Edinburgh: Festival und festes Schuhwerk

26.02.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa
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Edinburgh: Festival und festes Schuhwerk
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Edinburgh ist wie ganz Schottland immer eine Reise wert – muss es da gerade zur Festivalzeit sein, wenn die Massen durch die Strassen strömen und die Hotelsuche eine Sache von Jackpot-ähnlichem Glück oder monatelanger Vorabreservierung ist? Meine Antwort: Unbedingt!

Ich bin jedes Jahr dabei – weil die Atmosphäre unglaublich ist und niemals sonst der wohltuende Kontrast zwischen quirligen Happenings und historischem Geist prägnanter. Hier meine Tipps für ein paar perfekte Festival- und Relaxtage in Schottlands „Hauptstadt“.

Der Uhrturm des Balmorals mit der North Bridge im Vordergrund (Bild: Benson85, Wikimedia, GNU)

Der Uhrturm des Balmorals mit der North Bridge im Vordergrund (Bild: Benson85, Wikimedia, GNU)

1. Nehmen Sie den Zug

Am besten direkt von zuhause aus, aber falls nicht anders machbar, dann von London: Investieren Sie die eingesparte Differenz zum Flug in ein 1. Klasse Ticket, reservieren Sie schon vorab einen Fensterplatz und tun Sie die viereinhalb Stunden Fahrtzeit nichts anderes, als die atemberaubende schottische Landschaft an sich vorbeiziehen und Ihre Gedanken wandern zu lassen … selten werden Sie so entspannt irgendwo angekommen sein.

2. Packen Sie (eingelaufene) Wanderschuhe ein

Edinburgh ist hügelig. Viele Reiseführer vergessen, diese kleine Tatsache zu erwähnen. Gleichzeitig ist es so klein, dass man alles zu Fuss erlaufen kann und möchte – aber nur mit dem richtigen Schuhwerk. Es mag wenig elegant sein, aber spätestens am Abend des zweiten Tages werden Sie mir für den Tipp danken.

3. Vergessen Sie das Festival …

… mit seinen grossen Namen und Shakespeare-Dramen. Die wirklichen Entdeckungen bietet das Fringe Festival, das seit den späten Vierzigern des letzten Jahrhunderts eine Plattform für avantgardistisches, experimentelles, unabhängiges Theater bietet. Auf edfringe.com findet sich relativ früh das ganze Programm mit meist über 2.400 verschiedenen Angeboten. Allerdings ist es viel aufregender, sich überraschen und den Zufall seine Hände in Spiel bringen zu lassen, als alle Besuche vorab zu planen.

Probieren Sie Performances aus, die Sie sonst niemals anschauen würden – Poetry Slams, britische Stand-Up Comedy, afrikanischen Tanz … die Liste ist endlos. Wenn Sie etwas wirklich gerne sehen wollen, sollten Sie sich sehr früh für die entsprechenden Tickets anstellen (Regenüberzieher nicht vergessen, das Wetter kann sich in Edinburgh innerhalb von Minuten von extrem sonnig zum Wolkenbruch verwandeln – und genau so schnell zurück).





Strassenkünstler beim Edinburgh Festival (Bild: Debs, Wikimedia, CC)

Strassenkünstler beim Edinburgh Festival (Bild: Debs, Wikimedia, CC)




Ansonsten stelle ich mir für jedes Jahr ein anderes Filterkriterium auf, um meine eigenen eingefahren Wege zu verlassen. Im letzten Jahr habe ich mindestens eine Show aus dem „Fringe Half-Price Hut“ gezogen; immer noch ein Geheimtipp, handelt es sich hierbei um die Möglichkeit, für den jeweiligen Tag ausgewählte Tickets für die Hälfte des Originalpreises zu sehen.

Im Jahr davor waren es die kostenlosen Acts, die oft von ausgezeichneten Newcomern angeboten werden und einen ganz besonderen Flair verströmen; und im Jahr davor bin ich nur zu Shows gegangen, die in ungewöhnlichen Venues stattfanden – in Wohnzimmern, Tunneln, Parks etc.





