Drei Länder, ein Gewässer – der Bodensee

18.12.2013 |  Von  |  Europa
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Drei Länder, ein Gewässer – der Bodensee
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Der Bodensee gehört zu den schönsten und abwechslungsreichsten Urlaubsregionen vor allem in Deutschland, aber auch in der Schweiz und in Österreich. Sehenswürdigkeiten und kulturhistorische Stätten reihen sich um den See wie eine Perlenkette. Hinzu kommen unzählige Gelegenheiten, Sport zu treiben, sich einfach zu entspannen oder die kulinarischen Spezialitäten zu geniessen. Es gibt so viel zu entdecken am See und in seiner unmittelbaren Nähe, dass es sich lohnt, lange zu bleiben oder mehrmals wiederzukommen.

Mit 536 km² Wasserfläche ist das „Schwäbische Meer“ nach dem Genfer und dem Plattensee der drittgrösste See in Mitteleuropa. Die Uferlänge beträgt etwa 273 Kilometer, davon befinden sich 173 km in Deutschland (Baden-Württemberg und Bayern), 72 km in der Schweiz (Kantone St. Gallen, Thurgau und Schaffhausen) sowie 28 km in Österreich (Bundesland Vorarlberg). Der Rhein durchfliesst den Bodensee in der gesamten Länge von Ost nach West.



Die grosse Wasserfläche sorgt mit ihrer verzögernden und ausgleichenden Wirkung für milde Temperaturverläufe und ein insgesamt gemässigtes Klima in der ganzen Region. Das begünstigt vor allem den Obst- und den Weinanbau. Hier werden fast ein Drittel aller deutschen Äpfel geerntet, und Wein gedeiht in Deutschlands höchsten Lagen bis zu 560 Meter über NN. Die zahlreichen Apfel- und Weinfeste in den Gemeinden am See unterstreichen die Bedeutung dieses landwirtschaftlichen Zweigs eindrucksvoll.

Europabrücke in Konstanz. (Urheber: LouPe / <a href="http://pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>)

Europabrücke in Konstanz. (Urheber: LouPe / pixelio.de)

Wer den Bodensee hautnah erleben will, sollte sein Auto einfach stehen lassen und stattdessen wandern, Fahrrad fahren oder die Schiffe und Fähren der „Weissen Flotte“ nutzen. Bodensee-Rundweg und Bodensee-Radweg führen beide durch alle drei Anrainerstaaten um das gesamte Gewässer herum. Als „Weisse Flotte“ werden wegen ihres Anstrichs die Linienschiffe und Fähren des öffentlichen Schiffsverkehrs auf dem See bezeichnet. Sie fahren alle wichtigen Orte am Seeufer an, je nach Jahreszeit in unterschiedlichem Takt. Zwei Autofährlinien verbinden Konstanz und Meersburg sowie Friedrichshafen und Romanshorn in der Schweiz. Seit 2005 gibt es ausserdem eine Katamaran-Verbindung zwischen Konstanz und Friedrichshafen.



Für eine detaillierte Beschreibung aller Highlights in der Bodensee-Region müsste man ein Buch verfassen. Wir beschränken uns hier deshalb auf die wichtigsten und beginnen unsere Rundreise um den See im Uhrzeigersinn in Bodman. Es sicher nicht der bedeutendste Ort, aber von seinem Namen leitet sich die Bezeichnung „Bodensee“ ab. Weiter geht es in die Altstadt und an die Seepromenade von Überlingen. Mit dem Reichlin-von-Meldegg-Haus, heute Städtisches Museum, beherbergt die Stadt das älteste Renaissancegebäude Deutschlands. Wer es noch älter mag und zurück in die Stein- und Bronzezeit möchte, darf sich die Pfahlbauten in Unteruhldingen nicht entgehen lassen. Das Freilichtmuseum zeigt ein Ensemble von 23 rekonstruierten Häusern, wie sie vor mehreren Tausend Jahren am Bodensee üblich waren. Allein am deutschen Ufer kennt die Wissenschaft bis heute über 70 Siedlungen dieser Art, von denen ein Teil als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt ist.





