Eine kleine Stadt mit bewegter Geschichte: Pruntrut im Kanton Jura

03.12.2014 |  Von  |  Schweiz
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Eine kleine Stadt mit bewegter Geschichte: Pruntrut im Kanton Jura
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Der Stadt Pruntrut im Kanton Jura zählt heute 6780 Einwohner und kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Unter dem Namen Purrentru wurde sie erstmals im Jahre 1136 erwähnt. Die damalige Siedlung gehörte zur Grafschaft Mömpelgard.

Nachdem sie 1271 an das Fürstbistum Basel überging, wurde sie zwölf Jahre später von den Burgundern erobert. Dann aber erzwang König Rudolf I. von Habsburg die Rückgabe an das Fürstbistum und Pruntrut wurde zugleich freie Reichsstadt. Doch nach ihrer Verpfändung an Mömpelgard im Jahre 1386, kehrte sie 1461 zum Fürstbistum zurück.

Nach der Reformation in Basel wurde Pruntrut 1527 offizieller Sitz des Fürstbischofs. Von 1575 bis 1608 erlebte die Stadt unter Jakob Christoph Blarer von Wartensee dann ihre Blütezeit, in der auch das Schloss renoviert und ausgebaut sowie 1591 das Jesuitenkollegium gegründet wurde.
Dann aber brach 1618 der Dreissigjährige Krieg aus – Pruntrut wurde belagert und fiel Plünderungen zum Opfer. Nachdem französische Truppen Pruntrut erobert hatten, war es von 1793 bis 1800 Hauptstadt der Raurakischen Republik. Als Kompensation für Waadt, das 1803 verloren worden war, kam Pruntrut dann zum Kanton Bern.


Porrentruy im 17. Jahrhundert (Bild: © Arnold Jaggi)

Porrentruy im 17. Jahrhundert (Bild: © Arnold Jaggi)


Nachfolgend galt es im Berner Jura als geistiges Zentrum, verlor aber aufgrund seiner wenig zentralen Lage mehr und mehr an Bedeutung, was sich nachteilig auf seine Wirtschaft auswirkte. Als am 1. Januar 1979 der Kanton Jura gegründet wurde, ernannte man Delsberg und nicht Pruntrut zur Kantonshauptstadt.
Die malerische Altstadt besitzt beispiellos gepflegte Bauwerke im barocken, gotischen und neoklassizistischen Stil, die von der bewegten Geschichte Pruntruts zeugen. Gerade dieser Denkmalpflege ist es zu verdanken, dass der Stadt 1988 der Wakkerpreis für sein historisches Zentrum verliehen wurde.


Eglise Saint-Germain in Pruntrut (Bild: © Roland Zumbuehl - CC BY-SA 3.0)

Eglise Saint-Germain in Pruntrut (Bild: © Roland Zumbuehl – CC BY-SA 3.0)


Der Ort wartet mit vielen Sehenswürdigkeiten auf. Hierzu zählen unter anderem die katholische Pfarrkirche Saint-Pierre aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und die katholische Kirche Saint-Germain, die im 13. Jahrhundert erbaut und Ende des 17. Jahrhunderts restauriert und erweitert wurde. Die spätgotische Jesuitenkirche entstand um 1600 und erhielt 1701 einen oktogonalen Turm.
Ein weiteres seiner zahlreichen Kulturgüter ist das imposante Schloss, das über der Stadt thront, und das von 1527 bis 1792 die Residenz der Fürstbischöfe aus Basel war. Pruntrut besitzt zudem mehrere bedeutende barocke Bürgerhäuser, die ebenfalls liebevoll restauriert wurden.

Ein weiteres Kleinod Pruntruts ist der mysteriöse Botanische Garten, der seit 1793 im Inneren des Jesuitenkollegs liegt. In diesem mächtigen Bauwerk führten die Jesuiten einst eine Schule. Bis heute wird das Gebäude zum Studieren verwendet und von Gymnasiasten besucht.
Die historischen Gebäude Pruntruts sind dank Heimat- und Denkmalschutz in bestem Zustand und verleihen so dem Ort seine ganz besondere Atmosphäre.

 

Oberstes Bild: © Roland Zumbuehl – CC BY-SA 3.0

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2 Kommentare


  1. Zuviele Winteraufnahmen – wirkt alles etwas grau. Auch in Pruntrut scheint gelegentlich die Sonne!

  2. Am kommenden Wochenende, also dem 6. u. 7. April 2019, geht eine denkenswerte Zusammenarbeit zwischen Michael Radulescu, Dirigent u. Organist, wohnhaft in Wien, und der Stadt Porrentruy zu Ende. Seine letzte sogenannte „Bach-Akademie“ wird in der Jesuitenkirche zweimal die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bauch aufführen. Ein grossartiges Werk, dirigiert von einem Mann, dessen Liebe zu Porrentruy (und umgekehrt) vor 30 Jahren begann, als ein hier wohnhafter Organist eine Freundschaft mit M.Radulescu begann. Seither hat Radulescu mehrere Male Orgelkonzerte gegeben und die sogenannte „Bach-Akademie“ durchgeführt. Während dieser Zeit wurden viele Werke von J.S. Bach einstudiert und jeweils dann über das Wochenende in der Jesuiten-Kirche als Konzert einem musikbegeisterten Publikum dargeboten.
    Die Qualität der Musiker (international) und Sänger-innen ist einzigartig und es ist ein Geschenk, in der Nähe einer solchen Stadt wohnen zu dürfen, die solchen hochkarätigen Musikern ein Podium zur Verfügung stellt! Nicht unerwähnt bleiben darf die jährliche Aufführung von „Piano à Porrentruy“, einer Veranstaltung über ein Wochenende im Frühling (im sehr schön renovierten Jugenstilsaal des ehemaligen Hotel International, heute einfach l’Inter), in Anlehnung an das vielleicht besser und schon länger bekannte „Piano à St. Ursanne“, das dieses Jahr ab 2. August im Kreuzgang der Abtei-Kirche viele Abende mit internationalen Pianisten und Orchester-Musikern die Ohren der Klassik-Liebhaber erfreuen wird. Offenbar ist es auch schon eine Tradition, dass in der Adventszeit in der Kirche St. Pièrre in Porrentruy jeweils ein Weihnachtskonzert unter der Leitung von Facundo Agudin u. a. aufgeführt wird. Der Kanton Jura klingt, und zwar auf einem sehr hohen und unbeschreiblich schönen und unvergesslichem Niveau. Merci mille fois!

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