Strassenkünstler- Performance beim Edinburgh Fringe (Bild: Jens Dibbern, Wikimedia, GNU)

Strassenkünstler- Performance beim Edinburgh Fringe (Bild: Jens Dibbern, Wikimedia, GNU)

3. Buchen Sie unbedingt ein B&B

Buchen Sie ausserdem so früh wie möglich, um aus einer guten Auswahl aus Bed&Breakfasts auswählen zu können. Ich versuche meist, eine privat geführte Pension ein kleines bisschen ausserhalb zu ergattern; so kann ich den exzellenten Bustransfer in Anspruch nehmen, selbst wenn es spät wird und bin doch vom lautesten Trubel verschont.

Keinesfalls dürfen Sie übrigens die „Continental Breakfast“-Version in Anspruch nehmen, die die meisten B&Bs anbieten; sie besteht meist aus Toast und Marmelade, einem Orangensaft und Ei. Ein vernünftiges English Breakfast stellt die Grundlage für den Tag – auch für Vegetarier, die einfach die Sausages weglassen.

4. Gönnen Sie sich kleine Extras zwischen den Gigs



Die unglaubliche Vielfalt des künstlerischen Angebots verführt dazu, drei bis vier Veranstaltungen am Tag besuchen zu wollen. Die Erfahrung sagt: Da machen die Sinne vor lauter Musik und Tanz, Theater, Varieté und Strassenkunst irgendwann einfach nicht mehr mit. Unterbrechen Sie Ihr kreatives Sampling mit völlig un-ästhetischen Aktivitäten! Meine persönlichen Geheimtipps sind:

  • eine (immer halsbrecherische, aber nie gefährliche) Fahrt mit einer der berühmten Rikschas;
  • eine kleine Wanderung zum Arthur’s Seat, dem einzigen sich innerhalb einer Stadtgrenze befindlichen erloschenen Vulkan;
  • ein Whiskeynachmittag, bestehend aus einem Besuch des grandios viktorianischen Pubs „Bennets“ mit seiner sorgfältigen Auswahl aus mehr als 100 Whiskeys und dem entsprechenden rustikalen Pub-Food (gerade die Pommes Frites sind exzellent) und einem anschliessenden beschwingt-inspirierten Besuch bei Cadenhead’s Whisky Shop, Schottlands ältestem unabhängigen Abfüller. Danach reicht es dann meistens nur noch für einen sehr entspannten Jazz-Abend, von denen es immer eine Auswahl in Hülle und Fülle gibt.
(Bild: Richard Webb, Wikimedia, CC)

(Bild: Richard Webb, Wikimedia, CC)

5. Ein Tag Sightseeing sollte sein



Reservieren Sie einen Tag für den Besuch der phantastischen Auswahl an sehenswerten Monumenten, Museen, Galerien, Strassenzügen, die Edinburgh zu bieten hat. Die am häufigsten besuchten stehen in jedem Reiseführer – ich mag es gerne ein wenig abseits des Bekannten und besuche immer wieder gern

  • das Scottish Storytelling Centre, welches sich in einem herausfordernd modernen Gebäude befindet, das gleichzeitig das benachbarte, aus dem 15. Jahrhundert stammende John Knox House architektonisch integriert hat
  • ein langsamer Spaziergang auf dem chinesischen Hügel des wunderschönen botanischen Gartens, der mich immer in ein fernöstliches Paradies katapultiert
Chinesischer Hügel im Botanischen Garten von Edinburgh (Bild: Ian Petticrew, Wikimedia, CC)

Chinesischer Hügel im Botanischen Garten von Edinburgh (Bild: Ian Petticrew, Wikimedia, CC)

  • es ist ein Klischéé, aber ich liebe Schottenröcke – deshalb führt mich mein letzter Tag unweigerlich zum Edinburgh Old Town Weaving Co. Neben diversen, leicht skurrilen Attraktionen wie Fotosessions in voller Kilt-Montur ist dies tatsächlich eine immer noch voll funktionstüchtige, produzierende Webmühle mit einem Ladengeschäft, dessen Auswahl nicht zu toppen ist. Früh kommen, danach wird es touristisch!

 

Oberstes Bild: Über den Dächern von Edinburgh (Bild: Rolf Handke  / pixelio.de)

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