Alte Burg Meersburg. (Urheber: Susanne Schmich / <a href="http://pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>)

Alte Burg Meersburg. (Urheber: Susanne Schmich / pixelio.de)

Für Familien mit Kindern ist die Burg in Meersburg ein Muss. Sie gilt als die älteste, heute noch bewohnte Burg Deutschlands und entstand im 7. Jahrhundert. Über 30 eingerichtete Räume vom Rittersaal bis zur Folterkammer in der Tiefe des Turmes geben einen realistischen Einblick in das mittelalterliche Burgleben. In direkter Nachbarschaft befinden sich das Neue Schloss, der Reit- und Stallhof sowie das ehemalige Priesterseminar, ein herrliches Ensemble aus Barockbauten. Den schönsten Blick auf die Gebäude einschliesslich Uferpromenade bietet sicherlich die Anreise von der Wasserseite her mit Schiff oder Fähre.

Friedrichshafen, die nächste Station, ist untrennbar verbunden mit den Namen Zeppelin und Dornier, die beide grosse Kapitel in der Geschichte der Luftfahrt geschrieben haben. Das Dornier-Museum am Flughafen und das Zeppelin-Museum im ehemaligen Hauptbahnhof zeigen eine umfangreiche Zahl an Exponaten aus der jeweiligen Unternehmenshistorie. Darüber hinaus bietet die Deutsche Zeppelin-Reederei sieben Monate im Jahr Rundflüge mit dem Modell Zeppelin NT über den Bodensee und seine Umgebung an.

Die wunderschöne Altstadt von Lindau lässt sich am besten mit einem ausgedehnten Bummel und zu Fuss erschliessen. Das historische Zentrum liegt auf einer kleinen Insel vor dem Rest der Stadt. Ein Kuriosum ist dabei in gewisser Weise der Hauptbahnhof. Er befindet auch auf der Insel und seine Gleise enden direkt am Hafen.

Lindauer Hafen im Winter. (Urheber: Jürgen Treiber / <a href="http://pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>)

Lindauer Hafen im Winter. (Urheber: Jürgen Treiber / pixelio.de)

Von Lindau geht es hinein nach Österreich. Das relativ kurze österreichische Bodenseeufer wird dominiert von Bregenz. Zwei Highlights sollte man sich nicht entgehen lassen. Zum einen ist das die Seebühne, auf der von Juli bis August die berühmten Bregenzer Festspiele stattfinden. Mit einem Fassungsvermögen von 7.000 Zuschauern ist sie die grösste ihrer Art weltweit. In dem James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ dient sie übrigens als Kulisse einer Schlüsselszene. Zweitens lohnt sich eine Fahrt mit der Pfänderbahn auf den gleichnamigen Bregenzer Hausberg. Von dessen Gipfel bietet sich ein unvergleichlicher Blick über fast den gesamten Bodensee.

Westlich von Bregenz liegt die Rheinmündung. Danach sollten Reisende das Ufer für eine Weile verlassen und einen Abstecher in die alte Schweizer Klosterstadt St. Gallen machen. Der spätbarocke Stiftsbezirk samt Kirche steht bereits seit 1983 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Nach den Orten Romanshorn, Kreuzlingen und Stein am Rhein machen wir einen weiteren Schlenker zum Rheinfall bei Schaffhausen. Mit den Niagara-Fällen kann er nicht mithalten, aber neben dem isländischen Dettifoss ist er der grösste Wasserfall Europas.

Aus der Schweiz zurück in Deutschland gelangen wir zur Insel Reichenau. Sie ist seit Jahrhunderten bekannt für ihren ausgedehnten Gemüseanbau und für das ehemalige Kloster Reichenau. Die Klosteranlagen und die alte Buchmalerei der Mönche sind ebenfalls Teil des UNESCO-Welterbes.

