Dreifaltigkeits-Sergius-Lawra in Sergijew Possad: Der Vatikan des russisch-orthodoxen Glaubens

06.12.2013 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Dreifaltigkeits-Sergius-Lawra in Sergijew Possad: Der Vatikan des russisch-orthodoxen Glaubens
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Während mehrerer Jahrhunderte war die Lawra der Dreifaltigkeit und des Heiligen Sergius eines der reichsten und mächtigsten Klöster in ganz Russland – Grundfeste des russisch-orthodoxen Glaubens, Zufluchtsort für die russische königliche Familie, Zentrum des Wissens und der Künste und nicht zuletzt ein äusserst erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen, das die Religion mit immer grösser werdendem Reichtum und Einflusskraft verband. Dank der Lawra wuchsen die einstmalig kleinen und unbedeutenden Dörfchen um die erste Holzkirche des Hochwürdigen Sergius zu einer bedeutenden Stadt der nordöstlichen Rus mit blühendem Handwerk und Handel.

Kurz nach Sergius’ Tod wurde das Land um das Kloster wieder mal von Tataren überfallen. Die komplett aus Holz erbaute Dreieinigkeits-Kirche wurde niedergebrannt. Es flossen aber so viele Spenden ein, dass sowohl die Kirche als auch andere Gebäude schon nach wenigen Jahren in neuer Pracht aufgebaut werden konnten. 1422 wurde Sergius heiliggesprochen, was das Kloster zu einer bedeutenden Pilgerstätte machte. Über der Gruft des Heiligen Sergius wurde der Grundstein der Dreifaltigkeitskathedrale aus dem für die Epoche typischen weissen Stein gelegt. Im Inneren der Kathedrale haben Künstler wie Andrei Rubljow und Daniil Tschjornyj – Meister der Ikonenmalerei – geschaffen.



Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rubjow, etwa 1411 (Bild: Wikimedia)

Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rubjow, etwa 1411 (Bild: Wikimedia)

Noch vor dem Ableben des Heiligen Sergius war das Kloster ein wichtiges Zentrum nicht nur der Religion, sondern auch der Kultur des russischen Staates. Man verfasste hier Chroniken, fertigte die Abschriften von Manuskripten der Klosterbibliothek an und malte Ikonen. Im 15. Jahrhundert wurde hier „Das Leben des Heiligen Sergius von Radonesch“– eines der grössten Denkmäler der altrussischen Literatur – verfasst.

Ölgemälde von W. Wereschagin „Belagerung des Dreifaltigkeitslawra im Jahre 1608“ (Bild: Wikimedia)

Ölgemälde von W. Wereschagin „Belagerung des Dreifaltigkeitslawra im Jahre 1608“ (Bild: Wikimedia)




1550 wurde die Klosteranlage von einer hohen Mauer aus weissem Stein umgeben, was sie in eine richtige Festung und den Liebling der russischen Zaren in ihren Machtspielen verwandelte. Im Dreifaltigkeitskloster wurde Ivan der Schreckliche getauft. Nach seinem Tod begann die „Zeit der Wirren“: Polnische Truppen nahmen Moskau ein und belagerten fast anderthalb Jahre lang das Kloster in Sergijew Possad. Die Belagerung hatte dank der hohen Mauern und der guten Versorgunginfrastruktur innerhalb der Klosteranlage keinen Erfolg. Doch war das für das Volk natürlich noch ein zusätzlicher Beweis der schützenden Kraft des Heiligen Sergius.

Mariä-Entschlafens-Kathedrale (Bild: akk_rus, Wikimedia, CC)

Mariä-Entschlafens-Kathedrale (Bild: akk_rus, Wikimedia, CC)




Im 16. Jahrhundert wurde die Mariä-Entschlafens-Kathedrale gebaut und nach dem Befehl des Zarenehepaares wurden umfassende künstlerische Arbeiten durchgeführt. Der Zar Fjodor und die Zarin Irina hatten keine Kinder und wollten wie viele kinderlose Paare der damaligen Zeit durch grosszügige Spenden an das Kloster ein Wunder bewirken.

