Gotthard-Strassentunnel: Auf der legendären Route durch die Schweizer Alpen

Knapp 17 Kilometer liegen zwischen dem Nordportal in Göschenen und dem Südportal bei Airolo. Wer durch den Gotthard-Strassentunnel fährt, unterquert das Alpenmassiv in rund 13 Minuten. Die Verbindung erspart den Weg über den Pass und gehört zu den wichtigsten Strassenachsen zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin.

Der Tunnel ist zugleich Nadelöhr, Ingenieurbauwerk und Teil der Schweizer Verkehrsgeschichte. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1980 hat sich das Verkehrsaufkommen mehr als verdoppelt. Eine zweite Röhre soll die Sicherheit erhöhen und die Sanierung des bestehenden Tunnels ermöglichen. Bis beide Röhren regulär genutzt werden können, stehen jedoch noch mehrere Bauphasen an.

Der Gotthard-Strassentunnel in Zahlen

Der Tunnel ist Bestandteil der Autobahn A2. Er verbindet Göschenen im Kanton Uri mit Airolo im Kanton Tessin und unterquert den Gotthardpass. Mit einer Länge von 16,9 Kilometern ist er der längste Strassentunnel der Alpen.

  • Länge: 16,9 Kilometer
  • Nordportal: Göschenen UR
  • Südportal: Airolo TI
  • Eröffnung: 5. September 1980
  • Verkehrsführung: eine Fahrspur pro Richtung im Gegenverkehr
  • Verbindung: Autobahn A2 zwischen Basel, Luzern, dem Tessin und Italien
  • Verkehrsaufkommen 1981: knapp drei Millionen Fahrzeuge
  • Verkehrsaufkommen 2024: fast 7,1 Millionen Fahrzeuge

Bei normalem Verkehrsfluss dauert die Durchfahrt ungefähr 13 Minuten. Diese Zeit ergibt sich bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h. Massgebend bleibt jedoch stets die aktuelle Signalisation. Bei hohem Verkehrsaufkommen, einer Panne oder einem Unfall kann der Tunnel vorübergehend gesperrt werden.


Zeitrafferaufnahme einer Fahrt durch den Gotthard-Strassentunnel. Die Lichtspuren vermitteln den Eindruck hoher Geschwindigkeit.

Von der Passstrasse zum Tunnel

Über Jahrhunderte führte der Weg zwischen der Nord- und Südseite des Gotthards über den Pass. Im Winter war diese Verbindung lange Zeit kaum oder gar nicht nutzbar. Auch nach dem Ausbau der Passstrasse blieben Schnee, Steigungen und enge Kurven eine Herausforderung.

Mit dem wachsenden Autoverkehr entstand der Wunsch nach einer wintersicheren Strassenverbindung. Die Arbeiten am Gotthard-Strassentunnel begannen Ende der 1960er-Jahre. Der Vortrieb erfolgte von Göschenen und Airolo aus. Arbeiter sprengten und bohrten sich durch unterschiedliche Gesteinsschichten, während gleichzeitig der parallel verlaufende Sicherheitsstollen entstand.

Am 5. September 1980 wurde der Tunnel eröffnet. Mit 16,9 Kilometern war er damals der längste Strassentunnel der Welt. Die Fahrt ins Tessin wurde dadurch kürzer und ganzjährig planbar. Der Tunnel gewann rasch an Bedeutung für den Reise-, Pendler- und Güterverkehr.

Warum der Verkehr im Gegenverkehr fliesst

Der bestehende Gotthard-Strassentunnel besitzt eine Röhre mit zwei Fahrspuren. Autos und Lastwagen fahren somit ohne bauliche Trennung aneinander vorbei. Eine doppelte Sicherheitslinie trennt die beiden Richtungen. Überholen und Wenden sind verboten.

Diese Verkehrsführung verlangt besondere Aufmerksamkeit. Schon ein kurzer Blick auf das Navigationsgerät oder ein zu geringer Abstand kann schwerwiegende Folgen haben. Halten Sie sich deshalb an die angezeigte Geschwindigkeit und fahren Sie gleichmässig. Vergrössern Sie den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug, wenn die Sicht eingeschränkt ist oder der Verkehr stockt.

Schalten Sie vor der Einfahrt das Abblendlicht ein. Nehmen Sie die Sonnenbrille ab und stellen Sie das Radio auf einen Sender ein, über den Verkehrsinformationen empfangen werden können. Ampeln, Wechselanzeigen und Anweisungen des Tunnelpersonals haben Vorrang.

