrtskirche St. Eusebius mit einer Kapelle. Am Fuss des Hügels liegt Brigels mit mehreren historisch bedeutenden Kirchen. Es lohnt sich auf alle Fälle, die Kapelle St. Jakob, die romanische Kapelle St. Martin und die frühmittelalterliche Pfarrkirche S. Maria zu besuchen. Die Kirchen sind denkmalgeschützt und aussergewöhnlich gut erhalten. Eindrucksvoll sind die Wandmalereien an den Aussenwänden und das grosse Christopherusbild an der Pfarrkirche S. Maria.





Burghügel St.Eusebius (Bild: Paebi, Wikimedia, CC)

Burghügel St.Eusebius (Bild: Paebi, Wikimedia, CC)

Nur noch eine Ruine ist die Burg Marmarola, einst Wohnsitz der freien Familie Latour in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Gleich daneben befindet sich der Meierturm der Abtei Disentis, dort führten die Vorfahren der Familie Latour die Geschäfte der Gemeinde und erhoben die Abgaben für den kirchlichen Grundherrn.

Das Haus Latour ist öffentlich zugänglich und beherbergt heute das Heimatmuseum mit dem Familienarchiv der Familie Latour. Erwähnenswert ist auch das Gasthaus Casa Fausta Capaul. Es war schon im 19. Jahrhundert berühmt und der Schweizer Geologe Arnold Escher von der Linth (1807–1872) und der Schweizer Dichter Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898) haben hier Quartier bezogen. Auch heute ist die Gastwirtschaft bei Wanderfreunden und Feriengästen gleichermassen beliebt. Und nordwestlich der Ortschaft Brigels am östlichen Berghang des Piz Dado ist der Scatlè-Urwald zu sehen.

Gasthaus Casa Fausta Capaul (Bild: Paebi, Wikimedia, CC)

Gasthaus Casa Fausta Capaul (Bild: Paebi, Wikimedia, CC)




Naturschutzgebiet mit überregionaler Bedeutung

Ausser dem Naturschutzgebiet Scatlè gibt es noch einen zweiten Wald, der die strengen Kriterien der WSL erfüllt. Es ist der gemischte Fichten-Tannen-Wald von Derborence in der Gemeinde Conthey im schweizerischen Wallis. Auch er darf Urwald genannt werden und wird, ähnlich wie der Scatlè-Urwald, alle vier bis fünf Jahre neu inventarisiert. Im Jahr 2000 wurde die Kernzone des etwa 9 Hektar grossen Scatlè-Waldes um eine 15 Hektar grosse Pufferzone ergänzt, um den vorwiegend aus Fichten bestehenden Wald vor gefrässigen Ziegen zu schützen. Nur eine einzige Weisstanne überragt das Naturwaldreservat.

Blick ins Tal von Derborence (Bild: Johannes Löw, Wikimedia, CC)

Blick ins Tal von Derborence (Bild: Johannes Löw, Wikimedia, CC)

Zugang zum Scatlè-Urwald hatten bis vor Kurzem – ausser den Wissenschaftlern und Förstern – auch Studenten der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), in deren Ausbildungsgang Wald- und Landschaftsmanagement der Besuch eines Naturwaldreservats auf dem Programm steht. Doch um den Scatlè-Urwald davon zu entlasten, wurden mittlerweile andere ursprüngliche Waldgebiete ausgewählt, in denen die Studenten das Ökosystem Wald erforschen können.



 

Oberstes Bild: Danis, Fraktion der Gemeinde Brigels (© Adrian Michael, Wikimedia, GNU)

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Über Claudia Göpel

Als gelernte Zahntechnikerin schreibe ich exzellent recherchierte Texte rund um die Themen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Geriatrie und Gesundheit.

Sie profitieren mit mir als Auftragstexterin zudem von einem reichen Erfahrungsschatz in den Berufsbereichen Gastronomie, Kultur und Recht. Blog- und Fachartikel über Kinder, Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Fische, Reptilien, Kleinsäuger, Vogelspinnen), Pflanzen, Mode, Möbel und Denkmalschutz schreibe ich ebenfalls mit Begeisterung und reichlich Hintergrundwissen.

Zum Ausgleich verfasse ich in meiner Freizeit Kriminalstorys sowie erotische Kurzgeschichten, die unter dem Pseudonym Anastasia in zahlreichen Büchern und Erotik-Magazinen veröffentlicht sind. Ausserdem bin ich seit vielen Jahren ehrenamtlich als Klinikclown für kranke Kinder in deutschen Krankenhäusern und Hospizen aktiv.



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