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Die Freiheitsstadt Amsterdam, Teil 2: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten

09.10.2013 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Die Freiheitsstadt Amsterdam, Teil 2: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten
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Was in Amsterdam wahrscheinlich als Erstes ins Auge fällt, ist seine Vielfältigkeit, seine Kontraste. Errichtet in der sumpfigen Gegend, allen heutigen Vorschriften zum sicheren Bauen und Wohnen zuwider, trieben die Amsterdamer ihre Pfähle so weit in die Tiefe, bis sie sie in den festen Boden einschlagen konnten und darauf eine märchenhaft schöne Stadt bauten – und das für Jahrhunderte! Amsterdam ist so unglaublich geschichtsträchtig: Und trotz der in den Niederlanden höchsten Dichte der Denkmäler pro Quadratmeter (circa 7500 Bauten sind in Amsterdam denkmalgeschützt), macht die Stadt überhaupt keinen verstaubten Eindruck, sondern präsentiert sich als jung und voller Leben.



Die einzigartige Verbindung zwischen Form und Inhalt machen Amsterdam so besonders. Die Geschichte prägt die Gesichtszüge der Stadt und die buchstäbliche Toleranz und Aufgeschlossenheit dem Andersartigen gegenüber verleihen diesem Gesicht seinen unnachahmlichen Ausdruck.





Das Alte heisst hier das Neue herzlich willkommen und diese Mischung erfüllt die Strassen der Stadt von einem unverwechselbaren Amsterdamer Flair.



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Amsterdamer Cafés (Bild: Natalia Muler)

Amsterdamer Cafés (Bild: Natalia Muler)

Im Fortschrittszeitalter bewegen sich die Stadteinwohner immer noch mit ihren quietschenden rostigen Fahrrädern fort. Manche Stadtteile wirken fast dörflich, und in den Ausgehvierteln in der Nähe von Leidse- und Rembrandtplatz wirbelt und sprudelt das Leben. Die Restaurants bieten eine schier unübersehbare Auswahl an Köstlichkeiten an und vor den Kroketten-Automaten steht eine beträchtliche wahrscheinlich durch die Ästhetik des Hässlichen angezogene Schlange.

Lecker schmecker frisch vom Automaten (Bild: Natalia Muler)

Lecker schmecker frisch vom Automaten (Bild: Natalia Muler)

Einige Touristen kommen, um die zauberhafte Altstadt und die weltberühmten Museen wie Van Gogh, Stedelijk oder Rijksmuseum mit ihren unschätzbaren Kunstsammlungen zu besichtigen, und manche sind hier zu Besuch, um in höchsteigener Person zu erfahren, wie viel Verbotenes in Amsterdam erlaubt ist. Mitten auf einem historisch höchst interessanten Platz stehen offene Pissoirs. Da strömen die Besucher in das Bibelmuseum, um die faszinierende Entstehungsgeschichte der Bibel kennen zu lernen und über den Einfluss des Buchs der Bücher auf die niederländische Geschichte zu erfahren, und gleich danach steht das Sexmuseum auf dem Plan. Neben den zum gemächlichen Stöbern einladenden Antiquitätenläden verkauft KitchKitchen seine lustigen Waren. In zahlreichen Coffeeshops kann man zwar keinen Alkohol bestellen, die saften Drogen stehen jedoch auf der Menükarte. Das Rotlichtviertel zieht jeden Tag Scharen von Touristen an: die Mehrheit von ihnen wird hier an keine Tür klopfen, doch durch eine schwer erklärbare voyeuristische Neugierde getrieben, erklären sie die vom Rotlicht beleuchteten Grachten zum touristischen Muss.

Auf den Amsterdamer Straßen (Bild: Natalia Muler)

Auf den Amsterdamer Straßen (Bild: Natalia Muler)

Amsterdam ist ausgesprochen multikulti. Fast 40 Prozent der Einwohner sind nicht in den Niederlanden geboren. Deutsche, Franzosen, Engländer, Polen, Türken, aber auch viele Einwanderer aus ehemaligen afrikanischen oder asiatischen Kolonien liessen sich in Amsterdam nieder. Jede Menge internationaler Restaurants und Lebensmittelläden verwöhnen um die Wette den Gaumen ihrer Besucher und sorgen für bunte kaleidoskopartige Atmosphäre in der Stadt.





Eine von unzähligen Amsterdamer Gaststätten (Bild: Natalia Muler)

Eine von unzähligen Amsterdamer Gaststätten (Bild: Natalia Muler)





Wahrscheinlich durch die Anziehungskraft der Gegensätze lockt die alte Stadt besonders  die jungen Leute an. Beinahe die Hälfte der Einwohner von Amsterdam ist noch keine 35 Jahre alt. Noch in den 1970er Jahren begonnene Pilgerschaften von Hippies, Aussteigern, Rucksacktouristen und einfach Neugierigen machten die liberale Stadt zum Traumreiseziel oder sogar Wohnort für all das junge Blut.

Das Homomonument in Amsterdam (Bild: Natalia Muler)

Das Homomonument in Amsterdam (Bild: Natalia Muler)

Die Bevölkerung ist grundsätzlich allem Neuen aufgeschlossen. Das spiegelt sich in der Politik wieder. Die Niederlande waren unter den Pioniernationen, die das allen bekannte Geheime öffentlich machten und für akzeptiert erklärten. „Leben und leben lassen“ – heisst es. Die Niederlande gehört zu den Ländern, die unter den Ersten dem Konsum von weichen Drogen, Homoehen, Euthanasie, legalen Abtreibungen auch in der Spätschwangerschaft und legaler Prostitution grünes Licht gaben. Obwohl die Holländer sich laut Umfragen zu den neben den Skandinaviern glücklichsten Menschen in Europa zählen, bleibt es doch fraglich, in welchem Umfang diese Freiheiten zum allgemeinen niederländischen Glück beitragen. Die gleichgeschlechtlichen Ehen wurden erlaubt, manche liessen sich schon scheiden. In der neuen Windung der Liberalisierungsspirale gesellte sich die Euthanasie zu der Abtreibung. Nicht nur ist der Abbruch der Schwangerschaft in den Spätphasen erlaubt, sondern die Niederlande sorgten  für weltweite Polemik, als entschieden wurde, die aktive Sterbehilfe für todkranke Babys zu legalisieren. „Mein Bauch gehört mir“ gilt unlogischerweise nur, um das Leben zu töten und nie umgekehrt. Wieso können die Tausenden von Frauen, die an einem unerfüllten Kinderwunsch leiden, nicht die gleiche Zauberfloskel sagen, um ein Leben zu schaffen? Bis keiner auf diese Frage eine Antwort hat, bleibt Amsterdam unter anderem für seinen Abtreibungstourismus bekannt.

Diese kontrastreiche Vielseitigkeit Amsterdams zieht jedes Jahr Myriaden von Touristen an: die einzigartige Architektur, der Reiz der Grachten und Brücken, die malerischen Hausboote und die sonnigen Cafés einerseits und die aufgeschlossene „Anything goes“-Atmosphäre andererseits sorgen für den unverwechselbaren Reiz der Weltstadt an der Amstel.      

 

Oberstes Bild: Ein Bootshaus in Amsterdam (Bild: Natalia Muler)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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