Die Brandkatastrophe von 2001

Am 24. Oktober 2001 kollidierten zwei Lastwagen im Gotthard-Strassentunnel frontal. Durch den anschliessenden Brand starben elf Menschen. Der Tunnel blieb für Reparatur- und Sicherheitsarbeiten bis zum 21. Dezember 2001 geschlossen.

Das Unglück führte zu weitreichenden Veränderungen. Der Schwerverkehr wird seither vor den Portalen dosiert. Zwischen Lastwagen sollen grössere Abstände entstehen, damit sich bei einem Brand weniger Fahrzeuge im unmittelbaren Gefahrenbereich befinden.

Auch bauliche und technische Einrichtungen wurden verbessert. Dazu gehören zusätzliche Fluchtmöglichkeiten, eine leistungsfähigere Lüftungssteuerung, eine bessere Beleuchtung sowie Systeme zur Überwachung und Erkennung von Ereignissen. Nach Angaben des Bundesamtes für Strassen gingen die Unfallzahlen nach den umfangreichen Verbesserungen zwischen 2001 und 2006 deutlich zurück.

Sicherheitseinrichtungen begleiten die gesamte Fahrt

Parallel zur Fahrbahn verläuft ein Service- und Infrastrukturstollen. Querverbindungen führen aus der Tunnelröhre in diesen geschützten Bereich. Bei einem Brand dienen sie als Fluchtwege. Folgen Sie im Ereignisfall den grünen Kennzeichnungen und den Anweisungen über Lautsprecher oder Radio.

Notrufstationen, Feuerlöscher, Kameras und Sensoren befinden sich über die gesamte Tunnellänge verteilt. Die Überwachung erkennt unter anderem stehende Fahrzeuge, Rauch und ungewöhnliche Verkehrssituationen. Die Lüftungsanlage kann Rauch gezielt ableiten und dadurch Flucht- und Rettungswege unterstützen.

Die technische Ausstattung ersetzt jedoch kein angepasstes Fahrverhalten. Vermeiden Sie Ablenkung, halten Sie Abstand und beachten Sie sämtliche Signale. Ein verbotenes Überholmanöver ist im Gegenverkehr besonders gefährlich.

Das Auto vor der Durchfahrt kontrollieren

Eine Panne im Tunnel kann eine Sperrung in beiden Richtungen auslösen. Kontrollieren Sie das Fahrzeug deshalb vor einer längeren Reise. Achten Sie insbesondere auf Reifendruck, Kühlmittel, Ölstand und Warnanzeigen. Bei auffälligen Motorgeräuschen oder steigender Temperatur sollten Sie nicht mehr in den Tunnel einfahren.

Füllen Sie rechtzeitig Treibstoff nach oder laden Sie das Elektroauto ausreichend. Schalten Sie die Klimaanlage während langer Wartezeiten sparsam ein. Eine Flasche Wasser gehört vor allem im Sommer ins Fahrzeug. Medikamente, Warnwesten und wichtige Dokumente sollten griffbereit liegen.


Der Gotthard-Strassentunnel verbindet Göschenen im Kanton Uri mit Airolo im Tessin. Die Autobahn A2 bildet eine der wichtigsten Nord-Süd-Achsen der Schweiz.

Richtig handeln bei einer Panne

Schalten Sie bei einer Panne sofort die Warnblinkanlage ein. Versuchen Sie, eine Nothaltebucht zu erreichen. Ist dies nicht möglich, stellen Sie das Fahrzeug so weit rechts wie möglich ab. Schalten Sie den Motor aus.

Alle Insassen sollten das Auto auf der verkehrsabgewandten Seite verlassen und Warnwesten tragen. Begeben Sie sich in eine SOS-Nische oder hinter die Tür eines gekennzeichneten Notausgangs. Nutzen Sie nach Möglichkeit das Telefon der Notrufstation. Dadurch erhält die Einsatzzentrale automatisch Angaben zum Standort und zur Fahrtrichtung.

Bleiben Sie nicht im Fahrzeug und betreten Sie die Fahrbahn nur, wenn es unvermeidbar ist. Versuchen Sie keinesfalls zu wenden oder rückwärtszufahren.

