Engadin: Mehr als ein atemberaubendes Hochtal

08.01.2014 |  Von  |  Alle Länder, Europa, Schweiz
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Engadin: Mehr als ein atemberaubendes Hochtal
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Im Osten der Schweiz liegt das zauberhafte Engadin, das als eines der höchsten bewohnten Täler in Europa gilt und eine Länge von über 80 Kilometern erreicht. Das in Ober- und Unterengadin gegliederte Hochtal wird vom Inn durchflossen und ist durch eine wildromantische Landschaft geprägt, die sowohl im Winter als auch im Sommer ein beliebtes Reiseziel darstellt.

Seinen Namen verdankt das Engadin dem Inn, der in der rätoromanischen Sprache En genannt wird und am Malojapass entspringt. Zunächst fliesst er durch das Oberengadin, dessen Hochtal ein vergleichsweise geringes Gefälle aufweist und auf einer Höhe zwischen 1600 und 1800 Metern liegt. Das ändert sich im Unterengadin dann deutlich. Das ist schon optisch sichtbar, denn das Tal wird deutlich enger und damit auch wilder. Auf den rund 40 Kilometern beträgt der Höhenunterschied 500 Meter und der Inn rauscht durch enge Schluchten talwärts. Kurz bevor der Fluss das Engadin verlässt, gurgelt der wild tosende Inn durch die Schlucht von Finstermünz, die besonders spektakulär ist.



Blick auf St. Moritz (Bild: Bonza, Wikimedia, CC)

Blick auf St. Moritz (Bild: Bonza, Wikimedia, CC)

Hier ist der Wintersport zuhause

Allein der Name St. Moritz weckt Assoziationen und sein Ruf ist wahrlich legendär. Es ist einer der mondänsten und exklusivsten Wintersportorte der Welt. Hier tummeln sich die Schönen und Reichen und am liebsten sind sie unter sich. Auch die Olympischen Ringe wehen über dem Städtchen, war es doch schon zweimal Austragungsort der Winterspiele.



Hier haben der Skeleton- und Bobsport ihre Wurzeln und St. Moritz ist einer der ganz wenigen Orte, das noch über eine Natureisbahn verfügt. Sie wird alljährlich neu aufgebaut und ist unter dem legendären Namen Olympia Bob Run bekannt. Exklusivität besitzt der Wintersportort auch mit Sportarten wie Pferdepolo, das auf dem zugefrorenen St. Moritzer See ausgetragen wird, Tobogganging oder Cricket on Ice.

Cartier Schneepolo World Cup (Bild: Frédéric de Goldschmidt, WIkimedia, CC)

Cartier Schneepolo World Cup (Bild: Frédéric de Goldschmidt, WIkimedia, CC)

Für Skifahrer ist St. Moritz ein durchaus interessantes Ziel, und direkt vom Ort kommen Sie in das Skigebiet Corviglia-Marguns-Piz Nair. Hier bieten sich tolle Möglichkeiten, um dem Hobby zu frönen, denn mit seinen 20 Bergbahnen und Liftanlagen und 25 Abfahrtspisten gehört es zu den grössten Skigebieten der Schweiz. Bei einem Bummel durch den Ort selbst werden Sie schnell feststellen, dass es sich hier um einen Tummelplatz des Jetsets handelt. Wir selbst waren nicht wirklich in der Lage, in einer der Nobelherbergen abzusteigen, von denen es in St. Moritz eine ganze Menge gibt.

Scuol – Eine Perle des Unterengadin



Nicht nur geografisch stellt Scuol den Mittelpunkt des Unterengadins dar, es ist mit knapp 2500 Einwohnern auch der Hauptort. Das sehenswerte Örtchen ist sowohl im Winter als auch im Sommer eine gute Wahl. Und gute klimatische Bedingungen erhöhen den Reiz sogar, denn das Unterengadin kann mit einem überraschend sonnigen Klima aufwarten. Es ist eines der trockensten Gebiete der Schweiz und macht es so zu einem bevorzugten Ziel, um Outdoor Aktivitäten nachzugehen.

