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Kreolische Tänze rund um den Rio de la Plata erleben

08.11.2014 |  Von  |  Alle Länder, Südamerika
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Kreolische Tänze rund um den Rio de la Plata erleben
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Rio de la Plata – das klingt nach Karl May, Gaucho und köstlichem Rindfleisch. Und der Tango steht wie kein zweiter Tanz für den Rhythmus in Argentinien und Uruguay. Dabei war er keineswegs der erste Tanz, den die Bevölkerung begeistert tanzte. Seltsamerweise hat der Tango wenig oder genau genommen gar nichts mit den Gauchos und der Landbevölkerung zu tun. Vielmehr entstand er Ende des 19. Jahrhunderts in einigen obskuren Stadtvierteln von Buenos Aires.

Es war eher die Bohème aus der Mittel- und Unterschicht, die dem Tango zum Leben verhalf und der seit September 2009 zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit der UNESCO gehört. Sicher ist, dass er weniger mit Argentinien, denn vielmehr mit den schwarzen Einwanderern und Sklaven zu tun hat.

Es wird davon erzählt, dass die Sklaven gewöhnlich Schlaginstrumente nutzten, um den Takt rhythmisch vorzugeben. Doch genau das ist beim Tango wiederum nicht der Fall. Aber bei der verwandten Candombe sehr wohl. Noch heute trommeln sich zur Karnevalszeit die verschiedenen ethnischen Gruppen in den alten Stadtvierteln Barrio Sur in Montevideo während der farbenprächtigen Llamada-Umzüge Nachrichten zu, die sonst keiner versteht. Wenn ab dem 11.11 in Deutschland die Karnevalszeit beginnt, starten die Trommelumzüge mehrfach in der Woche durch die Stadtteile der verschiedenen Städte im ganzen Land, um sich für das grosse Finale in der Faschingswoche heiss zu machen.





Malambo – die Sklaven aus Afrika brachten den Tanz mit in die Region am Rio de la Plata. (Bild: T photography / Shutterstock.com)

Malambo – die Sklaven aus Afrika brachten den Tanz mit in die Region am Rio de la Plata. (Bild: T photography / Shutterstock.com)

Tänze der Kreolen um den Rio de la Plata

Mit den Gauchos haben die Wurzeln des Tangos nicht viel zutun. Sie tanzten den Fandango, der von portugiesischen und spanischen Einwanderern nach Argentinien kam und seine Ursprünge in der afrikanischen Chica hat. Es wird davon ausgegangen, dass bereits im Jahre 1705 die erste Fandango-Welle über den Ozean herüber schwappte, der eine Fandanguillo-Mode folgte. Von den Pulperías auf dem Land breitete sich die Welle dann in die Stadt aus. Eine Pulperia bekommen sie heute nur noch selten zu sehen. Dabei handelt es sich um eine einfache Kneipe mit einem „Supermarkt“ für die Gauchos.



Der Verkauf der Waren in den Tanz- und Schankraum wurde allerdings aus Sicherheitsgründen für den Wirt immer aus einem vergitterten Fenster betrieben. Gauchos sind bekanntermassen nicht gerade als phlegmatische Zeitgenossen bekannt. In vielen kocht das Temperament ihres italienischen Blutes immer wieder über. Zocken, heissblütige Chinas – so der Name der jungen Chicas auf dem Land – und der Alkohol haben schon so manches Blutbad angerichtet.



Mit dem Rassismus kann ein Gaucho kaum etwas anfangen. Kein Wunder, sind doch alle Gauchos Kreolen und diese niemals reinrassig. Der Einzug in die Stadt ist dem Fandango allerdings schlecht bekommen. Er wurde bald als obszön und sittenwidrig von der scheinheiligen katholischen Kirche verschrieen. So kam das schnelle Aus für den beliebten Tanz, da bereits im Jahre 1743 der regierende Erzbischof in Buenos Aires den Fandango unter Androhung der Exkommunikation verbot.





Fandango – Gemälde von Charles Christian Nahl, 1873 (Bild: Amadscientist, Wikimedia, CC)

Fandango – Gemälde von Charles Christian Nahl, 1873 (Bild: Amadscientist, Wikimedia, CC)

Der Malambo

Die Sklaven aus Afrika brachten den Malambo mit in die Region am Rio de la Plata. Man sagt, dass sie den Malambo vor allem in den kalten Wintermonaten tanzten. Das hatte scheinbar seinen Grund, denn die Afrikaner waren die eisigen Temperaturen in Argentinien nicht gewöhnt und wärmten sich angeblich beim Tanzen des Malango die Füsse. Sie tanzten den Malambo mit oder ohne Partner, Hauptsache der Körper wurde wieder warm. Der Malambo gilt im Übrigen als urtypischer Tanz der Gauchos. Sie tanzen ihn zu festlichen Anlässen wie auch in den Camps rund um die Lagerfeuer auf dem Weg in die Schlacht.

In früheren Zeiten griffen die Obrigkeiten gerne auf die Hilfe der Gauchos zurück, wenn es darum ging, Schlachten zu schlagen. Kein berittener Soldat konnte ihnen hinsichtlich Gewandtheit auf dem Pferde und den Umgang mit den Boleadoras (mit schweren Kugeln bestückte Fangseile, die mitunter tödlich sind) das Wasser reichen. Abwechselnd wurde um das Feuer getanzt, niemals tanzten alle zusammen. Jeder wartete geduldig, bis er an der Reihe war. Teilweise dauerten die wilden Tänze eine ganze Nacht, bei denen einige der Gauchos nicht selten durch den starken Alkoholkonsum in Trance fielen. Die Zuschauer feuerten die wild gewordenen Tänzer lauthals an. Und es war durchaus üblich, Wetten auf den besten Tänzer abzuschliessen.

El Gato



Der El Gato hingegen, der ebenfalls bevorzugt von der Landbevölkerung getanzt wurde, hat mit afrikanischen Einflüssen so gut wie gar nichts gemein. Eher elegant, beschwingt und leicht werden die Schritte von den Paaren ausgeführt. Ein hämmerndes Trommeln gibt nicht – wie bei vielen anderen Tänzen üblich – den Rhythmus an. Anfangs tanzte immer nur ein Paar im Zentrum der Tanzfläche, die meist mitten im Hof einer Ranch lag. Danach gesellten sich die anderen hinzu.

Warum der Tanz „El Gato“ heisst? Gato (spanisch) bedeutet Kater. Und genau wie der Kater um seine angebetete Katze wirbt, so sollen die Tanzbewegungen das Werben der Männer um die Frauen ausdrücken.

 

Oberstes Bild: Tänze der Kreolen um den Rio de la Plata (© T photography / Shutterstock.com)

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