Was bei Rauch oder Feuer zu tun ist

Brennt das eigene Fahrzeug und lässt es sich noch sicher bewegen, versuchen Sie, aus dem Tunnel herauszufahren. Gelingt dies nicht, halten Sie möglichst weit rechts, stellen Sie den Motor ab und lassen Sie den Schlüssel stecken oder gut sichtbar in der Mittelkonsole liegen. So können Rettungskräfte das Fahrzeug bei Bedarf bewegen.

Bei einem Brand in einem anderen Fahrzeug halten Sie grossen Abstand. Stoppen Sie, sobald eine Weiterfahrt nicht mehr sicher möglich ist. Schalten Sie den Motor aus und verlassen Sie das Fahrzeug. Nehmen Sie nur Gegenstände mit, die unmittelbar griffbereit sind.

Gehen Sie zügig zum nächsten gekennzeichneten Fluchtweg. Rauch kann sich schneller ausbreiten, als die Situation zunächst vermuten lässt. Versuchen Sie nur dann, einen Entstehungsbrand mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen, wenn Sie sich dadurch nicht selbst gefährden.

Warum sich der Verkehr vor den Portalen staut

Die Kapazität des Tunnels ist begrenzt. Vor beiden Portalen regeln Ampeln, wie viele Fahrzeuge gleichzeitig einfahren dürfen. Diese Dosierung verhindert, dass sich der Verkehr innerhalb des Tunnels staut. Eine Warteschlange vor dem Portal ist deshalb teilweise eine Sicherheitsmassnahme.

Besonders hoch ist das Verkehrsaufkommen an Ostern, Pfingsten, Auffahrt und während der Sommerferien. In Richtung Süden bildet sich der Rückstau häufig zwischen Erstfeld und Göschenen. Beim Rückreiseverkehr staut sich die A2 auf der Tessiner Seite vor Airolo.

Prüfen Sie die Verkehrslage vor der Abfahrt. Wer seine Reisezeit verschieben kann, sollte stark belastete Wochenenden und die üblichen Spitzenzeiten meiden. Der Belmedia-Beitrag über den Sommerstau am Gotthard erklärt die häufigsten Ursachen und nennt Hinweise für die Reiseplanung.


An stark belasteten Reisetagen entstehen vor den Tunnelportalen lange Warteschlangen.

Im Stau richtig reagieren

Bilden Sie bereits bei stockendem Verkehr eine Rettungsgasse. Halten Sie Einfahrten, Ausfahrten und Zufahrten für Einsatzfahrzeuge frei. Schalten Sie bei einem längeren Stillstand den Motor aus. Bleiben Sie im Fahrzeug, solange Polizei oder Rettungskräfte keine anderen Anweisungen geben.

Wenden Sie nicht und fahren Sie nicht über gesperrte Flächen. Das Umfahren der Kolonne über Rastplätze oder Zufahrten belastet umliegende Gemeinden und kann den Verkehr zusätzlich behindern.

Planen Sie bei einer Reise mit Kindern genügend Wasser, Verpflegung und Pausen ein. Informieren Sie sich kurz vor der Abfahrt erneut. Die Lage kann sich durch eine Panne oder eine vorübergehende Tunnelsperrung innerhalb weniger Minuten verändern.

Gotthardpass und San Bernardino als Alternativen

Bei einer Sperrung wird der Verkehr häufig über die A13 und den San-Bernardino-Tunnel umgeleitet. Diese Route kann je nach Ausgangspunkt einen erheblichen Umweg bedeuten. Bei grossräumigen Verkehrsproblemen entstehen auch dort Staus.

Im Sommer kommt der Gotthardpass als Alternative infrage. Die Passstrasse ist jedoch saisonal geöffnet und kann wegen Schnee, Steinschlag oder Bauarbeiten gesperrt sein. Prüfen Sie deshalb vor der Abfahrt den aktuellen Zustand. Die historische Tremolastrasse eignet sich aufgrund ihres Kopfsteinpflasters und ihrer engen Kehren nicht für jede Reise.

Wer die Passfahrt bewusst als Ausflug plant, findet im Belmedia-Beitrag «Fünf Pässe über die Schweizer Alpen an einem Tag» weitere Informationen zum Gotthardpass und zu benachbarten Alpenübergängen.

Weshalb eine zweite Röhre gebaut wird

Nach mehr als vier Jahrzehnten Betrieb muss der bestehende Tunnel umfassend saniert werden. Die Arbeiten betreffen unter anderem die Zwischendecke, die Tunnelwände sowie Betriebs- und Sicherheitseinrichtungen. Eine vollständige Sperrung der alten Röhre ist dafür unvermeidbar.