Ausblick vom Münster in Konstanz. (Urheber: Sybille Daden / <a href="http://pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>)

Ausblick vom Münster in Konstanz. (Urheber: Sybille Daden / pixelio.de)




Bleibt noch Konstanz, die grösste Stadt am Bodensee. Ihre Geschichte reicht zurück bis in die Römerzeit. Am Ende des 6. Jahrhunderts wurde Konstanz Bischofssitz und erlebte einen langfristigen wirtschaftlichen Aufschwung. Den Höhepunkt bildete das Konzil von 1414 bis 1418, auf dem die Spaltung (Schisma) der Kirche beendet und der tschechische Reformator Jan Hus verbrannt wurde. Ausserdem fand in der Stadt 1417 ein Konklave zur Papstwahl statt, der einzigen nördlich der Alpen. Das mächtige Konzilsgebäude am Hafen legt bis heute Zeugnis davon ab. Eine moderne und satirische Anspielung auf das Konzil stellt die Statue der „Imperia“ des Bildhauers Peter Lenk in der Hafenausfahrt dar. Lenk ist bekannt und umstritten für seine oftmals freizügigen und Darstellungen und seinen ironischen Ansatz. In der Stadt gibt es zudem noch einen von ihm gestalteten Brunnen, den „Konstanzer Triumphbogen“, sowie die Skulptur „Karriereleiter“. Weitere Werke von Lenk finden sich auch in anderen Orten am Bodensee, z.B. in Meersburg und Radolfzell.

Sie sollten sich Zeit nehmen für einen ausgiebigen Bummel durch die Altstadt mit der prächtig bemalten Fassade des alten Rathauses, dem Münster und vielen anderen historischen Bauten unterschiedlichster Epochen und Stilrichtungen. Konstanz, auch als „Tatort“-Schauplatz bekannt, hat aber durchaus einen mehrtägigen Aufenthalt verdient. Schliesslich liegt im Stadtgebiet u.a. noch die berühmte Blumeninsel Mainau mit ihren unvergleichlichen Rosengärten und Parkanlagen. Da die Insel auf dieser Seite an anderer Stelle ausführlich beschrieben wird, gehen wir hier nicht weiter darauf ein.

Winterlicher Sonnenuntergang am Bodenee. (Urheber: Peter Wetzel / <a href="http://pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>)

Winterlicher Sonnenuntergang am Bodenee. (Urheber: Peter Wetzel / pixelio.de)

Ausser kulturellen Sehenswürdigkeiten bietet die Bodensee-Region vielfältige Möglichkeiten der Erholung, Entspannung und sonstiger Freizeitgestaltung. Ganz oben auf der Liste steht natürlich der Wassersport mit all seinen Facetten. Allerdings ist Vorsicht geboten. Die Wetterlage auf dem See kann sich in bestimmten Situationen nahezu schlagartig ändern und gefährlich werden, vor allem für Ortsunkundige und Neulinge. Da ist zum einen der Föhn aus den Alpen, der orkanartige Windstärken erreichen und meterhohe Wellen auslösen kann. Gleiches gilt für überraschend auftretende Sturmböen bei Sommergewittern. Die drei Anrainerländer betreiben ein gemeinsames Sturmwarnsystem, mit dem sich Wassersportler vor ihren Aktivitäten vertraut machen sollten. Das gilt für Schwimmer, Surfer und Segler gleichermassen.

Die abwechslungsreiche Landschaft rund um den See lädt zu ausgedehnten Wanderungen oder Radtouren ein. Für Wellness-Begeisterte seien die Thermen in Konstanz und Meersburg erwähnt. Eine besondere Kinder-Attraktion ist das Ravensburger Spieleland in Liebenau (ein paar Kilometer nördlich von Friedrichshafen) mit seinen sieben Themenwelten. Und wenn auch der Genuss nicht zu kurz kommen soll, empfiehlt sich ein Tagesausklang mit den Weinen (Müller-Thurgau, Spät- und Weissburgunder) und anderen Spezialitäten der Region wie z.B. Bodenseefelchen. Wer einmal einige Zeit am „Schwäbischen Meer“ verbracht hat, wird wiederkommen – garantiert.



 

Oberstes Bild: Bodensee. (© TrudiDesign – Fotolia.com)

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Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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