1682 suchten die Prinzessin Sofia und die Prinzen Peter und Ivan  während des Strelizenaufstandes hinter den dicken Klostermauern Zuflucht. Genau hier im Dreifaltigkeitskloster wurden einige Jahre später die Sofias Anhänger hingerichtet und Peter der Erste kehrte als alleiniger Herrscher und Zar nach Moskau zurück.

Innenraum des Refektoriums (Bild: Holger Zscheyge, Wikimedia, CC)

Innenraum des Refektoriums (Bild: Holger Zscheyge, Wikimedia, CC)

Die Zarin Elisaweta Petrowna gab 1742 den Erlass heraus, in dem das Dreifaltigkeitskloster den höchsten Status als „Lawra“ bekam, der Titel, den nur besonders bedeutende Klosteranlagen tragen durften. Nur vier solche Lawras gab es im damaligen Russland und heutzutage sind es nur noch zwei. Als „Lawra“ genoss das Kloster eine ganz besondere Stellung, denn sie wurde direkt dem Patriarchen von Moskau und ganz Russland unterstellt und war von den örtlichen religiösen Hierarchien unabhängig – eine Freiheit, die sehr viel zu der Stellung, Macht und Reichtum des Klosters beigetragen hat.





Quelle mit heiligem Wasser (Bild: Massimilianogalardi, WIkimedia, CC)

Quelle mit heiligem Wasser (Bild: Massimilianogalardi, WIkimedia, CC)

Im Kloster wurde das Priesterseminar eröffnet, später auch die Moskauer Geistliche Akademie – die bedeutendste kirchliche Hochschule Russlands – nach Sergijew Possad verlegt. Es zählte auch zu den grössten Grundbesitzern im Land: 1763 gehörten dem Kloster 100´000 Seelen – so hießen die Bauern, die einem Grundbesitzer als Sklaven gehörten. Es führe lebhaften Handel mit Getreide, Salz und handwerklichen Erzeugnissen des alltäglichen Lebens. Anfang des 20. Jahrhunderts befanden sich auf dem Klostergelände eine Typografie, in der religiöse und philosophische Schriften gedruckt wurden, zwei Gasthäuser, zahlreiche Werkstätten, Läden und Pferdehöfe.

1918 wurde die Dreifaltigkeits-Sergius-Lawra von Bolschewiken geschlossen, die Mönche umgesiedelt und auf ihrem Gelände organisierte man eine Arbeitsgenossenschaft. In den Räumen der kirchlichen Hochschule machten es sich Kurse für Elektrotechnik bequem. Im Kloster selbst wurde 1920 das historisch-archäologische Museum organisiert. Mit der Zeit scheint doch die Vernunft gewonnen zu haben, denn Ende 30er Jahre wurde beschlossen, die gesamte Klosteranlage zu restaurieren, und das komplette Klostergelände mit all seinen Bauten (es sind mehr als 50) bekam den Titel künstlerisch-historisches Museums-Reservat, das gleiche Prädikat, das die Kremlanlage in Moskau besitzt.

1946 wurde die Lawra Elliott Roosevelt, dem Sohn des US-Präsidenten Fanklin D. Roosevelt gezeigt, um die Religionsfreiheit im jungen sowjetischen Staat zu demonstrieren. Seit dem gleichen Jahr ist hier der Hauptsitz der russisch-orthodoxen Kirche. Doch zu Normalität kam das Kloster erst nach dem Zerfall der Sowjetunion.

Das Dreifaltigkeits-Kloster des heiligen Sergius wurde 1993 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.



 

Oberstes Bild: Dreifaltigkeitskloster des Heiligen Sergius (Bild: Alex Zelenko, Wikimedia, CC)

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Über Natalia Muler

Ich schreibe, seit ich schreiben kann, und reise, seit ich den Reisepass besitze. Momentan lebe ich im sonnigen Spanien und arbeite in der Modebranche, was auch oft mit Reisen verbunden ist, worüber ich dann gerne auf den Portalen von belmedia.ch berichte. Der christliche Glaube ist das Fundament meines Lebens; harmonisches Familienleben, Kindererziehung, gute Freundschaften und Naturverbundenheit sind meine grössten Prioritäten; Reisen und fremde Kulturen erleben meine Leidenschaft; Backen und Naturkosmetik meine Hobbys und immer 5 Minuten zu spät kommen meine Schwäche.



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