Bei einem Spaziergang durch den von der Sonne verwöhnten Ort sticht die aus dem Jahr 1516 stammende spätgotische Kirche St. Georg ins Auge. Auch die stattlichen Engadinerhäuser, vor allem im Unterdorf, sind mehr als nur einen flüchtigen Blick wert. Auch im Oberdorf rund um das Pfarrhaus stehen wunderschöne und für das Engadin typische Häuser. Der Hausberg von Scoul ist der Motta Naluns, dessen Aussichtsplateau auf 2142 Metern liegt und eine atemberaubende Aussicht sowohl auf das Silvrettagebirge als auch auf die Rätischen Alpen ermöglicht. Das Plateau ist ein beliebter Ausgangspunkt für ausgedehnte Bergwanderungen und zudem ein bevorzugter Startplatz für Gleitschirmflieger. Das sieht schon richtig spektakulär aus, wenn sich die Gleitschirmflieger einem Vogel gleich in die Tiefe stürzen.

Reformierte Kirche am Inn in Scuol, Unterengadin (Bild: Aconcagua, Wikimedia, CC)

Reformierte Kirche am Inn in Scuol, Unterengadin (Bild: Aconcagua, Wikimedia, CC)

Naturerlebnis der besonderen Art

Im Engadin, dem südöstlichsten Teil des Kantons Graubünden, befindet sich der Schweizerische Nationalpark. Er wurde bereits im Jahr 1914 eingerichtet und ist damit der älteste Nationalpark der Schweiz. Die beeindruckende Landschaft, die dem Besucher viele Gesichter zeigt, ist durch ein gut markiertes Wegenetz erschlossen. Da die Wege nicht verlassen werden dürfen, lassen sich Wildtiere oft gut beobachten, da sich die Tiere an den Menschen gewöhnt haben.



Wenn Sie sich ruhig verhalten, bekommen Sie unter Umständen Gämsen, Steinwild, Murmeltiere und vielleicht sogar einen Bartgeier zu Gesicht, die seit den 1990er Jahren im Park vorkommen. Unser Ausflug in den Nationalpark begann im Besucherzentrum von Zernez. Hier erhalten auch Sie wertvolle Informationen über den Park und seine Besonderheiten. Naturphänomene wie der „fliessende Steinstrom“ im Val Sassa oder die am Piz dal Diavel gefundenen Saurierspuren sind nur einige Highlights, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten.

Schweizerischer Nationalpark (Bild: Hansueli Krapf, Wikimedia, CC)

Schweizerischer Nationalpark (Bild: Hansueli Krapf, Wikimedia, CC)

Weltkulturerbe im Münstertal

Bei einem Aufenthalt im Engadin empfiehlt sich eine Fahrt ins Münstertal, das hier Val Müstair genannt wird und die Verbindung vom Engadin ins italienische Vinschgau darstellt. Jenseits des Ofenpasses befindet sich in Müstair das UNESCO Weltkulturerbe Kloster St. Johann. Es ist ein einzigartiges und gut erhaltenes Bauwerk aus dem frühen Mittelalter und stammt aus der Zeit der Karolinger.

Benediktinerinnenkloster Müstair (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, CC)

Benediktinerinnenkloster Müstair (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, CC)

Gestiftet wurde das Kloster von Karl dem Grossen, dessen lebensgrosse Skulptur in der Klosterkirche zu sehen ist. Es ist ein beeindruckendes Beispiel romanischer Baukunst und wurde vermutlich im 8. Jahrhundert erbaut. Noch heute leben einige Nonnen in den Mauern von St. Johann. Sehr zu empfehlen sind Führungen durch das Museum und die Kirche, die täglich ab sechs Personen stattfinden. Wir hatten bei unserem Besuch das Glück und konnten uns bei der Ankunft direkt einer Gruppe anschliessen. Tief beeindruckt waren wir von dem sehenswerten Freskenzyklus, der im Frühmittelalter entstanden ist.



 

Oberstes Bild: Sonne im Engadin (Bild: Joujou  / pixelio.de)

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Über Winfried Meyer

Als gelernter Kartograf galt mein Interesse schon früh den Landkarten und fernen Ländern. Daraus entwickelte sich eine grosse Leidenschaft für das Reisen, die mich schon in viele Teile unserer Erde geführt hat. Inzwischen betreibe ich ein Redaktionsbüro für die Reise- und Tourismusbranche und biete meinen Kunden einen umfangreichen Service an. Neben hochwertigen Inhalten plane ich individuelle Rundreisen und übernehme Fotoaufträge.


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