Das Schweizer Stimmvolk stimmte 2016 dem Bau einer zweiten Röhre zu. Die neue Verbindung soll zunächst den Verkehr übernehmen, während der bestehende Tunnel von 2030 bis 2033 saniert wird. Anschliessend steht für jede Richtung eine eigene Röhre zur Verfügung.

Die zweite Röhre erhöht die Kapazität nicht. Auch nach Abschluss aller Arbeiten bleibt pro Richtung lediglich eine Fahrspur geöffnet. Die jeweils zweite Spur dient als Pannenstreifen. Damit bleiben die Vorgaben zum Schutz des Alpengebiets erhalten.

So entsteht die zweite Gotthardröhre

Die vorbereitenden Bauarbeiten begannen 2021. Seit Februar 2025 arbeiten sich zwei Tunnelbohrmaschinen von Göschenen und Airolo in Richtung Tunnelmitte vor. Die Maschinen tragen die Namen «Alessandra» und «Paulina». Sie besitzen einen Durchmesser von rund 12,3 Metern und wiegen jeweils etwa 2’000 Tonnen.

Die neue Röhre wird rund 16,9 Kilometer lang. Sie erhält Querverbindungen zum bestehenden Service- und Infrastrukturstollen. Diese Übergänge liegen im Abstand von jeweils 250 Metern und können später als Flucht- und Rettungswege genutzt werden.

Ein Teil des ausgebrochenen Gesteins wird für die Betonproduktion wiederverwendet. Weiteres Material gelangt per Bahn nach Flüelen. Dort dient es zur Schaffung von Flachwasserzonen im Urnersee. Auf der Südseite entstehen durch die Umgestaltung bei Airolo zusätzliche Grünflächen.

Eine Ausstellung in Airolo informiert über die Arbeiten, die Tunnelbohrmaschinen und die Materiallogistik. Weitere Einzelheiten finden Sie im Belmedia-Artikel über das Bauprojekt der zweiten Gotthardröhre.


Ein Hinweisschild bei Göschenen informiert über den Bau der zweiten Röhre des Gotthard-Strassentunnels. Die Ausfahrt führt zum Baustellenbereich.

Aktueller Stand der Bauarbeiten im Jahr 2026

Auf der Nordseite hatte die Tunnelbohrmaschine «Alessandra» bis Mai 2026 ungefähr 4’000 Meter zurückgelegt. Das entsprach rund der Hälfte des vorgesehenen Vortriebs von Norden. Gleichzeitig liefen Arbeiten an Werkleitungskanälen, Querverbindungen und ersten Abschnitten des Innenausbaus.

Auf der Südseite musste «Paulina» nach einem Gesteinsniederbruch im Juni 2025 vorübergehend stoppen. Rund 2’000 Kubikmeter Gestein waren eingebrochen. Der betroffene Abschnitt wurde gesichert und teilweise konventionell ausgebrochen. Am 18. Mai 2026 nahm die Maschine den Vortrieb wieder auf.

Die Eröffnung der neuen Röhre ist weiterhin für 2030 vorgesehen. Danach beginnt die vollständige Sanierung des bestehenden Tunnels. Ab 2033 sollen beide Röhren richtungsgetrennt zur Verfügung stehen.

Mehr Sicherheit ohne zusätzliche Fahrspuren

Mit zwei getrennten Röhren entfällt der Gegenverkehr. Das Risiko von Frontal- und Streifkollisionen sinkt dadurch deutlich. Ein durchgehender Pannenstreifen schafft zusätzlichen Raum für defekte Fahrzeuge und Rettungskräfte.

Die zweite Röhre löst jedoch das Stauproblem an stark belasteten Reisetagen nicht automatisch. Da weiterhin nur eine Fahrspur pro Richtung genutzt wird, bleibt die Durchfahrtskapazität begrenzt. Reisende werden deshalb auch künftig ihre Abfahrtszeit sorgfältig planen müssen.

Der Gotthard-Strassentunnel bleibt damit, was er seit 1980 ist: eine zentrale Verbindung durch die Alpen und zugleich ein Abschnitt, der Aufmerksamkeit verlangt. Ein technisch kontrolliertes Fahrzeug, genügend Abstand und das Befolgen der Signalisation tragen dazu bei, dass Sie sicher auf der anderen Seite des Berges ankommen.

 

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